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Einführung in Pulse DG16 Composer
Wenn du Pulse DG16 Composer zum ersten Mal öffnest: einmal tief durchatmen. Ein kurzer Moment „Overload“ ist völlig normal. Die Oberfläche wirkt wie ein Cockpit – Menüs, Docking-Fenster, Paletten und Tabs konkurrieren um Aufmerksamkeit. Genau dieses „zu viel auf einmal“ löst bei Einsteiger:innen oft die Sorge aus: „Wenn ich jetzt das Falsche anklicke, ruiniere ich irgendwas.“
Aus der Praxis: Du musst am ersten Tag nicht jeden Button kennen. Entscheidend sind die Funktionen, die die Brücke schlagen zwischen digitaler Ansicht und realer Stickerei.
In diesem Walkthrough reduzieren wir das Rauschen. Du lernst, wie du DG16 startest, dich im Workspace sicher orientierst und drei Funktionen beherrschst, die in der täglichen Arbeit den Unterschied machen: Styles (materialbezogene Ausgangsrezepte), Calibrate Screen (das „Wahrheits“-Tool für Maßhaltigkeit) und Keyboard Shortcuts (Tempo).
Egal ob Hobby oder Vorbereitung von Dateien für eine professionelle tajima Stickmaschine: Diese Basics sind deine Versicherung gegen den teuersten Fehler in der Stickerei – ein Design, das am 4K-Monitor perfekt aussieht, aber auf dem Shirt wie eine steife „Schutzplatte“ wirkt.

Start Page und Workspace sicher navigieren
Nach dem Start von DG16 Composer ist die Start Page dein „Basislager“. Du findest dort schnellen Zugriff auf New File und Open File sowie einen Tipp-/Hinweisbereich von Pulse. Unterschätze die Recent Files nicht: In einer Werkstatt- oder Produktionsumgebung ist das oft der schnellste Weg zurück zum Job von gestern.

Das Cockpit-Layout: Was jetzt wirklich zählt
DG16 ist nach Workflow-Logik aufgebaut. Wenn du diese drei Zonen verstehst, arbeitest du ruhiger und ermüdungsfreier:
- Mitte (Arbeitsfläche/Canvas): Das Raster ist dein Arbeitsbereich – hier entsteht das Design.
- Rechts (Properties/Eigenschaften): Hier passiert die „Mathematik“. Sobald du ein Objekt markierst, siehst du die relevanten Parameter (z. B. Dichten, Unterlagen/Underlay, Kompensationen).
- Docking-Tabs/Panels: z. B. Sequence View, Elements View, Stitch List, Thread Chart. Denk an einen Werkzeugkoffer: sinnvoll andocken, nicht im Weg haben.

File- und View-Menü: Das Rückgrat der Navigation
Jeff betont im Video bewusst die oberen Menüs, weil sie deine Arbeitsumgebung steuern:
- File Menu: Die Schnittstelle „nach außen“. Hier regelst du u. a. Druck/Run Sheets, Maschinen-/Verbindungsoptionen und Export (wichtig, wenn aus der Arbeitsdatei ein maschinenlesbares Format werden soll).

- View Menu: Dein Zentrum für die Workspace-Ansicht. Wenn du ein Fenster „verloren“ hast oder etwas versehentlich ausgeblendet wurde, ist das der Ort, an dem du Ordnung schaffst.

Arbeiten mit mehreren Tabs
DG16 unterstützt mehrere Design-Tabs (z. B. „Design1“ neben „Design2“). Das ist praktisch, wenn du Varianten vergleichen willst: eine Version mit geänderter Dichte/Kompensation, eine als Referenz.

Praxis-Checkpoint (die visuelle Falle): Wenn zwei Tabs offen sind, verleitet dich dein Gehirn dazu, die Bildschirmgröße als „echte“ Größe zu interpretieren. Das ist sie nicht. Bevor du kalibrierst (siehe unten), ist das Raster nur ein relativer Anhaltspunkt – kein Lineal. Unkalibrierte Skalierung kann zu echten Platzierungsfehlern am Kleidungsstück führen.
Wichtige Tools: Bildschirmkalibrierung & Dongle-Updates
Hier liegt für viele der größte Aha-Moment: Software lebt in Pixeln – Stickerei in Millimetern. Wenn Monitor-Skalierung (DPI/Scaling) und DG16 nicht zusammenpassen, arbeitest du „blind“.
Calibrate Screen (das „Wahrheits“-Tool)
Jeffs Vorgehen ist in der Praxis nicht verhandelbar. Mach das, bevor du ernsthaft digitalisierst:
- Gehe zu Tools > Calibrate Screen.
- Es öffnet sich ein Dialog mit einem Referenzbild (im Video eine gelbe Blume) und Eingabefeldern.
- Wichtig: Nimm ein physisches Lineal und halte es direkt an den Monitor.
- Miss die angezeigte Referenz (Breite/Höhe) exakt.
- Trage die gemessenen Werte in die Felder ein.
- Bestätige mit OK.

