Inhaltsverzeichnis
Twin-Perlen- & Paillettenaggregat sicher beherrschen: Ein „reibungsloser“ Setup-Guide für Dahao-Systeme
Aus der Redaktion – Praxisleitfaden für Bediener
Ein Twin-Color-Perlen- und Pailletten-Aggregat an einer Mehrnadelstickmaschine ist ein echter Mehrwertbringer: Läuft es sauber, wird aus Standardware ein hochwertiges Premium-Produkt. Läuft es nicht sauber, endet es schnell in zerdrückten Perlen, blockierten Zuführungen, Nadelbruch und Ausschuss.
In der Praxis ist selten „die Maschine schuld“ – meistens fehlt ein klarer Ablauf. Denn hier laufen drei Dinge gleichzeitig zusammen: Mechanik (Zuführung/Schneider), Steuerung (Dahao) und Materialverhalten. Diese Anleitung reduziert die Komplexität auf einen reproduzierbaren Workflow – wie eine Pre-Flight-Checkliste.
Wir arbeiten bewusst mit klaren Prüfankern: Was muss man sehen, hören und beobachten, bevor man auf „Start“ drückt? Egal ob Einzelmuster oder Serie: So minimierst du Stillstand und Reklamationen.

Phase 1: „Cockpit“ – Aufbau, A/B-Logik & Anzeigen
Bevor du am Dahao-Display etwas einstellst, muss die Bedienlogik am Kopf sitzen. Die kopfmontierte Steuerbox („Blue Box“) ist dein Kontrollzentrum. Aus dem Video gilt als Grundregel:
- GRÜNES Licht = Perlenmodus
- ROTES Licht = Paillettenmodus
Damit in der Hektik nichts verwechselt wird, wird die A/B-Bezeichnung konsequent genutzt:
- Perlenbehälter (Hopper): Position A und Position B
- Paillettenrollen (Reels): Position A und Position B


„Chirurgenblick“: Aggregat anheben/absenken
Du kannst nichts sauber einstellen, wenn du es nicht siehst. Das Aggregat verdeckt den Bereich um Stichplatte, Nadel und Nähfuß.
- Aktion: Haupttaste an der Blue Box einmal drücken.
- Prüfanker: Das Aggregat fährt hoch – der Nadel-/Nähfußbereich wird frei.
- Aktion: Taste nochmals drücken, um wieder in Arbeitsposition abzusenken.
Warum das wichtig ist: Im Alltag entstehen viele Probleme beim Reinigen/Justieren „im abgesenkten Zustand“. Für Sichtkontrolle, Faden-/Nadelarbeiten und zum Entfernen von Resten: Aggregat hochfahren, dann arbeiten.



Warnhinweis: Quetschgefahr. Hände, Finger, lose Ärmel und Stoffreste von Gestänge/Schwenkarmen fernhalten, wenn das Aggregat hoch- oder runterfährt.
Phase 2: Manuelle Tests (der „Heartbeat“-Check)
SOP für die Produktion: Kein Design starten, bevor Perlen und Pailletten manuell getestet wurden. Das ist deine Versicherung gegen „Leerlauf“ (Maschine näht, aber es kommt kein Material).
Test 1: Perlenzuführung (Grünmodus)
- Modus prüfen: Kontrolllicht am Kopf muss GRÜN sein.
- Schalter prüfen: Der Umschalter muss in MITTELSTELLUNG stehen.
- Zuführung A testen: OK drücken.
- Prüfanker: Perlen müssen sichtbar aus dem System kommen. OK erneut drücken = Stopp.
- Zuführung B testen: Pfeil nach oben (UP) drücken.
- Prüfanker: Perlen müssen aus der anderen A/B-Zuführung kommen. UP erneut drücken = Stopp.



