Maschinenstickerei-Couching mit Bernina Fuß #72: Insert-Auswahl, sauberes Setup und In-Hoop-Reparatur bei Fehlstichen

· EmbroideryHoop
Lerne, wie du ein einfaches Quiltmotiv in ein strukturiertes Couching-Design verwandelst – mit dem Bernina-Stickmodul und Fuß #72 samt Couching-Insert. Dieser Leitfaden führt dich durch die Insert-Größenwahl (Dimple-Code), das Einfädeln von Spezialgarn wie Razzle Dazzle, das Einstellen der Fußhöhe über das Goldrad gegen „Dimpling“/Verzug sowie eine praxissichere In-Hoop-Methode, um ausgelassene Couching-Stiche zu reparieren, ohne den Stickrahmen zu lösen. Dazu kommen konkrete Start-Checks, Hinweise zur Vlies-Entscheidung und Workflow-Upgrades für schnelleres Einspannen.
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Inhaltsverzeichnis

Einleitung: Textur, die „teuer“ aussieht

Couching mit dem Stickmodul ist für viele ein echter Geheimtrick: Aus einem simplen Laufstichmotiv wird eine erhabene, kordelartige Struktur, die handgemacht wirkt – aber mit der Präzision der Maschine entsteht. Gleichzeitig ist Couching für Einsteiger oft nervenaufreibend: Fängt die Nadel das Material zuverlässig? Ziehe ich das Garn falsch? Ruiniere ich mir das Projekt?

In diesem Masterclass-Tutorial zerlegen wir Corinnes Demo an der Bernina B 590 mit dem Fuß #72 (Adjustable Ruler Foot) und Couching-Inserts. Wir bleiben nicht beim „Wie“, sondern erklären das „Warum“ – inklusive klarer Sicht-/Fühl-Checks und Grenzen, innerhalb derer die Technik stabil läuft.

Du lernst:

  • Tooling lesen: Dimple-Codes sicher interpretieren.
  • Sauber montieren: Insert korrekt einklicken und Sitz prüfen.
  • Physik beherrschen: Fußhöhe über das „Goldrad“ so einstellen, dass der Stoff nicht eingedrückt wird.
  • Fehler retten: Ausgelassene Couching-Stiche reparieren, ohne auszuspannen (entscheidend, wenn du teure Teile retten willst).
Corinne holding the packaged Bernina #72 foot and couching inserts.
Introduction of required tools.

Werkzeuge verstehen: Fuß #72 und Inserts

Couching ist ein Balanceakt aus drei Kräften: Bewegung des Stickrahmens, Anpressdruck/Fußhöhe und der gleichmäßige Nachlauf des Couching-Materials. Passt das Zusammenspiel, bekommst du eine saubere, gleichmäßige Kordel-Optik. Kämpfen die Kräfte gegeneinander, entstehen Fehlstiche und Wellen.

Das Prinzip „Schweben“

Im Gegensatz zu vielen Standard-Stickfüßen soll Fuß #72 nicht „platt“ aufliegen, sondern knapp über dem Material schweben. Das ist wichtig, weil das Couching-Insert die Bauhöhe an der Fußunterseite deutlich erhöht.

Typische Fehlerstellen (und wie du sie vermeidest):

  1. Zu wenig Luft (der „Schneepflug-Effekt“): Ist der Fuß zu niedrig, schiebt er den Stoff vor sich her. Das verschlechtert die Passung/Ausrichtung und kann das Motiv sichtbar verziehen. Ziel: Der Fuß soll den Stoff nur sanft berühren – nicht zusammendrücken.
  2. Zug am Material: Wird das Couching-Garn (Wolle, Razzle Dazzle etc.) straff nach hinten/seitlich gezogen oder in einem harten Winkel geführt, „verfehlt“ die Nadel das Material – es kommt zu Auslassern.

Praxis-Kontext: Effizienz im Workflow Wenn du vom Hobby in Richtung Verkauf gehst (z. B. Tischläufer, Taschen, personalisierte Artikel), ist Effizienz direkt Marge. Couching läuft meist langsamer als Standardstickerei – deshalb muss das Setup sitzen und Wiederholungen müssen schnell gehen. Genau hier wird deine Einspann-Strategie wichtig. Später sprechen wir darüber, wie Upgrades wie Magnetrahmen den Ablauf bei Serien stabilisieren können.

