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Die Quick Access Bar in PE Design Next meistern: Attribute praxisnah für Digitalisierer:innen
Viele Einsteiger:innen scheitern nicht an „schwierigen“ Werkzeugen, sondern daran, dass die wichtigsten Einstellungen in zu vielen Reitern versteckt sind. Dieses ständige Suchen erzeugt unnötige Reibung im Workflow. In diesem praxisorientierten Guide zerlegen wir Kathleen McKees Vorgehen mit der Quick Access Bar und übersetzen die Klicks in das, was später als echter Faden auf Stoff passiert.
Du lernst:
- Ein geschlossenes Objekt zu markieren, um seine „digitalen DNA“-Attribute (Sewing Attributes) zu aktivieren.
- Line Sew (Kontur) umzustellen und die spätere Haptik/Optik besser vorherzusagen.
- Region Sew (Füllung) zu ändern – inkl. Stippling und Motiven.
- Sicherheits-/Qualitätsregel: Die „10-mm-Satin-Falle“ zu vermeiden, die zu Fehlstichen führt.
- Mit Farbkontrast eine schnelle Sichtkontrolle zu machen, bevor auch nur ein Stich gestickt wird.

Die Brücke: Vom Bildschirm zur Stickrealität
Auch wenn das hier „nur Software“ ist: Jeder Klick wird später zu einer mechanischen Bewegung. Ein Motiv kann am Monitor perfekt aussehen und auf Stoff trotzdem scheitern, wenn du die physikalischen Grenzen ignorierst:
- Lange Satin-Spannweiten: Werden schnell zur Problemzone (Fäden liegen frei, können hängen bleiben).
- Dichte Motive/Strukturen: Können empfindliche Materialien „durchlöchern“ bzw. unnötig verhärten.
- Ungeplante Sprünge/Stops: Kosten in der Produktion Zeit.
Betrachte Line Sew und Region Sew als technische Entscheidungen, nicht nur als „Look“.
Line Sew verstehen: Konturen & Stabilität
Schritt 1 — Objekt auswählen, damit Attribute aktiv werden
- Aktion: Das Select-Werkzeug (Pfeil) wählen.
- Aktion: Auf das Polygon (geschlossener Pfad) in der Arbeitsfläche klicken.
- Sichtkontrolle: Es erscheinen schwarze Anfasser/Griffe (kleine Quadrate) um die Form.
- Verifikation: Oben in der Quick Access Bar werden die aktuellen Einstellungen eingeblendet (z. B. rote Zigzag-Kontur, pinke Fill-Füllung).

Checkpoint: Wenn du keine schwarzen Griffe siehst, bearbeitest du nicht das Objekt. Änderungen greifen dann ins Leere.
Schritt 2 — Das Kontur-Menü (Line Sew)
Mit ausgewähltem Objekt:
- Das Dropdown Line Sew öffnen.
- Die Sticharten nacheinander durchklicken und die Vorschau vergleichen.
Kathleen zeigt u. a. diese typischen Kontur-Optionen:
- Running Stitch: Basis-Kontur, geringe Stichzahl, wenig Aufbau.
- Triple Stitch (Bean Stitch): Verstärkter Running Stitch, sichtbar kräftiger.
- Motif Stitch: Dekorative Musterkontur.
- Stem Stitch: Handstick-Optik, seilartige Struktur.
- Candle Wicking: „Geknotete“/koloniale Anmutung.
- E/V Stitch: Entspricht optisch einer Blanket-Stitch-Kante (z. B. für Applikationskanten).






Profi-Hinweis: Die „Vorschau-Falle“ bei Motifs
Kathleen weist darauf hin, dass Motif-Stiche in der Standardgröße bei kleinen Formen oft zu groß wirken.
- Die Falle: Was auf einer großen Form sauber aussieht, wird auf kleinen Abzeichen/Logos schnell „matschig“ und fadenlastig.
- Praxis-Ansatz: Bei kleinen Motiven lieber klare Konturen (z. B. Triple/Stem) nutzen und Motifs nur einsetzen, wenn Maßstab und Detailgrad wirklich passen.
Schritt 3 — Farben als Sichtkontrolle nutzen
Stelle die Konturfarbe über die Palette auf Grün. Das ist nicht zwingend „Finalfarbe“, sondern ein Arbeitskontrast.

