Inhaltsverzeichnis
Einführung in die Pfaff-Scan-Funktion
Wenn du eine Pfaff Creative Icon 2 besitzt, kann die integrierte Kamera-Scan-Funktion aus „passt schon irgendwie“ eine reproduzierbare, am Bildschirm verifizierte Passgenauigkeit machen – besonders dann, wenn mehrere Motive in einem einzigen Einspannen platziert werden sollen.
In der Maschinenstickerei verlassen wir uns bei der Platzierung oft auf Schablonen, Augenmaß und ein bisschen Glück. Der Hoop Scan nimmt dir dieses Rätselraten ab: Die Maschine fotografiert, was sich tatsächlich im Stickrahmen befindet. In diesem Workflow scannst du den eingespannten Stoff, nutzt das Foto als Hintergrund in der Bearbeitung und ziehst dann ein Motiv an die gewünschte Position, duplizierst es auf insgesamt sechs Positionen und behältst dabei die Kontrolle über die Stickreihenfolge.
Das Vorgehen wird im Video an Rock-Panels gezeigt, lässt sich aber genauso gut übertragen – z. B. für exakte Platzierung nahe einer Tasche, rund um einen Ausschnitt oder auf einem ganz bestimmten Bereich eines gemusterten Stoffes.
Der Profi-Mindset-Shift: Scannen ist ein Diagnosewerkzeug, kein Zauberstab. Es ersetzt kein sauberes Einspannen – es belohnt es. Wenn dein Stoff schief, wellig oder ungleichmäßig gespannt ist, zeigt der Scan genau das. Die Kamera macht die Qualität deiner Vorbereitung sichtbar.

Stoff und Stickrahmen vorbereiten
Im Video wird ein großer Stickrahmen und ein einfaches Raster genutzt, damit sechs Designs schnell und konsistent platziert werden können. In der Praxis gilt: 80 % Vorbereitung, 20 % Sticken.
Was das Setup im Video beinhaltet
- Großer Stickrahmen: Creative Grand Dream Hoop (360×260)
- Stoff mit einem 6-Felder-Raster markiert (die Schnittpunkte dienen als Platzierungsziele)
- Selbstklebendes Stickvlies im Stickrahmen, der Stoff wird darauf fixiert
- Ein Stickdesign ist geladen (es erscheint zunächst in einem kleineren Rahmen, weil das Design klein ist)

Versteckte Verbrauchsmaterialien & Prep-Checks (das, was Projekte rettet)
Auch wenn die Scan-Funktion softwarelastig ist: Ob es sauber wird, entscheidet die Physik am Rahmen. Bevor du am Display irgendetwas antippst, hilft dir dieser „Pre-Flight“-Check, typische Fehler mitten im Sticklauf zu vermeiden.
- Nadel-Check (haptisch/visuell): Nadel herausnehmen und auf einer glatten Fläche rollen (Glas/Tisch). Wenn sie „eiert“ oder die Spitze sichtbar abhebt, ist sie verbogen. Das führt zu unruhigen Geräuschen und Fehlstichen. Für präzise Platzierung am besten mit frischer Sticknadel arbeiten (Größe je nach Material).
- Oberfadenspannung (haptisch): Oberfaden bei abgesenktem Nähfuß durch das Nadelöhr ziehen. Du solltest einen gleichmäßigen Widerstand spüren. Rutscht er fast ohne Widerstand, liegt der Faden oft nicht korrekt in der Spannung.
- Unterfaden/Spule (visuell): Unterfadenspule gleichmäßig gewickelt? Weiche/lockere Wicklung begünstigt „Vogelnester“ auf der Rückseite.
- Rahmen-Hygiene: Innen- und Außenring des Stickrahmens abwischen. Kleberreste/Lint reduzieren die Reibung – der Stoff kann sich dann während Scan oder Sticklauf minimal verschieben.
Realitätscheck zu „Rahmenspuren“: Wenn du auf empfindlichen Materialien arbeitest (z. B. Samt/Seide) oder viele Wiederholungen fährst, können klassische Klemmrahmen dauerhafte Rahmenspuren hinterlassen und das Einspannen wird auf Dauer anstrengend. Viele steigen deshalb auf einen Magnetrahmen um. Diese halten über Magnetkraft statt über Reibung, reduzieren Druckstellen und machen das Umspannen schneller – ein echter Vorteil bei Mehrfach-Layouts wie hier.
Warnung: Halte Finger, Haare, Schmuck und weite Ärmel vom Rahmenbereich fern, bevor du Scan oder Sticklauf startest. Der Stickarm bewegt sich automatisch und schnell; an der Rahmenaufnahme gibt es Quetschstellen.

