Wartung der HSW KART Mehrnadelstickmaschine: Praxis-Routine zum Ölen & Fetten gegen Lärm, Sensorfehler und teure Ausfallzeiten

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Wartung der HSW KART Mehrnadelstickmaschine: Praxis-Routine zum Ölen & Fetten gegen Lärm, Sensorfehler und teure Ausfallzeiten
Diese Schritt-für-Schritt-Wartungsanleitung übersetzt das Video in eine klare, praxistaugliche Routine zum Reinigen, Ölen und Fetten einer HSW KART-Mehrnadelstickmaschine (im Video: KART 005). Du lernst, wo du Fusseln gezielt ausbläst, wie du Trimmer, Rotationsgreifer, Unterfadenspannung (Spulenkapsel), Nadelstangen, Reciprocator, Fadenhebel-/Take-up-Mechanik sowie Farbwechsel-Nocke und Linearführungen korrekt schmierst – inklusive sicherem Probelauf auf Reststoff, Diagnose-Check (Debug-Menü/Encoder-Test) und typischen Symptomen, die du behebst, bevor daraus echte Stillstände werden.
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Inhaltsverzeichnis

Werkzeuge für die HSW-Wartung

Köpfe von Industrie-Stickmaschinen sind echte Dauerläufer: Millionen Stichzyklen, hohe Drehzahlen, enge Toleranzen. Leise und präzise bleiben sie aber nur, wenn Reibstellen sauber sind und die Schmierung stimmt. Wenn du Industrie-Stickmaschinen betreibst, ist diese Routine eine der Maßnahmen mit dem besten ROI: weniger „Geister“-Sensorstopps, stabilere Fadenspannung und weniger dieses rhythmische „Schleif-/Mahl“-Geräusch, das in der Praxis oft der Vorbote für ungeplante Ausfallzeit ist.

Die Reihenfolge folgt dem Ablauf im Video an einer HSW KART-Serie (gezeigt: KART 005). Zusätzlich sind hier die Details drin, die im Alltag entscheidend sind: wie du Öl von Elektronik fernhältst, wie du Überölung erkennst und wie du nach der Wartung sicherstellst, dass die Maschine wieder produktionsbereit ist.

Video title card displaying 'HSW Oiling & Greasing' and machines in the background.
Intro

Was du brauchst (wie im Video gezeigt)

  • Luftgebläse (Air Blower): Zum Ausblasen von Fusseln/Staub.
  • Schraubendreher: Für Abdeckungen und Stich-/Nadelplatte.
  • Inbusschlüssel (Hex Key): Für bestimmte Gehäuseschrauben.
  • Reinigungsbürste: Zum Ausfegen im Greifer-/Spulenbereich.
  • Nähmaschinenöl: Klares Maschinenöl.
  • Weißes Fett: Weißes (Lithium-)Fett für Nocken/Zahnräder.
  • Putzlappen / Reststoff: Für den „Einlauf“-Probelauf nach der Wartung.
  • Karton/Papier: Steife Visitenkarte oder fester Papierstreifen (wichtig für die Reinigung der Spannfeder).
Close-up of the maintenance schedule sticker on the machine.
Explaining schedule

Vorbereitung & Kleinteile, die in der Praxis oft fehlen

Im Video stehen die Hauptwerkzeuge im Fokus. Für sauberes und sicheres Arbeiten haben sich zusätzlich bewährt:

  • Öler mit feiner Spitze: Nicht „aus der großen Flasche“ arbeiten – du brauchst punktgenaue Dosierung.
  • Sauberes Wischtuch: Zum sofortigen Abnehmen von Tropfen.
  • Kleinteile-Ablage: Damit Schrauben der Nadelplatte nicht verschwinden.
  • Gutes Arbeitslicht: Gerade im Messer-/Trimmerbereich sind Schatten ein Risiko.

Warnung: Null-Energie-Zustand. Bevor du Abdeckungen oder die Nadelplatte demontierst: Maschine vollständig ausschalten bzw. Not-Aus aktivieren. Nadelbewegungen und Trimmermesser können unerwartet auslösen – Quetsch- und Schnittgefahr.


Tägliche und wöchentliche Reinigungsroutinen

Der erste Schritt im Video trifft den Hauptgrund für „zufällige“ Stopps: Staub und Fusseln. Stickflusen binden Öl, werden abrasiv und setzen Sensoren zu – das führt zu Fehlmeldungen wie „Fadenbruch“, obwohl der Faden intakt ist.