Anti-Stau-Schutz (wichtige Funktion)
Im Video wird eine zentrale Schutzlogik gezeigt: Wenn das Eisen-/Zuführteil (iron feeding piece) mit Perlen „voll“ ist, stoppt das System, um Überfüllung und Verklemmen zu vermeiden.
- Sichtprüfung: Ist der Bereich „vollgepackt“, sollte die Bewegung/der Vorschub nicht weiterlaufen.

Produktionshinweis (Rahmen & Materialruhe): Wenn Perlen zwar zuführen, aber im Lauf „abprallen“ oder unruhig wirken, ist oft das Material nicht stabil genug eingespannt (Material „arbeitet“/bewegt sich). Hier entscheidet die Einspannung über die Passung. Ein Magnetrahmen kann das Material deutlich ruhiger halten, was bei Perlen-/Paillettenarbeit besonders kritisch ist.
Test 2: Pailletten zuführen & schneiden (Rotmodus)
- Modus umschalten: Modustaste drücken, bis das Licht ROT ist.
- Zuführung A testen: Pfeil nach oben (UP) drücken.
- Prüfanker: Paillettenband von Position A muss sichtbar vorlaufen.
- Zuführung B testen: Pfeil nach unten (DOWN) drücken.
- Prüfanker: Paillettenband von Position B muss sichtbar vorlaufen.
- Schneider testen: OK drücken.
- Prüfanker: Ein klarer „Klick/Schnapp“-Impuls (Auslösen des Schneidmechanismus) muss hör- bzw. sichtbar sein.



Phase 3: Das „digitale Gehirn“ – Dahao-Setup
Wenn die Mechanik sauber reagiert, muss die Dahao-Steuerung exakt passend konfiguriert werden. Ein falsches Setup führt im schlimmsten Fall zu Kollisionen oder Nadelbruch.
Schritt 1: Design am Computer auswählen
Design über das Dateimenü laden.
- Praxisbezug aus den Kommentaren: Die Maschine liest laut Herstellerantwort DST und DSB.

Schritt 2: Kritischer Abgleich – Nadel 12 zuweisen
Die Steuerung „weiß“ nicht automatisch, an welcher Nadelposition das Aggregat montiert ist.
- Aktion: Menü für Farb-/Sequenzzuordnung öffnen.
- Eingabe: 12 setzen.
- Abgleich: Prüfen, dass das Aggregat tatsächlich an Nadelposition 12 montiert ist.

Schritt 3: Rahmen/Einspannung definieren
- Aktion: In den Rahmeneinstellungen Flat Frame auswählen.
- Prüfanker: Nach der Auswahl fährt/initialisiert der Pantograph entsprechend der neuen Begrenzung.

