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Ein ITH-Geschirrtuchhalter ist ein Projekt, das auf den ersten Blick „einfach nur süß“ wirkt. In der Praxis ist es aber eine kleine Konstruktionsaufgabe: Deine Maschine soll erst ein festes, freistehendes Teil (den Halter) aufbauen – und danach ein weiches, voluminöses Handtuch so besticken, dass nichts schief sitzt oder wandert.
In dieser Anleitung arbeiten wir nicht nach dem Motto „wird schon“. Wir gehen das Projekt so an, wie man es in einer sauberen Werkstatt- oder Kleinserien-Umgebung macht: mit Fokus auf Stabilisierung, Schichtaufbau und Werkzeug/Handling, damit du ein Ergebnis bekommst, das sich zuverlässig wiederholen lässt.
Hier kommt deine praxisorientierte Masterclass für In-the-Hoop (ITH) Towel Hangers.

Materialliste: Das Fundament
Bei ITH entscheidet das Material über 80 % des Ergebnisses. Wenn du hier sparst, rächt es sich später an Kanten, Passung und Stabilität.
Das brauchst du:
- Stickmaschine: Einnadel geht, eine Mehrnadelstickmaschine ist für Serien schneller.
- Stickrahmen: Muss 5.02" x 8.43" aufnehmen.
- Stoffe: 2x Baumwolle (je 6" x 10") für den Halter + 1 Tea Towel.
- Stickvlies A (Struktur): OESD AquaMesh (wasserlöslich). Wichtig: 2 Lagen.
- Stickvlies B (Fixierung): OESD StabilStick (selbstklebendes TearAway) fürs Handtuch.
- Einlage: FiberForm (das „Skelett“/die Versteifung im Halter).
- Kleber & Applikationshilfe: Temporärer Sprühkleber (505 oder Web Bond) + Fuse and Fix für die Applikation.
- Nadel: 75/11 (Sticknadel/Sharp). Das ist die im Tutorial empfohlene Größe.
- Garn: Isacord 40 wt (Oberfaden) + OESD Unterfaden (zunächst). Für die Satinkante später Isacord auch im Unterfaden.

Versteckte Verbrauchsteile & Vorab-Checks
Fortgeschrittene schauen vor dem Start auf die Stellen, an denen das Projekt typischerweise kippt.
- „Frische-Nadel“-Regel: FiberForm ist fest. Mit stumpfer Nadel steigt Reibung – das kann zu Fadenproblemen und unsauberer Kante führen. Starte mit einer frischen 75/11.
- „Kleber-Realität“: Sprühkleber ist hilfreich, aber zu viel davon kann Fussel binden und später die Fadenführung verschmutzen. Lieber leicht und gleichmäßig.
- Rahmen-Check: Der Halter wird als „Sandwich“ gestickt (Vlies + FiberForm + Stoff). Wenn dein Rahmen hier zum „Aufdrehen“/Verziehen neigt, bekommst du schneller Versatz.
Entscheidung: Brauche ich eine Einspannhilfe?
* Szenario A: 1–2 Stück für zuhause.
Fazit:* Markieren, sauber ausrichten, in Ruhe arbeiten.
* Szenario B: Mehrere Sets für Markt/Shop.
Fazit:* Manuelles Markieren driftet. Eine Einspannstation für Stickmaschinen hilft, die Positionierung über alle Handtücher hinweg gleich zu halten.

Prep-Checkliste (vor dem ersten Stich):
- Rahmen & Einspannen: Rahmen sauber, Schraube/Spannung passend eingestellt.
- Unterfaden-Plan: 1x OESD-Unterfaden für die Konstruktionsschritte, 1x Isacord passend zur Satinkante.
- Schneidwerkzeug: 18-mm-Rollschneider scharf (für das Innenfenster entscheidend).
- Sprühkleber-Test: Einmal kurz in den Mülleimer sprühen, damit die Düse sauber läuft.
Warnung: Klingensicherheit. Das Innenfenster wird mit Klinge/Schere sehr nah am Arbeitsbereich geschnitten. Hände aus der Schnittlinie halten und niemals „zu dir hin“ schneiden. Fürs Trimmen den Rahmen von der Maschine nehmen (aber das Material im Rahmen lassen), damit nichts versehentlich bewegt wird.
Phase 1: Der Halter – Aufbau wie ein Bauteil
Das ist weniger „Deko-Sticken“ und mehr „Aufbauarbeit“: Der Halter muss steif genug sein, um das Handtuch zu tragen.
1) Basis: AquaMesh richtig einspannen
Spanne zwei Lagen AquaMesh gemeinsam ein. Eine Lage ist bei dichter Satinkante deutlich anfälliger.
Schnelltest: Klopf leicht auf das eingespannte Vlies. Es sollte sich wie eine straff gespannte Trommel anfühlen. Wenn es weich nachgibt: neu einspannen.

