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Was ist Machine Couching? (Das „3D-Drucken“ der Stickerei)
Machine Couching ist im Kern eine Technik der Textur- und Höhenwirkung. Statt – wie bei klassischer Stickerei – Dichte über viele tausend dünne Stiche aufzubauen, wird beim Couching ein dickeres Material (Garn/Wolle) auf den Stoff gelegt und mit Stichen darüber fixiert. Stell es dir weniger wie „zeichnen“ vor, sondern eher wie das Verlegen eines leuchtenden Schlauchs: sofort sichtbar, plastisch, mit deutlich weniger Stichanzahl.
Gerade am Anfang fühlt sich Couching aber oft heikel an. Wer schon einmal versucht hat, Garn „irgendwie“ unter einem Standardfuß mitlaufen zu lassen, kennt die typischen Symptome: Nadel trifft Garn (und bricht), unten entsteht ein Fadennest, oder die Linien werden wellig und wirken im Ergebnis nicht verkaufsfähig.
In diesem praxisorientierten Guide zerlegen wir den Workflow für die Brother Innov-is Serie in klare, wiederholbare Schritte. Es geht nicht nur darum, was du tust, sondern auch darum, woran du erkennst, dass alles korrekt läuft – damit du reproduzierbar saubere Couching-Ergebnisse bekommst.
Das Profi-Setup:
- Ein spezieller Couchingfuß (mit definierter Garnführung durch die Mittelöffnung).
- Ein Garnführungsarm (damit das Garn kontrolliert und ohne Zug nachläuft).
- „Kategorie C“-Motive (so digitalisiert, dass Stichbreite/-abstand zum Garn passen).

Die „Physik“ des Couchingfußes
Warum nicht einfach mit einem normalen Stickfuß? Schau dir den Fuß in [FIG-01] an: Er hat eine gezielt ausgelegte Mittelöffnung/„Kanal“. Das ist nicht nur eine Führung, sondern eine Sicherheitszone.
Beim Couching legt die Maschine typischerweise einen Zickzack-/Tackdown-Stich über das Garn. Wenn das Garn frei herumwandert (wie beim Standardfuß), wird die Nadel früher oder später in den Garnkörper stechen – das führt zu Aufribbeln, Haken, unruhigem Lauf und im schlimmsten Fall zu Nadelbruch. Der Couchingfuß hält das Garn zentriert, damit die Nadel links/rechts sauber „daneben“ einsticht.
Goldene Regel beim Couching: Reibung ist der Feind. Das Garn soll frei nachlaufen – nicht durch Maschinenzug „gezogen“ werden.
Garn auswählen: der „Floss-Test“
Im Video wird ein pinkes Standardgarn gezeigt. In der Praxis unterscheiden sich Garne aber stark (Dicke, Flausch, Drehung). So prüfst du schnell, ob ein Garn grundsätzlich couching-tauglich ist:
Der haptische „Floss-Test“: Fädle das Garn vor dem Einbau einmal von Hand durch die Öffnung im Couchingfuß und zieh es hin und her.
- Bestanden: Es gleitet leicht und ohne spürbaren Widerstand.
- Durchgefallen: Du spürst Reibung, „Ruckeln“ oder es bleibt am Eingang hängen → nicht verwenden.
- Zu flauschig: Mehr Reibung, das Garn staut sich, die Nadel wird stärker belastet.
- Zu dick: Der Fuß kann angehoben werden; außerdem steigt das Risiko, dass die Nadel das Garn trifft.
Praxis-Hinweis für Serienarbeit: Wenn du Produkte verkaufst, ist Konstanz wichtiger als „irgendein schönes Garn“. Nimm ein Garn, das den Test zuverlässig besteht, und bleib dabei – das reduziert Ausschuss und Rüstzeit.

Phase 1: Maschine vorbereiten
Wir arbeiten nach dem Prinzip „erst Datei/Modus, dann Hardware“, damit keine falschen Einstellungen mit dem falschen Fuß kombiniert werden.
Schritt 1: Das richtige Motiv laden (Kategorie C)
Die Maschine muss „wissen“, dass jetzt Garn mitgeführt wird. Normale Stickmotive sind dafür meist zu dicht bzw. die Stichgeometrie passt nicht. Couching-Motive (Kategorie C) sind so angelegt, dass das Garn sauber fixiert wird.
- Am Touchscreen Embroidery auswählen.
- Zu Category C (Couching) wechseln.
- Das Kuchen-Motiv (wie im Tutorial) auswählen.
- Set drücken.
Kontrollpunkt: Das Motiv muss sauber auf dem Bildschirm angezeigt werden. Vermeide starkes Skalieren – besonders kleiner skalieren kann die Stichbreite so verändern, dass die Nadel nicht mehr sicher am Garn vorbeisticht.