Technician using a large air blower to clean the machine head.
Cleaning dust

Schritt 1 — Allgemeine Reinigung (Staub/Fusseln ausblasen)

Kernaktion (Video): Mit einem elektrischen Luftgebläse Fusseln aus dem Kopf treiben.

  • Zielbereiche: Rotationsgreiferbereich, Fadenwächter/Fadenbruchsensoren (Räder/Abtaster) und der Oberfadenweg.

Praxis-Tipp (gezielt statt „wild pusten“):

  1. Nach außen arbeiten: So halten, dass du Fusseln weg von Elektronik/Platinen im Kopf bläst.
  2. Erst lösen, dann blasen: Verfilzte Fusseln vorher mit Bürste lösen – sonst drückst du sie oft nur tiefer in Mechanik und Zwischenräume.

Erwartetes Ergebnis: Weniger Fehlstopps durch Sensoren und ein „sauberer“ Lauf im Greiferbereich ohne kratziges Geräusch.

Wie oft?

Im Video wird regelmäßiges Reinigen empfohlen.

  • Faustregel: Bei hoher Auslastung im Shop eher täglich; bei geringerer Nutzung entsprechend seltener.
  • Sichtkontrolle: Wenn du graue Fussel an Fadenführungen/Sensoren siehst, war es zu spät.

Checkliste vor Öl/Fett

  • Sicherung: Maschine aus / Not-Aus aktiv.
  • Arbeitsplatz: Fläche frei, damit Schrauben nicht wegrollen.
  • Materialcheck: Öl klar, Fett nicht „abgesetzt“.
  • Probelauf vorbereitet: Reststoff liegt bereit (für den Test nach der Wartung).

Schritt-für-Schritt: Ölen an Greifer, Trimmer und Nadelstangen

Jetzt kommt Schmierung. Ziel ist ein dünner Schmierfilm, kein „Ölbad“. Zu viel Öl wandert – und landet am Ende als Fleck auf Ware.

Technician unscrewing the needle plate with screwdriver.
Disassembly

Schritt 2 — Nadelplatte/Stichplatte abnehmen

Kernaktion (Video): Schrauben der Metallplatte lösen, um Zugang zum Trimmer-/Greiferbereich zu bekommen.

Praxis-Check: Beim Abnehmen kurz prüfen, ob die Öffnung/Bohrung der Platte Grate oder Riefen hat (z. B. durch Nadelkontakt). Das kann Faden schädigen – unabhängig davon, wie gut du schmierst.

Applying oil to the cutter mechanism under the needle plate.
Lubricating cutter

Schritt 3 — Trimmer ölen (bewegliches & festes Messer)

Kernaktion (Video): Öl an die Reibstelle zwischen beweglichem Messer und festem Messer geben.

Dosierung & Verteilung (wie im Video):

  1. Nicht überölen: 1–2 Tropfen reichen.
  2. Verteilen: Trimmer über das Bedienpanel 1–2× auslösen, damit sich das Öl verteilt.

Erwartetes Ergebnis: Saubere Schnitte; weniger Fadenknäuel („Birdnesting“) unter der Platte.

Oiling the rotary hook assembly.
Lubricating hook

Schritt 4 — Rotationsgreifer ölen

Kernaktion (Video): 2–3 Tropfen direkt in die Greiferbahn (Raceway) geben.

Wichtig: Überölung ist eine der häufigsten Ursachen für Flecken.

  • Schnelltest: Spulenkapsel entnehmen. Ist sie hinten nass/ölig, war es zu viel. Sie sollte höchstens leicht glänzen.
Cleaning the bobbin case tension spring with a business card.
Cleaning bobbin case

Schritt 5 — Unterfadenspannung an der Spulenkapsel reinigen

Kernaktion (Video): Mit einer steifen Visitenkarte/festem Papier unter die Spannfeder der Spulenkapsel fahren.

Warum das so viel ausmacht: Fussel unter der Spannfeder verändern die Unterfadenspannung – das zeigt sich oft als große Schlaufen oben im Stickbild.

  • Praxis-Check: Nach dem Reinigen sollte der Unterfaden wieder gleichmäßig „Widerstand“ haben.
Applying oil to the needle bar springs with the front cover removed.
Lubricating needle bars

Schritt 6 — Nadelstangen ölen (Federn, Wellen, Führungen)

Kernaktion (Video): Frontabdeckung abnehmen und die oberen Federn/Wellen der Nadelstangen (im Video 1 bis 12) ölen; zusätzlich die unteren Führungen.

