Avengers-„A“-Patch in Hatch/Wilcom digitalisieren: Manuelle Knoten, Satinkante und Full-Fill vs. Applikation (Workflow für 3,5" Patch)

· EmbroideryHoop
Dieser Praxis-Guide baut das Video in einen wiederholbaren Workflow um: Du digitalisierst das Avengers-„A“ als 3,5"-Patch in Hatch 3 (Wilcom). Du lernst, wie du ein Referenzbild importierst, exakt auf 3,5" Höhe skalierst und sperrst, anschließend mit dem Tool „Digitize Closed Shape“ saubere Knoten setzt (gerade Knoten per Linksklick, Kurvenknoten per Rechtsklick, gerade Achsen mit gedrückter Strg-Taste). Danach erzeugst du eine Satinkante über „Create Outlines and Offsets“ mit 0.150" Offset, stellst die Kantenbreite auf 4,00 mm um und legst mit Edge Run + Double Zigzag die passende Unterlage für eine stabile, „volle“ Patchkante an (TrueView per „T“ zur Kontrolle). Zum Schluss erstellst du eine Full-Fill-Rückseite, indem du die Kante duplizierst und auf Fill (Tatami) umstellst, und vergleichst die Stichzahlen (~17.983 Full Fill vs. ~9.000 Applikations-Style), um Laufzeit und Produktions-Trade-offs realistisch einschätzen zu können – inklusive typischer Stolpersteine und schneller Fixes.
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Inhaltsverzeichnis

Vom Pixel zum Patch: Praxis-Guide für manuelles Digitalisieren & Produktionslogik

Ein praxisnaher Leitfaden, um den Avengers-Patch-Workflow in Hatch 3 sicher nachzubauen – mit Fokus auf saubere Kanten, stabile Satinkanten und reproduzierbare Produktion.

Ein professioneller Patch ist zu 20% Software und zu 80% Verständnis für das, was später physisch an der Maschine passiert. Eine „schöne Datei“ bringt nichts, wenn sie dir im Sticklauf das Material verzieht, Fäden reißt oder die Kante instabil wird.

Dieser Guide nimmt das reine Screen-Tutorial und macht daraus einen wiederholbaren Ablauf mit klaren Kontrollpunkten, Produktionslogik und typischen Fehlerbildern. Egal ob du gerade erst in Hatch einsteigst oder als Shop die Stichzahl und Laufzeit optimieren willst: Hier geht es vom Bildschirm bis zur stickbaren Patch-Datei.


Referenzbild importieren und sauber vorbereiten

Ein sauberer Patch beginnt nicht erst am Startknopf der Stickmaschine, sondern mit einem kontrollierten Setup in der Digitalisierungssoftware. Im Video ist das Ziel ein 3,5" hoher Patch – schnell, nachvollziehbar und später gut editierbar.

User dragging corner handle of the imported Avengers reference image to resize it.
Resizing reference image

Was du hier lernst (und warum es zählt)

Du baust das Avengers-„A“ als patch-taugliches Design auf, indem du:

  • ein Referenzbild importierst und auf 3,5" Höhe skalierst.
  • das Bild sperrst, damit es beim Digitalisieren nicht versehentlich verrutscht.
  • das Logo mit manuellen Knoten (gerade + kurvig) nachzeichnest, damit die Kanten sauber sticken.
  • eine Satinkante mit definiertem Offset und scharfen Ecken erzeugst.
  • Unterlage so setzt, dass kein Stoff „durchblitzt“ (typisches Anfängermerkmal bei Patchkanten).
  • Full Fill vs. Applikations-Style vergleichst, um Stichzahl und Maschinenzeit zu steuern.

Wenn du Patches in Serie machst, ist das auch der Punkt, an dem du wie eine Produktion denkst: Stichzahl, Reihenfolge (Sequence) und Wiederholbarkeit sind genauso wichtig wie die Optik.

Mouse cursor selecting the 'Digitize Closed Shape' tool from the left toolbar.
Tool selection

Praxis-Precheck: Material & Ablauf mitdenken (auch wenn es „nur“ Software ist)

Digitalisieren sollte immer dazu passen, wie der Patch später gestickt und verarbeitet wird. Ein kurzer Realitätscheck vor dem ersten Knoten spart dir Testläufe.

Kurzliste: Was in der Praxis typischerweise dazugehört

  • Patch-Grundmaterial: Im Kommentar wird für Patches Twill genannt („I just use twill“). Das ist stabil und patch-typisch.
  • Stabilisierung: Wenn der Patch später auf ein Kleidungsstück soll, wird im Kommentar meist ein Cut-away empfohlen („just add a piece of cut away stabilizer… depends on the garment“).