Displaying a finished table runner with Celtic knot couching designs.
Showcasing finished examples.

Das passende Couching-Material wählen

In der Demo nutzt Corinne Superior Threads Razzle Dazzle – ein dickes, strukturiertes Effektgarn. Die Grundlogik gilt aber genauso für Wollgarn, metallische Kordeln oder andere dekorative Materialien.

View of the Bernina B 590 machine with the heart design loaded on screen.
Setup phase.

„Gravity Test“ für die Insert-Auswahl

Die goldene Regel aus dem Video: Nimm das kleinste Insert-Loch, durch das dein Material frei durchlaufen kann.

Was heißt „frei“ in der Praxis?

  • Test: Fädle das Material durch das Insert (in der Hand, nicht am Fuß). Halte das Insert hoch und lass das Material locker.
  • Bestanden: Das Material rutscht durch sein Eigengewicht oder gleitet ohne spürbaren Widerstand.
  • Durchgefallen: Spürst du Reibung, Haken oder „Zippen“, ist das Loch zu klein – eine Nummer größer wählen.

Oft übersehene „Kleinteile“

Vor dem Start lohnt sich ein kurzer Check:

  • Gebogene Stickschere: Zum sauberen Kürzen von Fusseln/Enden.
  • Pinzette: Hilfreich beim ersten Durchfädeln.
  • Frische Nadel: In der Demo wird keine Nadelgröße festgelegt; wichtig ist vor allem: nicht „abgenudelt“ starten, damit das Material zuverlässig gefasst wird.

Schritt-für-Schritt: Maschinen-Setup fürs Couching

Halte dich an diese Reihenfolge – sie schützt Maschine und Projekt.

Close up of Foot #72 showing the gold adjustment dial.
Explaining tool features.

Schritt 1 — Inserts über den Dimple-Code identifizieren

Die Inserts sind mechanisch codiert:

  • 3 Dimples: Größtes Loch (für sehr dickes Garn/Kordel).
  • 2 Dimples: Mittleres Loch.
  • Keine Dimples: Kleinstes Loch.

Corinne nimmt in der Demo das Insert ohne Dimples (klein).

Hand holding three different sized couching inserts comparing the dimple codes.
explaining the coding system for sizes.

Praxis-Tipp: Streiche mit dem Daumen über die Oberfläche und „fühle“ die Dimples. Unter Werkstattlicht oder bei Spiegelungen ist das zuverlässiger als nur hinzuschauen.

Schritt 2 — Insert in Fuß #72 einklicken und Freigang prüfen

Corinne klickt das Insert in die Unterseite von Fuß #72 ein.

Snapping the metal couching insert into the bottom of the foot.
Assembly of the foot.

Merkpunkt (Hören/Fühlen): Es muss ein klarer „Klick“ zu hören/zu spüren sein. Das Insert sitzt über eine Gummidichtung. Wenn es nicht sauber einrastet, kann es schief sitzen – und dann läuft das Material unruhig oder die Nadel trifft nicht sauber durchs Zentrum.

Sicherheitscheck: Fuß in der Hand drehen und leicht gegen das Insert drücken. Es darf nicht wackeln.

Schritt 3 — Der Maschine den richtigen Fuß „melden“

Auf der Bernina-Oberfläche (und vielen modernen Maschinen) solltest du den verwendeten Fuß auswählen.

  • Warum? Damit die Maschine weiß, welcher Fuß montiert ist und keine Fehlermeldungen/Schutzreaktionen auslöst.
  • Aktion: Fuß #72 auswählen, bevor du startest.

Schritt 4 — Couching-Material manuell durch den Fuß fädeln

Corinne zeigt: Für viele ist es am einfachsten, das Material von Hand durch die Öffnung am Fuß zu führen und unten durch das Insert-Loch herauszuziehen.

Showing the spool of Razzle Dazzle thread by Superior Threads.
Material selection.

Praxis-Tipp aus dem Video: Eine saubere, „spitze“ Garnspitze vorbereiten (z. B. leicht zusammendrehen), dann lässt es sich deutlich leichter einfädeln.