2) Versteifung: FiberForm zuschneiden (ohne unnötige Dicke)
Übertrage die Vorlage auf FiberForm. Außen kannst du mit Schere schneiden, für das Innenfenster ist ein 18-mm-Rollschneider ideal, weil du damit saubere Ecken hinbekommst.
Wichtiges Detail aus dem Tutorial: FiberForm geht nicht bis in die Lasche/Tab hoch.
- Warum: Der Körper soll stabil sein, die Lasche muss sich später umklappen lassen (Buttonhole/Knopf). FiberForm in der Lasche macht unnötig dick und unflexibel.


3) Schichtaufbau: „Floating“ auf dem Vlies
Sprühe die Rückseite des FiberForm leicht ein und platziere es innerhalb der Platzierungslinie. Danach die linke Stoffseite des ersten 6" x 10"-Stücks leicht einsprühen und glatt auflegen.
Praxis-Hinweis: Dieses Sandwich ist relativ dick. Wenn du merkst, dass dein Rahmen bei solchen Aufbauten nicht gleichmäßig klemmt, sind Magnetrahmen in der Praxis oft die bequemere Lösung, weil sie ohne Verdrehen gleichmäßig von oben pressen.

4) Doppelte Schnittlinie: Warum sie dir das Leben leichter macht
Nach dem nächsten Schritt siehst du eine doppelte Linie.
- Linie 1: hält den Stoff sicher.
- Linie 2: ist deine Trimmlinie.
Trimme den Stoff sehr nah an der äußeren Linie.
- Technik: Doppelt gebogene Applikationsschere flach am Rahmen/Vlies anlegen. So kommst du nah ran und reduzierst das Risiko, ins Vlies zu schneiden.


5) Deko + Rückseite auflegen (Rahmen nicht ausspannen)
Sticke die Zierelemente (Swirls), Schrift und Herz. Danach den Rahmen von der Maschine nehmen (nicht ausspannen), umdrehen und den zweiten Stoff (6" x 10") auf der Rückseite mit Sprühkleber „floating“ auflegen, sodass die Rückseite der Stickerei abgedeckt ist.

6) Satinkante: Der Profi-Finish-Schritt
Stopp – Unterfaden wechseln. Wechsle vom hellen Konstruktions-Unterfaden auf Isacord 40 wt passend zum Oberfaden.
- Warum: Die Satinkante umschließt die Rohkante. Mit passendem Unterfaden sieht die Rückseite deutlich sauberer aus (kein „Durchblitzen“ heller Unterfäden).

Phase 2: Das Handtuch – Floating & Applikation ohne Verzug
Jetzt wechseln wir von „starr aufbauen“ zu „voluminös sauber fixieren“. Handtücher sind dick und lassen sich oft schlecht klassisch einspannen – außerdem drohen Rahmenspuren.
1) StabilStick: Klebefläche vorbereiten
Spanne eine Lage StabilStick TearAway mit Papierseite nach oben ein. Papier mit einem „X“ anritzen (nur Papier, nicht das Vlies) und abziehen – jetzt hast du eine Klebefläche.
Diese Vorgehensweise wird häufig als Floating-Stickrahmen-Technik beschrieben: Das Material liegt oben auf und wird nicht zwischen die Ringe gequetscht.

2) Ausrichtung: Markierungen, die wirklich funktionieren
Markiere die Mitte am Vlies (Fadenkreuz). Am Handtuch eine vertikale Mittellinie markieren und zusätzlich eine horizontale Linie 5 inches über dem Saum. Diese Höhe ist im Tutorial bewusst gewählt, damit das Motiv später beim „Dritteln“ des Handtuchs gut sitzt.
Serien-Tipp: Wenn du oft merkst, dass Handtücher minimal schief aufkleben, hilft eine mechanische Ausrichtung über eine hoopmaster Einspannstation (oder vergleichbare Rahmen-/Ausrichtstation), weil du damit reproduzierbarer arbeitest.

3) Fuse and Fix: Applikation sauber, flach und waschbar
Bügle Fuse and Fix auf deine Applikationsstoffe.
- Warum (wie im Tutorial erklärt): Es gibt dem Stoff „Body“, ohne ihn hart zu machen, und erleichtert sauberes Platzieren, weil du nach dem Abziehen des Trägerpapiers eine klebende Seite hast.



