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Einführung ins Honpo-Bedienfeld: vom Auspacken zur Produktion
Du hast gerade ein echtes Produktionswerkzeug ausgepackt. Im Gegensatz zu einer Haushaltsmaschine (Ein-Nadel) ist eine honpo Stickmaschine auf Durchsatz und Dauerbetrieb ausgelegt. Trotzdem wirkt das industrielle Bedienfeld beim ersten Mal schnell wie ein Cockpit – ohne Handbuch.
Wichtig: Nicht die Maschine ist „kompliziert“, sondern der Ablauf ist ungewohnt. Viele Probleme (Memory-Fehler, falsche Rahmengröße, Nadel trifft Rahmen) entstehen nicht durch Defekte, sondern durch Setup-Fehler. Genau deshalb bauen wir hier keinen „Button-Guide“, sondern eine SOP (Standard Operating Procedure), die du im Alltag reproduzierbar abarbeiten kannst.
In diesem Leitfaden zerlegen wir den Video-Workflow in einen praxistauglichen Prozess: DST sauber übernehmen, Motivdaten am Screen prüfen, Rahmengröße korrekt setzen, Stickrahmen sicher montieren, Farben/Nadeln zuordnen, Position exakt anfahren, Stickmodus aktivieren – und erst dann starten.

Reality-Check aus der Produktion: In der Praxis sind die meisten „Maschinenfehler“ tatsächlich „Einrichtfehler“.
- Das Problem: Die Maschine macht exakt das, was du ihr sagst. Wenn du 170 mm einstellst, aber physisch einen kleineren Rahmen montierst, ist ein Crash vorprogrammiert.
- Die Lösung: Wir arbeiten mit „physisch-digitalen Bestätigungen“: Nach jedem Klick prüfst du, ob das Ergebnis real zur Maschine/Einspannung passt.


Schritt 1: Designs per USB importieren (der digitale Handschlag)
Industrie-Stickmaschinen „streamen“ nicht – sie übernehmen Dateien in den internen Speicher. Im Video wird der Import-Workflow gezeigt, der in der Praxis am stabilsten ist. Direkt vom USB-Stick zu sticken ist riskant: Vibrationen oder ein Wackelkontakt können die Verbindung unterbrechen – und der Auftrag ist im Zweifel verloren.
Profi-Ablauf (an die Video-Reihenfolge angepasst)
- USB-Port nutzen: USB-Stick seitlich am Bedienpanel einstecken.
- Haptik-Check: Sitzt der Stick fest? Wenn er wackelt, lieber einen anderen Stick verwenden.
- Ordner öffnen: Am Touchscreen in das USB-Verzeichnis wechseln.
- Datei wählen: Die gewünschte DST-Datei markieren.
- Kopieren/Importieren: Das Copy/Import-Symbol antippen, um in den internen Speicher zu kopieren.
- Warten: Den Fortschrittsbalken vollständig durchlaufen lassen.
Checkpoint: Die Datei muss anschließend im Ordner des internen Speichers sichtbar sein.
Praxis-Tipp zur Dateihygiene (industrietauglich):
- Kurze Dateinamen: Möglichst kurz und simpel (z. B.
LOGO01.DST). Viele Industrie-Oberflächen kommen mit Sonderzeichen/zu langen Namen schlecht klar. - „Sauberer“ USB-Stick: Einen separaten Stick nur für Stickdateien nutzen. Je weniger „Ballast“ im Verzeichnis, desto weniger muss das System scannen.

Schritt 2: Rahmengröße & Einspann-Physik (die „Make-or-Break“-Phase)
Hier entscheidet sich die Passung. Einspannen ist nicht nur „festmachen“, sondern kontrollierte Mechanik: Zu locker führt zu Passungsfehlern (Konturen laufen auseinander), zu aggressiv im Standardrahmen führt zu Rahmenabdrücken.
A. Motiv aus dem Speicher laden (Video-Sequenz)
- Den Ordner Memory öffnen.
- Die importierte Datei auswählen (z. B. 11D9B).
- Mit OK in den Arbeitsbereich laden.
B. Motivdaten am Screen prüfen (Plausibilitätscheck)
Bevor du irgendetwas am Rahmen einstellst: Daten am Bildschirm lesen.
- Stichzahl: z. B. 2949 Stiche – passt das zu deinem Auftrag?
- Abmessungen: X = 20.3 mm, Y = 18.8 mm.
- Praxisregel: Wenn die Größe am Screen nicht zur erwarteten Größe passt: Stopp. Auf der Maschine nur moderat skalieren. Große Skalierungen verändern Dichte/Unterlage und erhöhen Fadenrisse.
C. Digitale Rahmengröße wählen (Sicherheitszaun)
- Das Menü Hoop/Frame öffnen (Equipment-Icon).
- 170×170 mm auswählen (entsprechend dem physisch verwendeten Rahmen).
- Sichtkontrolle: Am Screen erscheint eine grüne Rahmen-/Grenzlinie um das Motiv.
- Visueller Check: Liegt das Motiv sauber innerhalb der Begrenzung?