Schritt 2: Mechanisch umrüsten (Fußwechsel)
Jetzt wird umgebaut – hier entscheidet sich, ob die Maschine ruhig läuft.
- Lösen: Mit dem Schraubendreher den Standard-Stickfuß/Foot Holder lösen und abnehmen.
- Ansetzen: Den Couchingfuß an der Stange positionieren.
- Fixieren: Schraube fest anziehen.
Wichtiger Praxis-Check: Nicht nur „handfest“. Mit dem Werkzeug wirklich festziehen.
- Warum? Beim Couching entsteht zusätzliche Reibung/Last. Eine minimal lockere Schraube reicht, damit der Fuß vibriert oder sich verdreht – und dann kann die Nadel den Fuß treffen.

Warnung: Mechanische Sicherheit. Hände aus dem Nadelbereich, besonders beim Testlauf. Wenn die Maschine eine „Check Needle“-Meldung zeigt, kann der Fuß nicht korrekt sitzen oder die Mechanik ist blockiert. Handrad niemals mit Gewalt drehen.

Pre-Flight-Checkliste (nicht überspringen)
- Unterfaden: Unterfadenspule ausreichend gefüllt? (Mitten im Couching zu wechseln ist unnötig schwer sauber zu kaschieren.)
- Nadelzustand: Frische Nadel einsetzen. (Eine stumpfe/angeschlagene Nadel erhöht Fehlstiche und Bruchrisiko.)
- Arbeitsplatz: Genug Platz, damit das Garn frei ablaufen kann – nichts darf am Spulenhalter hängen bleiben.
- Werkzeuge bereit: Ahle und Schere/Schneidwerkzeug griffbereit für die Enden.
Phase 2: Das „Nervensystem“ – Garnführung einrichten
Hier scheitern viele Einsteiger: Wenn das Garn irgendwo hakt, steigt der Zug schlagartig. Das führt zu unruhigen Linien, Fehlstichen oder Nadelbruch. Ziel ist ein nahezu zugfreier Garnweg.
Schritt 1: Garnführungsarm montieren
Den Garnführungsarm in den Zubehöranschluss an der Maschine einsetzen. Er muss fest sitzen.
Sichtkontrolle: Der Arm soll stabil stehen und nicht „durchhängen“.

Schritt 2: Garnweg korrekt einfädeln
Halte dich strikt an diesen Weg:
- Garn platzieren: Garn auf den zusätzlichen Garnstift/Spulenhalter (ggf. mit Verlängerung) setzen.
- Teleskopführung: Durch die obere Führung führen.
- Drahtarm: Durch die Öse/Schlaufe am Führungsarm.
- Fuß-Öse: Durch die seitliche Drahtschlaufe am Couchingfuß.
- Mittelöffnung: Garn nach unten durch die Mittelöffnung des Fußes führen.




„Slack“-Verifikation: Zieh ca. 15 cm (6 inch) Garn durch den Fuß. Es soll locker auf der Stichplatte liegen. Wenn es spürbar zurückzieht oder straff wird, stimmt der Garnweg nicht (oder das Garn läuft nicht frei von der Spule).
Profi-Logik: „Drag“ vs. „Feed“
Beim Couching wird das Garn nicht wie ein Oberfaden aktiv „gezogen“. Die Maschine fixiert es, während es passiv nachläuft.
- Wenn das Einspannen schwach ist: Der Garnwiderstand kann den Stoff im Stickrahmen minimal verschieben → Linien werden unruhig.
- Praxislösung: Sauber und straff einspannen. Wenn du bei glatten Materialien oder dickeren Teilen regelmäßig Probleme mit reproduzierbarer Spannung hast, arbeiten viele Betriebe mit einer Einspannstation für Stickmaschine. Damit sitzen Stoff und Stickvlies plan und gleichmäßig, bevor der Stickrahmen an die Maschine geht.
Phase 3: Motiv sticken
Protokoll für die „ersten 10 Stiche“
- Fuß senken: Maschine startbereit machen.
- Garnende führen: Garnende (ca. 7–8 cm / 3 inch) seitlich leicht festhalten – nicht ziehen. Nur verhindern, dass es sofort nach unten mitgerissen wird.
- Start: Starttaste drücken.
Hör-Check: Ein gleichmäßiges, rhythmisches Geräusch ist normal. Wenn du ein hartes „Klicken/Knacken“ hörst: sofort stoppen – das kann bedeuten, dass die Nadel das Garn oder den Fuß berührt.


