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Warum Mehrfach-Einspannen bei großen Motiven unverzichtbar ist
Wenn du schon einmal ein „großes“ Rückenmotiv oder ein vollflächiges Brustmotiv auf einer typischen Haushalts-Stickmaschine sticken wolltest, kennst du die harte Grenze: das Stickfeld. Die Maschine hat ein physisches Limit (oft 5x7" bzw. 6x10"), aber das Motiv – und manchmal auch der Kundenwunsch – ist deutlich größer. Genau hier hilft diese Methode: Mehrfach-Einspannen. Du teilst ein großes Motiv in zwei stickbare Dateien, stickst Teil 1, spannst neu ein und richtest Teil 2 so präzise aus, dass das Ergebnis wie „aus einem Stück“ wirkt.
Im Video wird ein größeres Motiv auf einem Zip-Hoodie mit einer Brother SE1900 gestickt. Das 5x7"-Limit wird umgangen, indem das Design in zwei Teile gesplittet und über exakt gesetzte Passmarken ausgerichtet wird.
Der Knackpunkt (und das ist bei Hoodies der „Elefant im Raum“): Ein Zip-Hoodie ist voluminös, schwer und hat einen harten Reißverschluss als Risiko-Zone. Klassische Schraub-Stickrahmen sind hier oft mühsam, brauchen Kraft und hinterlassen schnell Rahmenabdrücke. Genau deshalb ist ein Magnet-Stickrahmen in diesem Workflow mehr als Komfort: Er macht das Einspannen schneller, reduziert Verzug beim Einspannen und erlaubt die feinen Korrekturen, die du für eine saubere Passung zwischen Teil 1 und Teil 2 brauchst.
Damit du das wirklich reproduzierbar in deinen Ablauf bekommst, gehen wir durch:
- Workflow: Warum Splitten + Passmarken funktioniert (und warum es scheitert, wenn du beim Ausrichten „Pi mal Daumen“ arbeitest).
- Vorbereitung: Wie du einen Zip-Hoodie stabilisierst, damit nichts wandert oder sich ausdehnt.
- Technik: Wie du beim Re-Einspannen die Nadel exakt auf die Passmarke setzt.
- Fehlervermeidung: Lücken, Überlappungen und Reißverschluss-Kollisionen.
Mehrfach-Einspannen Maschinenstickerei

5x7"-Stickfeldgrenzen sauber umgehen
Mehrfach-Einspannen ist im Prinzip „manuelle Passung“ für Stickerei: Du erzeugst dir Referenzpunkte (Passmarken), die Teil 1 am Ende stickt und Teil 2 am Anfang wieder aufgreift. Du bist dabei das „Registriersystem“.
Warum ist das bei Hoodies besonders anspruchsvoll?
- Materialbewegung (Knit/Fleece): Hoodie-Stoffe sind meist Maschenware. Wenn du beim Einspannen ziehst, dehnt sich das Material. Entspannt es sich nach dem Sticken wieder, entstehen Wellen/Verzug.
- Volumen & Gewicht: Kapuze und Ärmel ziehen am Projekt. Schon wenige Millimeter Zug reichen, um die Passung zwischen den beiden Stickläufen zu ruinieren.
- Harte Hindernisse: Der Reißverschluss ist eine starre Kante. Trifft die Nadel darauf, ist Nadelbruch praktisch vorprogrammiert.
Designs effizient splitten
Im Video wird Ink/Stitch (als Erweiterung für Inkscape) genutzt, um das Motiv zu teilen. Die Software hilft – aber die Strategie kommt von dir.
Der „Pro“-Teil beim Splitten: Splitten heißt nicht einfach „in der Mitte durch“. Du steuerst zwei Dinge:
- Verzugskontrolle: Beide Einspannungen müssen mit möglichst identischer Materialspannung erfolgen.
- Passungskontrolle: Teil 1 und Teil 2 brauchen eine eindeutige „Handshake“-Referenz (Passmarke), die du später mechanisch prüfen kannst.
Wenn eines davon nicht passt, siehst du am Ende eine feine „Bruchkante“ (Lücke) oder eine unschöne Überlappung.
Software-Vorbereitung: Splitten in Ink/Stitch
Bevor du Stoff anfasst, muss die digitale Vorbereitung stimmen: zwei Dateien, die ins Stickfeld passen, plus Passmarken.