„Sweet-Spot“-Check nach der Kalibrierung
- Visuell: Rasterquadrate wirken wirklich quadratisch – nicht gestaucht oder gezogen.
- Praktisch: Du hörst auf zu raten. Wenn du am Bildschirm 5 mm Abstand siehst, sind es auch 5 mm.
- Produktion: Wenn es in der Software sauber in die Rahmen-/Hoop-Vorlage passt, passt es auch in den Stickrahmen für tajima an der Maschine.
Warnung: Mechanische Sicherheit. Simulation am PC ist sicher – Maschinenlauf nicht. Beim Probesticken Hände, Schmuck und weite Ärmel von Nadelstange/Stickbereich fernhalten. Ein Nadelaufprall auf einen Rahmen kann bei hoher Geschwindigkeit zum Nadelbruch führen. Bei Testläufen ist Augenschutz sinnvoll.
Troubleshooting: „Gestauchtes“ oder verzerrtes Raster
Wenn Kreise wie Ovale aussehen:
- Symptom: Elemente wirken horizontal oder vertikal verzerrt.
- Ursache: Monitor/Windows-Skalierung und DG16 sind nicht synchron.
Update Security Device (Dongle-Pflege)
DG16 ist professionell lizenziert und nutzt einen Security-Dongle. Updates laufen nicht „automatisch“, sondern müssen gezielt eingespielt werden.
- Pfad: Tools > Update Security Device.
- Aktion: Update-Datei (im Video als proprietäre Datei erwähnt, z. B. .v2c vom Händler) auswählen und laden.

Praxis-Hinweis: Plane Dongle-Updates nicht „kurz vor Feierabend“ oder direkt vor einem Abgabetermin. Wenn es hakt, kann Support nicht erreichbar sein – und du stehst im Worst Case ohne funktionierende Lizenz da.
Restore Default Workspace (der „Panik-Button“)
Wenn Panels verschwinden oder das Layout „kaputt“ wirkt:
- Pfad: Tools > Restore Default Workspace.
- Ergebnis: Setzt das Layout auf Werkseinstellung zurück. Danach Software neu starten, damit es sauber greift.
Materialien und Schriften verwalten – mit Styles arbeiten
Der Manage-Tab ist einer der Bereiche, in denen DG16 seine Stärken ausspielt. Hier findest du u. a. Styles – ich nenne sie gern „Material-Rezepte“. Stickerei ist immer ein Zusammenspiel aus Faden, Materialverhalten und Stabilisierung. Ein „Standard“ passt selten wirklich überall.
Appliqué Fabrics und Fonts
- Appliqué Fabrics: Zeigt Material-/Textur-Renderings zur Orientierung.
- Font Selection: Listet verfügbare Stickschriften samt Zeichen-Vorschau.


Styles: Push/Pull und Materialverhalten als Ausgangspunkt
Bei einem Baby Blanket (Babydecke) können Schlingen/Flor und Dehnung Stiche „schlucken“ und Formen verziehen. Mit Standardwerten werden Kreise schnell oval, und kleine Schrift kann optisch „untergehen“.
Im Video lädt die Auswahl Baby Blanket automatisch angepasste Parameter, u. a.:
- Absolute Pull Comp: 0.3 mm (im Video gezeigt). Das gibt Satins/Spalten mehr „Gegenmaß“, damit sie nach dem Einziehen nicht zu schmal werden.
- Density: 0.4 (im Video gezeigt) als Ausgangsdichte.
- Cross Stitch: 0.3 mm (im Video gezeigt).

