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5x7-Stickrahmen in Embrilliance korrekt einrichten
Ein sauberer Sticklauf beginnt nicht erst an der Maschine, sondern in der Software. In diesem Projekt erstellst du ein individuelles Küchenhandtuch-Layout, indem du zwei gekaufte Dateien (Suppenschüssel + Besteck-Set) zu einem Motiv kombinierst und den Stichverlauf „aufräumst“.
Warum überhaupt „aufräumen“? Auf einer strukturierten Oberfläche wie Frottee ist jeder unnötige Sprungstich ein Risiko: Er kann sich in Schlingen verfangen, beim Waschen hängen bleiben oder dich zu zusätzlichem manuellem Schneiden zwingen. Egal ob Ein-Nadel-Haushaltsmaschine oder Mehrnadelstickmaschine – eine „hygienische“ Datei ist ein echter Effizienzhebel.

Was du lernst (und warum es in der Praxis zählt)
Am Ende dieser Anleitung kannst du:
- Arbeitsfläche sauber aufsetzen: Den richtigen Stickrahmen wählen, damit später kein „Design exceeds area“/„Motiv überschreitet den Rahmen“ auftaucht.
- Digitale „Chirurgie“: Dateien zusammenführen und gezielt Teile entfernen (z. B. Messer/Gabel löschen, Löffel behalten).
- Schrift flexibel gestalten: Wörter als einzelne Objekte anlegen, um sie unabhängig zu drehen/positionieren – ohne teure Digitalisierungs-Tools.
- Den „Simulator-Trick“ anwenden: Mit Stitch Simulator + manuellen Farbwechseln Sprungstiche isolieren und als eigenes Objekt löschbar machen.

Schritt 1 — Rahmen zuerst festlegen
Bevor du irgendetwas importierst, definierst du die Grenzen.
- Embrilliance öffnen.
- Klicken auf
Preferences(Mac) bzw.Edit > Preferences(Windows). - Reiter Hoops auswählen.
- Standard-5x7-Rahmen wählen (ca. 130mm x 180mm).
Sichtkontrolle: Du solltest ein klar definiertes Rechteck sehen. Wenn das Raster „komisch“ wirkt (zu klein/zu groß), prüfe die Einheiten (mm vs. inches).
Warum das wichtig ist: Wer „ins Leere“ layoutet, skaliert später hektisch nach. Wenn die Begrenzung jetzt stimmt, passt dein kombiniertes Layout später auch wirklich in den physischen Stickrahmen.
Profi-Hinweis: Physik beim Einspannen
Software-Vorbereitung bringt wenig, wenn das Einspannen am Ende schlecht ist. Handtücher sind berüchtigt für Rahmenabdrücke (eingedrückter Flor durch Standardrahmen). Außerdem sind sie dick – das Schraubenspannen kann mühsam werden.
Typischer Schmerzpunkt: Wenn du mit der Schraube kämpfst oder nach dem Ausspannen dauerhaft plattgedrückte Fasern siehst, ist oft das Werkzeug der Engpass. Praxislösung: Viele Sticker:innen steigen auf Magnetrahmen für Stickmaschine um. Sie halten über Magnetkraft statt über Reibung, reduzieren Rahmenabdrücke und machen dicke Artikel wie Handtücher deutlich angenehmer beim Einspannen.
Vorbereitung (kurzer „Pre-Flight“-Check)
Nicht starten, bevor diese Basics sitzen – gerade bei Handtüchern.
- Nadel: Frische 75/11 Sharp (für Details) oder Ballpoint (bei sehr lockerem Gewebe). Schnelltest: Mit dem Fingernagel über die Spitze – wenn sie „hakt“, wechseln.
- Stickvlies: Oben wasserlösliche Folie/Topper (Solvy) – bei Frottee praktisch Pflicht, damit Stiche nicht im Flor versinken. Unten Tear-away (leichte Belastung) oder Cut-away (stärker/mehr Dichte).
- Hilfsmittel: Temporäres Sprühzeitkleber (z. B. Odif 505) und kleine gebogene Fadenschere bereitlegen.
- Unterfaden: Unterfadenspule ausreichend gefüllt. Sichttest: Bei einem Probestich (Satinstich) sollte der weiße Unterfaden etwa zu 1/3 mittig sichtbar sein.
- Maschine: Greifer-/Spulenkapselbereich entflusen – Handtücher produzieren viel Fussel.
Warnung: Sicherheit zuerst. Bei dicken Handtüchern Hände aus dem Nadelbereich halten. Wenn eine Nadel durch Materialdicke/Mehrlagen bricht, kann sie splittern. Niemals unter den Nähfuß greifen, solange die Maschine läuft.
Mehrere Stickdateien importieren und übereinanderlegen
Jetzt arbeitest du wie ein „Komponist“: Zwei separate digitale Motive werden zu einer Datei zusammengeführt.

Schritt 2 — Basisdesign importieren
- Klicken auf das
Open-Ordnersymbol. - Suppenschüssel-Datei auswählen.
- Prüfen, ob das Motiv komfortabel innerhalb der 5x7-Begrenzung liegt.