Split-Dateien erstellen
Was im Video passiert:
- Motiv in Inkscape/Ink/Stitch öffnen.
- Das Design in eine obere und eine untere Hälfte trennen.
- Jede Hälfte als eigene Stickdatei (z. B.
.PES) speichern.
Ziel: Zwei Dateien (z. B. Design_Part1.pes und Design_Part2.pes), die innerhalb deines maximalen Stickfelds laufen.
Praxis-Hinweis (Split-Stelle): Suche dir eine „natürliche“ Trennlinie im Motiv.
- Ungünstig: Durch eine große, dichte Satinfläche oder mitten durch einen Buchstaben.
- Günstig: Zwischen Elementen, an Farbwechseln oder in Bereichen, wo eine Naht optisch weniger auffällt.
- Puffer: Plane Luft zum Rand. Wenn dein Feld die Grenze ist, arbeite nicht „auf Kante“ – du brauchst Spielraum fürs Einspannen und fürs Ausrichten.
Passmarken (Ausrichtungs-Kreuze) hinzufügen
Was im Video passiert:
- Passmarken (Ausrichtungs-Kreuze) werden ergänzt.
- Die Überlappungs-/Koordinatenlogik wird geprüft.
Diese Markierungen sind dein Referenzsystem. Ohne Passmarken ist das zweite Einspannen reines Raten.
Vorgehen (wie im Workflow gezeigt):
- In der Software ein einfaches Kreuz (oder eine klare Kreuzform) als Laufstich anlegen.
- Diese Passmarke am unteren Ende von Teil 1 platzieren (als letzter/letzte Stopp, damit sie wirklich gestickt wird).
- Die identische Passmarke am oberen Anfang von Teil 2 platzieren (als erster Stichbereich).
Pro-Tipp – Rotation & Orientierung: Wenn du ein Design in der Software drehst, muss die reale Lage am Kleidungsstück dazu passen. Die Passmarken müssen immer „mitdenken“: Teil 2 muss in derselben Orientierung auf Teil 1 treffen.
Kritischer Fehler: Nach dem Splitten nicht mehr skalieren. Erst Größe festlegen, dann splitten – sonst passen die Teile nicht mehr zusammen.
Stickrahmen für brother se1900
Vorbereitung am Kleidungsstück
Hier scheitern die meisten Mehrfach-Einspannen-Projekte: schlechte Vorbereitung lässt sich später nicht „wegjustieren“.

Hoodie markieren
Was im Video passiert:
- Eine vertikale Mittellinie wird am Hoodie markiert.
Praxis-Check: Nutze wasserlöslichen Stift oder Schneiderkreide. Bei Maschenware nicht „ziehen“ beim Markieren – lieber punktweise markieren und verbinden.
- Sichtprüfung: Hängt die Linie optisch gerade zur Saumkante?
- Reißverschluss-Check: Plane den Stickbereich so, dass der Reißverschluss aus dem Näh-/Stickweg bleibt.
Stickvlies bei Zip-Hoodies
Was im Video passiert:
- Selbstklebendes Stickvlies wird auf der Rückseite im Stickbereich angebracht.