Entscheidungslogik: Den passenden Style als Startpunkt wählen
Nicht raten – strukturiert vorgehen:
- Ist dein Artikel/Material im Style-Menü direkt vorhanden?
- Ja: Wähle ihn – das ist der sicherste Baseline-Start.
- Nein: Weiter mit Schritt 2.
- Materialverhalten grob einordnen:
- Voluminös/hochflorig: braucht meist mehr Kompensation und eine stabile Grundlage (Underlay).
- Dehnbar: braucht meist mehr Kompensation und saubere Stabilisierung.
- Stabil: kommt oft mit moderater Kompensation gut zurecht.
- Den „nächsten Verwandten“ wählen:
- Nimm den Style, der dem Material am ähnlichsten ist – als Startpunkt, nicht als Endwert.
Praxis-Checkpoint: Ein Style ist Startlinie, kein Ziel. Entscheidend ist, wie die Datei später an der tajima Stickmaschine läuft. Wenn du bei Satins seitlich Unterfaden siehst, ist das ein Hinweis, dass Kompensation/Spannung/Parameter nicht passen – dann musst du nachjustieren.
Workflow beschleunigen: Tastenkürzel (Keyboard Shortcuts)
Tempo kommt aus Rhythmus. Wenn du ständig Menüs suchst, reißt du dich aus dem Flow. Tastenkürzel sind einer der schnellsten Hebel, um im Alltag spürbar schneller zu werden.
Jeff zeigt im Video den Ablauf:
- Tools > Customize.
- Tab Keyboard.
- Befehl suchen (z. B. „Move to Bottom“ für Ebenen-/Reihenfolge).
- In das Feld für das neue Shortcut klicken und die gewünschte Tastenkombi drücken (z. B.
Shift + D). - Assign.

Ergonomie in der Praxis
In produktionsnaher Arbeit ist monotone Mausarbeit ein echter Belastungsfaktor. Lege häufige Befehle auf die Nicht-Maus-Hand, damit du weniger greifst und schneller bleibst.
Fadenpaletten und Nadelkonfiguration
DG16 kann digitale Fadenkarten/Paletten verwalten (im Video z. B. Madeira und Poly Neon). Das hilft, wenn du Run Sheets druckst oder Farben konsistent halten willst.

Die Nadelpalette: Produktionslogik statt „nur Farbe“
Im Beispiel zeigt Jeff eine Zuordnung für 18 Nadeln – das ist nicht nur ein Farbwähler, sondern eine Abbildung eines Mehrnadelkopfs.

