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Arbeitsplatz einrichten: Benutzerdefinierte Stickrahmen-Größen & saubere Basis-Workflows
Wenn du mySewnet Platinum öffnest und sofort Stress bekommst – Tabs überall, Stickrahmen, die du nicht wiedererkennst, und eine leere Arbeitsfläche, die Entscheidungen von dir verlangt – dann ist das völlig normal. Das ist die „kognitive Lücke“: Du weißt, was du sticken willst, aber der Weg von der Idee zur Maschine fühlt sich noch holprig an.
Diese Lektion ist dein „erster sauberer Erfolg“. Wir blenden 80 % der Ablenkung aus und konzentrieren uns auf die 20 %, die dir in der Praxis wirklich helfen: Arbeitsbereich (Stickrahmen) bewusst setzen, ein skalierbares Motiv platzieren, korrekt skalieren (ohne das Motiv zu „verziehen“) und einen sicheren Datei-Workflow (VP4 vs. PES) aufbauen.

Was du lernst (und warum das wichtig ist)
- Die „Intent“-Regel: Arbeitsbereich nach der geplanten Endgröße wählen – nicht nur blind aus einer Maschinenliste.
- Manuelle Kontrolle: Eine benutzerdefinierte Stickrahmen-Größe eingeben (wir nutzen 180 mm × 180 mm als Basis).
- Visuelle Orientierung: Raster + Zoom-Gewohnheiten, damit du nicht „blind klickst“.
- Die „20%-Regel“: Skalierfehler vermeiden, die Motive zu steif („bulletproof“) oder zu lückenhaft machen.
- Das Sicherheitsnetz: Ein robuster VP4-(Master) vs. PES-(Maschine) Workflow.
Schritt für Schritt: Stickrahmen-Größe praxisnah auswählen
1) Starte mit einer leeren Arbeitsfläche (Blank Canvas). Die Leere ist hier dein Freund. 2) (Optional) Maschinenmodell auswählen. Wenn du eine konkrete Maschine hast, grenzt das die Liste auf passende Rahmen ein.

3) Benutzerdefinierte Stickrahmen-Größe manuell eingeben:
- Klicke Enter Hoop Size.
- Gib 180 für Breite und 180 für Höhe ein.
- Klicke OK.
Du wirst eine optische Veränderung sehen: Die Stickrahmen-Vorschau wechselt von einer detaillierten „Klammer“-Darstellung zu einer einfachen Quadrat-Kontur. Das ist hilfreich – weniger visuelles Rauschen, mehr Fokus auf die Arbeitsgrenze.
Praxis-Tipp: „Software-Stickrahmen“ vs. „echtes Einspannen“
Die Stickrahmen-Größe am Bildschirm zu setzen ist leicht. Das Material sauber in den Stickrahmen einspannen (ohne Falten, ohne Verzerrung) ist der Teil, der in der Produktion Zeit kostet.
- Schnelltest: Nach dem Einspannen kurz auf den Stoff tippen. Er sollte sich straff anfühlen (wie ein dumpfer Trommelschlag). Wenn sich Wellen bilden oder der Stoff „nachgibt“, leidet die Passung/Ausrichtung später.
Wenn du von gelegentlichen Projekten in Richtung Serie gehst, wird das manuelle Einspannen schnell zum Engpass. Viele Betriebe setzen dann eine Einspannstation für Stickmaschinen ein, um die Positionierung reproduzierbar zu machen und Rahmenspuren/Rahmenabdrücke durch unnötiges Nachspannen zu reduzieren.
Warnhinweis: Auch wenn dieses Tutorial softwarebasiert ist: Die Stickqualität wird am Ende durch Physik bestimmt. Finger immer aus dem Nadelbereich halten. Wenn du ein „Knirschen“ hörst: sofort stoppen. Niemals Fadensprünge schneiden, während der Stickarm (Pantograph) noch fährt.
Super Designs nutzen: Skalierbare Assets zum Lernen
„Super Designs“ in mySewnet sind algorithmisch erzeugt. Anders als ein statisches Stichformat werden sie beim Skalieren neu berechnet (Stichanzahl/Stichverteilung). Für Einsteiger ist das der sicherste Weg, um Skalieren zu üben.
Raster einschalten (dein visueller Anker)
1) Wechsle zum Tab View. 2) Klicke Show Grid.