Checkliste (Ende Vorbereitung)
- Stoff ist mit einem klaren Raster markiert (auswaschbarer Stift oder Kreide)
- Selbstklebendes Stickvlies ist straff im Stickrahmen eingespannt
- Stoff von der Mitte nach außen auf die Klebefläche aufgelegt/angedrückt (keine Blasen)
- Rahmengröße ist am physischen Stickrahmen ablesbar (wird gleich benötigt)
- Maschinenbett ist frei von Schere/Lineal etc. (nichts darf den Fahrweg blockieren)
- Greifer-/Spulenbereich ist flusenfrei (kurz ausbürsten)
Schritt-für-Schritt: Stickrahmen scannen
Dieser Abschnitt folgt dem Ablauf aus dem Video – mit zusätzlichen Kontrollpunkten. „Erfolg“ heißt nicht nur: Schritt erledigt, sondern: Ergebnis geprüft.
Schritt 1 — Rahmengröße am Display korrekt wählen
- Stickdesign laden.
- Hoop Options öffnen (meist unten am Bildschirm).
- In der Rahmenliste zu Creative Grand Dream Hoop 360×260 scrollen und auswählen.
- Verifikation: Name/Größe am Display muss mit der Beschriftung am physischen Stickrahmen übereinstimmen.
Warum das kritisch ist: Die Maschine definiert damit den sicheren Stickbereich. Ist softwareseitig ein kleinerer Rahmen gewählt, blockiert die Maschine ggf. Bereiche, die eigentlich möglich wären. Ist ein größerer gewählt, steigt das Risiko, dass die Nadel in den Rahmenbereich fährt – das kann mechanisch ernsthaft schaden.

Schritt 2 — Hoop Scan starten
- Oben rechts Start Hoop Scan antippen.
- Wenn die Maschine dazu auffordert, den Stickrahmen am Stickarm ansetzen. Achte darauf, dass er sauber einrastet.
- Mit OK bestätigen.
- Warten: Der Stickarm fährt den Rahmen unter die Kamera, der Scan läuft automatisch.
Hinweis zur Dauer: Bei einem großen Rahmen dauert der Scan spürbar länger. Währenddessen weder Stoff noch Stickarm berühren – schon minimale Bewegung kann das Bild verfälschen.



Checkpoints (woran du einen „guten“ Scan erkennst)
- Erwartetes Ergebnis: Nach dem Scan zeigt die Bearbeitungsansicht als Hintergrund ein Foto deines tatsächlich eingespannten Stoffes.
- Sichtprüfung: Sind die Rasterlinien im Bild gerade und plausibel?
- Wenn es schief/„verzogen“ wirkt: Dann war der Stoff beim Einspannen verzerrt oder nicht plan aufgelegt.
Physik der Klebefläche („Sticky“): Beim Andrücken auf selbstklebendes Stickvlies wird Stoff schnell unbewusst gedehnt – besonders schräg zum Fadenlauf. Lässt man los, „entspannt“ er sich und es entstehen Wellen. Technik: Stoff sanft auflegen und von der Mitte nach außen mit der flachen Hand glattstreichen (nicht punktuell mit den Fingerspitzen ziehen).

Designs digital auf dem Raster positionieren
Sobald der Scan aktiv ist, arbeitest du mit einer Art Overlay: Das Design liegt digital über dem Foto deines Stoffes. Jetzt kannst du die Platzierung direkt an deinen Raster-Schnittpunkten ausrichten.
Schritt 3 — Menüfenster verschieben, wenn es die Sicht verdeckt
Ein wichtiger UI-Trick aus dem Video: Das schwebende Menü verdeckt oft genau den Bereich, den du sehen musst.
- Oben am Menüfenster sind vier kleine Linien (Griff).
- Diese Linien antippen und das Fenster in eine freie Ecke ziehen.