Entscheidungslogik: Stabilität & Wiederholgenauigkeit
Perlen und Pailletten bringen Gewicht, Zug und zusätzliche Reibung ins System. Falsche Stabilisierung oder ungleichmäßiges Einspannen führt zu schlechter Passung (Versatz).
Frage 1: Läuft eine Serie (z. B. 20+ Teile)?
- Ja: Wiederholgenauigkeit beim Einspannen wird zum Engpass. Eine Einspannstation für Maschinenstickerei hilft, Position und Spannung konstant zu halten.
- Nein: Für Muster/Einzelteile reicht oft eine saubere visuelle Ausrichtung.
Frage 2: Ist das Material rutschig oder voluminös (z. B. Performance-Wear/Jacken)?
- Ja: Klassische Schraubrahmen können unter Zusatzlast eher nachgeben. Magnetrahmen für Stickmaschine können das Material fest klemmen und gleichzeitig Rahmenspuren reduzieren.
- Nein: Bei stabiler Baumwolle/Twill funktionieren Standardrahmen häufig zuverlässig.
Warnhinweis: Magnet-Sicherheit. Starke Magnetrahmen sind Industriewerkzeuge. Quetschgefahr: Finger beim Schließen fernhalten. Medizinischer Hinweis: Abstand zu Herzschrittmachern einhalten.
Checkliste: „Verbrauchsmaterial & Helfer“ vor dem Start
Bevor du startest, stelle sicher, dass Folgendes bereitliegt:
- Pinzette: Zum Entfernen von fehlgeführten Perlen/Pailletten im Stichplattenbereich.
- Druckluft: Ablagerungen/Staub im Bereich von Führung und Schneider regelmäßig ausblasen.
- Ersatznadeln: Für schnelle Reaktion bei Nadelproblemen.
- Fixierung für Rollen: Damit Paillettenrollen nicht wackeln und die Zuführung unruhig wird.
Phase 4: Endkontrolle & Start des Laufs
Wir gehen nicht von „wird schon“ aus – wir prüfen.
Pre-Flight-Checkliste (Go/No-Go)
- Aggregatposition: Ist das Aggregat in Arbeitsposition (abgesenkt)?
- Hopper: Perlen A & B gefüllt, Deckel/Einfüllung sicher?
- Paillettenweg: Band korrekt durch Führung (und unter den relevanten Bereich) eingelegt?
- Stichplatte: Frei von Fadenresten/Knäueln?
- Modus passend: Startet das Design mit Perlen = Licht GRÜN?
- Nadelzuordnung: Dahao auf 12 gesetzt?
Ablauf beim Start:
- Rahmen/Pantograph manuell so verfahren, dass das Design sauber zentriert liegt.
- Grüne Starttaste drücken.
- Die ersten Sekunden beobachten: Nicht weggehen. Wenn statt sauberem Takt Geräusche wie „Schleifen/Knirschen“ auftreten: sofort stoppen.
Troubleshooting-Reihenfolge (von „kostenlos“ zu „teuer“)
| Symptom | Schritt 1: Schnellcheck (kostenlos) | Schritt 2: Mechanik/Handling | Schritt 3: Prozess-/Hardware-Upgrade |
|---|---|---|---|
| Keine Perlen kommen | Schalter MITTE? Licht GRÜN? | Hopper leicht antippen (Brückenbildung möglich). | Perlenqualität prüfen (unregelmäßige Größen fördern Staus). |
| Pailletten schneiden nicht | Licht ROT? | Schneiderbereich auf Ablagerungen prüfen und reinigen. | Schneidteil ersetzen. |
| „Geister-Stopp“ (Stoppt ohne sichtbaren Stau) | Ist der Zuführbereich voll (Schutzfunktion aktiv)? | Zuführung leeren/freimachen; prüfen, ob das Design zu viel Material „anfordert“. | Geschwindigkeit reduzieren (SPM), wenn der Prozess instabil wird. |
| Material kräuselt / Perlen sitzen daneben | Stabilisierung prüfen (zu weich = Versatz). | Einspannung nachziehen/neu einspannen. | Auf Magnet-Stickrahmen wechseln, um Materialwanderung zu reduzieren. |
| Schwankende Platzierung in der Serie | Ermüdung/Uneinheitlichkeit beim Einspannen? | Referenzpunkte konsequent markieren. | Eine Einspannstation für Stickmaschine einführen, um das Laden zu standardisieren. |
Schlussgedanken für Bediener
Das Twin-Perlen-/Paillettenaggregat wirkt nur deshalb „schwierig“, weil es Disziplin im Ablauf verlangt. Wenn du konsequent nach dem Muster A/B-Identifikation → manueller Test → digitale Zuweisung arbeitest, reduzierst du die typischen Crash-Ursachen drastisch.
Und noch ein Praxispunkt: In den Kommentaren drehen sich viele Fragen um Preis/Verfügbarkeit – das zeigt, dass diese Maschinen oft international beschafft werden. Umso wichtiger ist ein sauberer, reproduzierbarer Setup-Standard im Betrieb, weil Support/Teile nicht immer „um die Ecke“ verfügbar sind.
Also: Licht prüfen, A/B testen, Nadel 12 setzen – dann erst Start.