Prep-Checkliste: „Pre-Flight“ vor dem Start

Nicht auf Start drücken, bevor diese Punkte sitzen.

  1. [ ] Insert sitzt: Klick gehört/gefühlt, Insert liegt plan.
  2. [ ] Freigang geprüft: Fuß absenken und visuell prüfen, dass genug Luft da ist (das Insert baut Höhe auf).
  3. [ ] Materiallauf: Ein Stück Material durchziehen – es muss gleichmäßig laufen.
  4. [ ] Einspannen: Stoff und Stickvlies sauber und glatt im Stickrahmen, ohne Verzug.
  5. [ ] Materialführung: Das Couching-Material liegt locker und kann nachlaufen (nicht straff ziehen).

Hinweis zum Einspannen: Wenn du Probleme mit gleichmäßiger Spannung hast oder Rahmenspuren/Rahmenabdrücke auf empfindlichen Stoffen bekommst, ist das ein Zeichen, dass Technik und Werkzeug nicht optimal zusammenpassen. Sauberes Einspannen für Stickmaschine ist die Basis – und je nach Material kann auch Hardware helfen.

Troubleshooting: Fußhöhe und Druck richtig einstellen

Das ist der wichtigste Teil der Demo: Corinne kalibriert die Fußhöhe direkt am laufenden Stichbild.

The red sparkle thread being pulled through the bottom of the foot insert.
Threading the foot.

Symptom 1: „Schneepflug“ (Stoff wird eingedrückt/zieht Wellen)

Zu Beginn sieht man, wie der Stoff sichtbar eingedrückt wird („dimpling“).

Ursache: Durch das Insert ist der Abstand zur Stichplatte kleiner – die Standardhöhe ist jetzt zu niedrig.

Lösung: Das Goldrad am Fuß #72.

  • Aktion: Goldrad drehen, um den Fuß höher zu stellen.
  • Visueller Check: Sobald der Stoff nicht mehr eingedrückt wird und flach liegt, passt die Höhe.
The foot pressing too hard on the fabric causing a visible dimple/depression around the needle.
Demonstrating incorrect height setting.

Warnung: Mechanische Sicherheit
Hände weg vom Nadelbereich. Wenn du während des Laufens am Goldrad nachstellst (nur wenn deine Maschine/Anleitung das zulässt), bleib seitlich und halte Finger sowie Ärmel fern von Nadelstange und Nadelklemmbereich.

Symptom 2: Fußsensor-/Fuß-Erkennungsfehler

Corinne erwähnt, dass die glänzende Feder am Fuß #72 bei manchen Maschinen die Sensorik irritieren kann.

Korrektur
Bei wiederholten „Check Foot“-Meldungen die reflektierende Stelle testweise mit einem kleinen Stück Malerkrepp abdecken (rückstandsfrei).

Entscheidungslogik: Stickvlies & Materialverhalten

Couching bringt Gewicht und Reibung ins System. Das erhöht den Bedarf an Stabilität.

1. Ist der Stoff stabil (z. B. Denim/Canvas)?

  • JA: Reißvlies ist oft ausreichend.
  • NEIN: Weiter zu Punkt 2.

2. Ist der Stoff instabil/empfindlich (z. B. Jersey, Seide)?

  • JA: Mehr Stabilität einplanen; ggf. stärkeres Vlies und saubere Verbindung Stoff/Vlies, damit nichts wandert.
  • Hardware-Option: Wenn der Stoff rutscht oder du Rahmenspuren vermeiden willst, kann eine Magnetische Einspannstation beim reproduzierbaren Einspannen helfen.

3. Ist das Couching-Material sehr dick (Wolle, dickes Garn)?

  • JA: Fußhöhe deutlich erhöhen und besonders auf freien Materiallauf achten.

Pro-Tipp: Ausgelassene Couching-Stiche im Stickrahmen reparieren

Nichts ist ärgerlicher als ein nahezu perfektes Motiv mit einer Stelle, an der das Material „frei“ liegt. Corinne zeigt eine Rettungstechnik, ohne auszuspannen.