Praxis-Tipp: Nicht nur „die aktive Nadel“ ölen. Auch selten genutzte Nadelstangen können durch altes Öl zäh werden.

  • Sauber arbeiten: Tropfen sofort abwischen – Schwerkraft ist schnell.
Oiling the reciprocator shaft located on the side of the head.
Lubricating reciprocator

Schritt 7 — Reciprocator-Welle ölen

Kernaktion (Video): Die Reciprocator-Welle (im Video: schwarze Stange hinter der ersten Nadelstange) schmieren.

Warum kritisch: Diese Stelle beeinflusst die Laufruhe des Kopfes direkt. Wenn sie trocken läuft, steigt Reibung und Geräuschentwicklung deutlich.

Erwartetes Ergebnis: Spürbar weniger „Klappern“/Reibgeräusche im Lauf.


Fetten: Farbwechselmechanik und Linearführungen

Öl für schnelle, fein laufende Teile – Fett für langsamere, stärker belastete Mechanik. Im Video wird hier weißes Fett verwendet.

Applying grease to the color change cam mechanism.
Greasing

Schritt 8 — Farbwechselmechanik fetten (Nocke/Zahnräder)

Kernaktion (Video): Weißes Fett auf Nocke und Zahnräder der Farbwechselbewegung auftragen.

Intervall (Video): Alle 2–3 Monate.

  • Technik: Dünn auftragen (Film). Nicht „vollstopfen“.
Applying grease to the linear guide rail bearings behind the needle case.
Greasing rails

Schritt 9 — Linearführungen/Schienen fetten

Kernaktion (Video): Führungen und Lagerblöcke hinter dem Kopf fetten.

Funktionscheck: Nach dem Fetten einen Nadel-/Farbwechsel auslösen. Die Bewegung sollte gleichmäßig laufen – das unterstützt die Passung zwischen Farbwechseln.


Diagnose & Probelauf nach der Wartung

Nach dem Öffnen/Schmieren hast du den Zustand der Maschine verändert. Deshalb: erst prüfen, dann produzieren. Keine Kundenware direkt nach dem Ölen/Fetten einspannen.

Applying oil to the take-up lever mechanism inside the back cover.
Lubricating back assembly

Schritt 10 — Take-up-/Fadenhebel-Mechanik ölen (hintere Abdeckung)

Kernaktion (Video): Hintere Abdeckung öffnen und die Mechanik (Nocken/Federn) vorsichtig ölen.

Kritische Vorsicht (Video): In der Nähe sind Elektronik/Platinen.

  • Regel: Nicht „über der Platine“ drücken. So dosieren, dass kein Öl auf Boards/Sensoren gelangt.
Touchscreen showing 'Spindle Speed And Encoder Test' menu.
Diagnostics

Schritt 11A — Diagnosemenü öffnen (Debug-Test)

Kernaktion (Video): Im Menü „Spindle Speed And Encoder Test“ auswählen.

Ziel: Prüfen, ob Encoder/Antriebssignale plausibel sind.

Screen displaying 'Main Shaft Angle' diagnostic dial.
Checking timing

Schritt 11B — Hauptwellenwinkel prüfen

Kernaktion (Video): Referenzwert „Main Shaft Angle“ kontrollieren (im Video 98.7 degrees).

Einordnung: Der konkrete Wert kann je nach Maschine abweichen – wichtig ist, dass er stabil und nachvollziehbar ist.

Machine stitching a test pattern on green scrap fabric.
Test run

Schritt 11C — „Einlauf“-Probelauf auf Reststoff

Kernaktion (Video): Testdatei auf Reststoff 10–30 Minuten laufen lassen.

Warum: Überschüssiges Öl wird in den ersten Minuten verteilt/abgeschleudert. Das soll auf Reststoff passieren – nicht auf Ware.

  • Achte auf: Ölschleier/Fleckenbildung.
  • Achte auf: gleichmäßigen, ruhigen Lauf.

Go/No-Go Checkliste nach der Wartung

  • Trimmer: 1–2× auslösen – fährt sauber in die Ausgangsposition zurück?
  • Leckkontrolle: Bilden sich Tropfen im Bereich Nadelplatte/Greifer?
  • Unterfadenspannung: Fühlt sich der Zug am Unterfaden gleichmäßig an?
  • Geräusch: Erst langsam starten, dann steigern – keine scharfen Klicks/Schleifen.
  • Sauberkeit: Nach einigen Minuten Testlauf: Reststoff fleckenfrei?