Phase 3: Auswaschen, Knopfloch, Montage
Nach dem Sticken den Halter aus dem Rahmen nehmen, überschüssiges AquaMesh grob zurückschneiden und den Rest mit lauwarmem Wasser ausspülen.
- Gefühlstest: Anfangs fühlt es sich leicht „glitschig“ an – weiter spülen, bis das weg ist. Nicht aggressiv rubbeln, damit die Satinkante nicht aufraut.
Dann das Knopfloch öffnen (im Tutorial mit sehr scharfer Schere/Knopflochwerkzeug).
- Praxis-Tipp: Arbeite langsam – das ist der Moment, in dem man am ehesten in die Satinstiche rutscht.

Montage: Lasche nach hinten umklappen, Knopfposition markieren und den Knopf auf der Rückseite annähen. Im Tutorial wird ein flacher 1/2 inch-Knopf empfohlen (kein Knopf mit Öse), damit die Lasche sauber schließt.
Praxis-Idee aus den Kommentaren: Wenn der Halter über einen größeren Ofengriff passen soll, kannst du ein Gummiband durch das Knopfloch ziehen und es über den Knopf einhängen – so gewinnst du Länge, ohne das Stickteil zu verändern.
Warnung: Magnet-Sicherheit. Wenn du mit Magnetrahmen arbeitest: Magnete sind sehr stark, können Finger einklemmen und sollten von Personen mit Herzschrittmacher sowie von magnetempfindlichen Medien ferngehalten werden.
Troubleshooting: Schnell diagnostizieren statt raten
Arbeite dich von „einfach/ günstig“ zu „aufwändiger“ vor.
| Symptom | Wahrscheinliche Ursache | Fix (Low Cost -> High Cost) |
|---|---|---|
| Faden reißt / franst („Shredding“) | Reibung/ungeeignete Nadel. | 1. Auf frische 75/11 Sticknadel wechseln (im Tutorial empfohlen, z. B. Groz-Beckert). <br> 2. Prüfen, ob du durch zu viel Kleber Rückstände in der Fadenführung hast. |
| Halter verzieht sich / wird wellig | Stabilisierung zu schwach oder nicht straff eingespannt. | 1. Sicherstellen: 2 Lagen AquaMesh. <br> 2. Neu einspannen („trommelfest“). |
| Applikationskante wirkt unsauber | Nicht nah genug getrimmt / falsche Schere. | 1. Doppelt gebogene Applikationsschere flach führen. <br> 2. Für kleine Sprungstiche/„Fussel“ Curved EZ Snips nutzen (wie im Tutorial gezeigt). |
| Rahmen springt auf / Sandwich hält nicht | Aufbau zu dick oder ungleichmäßig geklemmt. | 1. Weniger Sprühkleber (nicht „nass“ kleben). <br> 2. Auf ein Einspannsystem für Stickmaschine mit magnetischer Klemmung umstellen. |
| Handtuchmotiv sitzt schief | Ausrichtung beim Floating ungenau. | 1. Mittellinien sauber markieren (Vlies + Handtuch) und beim Aufkleben von der Mitte nach außen glattstreichen. <br> 2. Für Serien: Ausrichtung über eine Station/Jig standardisieren. |
Upgrade-Pfad: Welche Investition löst welches Problem?
Du kannst das Projekt mit Standard-Setup sticken. Wenn du aber häufiger produzierst, zeigen sich typische Engpässe:
- Problem: „Dickes Sandwich einspannen ist mühsam/inkonsistent.“
- Lösung: Magnetrahmen – gleichmäßige Klemmung, weniger Kraft, weniger Verzug.
- Problem: „Handtücher sitzen nie exakt gleich.“
- Lösung: Einspannstation für Stickmaschinen – reproduzierbare Passung für Batch-Arbeit.
- Problem: „Farbwechsel kosten Zeit.“
- Lösung: Mehrnadelstickmaschine – reduziert Stillstand durch manuelle Farbwechsel.
Abschluss-Checklisten
Wenn du diese Punkte abhakst, wird das Ergebnis deutlich stabiler und sauberer.
Setup (vor Start):
- Stickvlies: AquaMesh x2 (Halter) / StabilStick x1 (Handtuch).
- Unterfaden: OESD-Unterfaden für Konstruktion bereit + Isacord passend für Satinkante.
- Nadel: frisch, 75/11.
Während des Stickens:
- FiberForm-Check: Nicht in die Lasche/Tab hineinlegen.
- Trim-Check: Nach der Doppellinie sauber und nah trimmen (außen + Innenfenster).
- Unterfadenwechsel: Vor der Satinkante auf passenden Isacord-Unterfaden wechseln.
- Applikations-Check: Trägerpapier von Fuse and Fix wirklich abziehen, bevor du platzierst.
Wenn du die Materiallogik respektierst und sauber in Schichten arbeitest, wird aus einem „Bastelprojekt“ ein professionell wirkendes, langlebiges Produkt – und vor allem eines, das du zuverlässig wiederholen kannst.