Schritt 3 — Zweites Design „mergen“ (nicht erneut „Open“)
Wenn du nochmal „Open“ nutzt, öffnest du ggf. ein neues Projekt/Fenster. Wir brauchen Layering im selben Arbeitsbereich.
- Klicken auf
Merge Stitch File(Symbol: Nadel auf Ordner). - Besteck-Set (Löffel/Gabel/Messer) auswählen.
- Kontrollieren, dass es im selben Workspace über der Schüssel landet.
Effizienz-Notiz: Mergen ist ein Schritt Richtung „Batch-Layout“. Wenn du mehrere Handtücher hintereinander produzierst, kann eine Einspannstation die Standzeiten zwischen den Teilen deutlich reduzieren.

Unerwünschte Elemente aus gekauften Designs löschen
Die Besteck-Datei enthält Löffel, Messer und Gabel. Du willst nur den Löffel – das ist „digitale Chirurgie“.

Schritt 4 — Präzise löschen über den Objektbaum
Nicht „blind“ im Motiv anklicken und löschen, wenn Elemente gruppiert sind – sonst verschwindet schnell das ganze Set.
- Rechts den Object Pane / Objektbereich öffnen.
- Pfeil anklicken, um die Besteck-Gruppe aufzuklappen.
- Den Stop/Block finden, der zum Messer gehört. Sichtkontrolle: Beim Anklicken wird das Messer im Motiv markiert/umrahmt.
Deletedrücken.- Wiederholen für die Gabel.
Sicherheitsnetz: Wenn das Falsche weg ist: sofort Ctrl+Z (Undo). Das ist genau der Moment, in dem Undo Zeit spart.
Schritt 5 — Positionieren und Ebenenwirkung prüfen
- Löffel anklicken und ziehen.
- Unter oder neben der Schüssel platzieren.
- Dichte prüfen: Keine Bereiche so übereinanderlegen, dass „bulletproof“ Dichte entsteht (zu viele Stiche übereinander erhöhen Nadelbruch-Risiko).
Upgrade-Pfad (Workflow): Wenn dir das Ausrichten schwerfällt, weil du die spätere Position auf dem Handtuch nicht gut „fühlst“, hilft eine Einspannstation für Maschinenstickerei, um das Handtuch wiederholbar gleich einzuspannen und die Software-Position in der Realität zu treffen.
Textlayout meistern: Drehen und jedes Wort als eigenes Objekt
Standard-Schriftwerkzeuge erzeugen oft eine gerade Zeile. Für einen „handlettering“-Look ohne Zusatzsoftware nutzt du die Technik: jedes Wort als eigenes Textobjekt.

Schritt 6 — Ansicht zentrieren
- Center-Compass (Zentrier-Kompass) anklicken, damit das Motiv wieder mittig im Arbeitsbereich liegt.
Schritt 7 — Wörter als einzelne Textobjekte anlegen
Nicht den ganzen Satz in einem Rutsch tippen.
A(Lettering) anklicken.- „La“ tippen -> Größe auf 1 inch setzen.
- Außerhalb klicken, um das Objekt zu „setzen“.
Aerneut anklicken.- „Cocina“ tippen -> Größe setzen.
- Wiederholen für „de“ und „Abuela“.
Hinweis aus der Praxis: In den Kommentaren kam mehrfach die Frage nach der Schrift. Die Erstellerin verweist auf den Link in der Videobeschreibung; in einer Antwort nennt sie den Font Mayah.

Schritt 8 — „Kippen“ und fein positionieren
- „Cocina“ auswählen.
- Grünen Rotationsgriff greifen und leicht drehen.
- In Position ziehen (z. B. um die Schüssel herum).
- Für „Abuela“ wiederholen, bis das Layout optisch ausbalanciert ist.
Profi-Detail: Denke an Stichzug (Stitch Pull). Garn zieht Material minimal zusammen. Setze Text nicht „auf Kante“ an die Schüsselkontur. Ein kleiner Abstand (ca. 1–2 mm) wirkt auf dem Bildschirm vielleicht groß, schließt sich aber beim Sticken oft etwas.
Zusatz aus der Praxis (aus den Kommentaren): Viele fragen, wie man die Textzeilen parallel/gleichmäßig hält. Embrilliance kann Objekte ausrichten; die Erstellerin richtet in der Praxis häufig „nach Augenmaß“ aus.
Fortgeschrittener Trick: Sprungstiche im Stitch Simulator isolieren und löschen
Das ist der „Black-Belt“-Move: Du nutzt den Stitch Simulator, um Embrilliance dazu zu bringen, einen Sprungstich als eigenes löschbares Objekt zu behandeln.

Das Problem: Die „krakeligen“ Linien
Auf einem Handtuch sind lange Sprungstiche (z. B. von der Schüssel zum Löffel) echte Störfaktoren: Sie können sich verhaken und sehen unsauber aus. Ziel: aus der Datei entfernen, nicht nur später abschneiden.