Warum? Mit hohem Kontrast erkennst du schneller, ob Kontur und Füllung sauber zusammenlaufen oder ob ungewollte Lücken entstehen.
Konturen in der Stickrealität
Unterschiedliche Konturen wirken unterschiedlich auf Material und Ergebnis:
- Running Stitch: wenig Zug, kann auf flauschigen Materialien optisch „versinken“.
- Kräftige Konturen (Triple/Stem): mehr Zug/Materialaufbau; bei empfindlichen oder dehnbaren Stoffen steigt das Risiko für Verzug, wenn die Stabilisierung nicht passt.
- Praxis-Hinweis: Wenn Konturen „wegziehen“ oder sich die Form verzieht, liegt es häufig an der Fixierung/Spannung beim Einspannen. Viele Profis arbeiten hier gern mit Magnetrahmen für Stickmaschine, weil der Stoff flächiger gehalten wird.
Warnung: Mechanisches Risiko. Beim späteren Probesticken gilt: Andere Sticharten bedeuten andere Bewegungsabläufe. Hände grundsätzlich mit Abstand zur Nadel-/Greiferzone halten.
Region Sew meistern: Struktur, Dichte & Grenzen
Schritt 4 — Kontrast für die Füllung einstellen
Stelle die Füllfarbe auf ein gut sichtbares Violett (oder eine andere kontrastreiche Farbe).
- Region Sew (Füllung) aufrufen.
- Eine dunkle/kontrastreiche Farbe wählen, passend zum Hintergrund.

Checkpoint: Wenn die Füllung „verschwindet“ oder wie „Flimmern“ wirkt, ist der Kontrast zu gering – dann kannst du Details nicht zuverlässig beurteilen.
Schritt 5 — Das Füll-Menü (Region Sew)
Öffne das Dropdown Region Sew. Kathleen zeigt verschiedene Füllarten:
- Fill Stitch (Tatami): Standardfüllung, stabil und flach.
- Satin Stitch: Glänzend, parallel – Risiko bei großen Spannweiten (siehe Regel unten).
- Programmable Fill: Strukturierte Tatami-Varianten mit Muster.
- Motif Fill: Wiederholte Formen – Achtung: kann die Stichzahl stark erhöhen.
- Radial/Spiral: Strahlen-/Spiralverläufe, besonders passend für runde Formen.
- Stippling: „Meandering“-Linie, ideal für Quilting-Optik.





Produktionsdenken: Auswahl nach Laufzeit & Robustheit
Im Hobby zählt oft nur die Optik. In der Praxis zählen zusätzlich Laufzeit und Haltbarkeit.
- Standard Fill: zuverlässig, schnell, robust – für viele Flächen die erste Wahl.
- Struktur-/Pattern-Fills: optisch stark, aber oft deutlich mehr Stichzahl.
- Satin-Füllung: wirkt hochwertig, ist aber bei großen Flächen empfindlich.
Die kritische 10-mm-Regel für Satin
Das ist der wichtigste technische Punkt aus der Lektion: Kathleen warnt davor, Satin als Flächenfüllung zu groß zu ziehen.
Warum das scheitert
Bei einer großen Satin-Fläche (wie im Polygon in FIG-11) entstehen sehr lange Stichspannweiten.
- Grenze: Ab ungefähr 10 mm kann die Maschine laut Kathleen Stiche „fallen lassen“ (Fehlstiche), weil sie diese Länge nicht zuverlässig ohne Probleme abarbeitet.

Praxis-Protokoll
Wenn deine Satin-Spannweite in Richtung 8–10 mm geht:
- Kein Satin als Flächenfüllung verwenden.
- Auf Fill Stitch (Tatami) wechseln.
- Fläche ggf. anders aufbauen (z. B. kleinere Bereiche statt einer großen Satinfläche).
Troubleshooting-Kontext: Wenn du beim Probestick oben Schlaufen/lose Fäden siehst oder die Fläche unregelmäßig wird, ist eine häufige Ursache: zu lange Satin-Spannweiten.
Stippling für digitale Quilting-Effekte
Stippling ist eine hochwertige Textur und wirkt wie „Quilting“.
Schritt 6 — Auf Stippling umstellen
Im Region-Sew-Dropdown Stippling Stitch auswählen.