Hinweis aus der Praxis: Je nach Kleidungsstück reagiert das Material unterschiedlich (im Kommentar explizit: Sweater anders als dünnes Polo). Plane das beim Digitalisieren mit ein: Kanten, Unterlage und Überlappungen müssen „fehlertolerant“ sein.

Praxisfragen aus den Kommentaren: Erwartungen an Software & Workflow

Aus den Kommentaren ergeben sich typische Einstiegsfragen:

  • „Welche Software ist das?“ Antwort: Hatch 3 by Wilcom.
  • „Kann man das auf einem Tablet nutzen?“ Antwort: Nein, Hatch 3 läuft nicht auf einem Tablet – u.a. weil die Bedienlogik (Links-/Rechtsklick für Knoten) präzise Maussteuerung voraussetzt.
  • „Hatch 3 Digitizer für 500$?“ Antwort: Der Creator hat keinen 500$-Preis gesehen, als niedrigsten Preis nennt er 899$ im Sale.
  • „Geht das auch mit Auto-Digitizing?“ Antwort aus den Kommentaren: Für so ein simples Motiv kann Auto-Digitizing funktionieren; wenn Patches „nicht voll“ wirken, kann man u.a. Dichte erhöhen.

Prep-Checkliste (Ende Vorbereitung)

Mach diesen kurzen Check, bevor du den ersten Knoten setzt.

  • Referenz: Bild ist kontrastreich, auf 3,5" Höhe skaliert.
  • Bild gesperrt: Referenz ist gelockt, damit nichts verrutscht.
  • Ziel klar: Patch als Full Fill oder Applikations-Style geplant (Stichzahl/Laufzeit!).
  • Materialgedanke: Patch auf Twill oder später direkt auf ein Kleidungsstück (dann Cut-away einplanen).

Manuelles Digitalisieren: „Digitize Closed Shape“ sicher beherrschen

Manuelles Digitalisieren ist am Anfang langsamer als Auto-Digitizing – liefert aber die saubereren Kanten und die verlässlichere Sticklogik. Im Video wird konsequent mit Digitize Closed Shape gearbeitet.

First node placed at the bottom corner of the 'A' with a guide line extending.
Starting digitizing

Step 1 — Hauptform des „A“ als geschlossene Form digitalisieren

Der Creator startet mit Digitize Closed Shape und setzt Knoten entlang der Kontur.

Knoten-Logik (genau wie im Video):

  • Ecken/harte Knicke: Linksklick für einen geraden Pivot-Punkt.
  • Kurven: Rechtsklick für Kurvenknoten, um den Bogen sauber nachzuführen.
  • Gerade Achsen: Strg (Control) halten, um Linien sauber vertikal/horizontal zu führen.
Digitizing the curved section of the circle using right-clicks to create curve nodes.
Digitizing curves

Kontrollpunkte

  • Optisch: Die Kontur liegt „mittig“ auf der Vorlage (nicht zu weit innen/außen).
  • Workflow: Setze nicht unnötig viele Knoten. Bei Kurven lieber weniger, sauber platzierte Rechtsklick-Knoten.

Erwartetes Ergebnis

Mit Enter schließt du die Form: Es entsteht ein sauberer, geschlossener Objektumriss.

Step 2 — Inneres Dreieck/„Arrow“-Segment digitalisieren

Als Nächstes wird das innere Dreieck als zweite geschlossene Form erstellt.

Digitizing the internal triangle arrow shape of the logo.
Digitizing internal details

„Oops“-Protokoll (aus dem Video): Wenn ein Punkt falsch sitzt, musst du nicht neu anfangen.

Korrektur
Backspace (im Video wird auch Spacebar erwähnt), um den letzten Knoten zu lösen/zu löschen, ohne das Tool zu verlassen.

Kontrollpunkte

  • Dreiecksecken sind crisp (Linksklick).
  • Form ist geschlossen und als eigenes Objekt vorhanden.

Erwartetes Ergebnis

Mit Enter wird das Dreieck geschlossen und als zweites Objekt angelegt.

Praxis-Hinweis aus den Kommentaren: Auto-Digitizing vs. manuell

Die Frage kam direkt: „Could you have use auto digitizing?“

  • Für dieses einfache Motiv kann Auto-Digitizing grundsätzlich funktionieren.
  • Wenn Patches dabei „nicht voll“ wirken, wurde als Ansatz genannt: Dichte erhöhen.