Schritt 9 — Sprung im Simulator finden
Stitch Simulatoranklicken (Nadel/Faden-Symbol).- Slider ziehen, bis der Sprungstich sichtbar wird (lange Linie zwischen zwei Bereichen).
- Gezielt hineinzoomen.

Schritt 10 — Der „Stop & Split“-Trick über Farbwechsel
Damit du den Sprung löschen kannst, muss er als eigenes „Objekt“ im Objektbaum auftauchen. Das erzielst du über erzwungene Farbwechsel.
- Slider exakt auf den Stich vor Beginn des Sprungs setzen.
Stop(Achteck) klicken.- Farbe wechseln auf eine gut erkennbare Farbe (z. B. kräftiges Blau).
- Slider vorwärts bis zum Stich, an dem der Sprung endet.
Stopklicken.- Farbe zurück auf die Originalfarbe (oder eine dritte Farbe) setzen.
Ergebnis: Der Sprungstich ist jetzt zwischen zwei Farbwechseln „eingeklemmt“ und wird als eigener Mini-Block sichtbar.

Schritt 11 — Isoliertes „Sprung-Objekt“ löschen
- Zurück in die normale Designansicht.
- Objektbaum prüfen: Du siehst einen winzigen neuen Farbblock (z. B. den blauen).
- Diesen Mini-Block auswählen.
Deletedrücken.

Schritt 12 — Kontrolle
Die krakelige Linie sollte verschwunden sein. Damit läuft die Maschine sauber weiter, ohne einen Faden quer über dein Motiv zu ziehen.
Produktionsrealität: Auf einer Ein-Nadel-Maschine sparst du dir manuelle Schnitte. Auf brother Mehrnadel-Stickmaschinen läuft die Datei deutlich „glatter“, weil automatische Fadenschneider weniger unnötige Fäden/Wechsel „mitschleppen“.
Endkontrolle (Go/No-Go)
Diese Liste einmal durchgehen, bevor du an der Maschine startest.
- Simulator-Check: Simulator einmal komplett laufen lassen, um sicherzugehen, dass nicht versehentlich ein Teil der Schüssel gelöscht wurde.
- Rahmen-Check: Ist das Motiv zentriert?
- Topper: Liegt die wasserlösliche Folie (Solvy) oben auf dem Handtuch?
- Fadenweg: Sitzt der Oberfaden sauber in den Spannungsscheiben? (Am Faden nahe der Nadel ziehen: spürbarer Widerstand, „springt“ leicht wie Zahnseide.)
- Freigang: Ist der Stickarm frei (keine Wand/Objekte im Weg)?

Entscheidungshilfe: Handtuchtyp vs. Stabilisierung
Ein Handtuch ist nicht einfach „ein Handtuch“. Nutze diese Orientierung für die Rückseite.
- Szenario A: Normales Küchenhandtuch (Standard)
- Oben: Wasserlösliche Folie.
- Unten: Tear-away (mittlere Stärke).
- Nadel: 75/11 Sharp.
- Szenario B: Dickes/plüschiges Badetuch
- Oben: Stärkere wasserlösliche Folie.
- Unten: Cut-away Mesh (reduziert Ausreißen/Löcher) + temporärer Sprühkleber.
- Rahmen: Magnetrahmen 5x7 für brother (hilft, den Flor weniger zu quetschen).
- Szenario C: Dünnes „Flour Sack“-Tuch
- Oben: Meist nicht nötig (außer bei sehr komplexen Motiven).
- Unten: No-show Mesh (Cut-away) gegen Verzug.
Warnung: Magnet-Sicherheit. Wenn du auf einen Magnetrahmen umsteigst: vorsichtig handhaben. Industriemagnete können stark einklemmen und müssen von Herzschrittmachern sowie empfindlicher Elektronik ferngehalten werden.
Ergebnis

Du bist von „Download & Stick“ zu einem echten Custom-Workflow gewechselt. Du hast:
- Deine Arbeitsfläche korrekt dimensioniert.
- Motive zusammengeführt und eine eigene Komposition erstellt.
- Sprungstiche entfernt, damit das Ergebnis sauber und verkaufsfähig wirkt.
Wenn du das fertige Handtuch in der Hand hast, streiche über die Stickerei: Sie sollte glatt wirken, ohne lose Fäden, die hängen bleiben. Der Text liegt harmonisch um die Schüssel, und der Löffel wirkt wie ein integrierter Teil des Designs.
Nächster Schritt
Wenn dir der Prozess Spaß macht, aber dich die Rüstzeit pro Handtuch nervt: In der Praxis löst man das mit besserem Equipment. Stickrahmen für Stickmaschine mit Magnetkraft statt Reibung können die Einspannzeit deutlich reduzieren – und eine hoop master Einspannstation hilft, dass 10 Handtücher hintereinander wirklich identisch positioniert sind.
Erst die Software beherrschen (wie heute), dann die Hardware passend zum Workflow aufrüsten. Viel Spaß beim Sticken!