Warnung: Cap-Driver-Falle. Wenn die Maschine zuvor für Kappen eingerichtet war, kann beim Wechsel auf Flach-/Tubular-Rahmen eine Sicherheitsmeldung erscheinen („Uninstall Cap Driver“). Diese Meldung ist ernst zu nehmen: Erst die Konfiguration (und ggf. die Hardware) korrekt umstellen, dann weiter – sonst drohen Kollisionen am Pantographen.
D. Physisch einspannen & Rahmen montieren (der „Click“-Moment)
Im Video wird ein klassischer Rund-/Tubular-Stickrahmen am Pantographen eingerastet.
- Einschieben & Einrasten: Die eingespannte Tasche unter die Nadelstange führen und den Rahmen in die Pantographenarme einrasten.
- „Click“-Test: Auf beiden Seiten muss ein klarer mechanischer Sitz spürbar sein.
- Wackeltest: Rahmen leicht bewegen. Wenn er unabhängig vom Arm Spiel hat, ist er nicht korrekt verriegelt.


Rahmenabdrücke & Durchsatz: warum Standardrahmen oft bremsen
Standard-Tubular-Rahmen halten über Druck/Reibung. Bei dickeren Materialien (Canvas-Tasche wie im Video) wird häufig stark angezogen – das kann zwei typische Effekte verstärken:
- Rahmenabdrücke: sichtbare Druckringe, besonders auf empfindlichen oder dunklen Materialien.
- Zeit- und Kraftaufwand: Schraubrahmen kosten im Serienbetrieb spürbar Tempo.
Wenn du merkst, dass das Einspannen der Engpass ist (zu langsam, zu viel Nachspannen, Material rutscht), ist das oft der Punkt, an dem Betriebe auf Magnetrahmen umsteigen.
Entscheidungshilfe: Welche Rahmen-/Vlies-Strategie?
| Szenario | Material | Engpass | Lösung |
|---|---|---|---|
| Standard | Baumwoll-Shirt / Piqué | Budget | Standard-Tubular-Rahmen + passendes Stickvlies. |
| Stabil | Canvas-Tasche / Rucksack | dick, schwer zu klemmen | Upgrade: Magnetrahmen (hohe Haltekraft). |
| Empfindlich | Performance/Dri-Fit | markiert schnell | Upgrade: Magnetrahmen (weniger Abdrücke) + geeignetes Vlies. |
| Produktion | beliebig | schneller Wechsel nötig | Upgrade: Magnetrahmen + Einspannstation. |
Schritt 3: Farbe einrichten & Nadeln zuweisen (die Nadelkarte)
Bei der Mehrnadelstickmaschine ist der Fadenwechsel nicht „Handarbeit“, sondern eine Zuordnung im System: Du sagst der Steuerung, welche Nadelnummer für welchen Farbblock genutzt wird.
Ablauf (wie im Video)
- Color Settings öffnen (Bottle-Icon).
- Die Sequenz prüfen: Das Motiv ist in 3 Farbschritte aufgeteilt.
- Nadeln zuweisen:
- Step 1 -> Nadel 5
- Step 2 -> Nadel 4
- Step 3 -> Nadel 3

Praxisstrategie: „Standardisierte Nadelbelegung“
Im Alltag spart eine feste Grundbelegung Zeit – besonders bei wiederkehrenden Jobs.
- Nadel 1: Weiß (fix)
- Nadel 2: Schwarz (fix)
Sichtbar machen: Beschrifte die Nadeln am Kopf (z. B. mit Tape), damit du im Stress nicht nach Gefühl arbeitest.
Schritt 4: Positionieren, Modus wechseln, Start
Jetzt wird aus Setup Produktion. Aber: Erst sauber positionieren, dann den Stickmodus aktivieren.
A. Verfahren/Positionieren (Startpunkt treffen)
- Mit den Pfeiltasten (X/Y) den Pantographen verfahren.
- Kontrolle am Material: Den Startpunkt am Werkstück anpeilen und den Rahmen so ausrichten, dass die Nadelposition passt.


B. Stickmodus aktivieren (Maschine „scharf schalten“)
- EMB/Edit drücken, um in den Stickmodus zu wechseln.
- Den Dialog bestätigen (z. B. „Embroidery mode on/Press enter“).