Warum das wichtig ist: Der Hoodie-Stoff soll beim Sticken nicht „mitarbeiten“. Das selbstklebende Vlies stabilisiert und verhindert, dass sich der Bereich beim Einspannen oder beim Lauf der Maschine verschiebt.
Vor dem Start prüfen:
- Reißverschluss und Zipper-Puller müssen sicher außerhalb der Stickbahn liegen.
- Achte darauf, dass keine Stofflagen (z. B. Rückenteil/Innenlage) versehentlich mit im Stickrahmen liegen.
Warnung: Mechanische Sicherheit. Finger weg vom Nadelbereich, nicht während des Laufens eingreifen. Bei voluminösen Teilen (Kapuze/Ärmel) unbedingt dafür sorgen, dass nichts unter den Stickrahmen gezogen wird.
Prep-Checkliste:
- Zwei Dateien exportiert (Teil 1 & Teil 2) inkl. Passmarken.
- Mittellinie sauber markiert.
- Selbstklebendes Stickvlies im Bereich angebracht.
- Reißverschlussbereich identifiziert und freigehalten.
Vorteil Magnet-Stickrahmen
Im Video wird ein Magnet-Stickrahmen verwendet. Für diesen Ablauf ist das besonders hilfreich, weil du beim Re-Einspannen schnell und kontrolliert nachjustieren kannst.
Warum Magnetrahmen schneller sind
Ein Magnet-Stickrahmen klemmt den Stoff zwischen Unterrahmen und magnetischem Oberteil.
Was das im Alltag bringt:
- Schraubrahmen: Einlegen, drücken, Schraube anziehen – dabei entsteht oft Zug/Verzug.
- Magnetrahmen: Stoff flach auslegen, Oberteil aufsetzen, einrasten lassen. Weniger „Zerren“ am Material.
Warum das für Passung entscheidend ist: Wenn Teil 2 mit anderer Spannung eingespannt ist als Teil 1, stimmt die Passung nicht mehr. Magnetrahmen helfen, die Materialspannung neutraler zu halten – genau das brauchst du beim Mehrfach-Einspannen.
Rahmenabdrücke auf dicken Stoffen reduzieren
Rahmenabdrücke entstehen durch hohen Druck und Reibung – bei Fleece sieht man das schnell als glänzenden Ring.
Praxis-Logik (wann sich das lohnt):
- Wenn du beim Einspannen regelmäßig kämpfst oder viel Zeit beim Re-Einspannen verlierst.
- Wenn du bei dicken Hoodies öfter Abdrücke bekommst oder Material verziehst.
- Für Haushaltsmaschinen kann ein passender Magnetrahmen für brother se1900 den Ablauf deutlich entspannen.
Warnung: Magnet-Sicherheit. Starke Magnete können Finger einklemmen. Beim Aufsetzen kontrolliert arbeiten und Abstand zu empfindlichen Datenträgern halten.
Schritt-für-Schritt: Stickablauf
Jetzt kommt die Ausführung – mit klaren Checks, damit du vor „Start“ weißt, dass die Passung stimmt.

Erste Hälfte sticken
Schritt 1 — Erste Position einspannen (oberer Teil)
- Aktion: Hoodie flach auf den Tisch legen. Unterrahmen in den Hoodie einlegen, Oberrahmen an der markierten Mittellinie ausrichten und aufsetzen.
- Gefühlstest: Fest, aber nicht „auf Trommel“ überdehnt.
- Sichttest: Reißverschluss liegt sicher außerhalb der Stickbahn.
Schritt 2 — Datei 1 sticken
- Aktion: Stickrahmen an die Maschine,
File_1.pesladen. - Kontrolle: Begrenzung/„Trace“ laufen lassen, damit die Nadel nicht in Richtung Reißverschluss fährt.
- Wichtig: Die Passmarke am Ende von Teil 1 muss mitgestickt werden – nicht überspringen.


Praxis-Checkpoint: Das Gewicht von Kapuze/Ärmeln abfangen (Tisch/Lap), damit nichts am Stickrahmen zieht.
Re-Einspannen und zweite Hälfte ausrichten
Schritt 3 — Stickrahmen abnehmen und neu positionieren
- Aktion: Stickrahmen abnehmen.
- Re-Einspannen: Magnetrahmen öffnen, den Rahmen nach unten versetzen, sodass die gestickte Passmarke aus Teil 1 im neuen Stickfeld passend liegt.
- Rahmen schließen: Magnetrahmen wieder aufsetzen.

Schritt 4 — Datei 2 laden und ausrichten (Nadel-Absenk-Test)
- Aktion:
File_2.pesladen. - Positionieren: In der Maschine zum ersten Stich navigieren (Passmarke).
- Prüfen: Nadel absenken (Handrad), sodass die Nadelspitze exakt in die bereits gestochene Passmarke von Teil 1 trifft.
- Korrigieren: Wenn es minimal daneben liegt: vor dem Start die Position so lange korrigieren, bis die Nadel sauber „ins Loch“ trifft.


Werkstatt-Realität: Bei Mehrfach-Einspannen ist „fast“ nicht gut genug. Wenn die Nadel nicht exakt auf der Passmarke landet, siehst du später eine Lücke.
Ablauf-Checkliste:
- Teil 1 komplett inkl. Passmarke gestickt.
- Neu eingespannt (tiefer versetzt).
- Teil 2 geladen.
- Nadel-Absenk-Test: Nadel trifft exakt die Passmarke aus Teil 1.
- Überschüssiger Stoff unter dem Stickrahmen freigeräumt.
Finish

Stickvlies und Passmarken entfernen
Schritt 5 — Zweite Hälfte sticken
- Aktion: Teil 2 sticken. Die Passmarke wird zuerst „fixiert“, danach läuft das restliche Motiv.
Schritt 6 — Nacharbeit
- Aktion: Stickrahmen abnehmen. Passmarken-Stiche vorsichtig entfernen.
- Stickvlies: Überschuss auf der Rückseite entfernen (wie im Video: abreißen/abziehen bei selbstklebendem Vlies).