Schritt 4 — Erstes Design platzieren
- Mit sichtbarem Scan-Hintergrund das Design per Finger ziehen.
- Das Design (bzw. sein Mittelpunkt/Fadenkreuz) über einem Raster-Schnittpunkt positionieren.
Der „Pi mal Daumen“-Standard: Im Video wird betont, dass „ungefähr“ okay ist. In der Stickpraxis verdeckt die Fadenbreite kleine Abweichungen – entscheidend ist, dass die Platzierung konsistent und innerhalb der Grenzen bleibt.
Checkpoints (Regeln, die Nacharbeit verhindern)
- Sicherheitscheck: Die Design-Begrenzung muss vollständig innerhalb der Rahmenbegrenzung liegen.
- Farblogik am Rahmenrand: Wenn die Maschine den Rahmenrand farblich warnt (z. B. rot/gelb), liegt etwas außerhalb bzw. zu nah am Rand.
- Nicht nur aufs Motiv schauen: Achte auf die Auswahl-/Begrenzungsbox – sie entspricht dem Bewegungsraum der Maschine.
Designs duplizieren und Stickreihenfolge steuern
Effizienz entsteht, wenn du nicht sechs Mal importierst (das erzeugt oft eine ungünstige Reihenfolge), sondern einmal platzierst und dann kontrolliert duplizierst.
Schritt 5 — Nacheinander duplizieren (für kontrollierte Stickreihenfolge)
- Design antippen und gedrückt halten, um das Kontextmenü zu öffnen.
- Duplicate wählen.
- Die neue Kopie zum nächsten Raster-Schnittpunkt ziehen.
- Wiederholen, bis insgesamt sechs Designs platziert sind.
Warum nacheinander? Die Maschine stickt Objekte in der Reihenfolge, in der sie erstellt/abgelegt wurden. Wenn du 1 → 2 → 3 duplizierst und platzierst, stickt sie typischerweise in genau dieser Reihenfolge. Bei Mehrfach-Duplizieren kann die Reihenfolge „springen“ – das führt zu unnötigen Sprungstichen und unruhigen Fadenwegen.


Warum die Stickreihenfolge zählt (Qualität + Zeit)
Auch bei Haushaltsmaschinen beeinflusst die Reihenfolge das Ergebnis:
- Stabilität/Passung: Lange Sprünge quer über den Rahmen können das Vlies und den Stoff minimal mitziehen – die Passgenauigkeit der letzten Motive leidet.
- Weniger Schneiden: Logische Reihenfolge reduziert Sprungfäden, die du später trimmen musst.
- Workflow-Denken: Wenn du in Serie arbeitest, summieren sich Sekunden. Wenn dich das Einspannen ausbremst, lohnt ein Blick auf dein Einspannsystem für Stickmaschine. Magnetisches „Auflegen statt Klemmen“ kann die Rüstzeit deutlich reduzieren.
Checkliste (Ende Operation)
- Alle sechs Designs liegen sichtbar über den jeweiligen Rastermarken.
- Kein Design überschreitet die Rahmenbegrenzung (Warnfarbe am Rand).
- Die Stickreihenfolge ist logisch (z. B. links nach rechts, Reihe für Reihe).
- Menüfenster ist zur Sichtprüfung aus dem Weg geschoben.
- Unterfadenspule ist ausreichend gefüllt (jetzt prüfen!).
Scan-Hintergrund entfernen
Das Scan-Foto ist nach der Platzierung oft nicht mehr nötig und kann in der Bearbeitung stören.
Schritt 6 — Zu „Stitch Out“ wechseln (Hintergrund wechselt automatisch)
- Go antippen.
- Simulation/Übersicht kurz prüfen.
- Stitch Out antippen.
Beim Wechsel in den Stickmodus wird der Foto-Hintergrund in der Regel ausgeblendet, damit die Stichansicht klar bleibt.

Schritt 7 — Scan-Foto löschen (nur wenn du sicher bist)
- Zurück in Edit.
- Hoop Options öffnen.
- Unter Background von Scan Hoop auf Background Color (Standard: Weiß) umschalten.
AchtungWenn du den Hintergrund entfernst, ist er weg. Wenn du den Rahmen später bewegst und die Platzierung erneut verifizieren willst, musst du erneut scannen.