Checkpoint: Du siehst ein Raster im Stickrahmen-Bereich. Das ist dein „Lineal“. Ohne Raster schätzt du Abstände nur.
Super Design einfügen (Beispiel: Blumen)
1) Wechsle zum Tab Super Design. 2) Wähle in der Kategorienliste Flowers and Leaves.

3) Klicke ein Blumenmotiv (im Video eine 5-blättrige Blume). 4) Wichtiger Schritt: Vor dem Einfügen im Feld Size auf 20 mm stellen.

5) Klicke Apply.

Oberfläche verstehen (die „Cockpit“-Ansicht)
- Film Strip (links): Reihenfolge/Elemente im Projekt – praktisch zum Überblick.
- Design Panel (rechts): Kennzahlen wie Stichanzahl, Farben und Abmessungen.

Hover-Gewohnheit: Fahre im Design Panel mit der Maus über einen Farbblock. mySewnet hebt den zugehörigen Bereich im Motiv hervor. Das ist eine schnelle Kontrolle, welche Fadenlage später wo liegt.
Mentales Reset: Die „Home“-Gewohnheit
Wenn du dich in Tabs verläufst oder hektisch klickst:
- Regel: Nach jedem größeren Schritt zurück auf den Tab Home.
„Home“ ist dein Reset-Punkt – du findest die wichtigsten Werkzeuge wieder und bleibst im Workflow.
Richtig skalieren: Dichte & Praxisrealität
Skalieren ist einer der häufigsten Gründe, warum Einsteiger Designs „kaputt machen“. Bei normalen (importierten) Stickdateien kann Vergrößern zu Lücken führen, Verkleinern zu zu hoher Dichte (steif, nadelbrechend). Bei Super Designs ist es deutlich sicherer, weil neu berechnet wird – trotzdem lohnt sich die richtige Methode.
Methode A: Visuell skalieren (mit „Shift“-Sperre)
1) Blume auswählen. 2) Einen Eck-Anfasser greifen (nicht die Seiten-Anfasser). 3) SHIFT gedrückt halten. 4) Am Eck ziehen.

Wenn du Shift nicht hältst, änderst du das Seitenverhältnis – die Blume wird oval und wirkt „komisch“.

Checkpoint: Sieht das Motiv „gequetscht“ aus? Dann Ctrl+Z (Undo) und nochmal – diesmal mit Shift.
Die „Dichte-Gefahrenzone“
Super Designs (wie hier) sind beim Skalieren tolerant, weil sie Stiche neu berechnen. Für normale importierte Dateien (PES, DST) gilt als sichere Faustregel:
- Nicht mehr als +/- 20 % skalieren.
- Größere Änderungen erfordern meist Dichte-Anpassungen oder Neu-Digitalisierung.
Methode B: Exakt skalieren (die „Engineering“-Variante)
Manchmal ist „ziehen“ zu ungenau – du brauchst z. B. exakt 30,0 mm.
1) Stelle sicher, dass du im Tab Home bist. 2) Klicke Modify Design (Symbol mit Rahmen/Pfeilen).

3) Im Dialog:
- Mit den Prozent-Pfeilen hoch/runter.
- Auf die mm-Anzeige achten (die Prozent sind nur das Werkzeug).
- Stoppen, wenn die Breite 30.0 mm erreicht.

4) Mit OK bestätigen.
Checkpoint: Im Design Panel steht die Breite jetzt exakt 30,0 mm.
Praxisblick: Zeit vs. Ergebnis
Wenn du 20 Minuten am Bildschirm optimierst, aber danach 10 Minuten am Material kämpfst, kostet dich das in der Produktion Geld.
- Standardrahmen: Gut bei flachen Materialien.
- Workflow-Upgrade: Wenn du bei dickeren Lagen oder schwierigen Textilien ständig gegen den Rahmen arbeitest, können Magnetrahmen für Stickmaschine den Einspannprozess beschleunigen (weniger Kraft, schnelleres Handling).
Warnhinweis (Magnet-Sicherheit): Magnetrahmen sind Werkzeuge mit Quetschgefahr.
* Finger aus der Kontaktzone halten.
* Schrittmacher-Hinweis: Starke Magnete mindestens 6 inches von implantierten medizinischen Geräten fernhalten.
* Zur Lagerung mit Abstandshaltern getrennt halten.
Navigation: Zoom & Überblick sicher beherrschen
Du kannst nicht korrigieren, was du nicht siehst. Viele Qualitätsprobleme erkennt man erst im Detail.
„Drag-to-Zoom“ (gezielt hineinzoomen)
1) Zoom-Werkzeug wählen (Lupe). 2) Ein Rechteck um den Bereich ziehen, den du prüfen willst.