Checkpoint: In der Vorschau sollte eine zufällig mäandernde Linie erscheinen.
Q&A aus der Praxis: „Wie bekomme ich NUR das Stippling?“
Eine typische Frage ist: Wie bleibt die Stippling-Füllung, aber die quadratische/äußere Kontur verschwindet?
Workflow (wie von Kathleen in den Kommentaren beschrieben):
- Objekt auswählen.
- Region Sew auf Stippling stellen.
- Über Line Sew die Kontur deaktivieren (z. B. „Not Sew“ bzw. Sew-Status auf OFF).
HinweisDu löschst die Form nicht – du sagst der Software nur, dass für die Kontur keine Stichdaten ausgegeben werden sollen.
Entscheidungslogik für Region Sew
Nutze diese schnelle Denkstruktur, um Fehlentscheidungen zu vermeiden:
- Ist die Fläche breit (lange Spannweite)?
- Ja: Satin als Fläche vermeiden → Fill/Pattern wählen.
- Nein: Satin ist eher geeignet (z. B. schmale Bereiche).
- Soll es wie Quilting/Background wirken?
- Ja: Stippling ist eine starke Option.
- Nein: Standard Fill für saubere Deckung.
Wenn du bei dichten Füllungen Probleme mit Verschieben/Verzug bekommst, ist oft nicht die Software das Problem, sondern die Fixierung beim Einspannen. Viele steigen dann auf Magnetrahmen Anleitung-Workflows um, weil die Haltekraft gleichmäßiger anliegt.
Warnung: Magnet-Sicherheit. Starke Magnetrahmen können Finger einklemmen. Bei implantierten medizinischen Geräten (z. B. Herzschrittmacher) vor Nutzung ärztlich abklären.
Vorbereitung: „Pre-Flight“-Check vor dem Export
Bevor du eine Datei aus PE Design Next ausgibst, denke an die Praxis: Software kompensiert keine verschlissene Nadel.
Verbrauchsmaterial & kurze Checks
- Nadel: scharf und ohne Grat? (Grate führen zu Fadenrissen.)
- Unterfadenbereich: sauber, ohne Flusen.
- Stabilisierung passend wählen:
- Dehnbar = Cutaway.
- Stabil = Tearaway.
- Flauschig (z. B. Frottee) = Tearaway + wasserlösliches Topping.
Praxis-Tipp: Wenn dich das Einspannen bei Testläufen ausbremst, können Magnetrahmen für brother (passend zur Maschine) Iterationen deutlich beschleunigen.
Prep-Checkliste
- Auswahl: Ich sehe die schwarzen Griffe am Objekt.
- Sichtbarkeit: Kontrastfarben gesetzt (z. B. grüne Kontur, violette Füllung).
- Pfad: Geschlossene Form (Line und Region sind aktiv).
- Physik-Check: Keine Satin-Spannweiten im Bereich der ~10-mm-Problemzone.
- Test-Setup: Reststoff und passendes Stickvlies für einen Probestick liegen bereit.
Setup: Disziplin im Workflow
Dieser Abschnitt beschreibt eine Routine, die Fehler reduziert.
„Isolation“-Workflow
- Objekt isoliert bearbeiten (wirklich nur das markieren, was du ändern willst).
- Region Sew zuerst festlegen (Grundfläche).
- Line Sew danach festlegen (Definition/Kante).
- Sewing Order prüfen (Füllung vor Kontur).
Konstanz beim Einspannen: Wenn du z. B. mit einem Magnetrahmen für brother pe800 arbeitest, dann teste mit derselben Einspannspannung wie später im Auftrag. Ein Test mit anderer Spannung ist nur bedingt aussagekräftig.
Setup-Checkliste
- Dropdowns: Ich finde Line Sew und Region Sew in der Quick Access Bar.
- Kontur OFF: Ich kann die Kontur deaktivieren (Not Sew), ohne die Füllung zu verlieren.