Warnung: Wenn du auf leistungsstarke Magnetrahmen umsteigst, beachte: Es sind starke Neodym-Magnete. Schrittmacher-Sicherheit: Mindestens 6 inches Abstand zu implantierten medizinischen Geräten halten. Quetschgefahr: Magnete nie unkontrolliert zusammenschnappen lassen.
Warum Scannen manuellen Schablonen überlegen ist
Klassisch arbeitet man mit Papier-Schablonen, Nadelausrichtung und viel Augenmaß. Der Scan bringt digitale Kontrolle direkt auf deinen real eingespannten Stoff.
Wo Scannen besonders stark ist
- Musterabgleich: Monogramm exakt auf einem Karostreifen zentrieren.
- „Rettung“ bei Abbruch: Nach einem Fehler neu einspannen, scannen und die Platzierung wiederfinden.
- Kontext-Platzierung: Stickerei gezielt an einer bestimmten Stelle eines fertigen Kleidungsstücks platzieren.
Wenn du aus klassischen Einspannen für Stickmaschine-Workflows kommst, ist Scannen dein Sicherheitsnetz: Es bestätigt, dass das, was du glaubst eingespannt zu haben, auch wirklich so im Rahmen liegt.
Entscheidungslogik: Vlies- & Rahmenstrategie
Stickerei ist nie „one size fits all“. Nutze diese Logik, um für Scan-Projekte die passende Kombination zu wählen.
- Materialtyp?
- Stabiles Gewebe (Baumwolle/Canvas): Reißvlies + Rahmen (klassisch oder magnetisch).
- Instabiler Strick (T-Shirt/Jersey): Schneidvlies (Mesh) + sanftes Einspannen oder Magnetrahmen. Hinweis: Strick verzieht sich beim Andrücken auf selbstklebendes Vlies besonders leicht.
- Einspann-Schwierigkeit?
- Flaches Teil: Standardrahmen + selbstklebendes Vlies reicht oft.
- Fertiges Teil (dicke Nähte/Knöpfe): Standardrahmen können aufgehen oder ungleichmäßig klemmen. Magnetrahmen sind hier oft toleranter bei wechselnden Materialstärken.
- Stückzahl/Serie?
- Einzelteil: Mit Standard-Tools sorgfältig arbeiten.
- Batch ab 20+: Raster standardisieren. In Einspannstation oder magnetische Vorrichtungen investieren, damit jedes Teil wiederholbar an derselben Position geladen wird – dann musst du am Bildschirm weniger nachkorrigieren.
Profi-Hinweise (aus dem Workflow ableitbar)
- Großer Rahmen = mehr Geduld: Der Scan eines 360×260-Rahmens dauert länger. Plane die Zeit ein und vermeide jede Berührung während des Scans.
- Rand-/Überlappungschecks ernst nehmen: Wenn die Rahmenbegrenzung warnt oder Begrenzungsboxen sich berühren, ist Nacharbeit vorprogrammiert. Erst layouten, dann sticken.
- „Sticky“ sauber nutzen: Der entscheidende Punkt ist das blasenfreie, spannungsarme Auflegen des Stoffes (Mitte → außen). Das verbessert Scan-Bild und Passung.
- Tool-Upgrade als Prozesshebel: Wenn du häufig mit großen Stickrahmen für Stickmaschine arbeitest und das Einspannen Zeit frisst oder Rahmenspuren ein Thema sind, kann ein magnetisches System oder ein Sticky Hoop Stickrahmen für Stickmaschine-Workflow die Wiederholgenauigkeit und Geschwindigkeit deutlich verbessern.
Ergebnisse
Am Ende dieses Workflows solltest du erreicht haben:
- Ein „digitales Abbild“ deines real eingespannten Stoffes als Hintergrund am Display.
- Sechs sauber platzierte Designs, die in einer sinnvollen Reihenfolge gestickt werden.
- Keine unnötigen Randfehler oder Überlappungen (wenn du die Checks gemacht hast).
- Mehr Sicherheit bei anspruchsvoller Platzierung – auch auf fertigen Teilen.
Wenn du einen wiederholbaren Prozess aufbauen willst, ist Scannen eine starke Grundlage. Die größten Qualitätsgewinne kommen aber langfristig aus konstantem Einspannen und der passenden Halte-/Rahmenstrategie. Wenn du schneller laden willst und der Stoff dabei plan bleiben soll, ist die Kombination aus sauberer Vorbereitung und geeigneten Haltesystemen der Schlüssel.