Die perfekte Satinkante für den Patch erzeugen

Die Patchkante entscheidet, ob ein Patch „gekauft“ oder „selbstgemacht“ wirkt. Im Video wird die Kante über Outlines/Offsets erzeugt und anschließend in der Breite eingestellt.

The 'Outlines and Offsets' configuration menu is open on screen.
Creating border layout

Step 3 — Objekte gruppieren, dann „Create Outlines and Offsets“

Der Creator markiert die Objekte, gruppiert sie und nutzt Create Outlines and Offsets.

Wichtige Einstellungen (wie gezeigt):

  • Stichart: Satin
  • Ecken: Sharp Corners
  • Offset: 0.150"
Setting the offset distance to 0.150 inches in the dialog box.
Defining patch border margin

Kontrollpunkte

  • Die erzeugte Kontur liegt sauber um das Motiv.
  • Ecken sind wirklich „spitz“ (Sharp Corners aktiv), passend zum Logo-Look.

Erwartetes Ergebnis

Ein klarer Rand-/Kanten-Objekt entsteht um das „A“.

Step 4 — Kantenbreite auf 4,00 mm setzen (Metric)

Der Creator stellt die Einheiten auf metrisch um und setzt die Breite auf 4,00 mm.

Changing the border object width to 4.00 mm in the top property bar.
Setting satin width

Kontrollpunkte

  • Die Kante wirkt sichtbar kräftiger.
  • Du siehst in der Software, dass die Stichzahl ansteigt (typisch bei breiter Satin-Kante).

Erwartetes Ergebnis

Eine kräftige Satinkante, die patch-typisch wirkt.


Unterlage richtig setzen: stabile, „volle“ Patchkante

Unterlage ist die Basis, damit eine breite Satinkante sauber steht und der Stoff nicht durchscheint. Im Video werden zwei Unterlagen explizit gesetzt.

Object Properties panel open to the 'Stitching' tab showing underlay options.
Adjusting stitch properties

Step 5 — Edge Run + Double Zigzag als Underlay

In Object Properties → Stitching wird eingestellt:

  • Underlay 1: Edge Run
  • Underlay 2: Double Zigzag

Zur Kontrolle wird TrueView (T) umgeschaltet.

Screen showing the 'T' TrueView toggle off, revealing the zigzag underlay structure.
Inspecting underlay

Kontrollpunkte

  • In der Ansicht ohne TrueView erkennst du die Unterlagenstruktur unter der Satinsäule.
  • Edge Run liegt an den Kanten, Double Zigzag füllt/stützt die Breite.

Erwartetes Ergebnis

Eine deutlich stabilere Kante, die weniger „flach“ wirkt und weniger Stoff durchblitzen lässt.

Kommentar-basierter Praxisfix: Patch wirkt „nicht voll“

Ein Anfänger beschreibt, dass Patches nicht so „full“ wie fertige wirken. Die Antwort: Dichte etwas erhöhen, um mehr Stiche/Volumen zu bekommen.


Design finalisieren: Full Fill vs. Applikations-Style

Hier wird aus „sieht gut aus“ eine Produktionsentscheidung: Mehr Stichzahl = mehr Laufzeit. Im Video wird beides gezeigt.

Clicking the 'Duplicate' icon in the top toolbar with the border selected.
Creating background object

Step 6 — Full-Fill-Hintergrund durch Duplizieren der Kante

Workflow aus dem Video:

  1. Border auswählen.
  2. Duplicate.
  3. Stichart der Kopie von Satin auf Fill (Tatami) umstellen.
  4. In der Sequence das Fill nach unten/auf Position 1 schieben (damit es zuerst stickt).
Changing the stitch type of the duplicated object from Satin to Fill.
Converting to background fill
Moving the new fill object to position 1 in the Sequence list.
Reordering objects

Kontrollpunkte

  • Sequence-Logik: Das Fill sollte zuerst laufen, damit die Kante später sauber „oben drauf“ liegt.
  • Optisch siehst du eine geschlossene Hintergrundfläche.

Erwartetes Ergebnis

Ein „echter“ Full-Fill-Patch-Look mit gefülltem Hintergrund.