3) Loslassen – die Ansicht springt auf diesen Ausschnitt.
„Zoom-to-Fit“ (Reset)
Wenn du dich „verlaufen“ hast: Klicke den 4-Wege-Pfeil (Zoom to Fit). Das zeigt wieder den Stickrahmen vollständig.
Slider vermeiden

Der Zoom-Slider kann ruckeln, weil der Rechner beim Ziehen ständig neu rendert.
- Pro-Gewohnheit: Nutze das Prozent-Dropdown und springe direkt auf 400% oder 800%.
Speichern vs. Exportieren: Das „Sicherheitsnetz“
Das ist nicht verhandelbar: Trenne deine „Quelle“ (editierbar) von deiner „Maschinendatei“.
Schritt 1: Master speichern (VP4)
1) File > Save As. 2) Dateiname z. B.: Flower_Lesson_MASTER. 3) Format: .vp4.

Warum? VP4 ist das native Format und erhält die Editierbarkeit (Super-Design-Eigenschaften, Layout-Infos usw.).
Schritt 2: Für die Maschine exportieren (PES/DST)
1) File > Export. 2) Format: .pes (für Brother) oder das Format deiner Maschine.

3) Einstellungen:
- Stickrahmen-Größe prüfen (Export merkt sich oft die zuletzt verwendete Größe).
- ColorSort deaktivieren (erstmal), damit du die Reihenfolge bewusst kontrollierst.