Troubleshooting

Wenn nach Reinigung/Schmierung noch Probleme auftreten, arbeite nach dem Muster: Symptom → wahrscheinliche Ursache → schnelle Lösung.

1) Sensorfehler / „False Thread Breaks“

Symptom: Maschine stoppt mit Fadenbruchmeldung, Faden ist aber intakt. Wahrscheinliche Ursache: Fusseln/Staub an Sensoren oder im Fadenweg. Lösung: Gründlich ausblasen und den Bereich sauber halten (im Video wird das als Hauptursache betont).

2) Zu laute Maschine (Reiben/Quietschen)

Symptom: Ungewöhnlich lautes Laufgeräusch, Reib-/Quietschton. Wahrscheinliche Ursache: Trockene Nadelstangen/Federn oder Reciprocator. Lösung: Schmierpunkte an Nadelstangen und besonders die Reciprocator-Welle gezielt nachölen.

3) Ölflecken auf Stoff

Symptom: Flecken nach dem Start. Wahrscheinliche Ursache: Überölung (v. a. am Greifer) oder Öl, das nach unten wandert. Lösung: Sofort stoppen, überschüssiges Öl abwischen und den Probelauf konsequent auf Reststoff durchführen (wie im Video gezeigt).


Ergebnis & Workflow-Optimierung

Wenn du diese Reihenfolge konsequent einhältst – Reinigen, punktgenau Ölen, Fetten, Testen – wird aus „Risiko im Alltag“ wieder eine verlässliche Produktionsmaschine.

Wartung ist aber nur die halbe Miete. Wenn die Mechanik passt, aber Output/Qualität trotzdem limitiert sind, liegt der Engpass oft daran, wie du das Material hältst.

Entscheidungsbaum: Workflow verbessern

Maschine läuft – jetzt Prozess verbessern.

Szenario A: „Dicke Teile (Jacken/Taschen) – Standardrahmen springt oder sitzt nicht sauber.“

  • Diagnose: Klassische Stickrahmen arbeiten über Reibung und Kraft – bei dicken Kanten/Nahtlagen wird das schnell grenzwertig.
  • Nächster Schritt: Hier werden Themen wie magnetic embroidery hoop relevant: Magnet-Systeme klemmen über vertikale Kraft und können dicke Lagen stabil halten.

Szenario B: „Rahmenspuren/Rahmenabdrücke auf empfindlicher Sport-/Performance-Ware.“

  • Diagnose: Zu starkes Spannen im Standardrahmen drückt Fasern platt.
  • Nächster Schritt: Magnetrahmen verteilen den Druck gleichmäßiger. Viele suchen nach how to use magnetic embroidery hoop, um genau dieses Problem zu reduzieren.

Warnung: Magnet-Sicherheit. Magnetrahmen enthalten starke Neodym-Magnete.
* Quetschgefahr: Finger aus dem Schließbereich halten.
* Elektronik: Abstand zu Displays/Elektronik einhalten.
* Gesundheit: Personen mit Herzschrittmacher sollten solche Magnete nicht handhaben.

Upgrade-Pfad für mehr Effizienz

Wenn du die Wartung im Griff hast, aber das Einlegen/Spannen Zeit frisst, lohnt sich der Blick auf Effizienz-Tools.

  1. Level 1: Passendes Stickvlies (je nach Material).
  2. Level 2: Magnetrahmen (schnelleres Einlegen, weniger Kraftaufwand).
  3. Level 3: Kapazität skalieren: Wenn eine Maschine dauerhaft am Limit läuft, wird das Thema Mehrnadel-Stickmaschinen kaufen relevant. Ob du nach einer tajima Stickmaschine, brother Mehrnadel-Stickmaschinen oder Alternativen suchst: Die Logik bleibt gleich – eine gepflegte Maschine verdient Geld; eine vernachlässigte Maschine kostet Zeit.

Setup-Checkliste (Standard im Betrieb)

  • Dokumentieren: Datum/Initialen „Öl & Fett“ direkt an der Maschine.
  • Trennen: Nähmaschinenöl getrennt von Reinigern lagern.
  • Planen: Erinnerung für den Fett-Zyklus (alle 2–3 Monate wie im Video).
  • Beobachten: Die ersten Stiche nach Wartung besonders aufmerksam prüfen.
  • Rahmen prüfen: Zustand der Stickrahmen regelmäßig kontrollieren.