Endkontrolle: Hoodie gegen das Licht halten und die Nahtstelle zwischen Teil 1 und Teil 2 prüfen. Bei sauberem Nadel-Absenk-Test ist der Übergang praktisch unsichtbar.
Vorbereitung (Entscheidungsbaum): Stickvlies + Einspann-Strategie
Nutze diese Logik, bevor du einen Hoodie riskierst.
Entscheidungsbaum (Material → Vlies/Rahmen):
- Ist der Stoff dehnbar (Maschenware/Fleece/Stretch)?
- JA: Stabilisierung ist Pflicht (im Video: selbstklebendes Vlies).
- NEIN: Stabilisierung trotzdem sinnvoll, aber weniger kritisch.
- Ist das Teil dick/voluminös (Zip-Hoodie)?
- JA: Magnet-Stickrahmen macht Einspannen und Re-Einspannen deutlich einfacher.
- NEIN: Standardrahmen geht, aber auf gleichmäßige Spannung achten.
- Passt das Motiv in deinen größten Rahmen in einem Durchlauf?
- JA: Einspannen und in einem Lauf sticken.
- NEIN: Splitten + Mehrfach-Einspannen wie hier.
Magnetrahmen für Stickmaschine
Setup: Maschine + Dateihandling
Wichtige Setup-Punkte aus dem Video-Kontext:
- Rahmen-/Feld-Auswahl: In der Software wird eine Multi-Position (5x12) Einstellung genutzt, um das Splitten zu planen – gestickt wird anschließend in 5x7-kompatiblen Teilen.
- Dateireihenfolge: Erst Teil 1 (oben), dann Teil 2 (unten).
Praxis-Checkliste:
- Richtige Dateien in der richtigen Reihenfolge auf der Maschine.
- Vor dem Sticken die Stickfläche/Begrenzung prüfen (Reißverschluss!).
Magnetrahmen für Stickmaschine
Troubleshooting (Symptom → Ursache → Fix)
| Symptom | Wahrscheinliche Ursache | Quick Fix | Vorbeugung |
|---|---|---|---|
| Sichtbare Lücke | Teil 2 nicht exakt auf die Passmarke ausgerichtet. | Vor dem Start Position korrigieren, bis die Nadel exakt auf die Passmarke trifft. | Nadel-Absenk-Test ist Pflicht. |
| Versatz/„Stufe“ im Motiv | Beim Re-Einspannen hat sich der Stoff minimal verschoben. | Neu ausrichten, bevor du Teil 2 startest. | Mit Magnet-Stickrahmen kontrolliert und ohne Zug einspannen. |
| Nadelbruch | Reißverschluss/Naht getroffen. | Nadel wechseln, Bereich prüfen. | Begrenzung/Trace vor jedem Lauf. |
| Rahmenabdrücke | Zu viel Druck/zu fest eingespannt. | Nachbehandlung je nach Material (oft hilft Waschen). | Magnet-Stickrahmen nutzen und nicht überdehnen. |
Praxis-Hinweis zur Produktion: In den Kommentaren wird angemerkt, dass manche Techniken sehr arbeitsintensiv und schwer zu kalkulieren sind. Mehrfach-Einspannen ist sauber, aber zeitkritisch: Wenn du das regelmäßig in Stückzahlen machst, musst du die Rüstzeit (Splitten, Ausrichten, Re-Einspannen) in deine Preislogik einrechnen.
Magnetrahmen für Stickmaschine
Ergebnis
Am Ende solltest du einen Zip-Hoodie mit einem großformatigen Motiv haben, das wie ein durchgehender Stick wirkt: Passmarken entfernt, Vlies sauber entfernt, Reißverschluss unbeschädigt.
Wenn du Mehrfach-Einspannen beherrschst, holst du aus einem 5x7"-System deutlich mehr heraus – entscheidend sind saubere Stabilisierung und das exakte Ausrichten über den Nadel-Absenk-Test.