C. Start
- Kurz den Arbeitsbereich prüfen: keine Schere, keine losen Fadenenden, keine Finger im Bewegungsbereich.
- Den grünen START-Taster drücken.


Vorbereitung (Verbrauchsmaterial & „Pre-Flight“-Check)
Sichtbare Basics
- Stickvlies: Im Video ist ein weißes Vlies im Rahmen zu sehen – ohne Vlies steigt das Risiko von Verzug und schlechter Passung deutlich.
- Nadelzustand: Wenn die Maschine „hart“ klingt oder Stiche unruhig werden, Nadel prüfen/wechseln.
Unsichtbare Essentials
- Unterfaden: Ist die Unterfadenspule ausreichend gefüllt?
- Einspannhilfe: Wenn du wiederholbar gerade und schnell einspannen willst, ist eine Einspannstation für Maschinenstickerei ein typischer Produktivitätshebel.
Checkliste vor dem Start
- Freigängigkeit: Stoff liegt nicht hinter dem Rahmen an/zieht nicht.
- Rahmen verriegelt: Rahmen sitzt fest im Pantographen.
- Nadelzuordnung: Aktive Nadel entspricht dem ersten Farbschritt.
- Motivlage: Werkstück richtig herum? (Tasche nicht „auf dem Kopf“.)
Setup (Crash vermeiden)
1. Cap vs. Flat-Konflikt
Wenn die Steuerung noch im „Cap“-Kontext ist, kann es beim Wechsel auf Tubular/Flachrahmen zu Warnungen und Grenzproblemen kommen. Die im Video gezeigte Meldung („Uninstall Cap Driver“) ist genau dieser Hinweis.
2. Physische Sicherheit
Der Pantograph bewegt sich schnell und kraftvoll.
Warnung: Quetschgefahr. Hände aus dem Bewegungsbereich, sobald die Maschine im Stickmodus ist.
3. Wenn Material rutscht
Wenn du häufig neu einspannen musst oder die Passung schwimmt, ist das meist ein Einspann-/Vlies-Thema. Begriffe wie Magnetrahmen helfen dir, effizientere Haltesysteme zu finden, wenn Standardrahmen im Alltag zu langsam oder zu markant sind.
Troubleshooting (Praxis-Index)
Wenn die Maschine piept: erst lesen, dann systematisch prüfen.
| Symptom (was du siehst/hörst) | Wahrscheinliche Ursache | Lösung (niedriges Risiko -> höherer Aufwand) |
|---|---|---|
| Oberfaden reißt | Fadenweg nicht sauber / Fadenende zu kurz. | 1. Komplett neu einfädeln. <br>2. Nadel korrekt eingesetzt? <br>3. Nadel wechseln. |
| Fadennest unten | Oberfaden nicht in Spannungsscheiben. | Neu einfädeln und am Faden nahe der Nadel prüfen: spürbarer Widerstand muss da sein. |
| Nadelbruch | Rahmenkontakt / Nadel verbogen / falsche Lage. | 1. Rahmengröße korrekt? <br>2. Rahmen wirklich verriegelt? <br>3. Position neu anfahren. |
| Warnung zu Cap Driver | Maschine glaubt, Cap-Treiber ist aktiv. | Cap Driver gemäß Hinweis deinstallieren/umstellen und dann Rahmengröße erneut setzen. |
| Konturen laufen auseinander (Passung) | Material bewegt sich im Rahmen. | Einspannen optimieren, Vlies anpassen, ggf. Upgrade auf hoop master Einspannstation für reproduzierbares Einspannen. |
Fazit: Qualität ist ein System
Der Unterschied zwischen „läuft irgendwie“ und „läuft reproduzierbar“ ist nicht die Maschine – es ist der Ablauf.
- Rahmen standardisieren (Mitte markieren, gleiche Routine).
- Nadeln/Farben standardisieren (Grundfarben fest belegen).
- Dateien verifizieren (erst prüfen, dann produzieren).
Wenn du die Honpo-Reihenfolge konsequent abarbeitest – Import > Memory > Rahmengröße > Rahmen montieren > Nadeln zuweisen > Stickmodus > Start – wird aus einem komplexen System ein kalkulierbarer Produktionsprozess.
Und wenn der Engpass nicht mehr die Maschinenleistung ist, sondern das Einspannen/Wechseln: Dann lohnt sich der Blick auf Tools wie dime totally tubular Einspannstation oder Magnetrahmen, um Durchsatz und Konsistenz zu steigern.
Jetzt Arbeitsbereich frei machen, Unterfaden checken – und Start drücken.