Warnung: Garnfluss. Beobachte Nadelbereich und Garnabzug. Wenn sich das Garn an der Spule verklemmt, ist Nadelbruch praktisch sofort möglich. Das Garn muss ohne Ruck nachlaufen.
Effizienz-Upgrade für Produktion
Für Einzelstücke kann man den Garnlauf noch „per Hand“ im Blick behalten. Bei Serien (z. B. viele Hoodies) zählt aber Rüstzeit und Wiederholbarkeit:
- Der Engpass ist oft nicht die Stickzeit, sondern das Einrichten.
- Klassische Rahmen können auf empfindlichen Materialien Abdrücke hinterlassen.
- Praxisoption: Ein Magnet-Stickrahmen kann das Einspannen beschleunigen und gleichmäßiger machen (ohne Schrauben, schnelleres Handling).
Ablauf-Checkliste (jedes Mal kurz durchgehen)
- Motiv/Modus: Wirklich „Category C“ gewählt?
- Fuß sitzt: Schraube mit Werkzeug festgezogen?
- Garnweg: Kommt das Garn unten durch die Mittelöffnung heraus?
- Slack: Ist genug loses Garn verfügbar, ohne Zug von der Spule?
- Startphase: Garnende bei den ersten Stichen nur geführt, nicht gezogen?
Phase 4: Profi-Finish (sauber abschließen)
Die Maschine lässt Garnenden stehen. Ob es „Handarbeit“ oder „Boutique-Qualität“ wirkt, entscheidet dein Finish.
Schritt 1: „Durchziehen“ nach hinten
- Stickrahmen aus der Maschine nehmen.
- Mit einer spitzen Ahle arbeiten.
- Das Garnende nach hinten auf die Rückseite ziehen.

Schritt 2: Sicher verknoten
- Stickrahmen umdrehen.
- Garnenden auf der Rückseite sicher verknoten.
- Überschuss abschneiden.


Qualitätsstandard: Auf der Vorderseite sollen keine „Büschel“ oder abstehende Enden sichtbar sein. Das Garn soll optisch sauber aufliegen und wie aus dem Stoff heraus „wachsen“.
Troubleshooting: Diagnose statt Panik
Wenn etwas schiefgeht: systematisch prüfen – zuerst die schnellen, kostengünstigen Ursachen.
| Symptom | Wahrscheinliche Ursache | Schnelllösung |
|---|---|---|
| Garn reißt | Zug/Reibung im Garnweg. | Spule/Abzug prüfen: Hängt das Garn irgendwo? Manuell etwas Garn „Vorrat“ abziehen, damit es frei nachlaufen kann. |
| Nadel bricht | Garn zu dick / Fuß nicht fest. | Stoppen. Fußschraube nachziehen. Dünneres Garn verwenden. Nadel auf Verbiegung prüfen. |
| Wellige Linien | Stoff bewegt sich im Stickrahmen. | Neu einspannen (straffer). Stabileres Stickvlies wählen (Cut-Away statt Tear-Away). |
| Fehlstiche | Garn blockiert den Einstich / unruhiger Lauf. | Wenn möglich Geschwindigkeit reduzieren. Oberfaden neu einfädeln und Garnweg erneut prüfen. |
Entscheidungsbaum: Stickvlies & Einspann-Strategie
Couching bringt Gewicht und Zug ins System – die Basis muss stabil sein.
Szenario A: Fester Stoff (Denim, Canvas)
- Stickvlies: Tear-Away ist oft ausreichend.
- Stickrahmen: Standardrahmen.
Szenario B: Dehnbar/glatt (Performance-Shirts, Minky)
- Stickvlies: Schweres Cut-Away (Mesh) + Sprühzeitkleber für mehr Grip.
- Stickrahmen: Höheres Risiko für Verschieben.
- Option 1: Mit einer Einspannen für Stickmaschine-Methode arbeiten, bei der du empfindliche Oberflächen schonst.
- Option 2: Magnetrahmen nutzen.
Szenario C: Hohe Stückzahl / dicke Teile (Handtücher, Hoodies)
- Schmerzpunkt: Zeitverlust beim Schrauben + „Pop-out“/Verrutschen.
- Lösung: Das ist oft der Moment für eine Einspannstation für Stickrahmen oder ein Upgrade auf einen Stickrahmen für brother mit Magnetkraft.
- Warum? Aus Minuten werden Sekunden – und die Einspannung wird reproduzierbarer.
Warnung: Magnet-Sicherheit. Magnetrahmen haben starke Industriemagnete. Abstand zu Herzschrittmachern und empfindlicher Elektronik halten und Finger nicht zwischen die Magnete geraten lassen (Quetschgefahr).
Versteckte „Verbraucher“, die dir Arbeit sparen
- Fray Check: Ein Tropfen am Knoten kann das Aufribbeln reduzieren.
- Gebogene Schere/Snips: Zum sauberen Kürzen, ohne Stiche zu beschädigen.
- Tape: Um lose Garnreserve bei Bedarf am Maschinenkörper zu sichern, damit sie nicht in den Arbeitsbereich fällt.
Fazit
Machine Couching ist eine echte Schlüsseltechnik: Du lernst, „Fremdmaterial“ unter der Nadel kontrolliert zu führen. Wenn Kategorie C stimmt, der Garnweg wirklich frei läuft und du das Garn sauber einspannst, bekommst du schnell hochwertige 3D-Texturen, die mit flachen Standardstichen kaum zu ersetzen sind.
Merke: Die Maschine setzt die Stiche – du kontrollierst den Garnfluss. Garn locker, Stickrahmen straff, Schrauben fest.