Hand turning the gold dial on the foot to correct the pressure.
Adjusting machine settings.

So erkennst du den Fehler

Ein „Skip“ zeigt sich als lose Schlaufe/Abschnitt, in dem das Couching-Material nicht festgetackert ist und sichtbar über dem Stoff liegt.

Smoother stitching action forming the heart shape with the red cord being laid down.
Successful couching execution.

Die In-Hoop-Reparatur (schnell und sicher)

  1. Nicht ausspannen. Stickrahmen dranlassen, damit die Passung erhalten bleibt.
  2. Modus wechseln: Von Stickmodus auf Nähmodus umschalten.
A section of the heart design where the thread was not caught, creating a flat loop/skip.
Identifying an error.
  1. Positionieren: Nadel über die Stelle bewegen (über Bildschirmsteuerung/Positionierung).
  2. Fixieren: Mit Geradstich direkt über das lose Material nähen, um es festzulegen.
The machine screen showing the switch from Embroidery mode to Sewing mode.
Software interface navigation for repair.
  1. Kontrolle: Die Stelle sollte danach flach anliegen und nicht mehr „flaggy“ wirken.
Needle stitching directly over the loose cord in sewing mode to fix the skip.
Repairing the mistake.

Ablauf-Checkliste während des Stickens

  • Erste Stiche beobachten: In den ersten Stichen sofort reagieren, wenn der Stoff eingedrückt wird.
  • Materialführung locker: Material nachlaufen lassen – nicht wegziehen.
  • Anfangsende kürzen: Nach ein paar Stichen das Anfangsende sauber abschneiden, damit es nicht ungewollt mit festgenäht wird.
  • Geräusch-Check: Ungewöhnliche Schleif-/Kratzgeräusche deuten auf zu wenig Freigang hin.

Ergebnis: Qualität beurteilen

Am Ende steht ein sauberes Herzmotiv mit gleichmäßiger, erhabener Struktur. Ein gutes Couching-Ergebnis wirkt durchgehend „voll“, ohne sichtbare flache Stellen.

Finger pointing to the repaired spot which is now flat and secure.
Verifying the fix.

Der versteckte Engpass: Einspann-Müdigkeit

Während im Video die Stichtechnik im Fokus steht, ist in der Praxis oft das Einspannen der Flaschenhals – besonders wenn du mit dickeren Vlies-Sandwiches arbeitest. Schraubrahmen kosten Zeit und können bei empfindlichen Stoffen Rahmenspuren verursachen.

Für viele ist ein Magnetrahmen der Wendepunkt: Statt Schraubdruck wird das Material über Magnetkraft gleichmäßig gehalten.

  • Vorteil 1: Weniger Rahmenspuren (weil kein harter Reibring „reibt“).
  • Vorteil 2: Schnelleres Einspannen.
  • Vorteil 3: Gleichmäßiger Halt rundum, was bei Couching gegen Verzug helfen kann.

Warnung: Magnet-Sicherheit
Hochwertige Magnetrahmen für Stickmaschine arbeiten mit starken Neodym-Magneten.
* Quetschgefahr: Magnete nicht auseinanderreißen – seitlich wegschieben.
* Medizinische Geräte: Abstand zu Herzschrittmachern/ICDs einhalten.
* Elektronik: Fernhalten von Karten mit Magnetstreifen und empfindlichen Datenträgern.

Upgrade-Pfad (vom Hobby zur Produktion)

Wenn dir die Technik gefällt und du sie häufiger einsetzen willst:

  1. Level 1 (Technik): Fuß #72 + Goldrad-Feineinstellung sicher beherrschen.
  2. Level 2 (Workflow): Magnetrahmen evaluieren – z. B. der Snap Hoop Magnetrahmen für bernina als markenspezifische Option.
  3. Level 3 (Skalierung): Bei größeren Stückzahlen kann eine Mehrnadelstickmaschine den Durchsatz erhöhen.

Wenn du die drei Sensorik-Anker aus der Demo verinnerlichst – Klick (Insert sitzt), Schweben (Fußhöhe passt) und freier Lauf (Material wird nicht gezogen) – wird Couching von „Glückssache“ zu einem reproduzierbaren Prozess.