4) Dateiname z. B.: Flower_Lesson_STITCH (oder mit „exported“, wie im Video empfohlen).
Warum? PES ist „Maschinencode“. Späteres Skalieren daran ist riskant – deshalb immer zuerst den VP4-Master sichern.
Checkpoint: Im Ordner liegen zwei Dateien: ein MASTER (VP4) und ein STITCH/Export (PES). Perfekt.
Vorbereitung: Die physische Realität
Software-Perfektion bringt nichts, wenn Setup und Material nicht stimmen. Bevor du die Datei auf USB/Maschine überträgst, mach einen kurzen Praxis-Check.
Versteckte Basics, die oft übersehen werden
- Nadel frisch: Wenn du nicht weißt, wann sie zuletzt gewechselt wurde: jetzt wechseln. Stumpfe Nadeln fördern Fadennester.
- Unterfaden-Check: Genug Unterfaden auf der Spule? Läuft er sauber ab?
- Testmaterial: Neue Datei zuerst auf Reststück testen, nicht direkt auf das Endprodukt.
Wenn du mit einer kleineren Maschine wie der Brother SE600 arbeitest, ist das 4x4"-Limit strikt. Für die Platzierung kann es helfen, gezielt nach Stickrahmen 4x4 für brother-Ausrichtung zu suchen.
Checkliste (nicht überspringen)
- Designgrenzen: Ich kenne die Designgröße in mm (z. B. 30 mm) und sie passt in den realen Stickbereich.
- Nadel: Passende Nadel eingesetzt (je nach Material).
- Unterfaden: Spule ausreichend gefüllt.
- Arbeitsbereich: Maschine hat freie Bewegung (Stickarm/Pantograph stößt nirgends an).
- Datei-Hygiene: VP4-Master separat vom PES-Export gespeichert.
Setup: Entscheidungsmatrix (Material → Vlies → Einspannstrategie)
Wie wählst du die richtige Kombination aus Material, Stickvlies und Einspannen? Nutze diese einfache Logik.
Entscheidung: Material → Stickvlies → Einspannen
1. Welches Material?
- Nicht dehnbar (Denim, Canvas, Frottee):
- Stickvlies: Tear-Away ist oft ausreichend.
- Einspannen: Standardrahmen funktioniert, bei sehr dicken Lagen kann ein Magnetrahmen die Handkraft reduzieren.
- Dehnbar (T-Shirt, Jersey, Performance):
- Stickvlies: Cut-Away ist in der Regel Pflicht.
- Einspannen: Nicht „auf Zug“ einspannen – Stoff neutral halten.
- Praxisproblem: Plastikrahmen ziehen Maschenware gern seitlich. Deshalb setzen viele auf Magnetrahmen für brother machines, weil der Stoff eher „von oben“ gehalten wird.
- Hochflorig (Fleece, Samt, Handtuch):
- Stickvlies: Cut-Away unten + wasserlösliches Topper-Vlies oben.
- Einspannen: Flor kann schnell Druckstellen bekommen. Magnetrahmen für brother können helfen, den Flor weniger zu quetschen.
2. Welche Stückzahl?
- Einzelstück: Manuell einspannen ist ok.
- Serie (10+ Teile): Eine Einspannstation für brother Stickmaschine sorgt für reproduzierbare Positionierung.
Ablauf: Der Ausführungs-Loop
- Software öffnen: mySewnet Platinum starten.
- Arbeitsbereich definieren: Custom Hoop auf 180x180 mm (oder deinen realen Rahmen) setzen.
- Visualisierung: View > Show Grid.
- Erstellen: Super Design > Flower > Size 20 mm > Apply.
- Kontrolle: Stichanzahl/Größe im Design Panel prüfen.
- Skalieren: Home > Modify Design bis 30.0 mm.
- Inspektion: Auf 800% zoomen und Details prüfen.
- Master sichern: Als
.vp4speichern. - Export: Als
.pesexportieren (ColorSort OFF). - Übertragen:
.pesauf USB/Maschine.
Pre-Flight Check (kurz, aber konsequent)
- Shift geprüft: Beim Ziehen Shift genutzt, Motiv nicht verzerrt.
- Raster an: Größenbezug sichtbar.
- Format stimmt: PES/DST an die Maschine, nicht VP4.
- Dateiname klar: „Export“/„Stitch“ im Namen.
- Stickrahmen im Export: Passende Rahmen-Größe ausgewählt.
Qualitätschecks & Troubleshooting
Bevor du die Maschine verdächtigst: erst die Indizien prüfen.
On-Screen-QA
- Sprungstiche: Siehst du lange Verbindungslinien zwischen Bereichen? Je nach Maschine werden sie geschnitten oder müssen manuell getrimmt werden.
- Dichte: Wirkt ein (importiertes) Design nach Verkleinerung wie ein „schwarzer Klumpen“? Dann nicht sticken – Nadelbruch-Risiko.
Troubleshooting (Symptom → Ursache → Lösung)
| Symptom | Wahrscheinliche Ursache | Lösung |
|---|---|---|
| „Komisch“/verzogen | Ohne Seitenverhältnis-Sperre skaliert. | Undo, dann mit Shift am Eck-Anfasser skalieren. |
| Exakte Größe (z. B. 30 mm) nicht erreichbar | Ziehen mit der Maus ist zu ungenau. | Home > Modify Design nutzen und die mm-Anzeige treffen. |
| Zoom ruckelt | Slider belastet das System durch ständiges Neuzeichnen. | Prozent-Dropdown (400%, 800%) nutzen. |
| Maschine findet die Datei nicht | Falsches Format oder Größenlimit/Stickrahmen passt nicht. | Korrektes Format exportieren (PES/DST). Prüfen, ob das Design in den realen Rahmen passt (z. B. Stickrahmen für brother se600 ist strikt 100x100 mm). |
| Rahmenspuren / Wellenbildung | Material beim Einspannen verzogen (v. a. Jersey). | Float-Methode prüfen oder Magnetrahmen für Brother PE800 nutzen, um ohne Reibungs-Zug zu halten. |
Ergebnis & nächste Schritte
Du hast jetzt einen Workflow, der sowohl die digitale Präzision von mySewnet als auch die physische Realität von Stoff und Faden respektiert.
Deine Ergebnisse:
- Eine gespeicherte .vp4 Masterdatei (dein Asset).
- Eine exportierte .pes Stickdatei (Maschinencode).
- Ein korrekt skaliertes Motiv, ohne Verzerrung.
Der nächste Level: Wenn du merkst, dass du mehr Zeit mit Einspannen als mit Design verbringst, ist das ein klares Signal: Prozess-Reibung zeigt dir, wo du als Nächstes optimieren solltest – z. B. mit Magnetrahmen oder (bei höherem Output) mit einer Mehrnadelstickmaschine.