- Maßstab: Ich prüfe Motive bei 100% (1:1), ob sie zu dicht wirken.
- Rahmenbereich: Motiv passt in den gewählten Stickrahmenbereich.
Ausführung: Routine beim Fein-Tuning
Nutze diese Schleife, wenn du Attribute optimierst.
Schritt A: Basis setzen
- Line = Zigzag / Region = Fill.
- Warum: Das ist die stabile Ausgangsbasis.
Schritt B: Textur hinzufügen
- Region auf Stippling oder Motif stellen.
- Sichtcheck: Wirkt es „zu busy“? Dann wird es später schnell hart/dicht. Muster ggf. gröber wählen.
Schritt C: Kante definieren
- Line auf Triple Stitch oder Stem stellen.
Schritt D: 10-mm-Sicherheits-Scan
- Satin testweise auswählen und die Spannweite beurteilen.
- Entscheidung: Wenn du in Richtung 8–10 mm kommst, zurück auf Fill.
Operations-Checkliste
- Eine Variable: Ich ändere immer nur eine Einstellung gleichzeitig.
- Sicherheits-Scan: Keine problematisch langen Satin-Spannweiten.
- Kontrast: Kontrastfarben während der Bearbeitung beibehalten.
- Versionierung: Als neue Version speichern (z. B.
Design_v2_Stippled.pes) vor dem Probestick.
Qualitätschecks
Sichtprüfung
- „Squint Test“: Rauszoomen – ist die Kontur noch klar? Wenn nicht, Running → Triple.
- Dichte: Überlagern sich Muster sichtbar? Das erhöht Risiko für Faden-/Nadelprobleme.
Produktionsrealität
Wenn du ein Motiv 50× stickst (z. B. Teamwear), ist Wiederholgenauigkeit entscheidend. Manuelles Einspannen führt mit der Zeit zu Schiefstand.
- Upgrade für Stückzahlen: Eine hoopmaster Einspannstation hilft, Positionen reproduzierbar zu treffen – unabhängig von Operator-Müdigkeit.
Troubleshooting-Logik
Nutze diese Tabelle, um Fehler zu finden, bevor du die Maschine verdächtigst.
| Symptom | Wahrscheinliche Ursache | Schnelllösung |
|---|---|---|
| Lücken/Fehlstellen bei Satin | Spannweite zu groß (Richtung >10 mm). | Software: Region Sew auf „Fill Stitch“ umstellen; Fläche anders aufbauen. |
| „Flimmernde“/unsichtbare Füllung | Zu wenig Farbkontrast. | Software: Füllfarbe auf kräftig/kontrastreich stellen (z. B. Violett). |
| Kontur läuft „weg“ | Fixierung/Verzug. | Praxis: Stabilisierung prüfen oder Magnetrahmen für Stickmaschine nutzen. |
| Bretthart/zu steif | Zu hohe Dichte/Stichzahl im Muster. | Software: Muster gröber wählen bzw. Dichte reduzieren. |
| Quadratische Umrandung bei Stipple | Line Sew ist noch aktiv. | Software: Objekt wählen → Line Sew → „Not Sew“. |
Ergebnis
Wenn du die Quick Access Bar sicher beherrschst, verschwindet das „Tab-Suchen“ aus deinem Workflow. Du kannst jetzt:
- Technisch sauber entscheiden: Sticharten wählen, die in der Praxis funktionieren (Satin-Spannweiten beachten).
- Mehr Wert erzeugen: Stippling und Musterfüllungen gezielt als Textur einsetzen.
- Schneller arbeiten: Attribute direkt oben ändern, ohne Umwege.
Ausblick: Mit wachsender Routine verschiebt sich der Engpass oft von der Software zur Praxis (Fixierung, Wiederholgenauigkeit, Durchsatz). Dann gilt: Der „perfekte Stich“ ist ein Dreiklang aus sauberer Digitalisierung + stabiler Fixierung + zuverlässiger Mechanik.
Arbeite mit den Software-Gewohnheiten von heute, teste sicher und respektiere die 10-mm-Regel.