Step 7 — Farben zuweisen & Stichzahl vergleichen

Der Creator coloriert im Captain-America-Stil (Rot/Weiß/Blau) und vergleicht:

  • Full Fill: 17.983 Stiche
  • Applikations-Style: ~9.000 Stiche
The fully colored Captain America themed Avengers patch displayed in 3D preview.
Final design review
Mouse hovering over the stitch count indicator at the bottom status bar.
Checking data metrics
Version of the design without the background fill, creating an applique look.
Comparison of styles

Bedeutung für die Produktion

  • Full Fill: Mehr „Patch-Feeling“, aber deutlich mehr Laufzeit.
  • Applikations-Style: Weniger Stiche, schneller – Hintergrund kommt über Stoff/Material statt über Fill.

Wenn Einspannen zum Engpass wird (Produktionslogik)

Sobald die Datei steht, wird bei Serien oft das Einspannen zum Zeitfresser. Gerade bei Twill und stabilen Lagen zählt reproduzierbare Passung.

Upgrade-Pfad in der Praxis:

  1. Level 1: Stabilisierung einspannen und Material „floaten“ (für Prototypen).
  2. Level 2: Wenn dicke Materialien oder steife Lagen im Standardrahmen rutschen/Stress machen, ist das ein typischer Grund für Magnetrahmen für Stickmaschine.
  3. Level 3: Für Serien hilft eine feste Ausrichtung: Einspannen für Stickmaschine wird deutlich reproduzierbarer mit einer Einspannstation für Maschinenstickerei – besonders, wenn du identische Patches in Stückzahl brauchst.

Warnung: Magnetrahmen haben Quetschgefahr. Finger aus dem „Snap“-Bereich halten.


Troubleshooting

Hier sind die typischen Probleme aus dem Video/Kommentar-Kontext als schnelle Diagnosehilfe.

Diagnose-Tabelle: Symptom → Ursache → Fix

Symptom Wahrscheinliche Ursache Quick-Fix Aufwändiger Fix
Knoten falsch gesetzt Verklickt/Position verrutscht Backspace (oder Spacebar im Video-Kontext) für den letzten Knoten Objekt löschen und neu digitalisieren
Patch wirkt „flach“ Zu wenig Stichmasse/Struktur Dichte etwas erhöhen (Kommentar-Hinweis) Unterlage/Objektaufbau neu bewerten
Produktion zu langsam Hohe Stichzahl durch Full Fill Applikations-Style nutzen (~9.000 statt ~17.983) Prozess/Setup optimieren

Hinweis zu „Remove Overlap“

In den Kommentaren wird erwähnt, dass Hatch eine „remove overlap“-Funktion haben könnte, um Stichzahl zu reduzieren.

  • Praxis-Hinweis: Weniger Überlappung kann Stichzahl senken, aber zu wenig Überlappung kann sichtbare Spalten erzeugen – besonders bei Stoffen, die sich beim Sticken zusammenziehen.

Ergebnis

Wenn du den Workflow aus dem Video nachbaust, erhältst du ein patch-taugliches Avengers-„A“ mit klarer Produktionslogik:

  • Referenz: Auf 3,5" skaliert, gesperrt.
  • Aufbau: Manuell mit Digitize Closed Shape (Linksklick = Ecke, Rechtsklick = Kurve, Strg für gerade Linien).
  • Kante: Satin über Outlines/Offsets, 0.150" Offset, Sharp Corners, 4,00 mm Breite.
  • Unterlage: Edge Run + Double Zigzag, kontrolliert über TrueView (T).
  • Output: Full Fill (17.983 Stiche) vs. Applikations-Style (~9.000 Stiche) als klare Option je nach Laufzeit/Look.

Wenn du daraus reproduzierbare Serienproduktion machen willst, standardisiere vor allem:

  1. Materialbasis (z. B. Twill), damit deine Einstellungen konstant bleiben.
  2. Einspannprozess, z. B. mit Magnetische Einspannstation für wiederholgenaue Ausrichtung.

Operations-Checkliste (Ende Operation)

Vor dem ersten Testlauf prüfen.

  • Sequence: Fill (falls genutzt) läuft vor der Satinkante.
  • Underlay/TrueView: Edge Run + Double Zigzag sichtbar/aktiv.
  • Einspannen: Material liegt plan und stabil; bei Problemen helfen Magnetrahmen Anleitung-Workflows.
  • Stichzahl-Realität: Full Fill vs. Applikation bewusst gewählt.

Wenn du diesen Patch-Workflow beherrschst, kannst du die gleiche Logik auf viele Logos übertragen: Knoten sauber setzen, Kante stabilisieren, Reihenfolge logisch aufbauen – dann stickt es in der Praxis deutlich stressfreier.