Warum viele Nadeln im Workflow zählen
Bei Ein-Nadel-Maschinen bedeutet jede Farbe: stoppen, umfädeln, neu starten. In der Produktion ist das ein massiver Zeitfresser. Begriffe wie tajima Stickmaschine stehen typischerweise für Mehrnadelstickmaschinen, bei denen Farbwechsel automatisiert ablaufen.
- Effizienz: Farbfolge einmal sauber definieren, dann läuft der Job stabil.
- Fehlervermeidung: Wenn die Datei eine bestimmte Nadel-/Farbzuordnung erwartet, reduziert eine saubere Palette Bedienfehler.
Einschätzung: Wann lohnt sich ein Tool-Upgrade?
Digitalisieren ist nur die halbe Miete – das Einspannen/Hooping ist oft der Engpass.
- Auslöser: Datei ist sauber, aber in der Serie gibt es Probleme: Rahmenspuren, Beschwerden über Kraftaufwand beim Spannen usw.
- Faustregel: Wenn Einspannen länger dauert als das Sticken selbst, ist das Setup ein Bottleneck.
- Lösungs-Hierarchie:
- Level 1 (Technik): Passendes Stickvlies/Stabilisierung optimieren.
- Level 2 (Tooling): Wechsel auf Magnetrahmen für Stickmaschine – schnelleres Einspannen ohne Schraubdruck.
- Level 3 (Prozess): Bei Volumen: Einspannstation für Maschinenstickerei für reproduzierbare Platzierung.
Warnung: Magnet-Sicherheit. Leistungsstarke Magnetrahmen für tajima Stickmaschinen enthalten starke Neodym-Magnete. Es besteht erhebliche Quetschgefahr. Abstand zu Herzschrittmachern/ICDs sowie zu magnetempfindlichen Medien (z. B. Kreditkarten, Datenträger) einhalten.
Prep
Bevor du die Software öffnest, richte deine Umgebung ein. Unordnung am Tisch führt oft zu Unordnung im Workflow.
Versteckte Verbrauchs-/Hilfsmittel (die „hab ich vergessen“-Liste)
- Physisches Lineal: Pflicht für die Bildschirmkalibrierung.
- Stoff-/Vliesreste: Für Probestick – nicht auf dem teuren Endteil testen.
Wenn du magnetic embroidery hoop-Systeme nutzt, prüfe das tatsächliche nutzbare Stickfeld (Innenmaß/Sicherheitsbereich) und arbeite in DG16 mit realistischen Rahmenmaßen, um Kollisionen zu vermeiden.
Prep-Checkliste
- DG16 Composer startet ohne Lizenzfehler.
- Lineal liegt bereit (Kalibrierung).
- Materialtyp ist identifiziert.
- Monitor ist sauber (Raster gut sichtbar).
- Testmaterial liegt bereit.
Setup
In dieser Phase stellst du sicher, dass sich die Software reproduzierbar verhält.
1. Workspace-Layout prüfen
Stelle sicher, dass das Properties-Panel sichtbar und sinnvoll angedockt ist. Ohne schnellen Zugriff auf Parameter arbeitest du unnötig langsam.
2. Bildschirm kalibrieren
Führe den Lineal-Test durch. Auch wenn du früher kalibriert hast: Änderungen an Anzeige/Scaling können das wieder verschieben.
3. Nadel- & Faden-Map
Gleiche die Palette mit deiner Maschine ab: Wenn Nadel #1 physisch Weiß ist, sollte Nadel #1 in DG16 ebenfalls Weiß sein.
Setup-Checkliste
- Panels sind angedockt und übersichtlich.
- Bildschirmkalibrierung mit Lineal bestätigt.
- Passender Style als Startpunkt gewählt.
- Maschinenformat korrekt eingestellt (z. B. .dst für tajima Stickmaschine).
- Fadenpalette passt zur realen Garnlinie.
Operation
Das ist ein wiederholbarer Ablauf für jeden neuen Job – als Routine gedacht.
- Start & Laden: DG16 öffnen, über Start Page Datei anlegen/öffnen.
- Ressourcen-Check: Im Manage-Tab prüfen: richtige Schrift/Assets vorhanden?
- Material-Check: Passenden Style setzen.
- Maßhaltigkeit: Kalibrierung verifizieren.
- Tempo: Tastenkürzel aktiv nutzen.
- Output: Export in das benötigte Maschinenformat.
Operation-Checkliste
- Richtiger Style ist aktiv.
- Design liegt innerhalb des sicheren Stickfelds des Rahmens.
- Design ist sauber ausgerichtet.
- Farbfolge ist logisch (unnötige Wechsel vermeiden).
- Exportformat stimmt.
Quality Checks
In der professionellen Stickerei bedeutet „Qualität“ vor allem: Vorhersagbarkeit.
- Parameter-Review: Stimmen Dichte/Kompensation zum Material (und zum gewählten Style)?
- Underlay-Logik: Sind Unterlagen dort gesetzt, wo Stabilität gebraucht wird?
- Produktionsübergabe: Sind Infos für die Maschine/Bedienung klar (z. B. Stabilisierung, Besonderheiten)?
Produktionsrealität: Jeder Fadenriss und jeder unnötige Stopp kostet Zeit. Fünf Minuten Kontrolle hier sparen schnell deutlich mehr Zeit an der Maschine.
Troubleshooting
Wenn etwas schief läuft: strukturiert diagnostizieren statt raten.
| Symptom | Likely Cause | Quick Fix | Prevention |
|---|---|---|---|
| Grid looks distorted | Monitor Scaling | Run Tools > Calibrate Screen. | Check calibration weekly. |
| Panels missing | UI Accident | Tools > Restore Default Workspace. | Lock toolbars if possible. |
| Gaps in sewing | Pull Comp too low | Increase Pull Comp in "Properties" (add +0.1mm). | Use the correct "Style" next time. |
| Hoop Marks (Burn) | Physical Hooping | Technique or Tooling issue. | Upgrade to Einspannstation or Magnetic Hoops. |
| Dongle Error | Outdated License | Tools > Update Security Device. | Schedule updates during downtime. |
Der Einspann-Faktor: Wenn Style/Dichte/Kompensation sauber sind, aber das Ergebnis trotzdem verzieht oder puckert, liegt die Ursache oft im physischen Einspannen. Bei schwierigen Teilen kann ein Wechsel auf Magnetrahmen für tajima Stickmaschinen helfen, weil das Material gleichmäßiger gehalten wird als bei klassischen Schraubrahmen.
Results
Wenn du diese DG16-Grundlagen beherrschst, wechselst du von „Raten“ zu „kontrolliert arbeiten“.
Du solltest jetzt in der Lage sein:
- Die Oberfläche sicher zu navigieren.
- Den Bildschirm zu kalibrieren und Größen zu vertrauen.
- Styles als materialgerechten Startpunkt zu nutzen.
- Nadeln/Farben für die Produktion logisch zu konfigurieren.
Nächster Schritt: Erstelle eine einfache Testdatei (z. B. Kreis + Buchstabe). Kalibriere den Bildschirm. Wähle einen passenden Style. Sticke einen Test.
Wenn das Ergebnis sauber ist, ist dein Setup korrekt. Wenn es sich langsam anfühlt, liegt der Hebel oft im physischen Workflow: Kombiniere sauberes Digitalisieren mit effizienter Platzierung – z. B. über eine hoop master Einspannstation – und du baust einen Prozess, der reproduzierbar, skalierbar und sicher ist.



