Inhaltsverzeichnis
Einführung in das mySewnet App-Ökosystem
Wenn du eine Husqvarna Viking Designer Epic 2 besitzt, kann das mySewnet-Ökosystem aus einem stressigen „Pi mal Daumen“-Stickjob einen kontrollierten, wiederholbaren Ablauf machen. Das ist besonders wichtig bei gemusterten Stoffen – z. B. Streifen oder Karos – denn schon wenige Millimeter Versatz können die Optik sichtbar „kippen“.
In dieser praxisorientierten Anleitung rekonstruieren wir den exakten Digital-zu-Real-Loop aus dem Video: Artwork fotografieren (Baby-Füßchen), sofort digitalisieren, den eingespannten Stoff fotografieren, damit die Maschine einen realen Hintergrund als Arbeitsfläche bekommt, beides per Cloud zur Maschine senden und anschließend das Motiv präzise zur Stoffstruktur ausrichten.

Wie jede/r erfahrene Sticker/in weiß: Software ist nur die halbe Miete. Deshalb ergänze ich die „Werkbank-Details“, die in Videos oft fehlen: welche kleinen Vorbereitungen die Passung stabil machen, woran du korrektes Einspannen erkennst – und warum Motive trotz perfekter Bildschirm-Positionierung später „wandern“ können. Außerdem greifen wir typische Praxisfragen auf (z. B. Speichern/Sync-Probleme und das „Hintergrund verschwindet“-Thema).
Sofort-Digitalisieren mit QuickDesign
QuickDesign ist der „Foto-zu-Stich“-Baustein im mySewnet-Workflow. Für einfache Vorlagen (Linien/Flächen, organische Formen) kannst du damit ohne PC-Digitalisierungssoftware schnell zu einer stickbaren Datei kommen. Im Video wird aus einer gedruckten Zeichnung von Baby-Füßen ein Motiv erstellt.

Schritt für Schritt: Bild digitalisieren (wie im Video)
- QuickDesign-App öffnen (Smartphone).
- Kamera über der Vorlage zentrieren. Achte auf gleichmäßiges Licht – und darauf, dass deine Hand keinen Schatten auf die Zeichnung wirft.
- Foto aufnehmen.
- Filterstil wählen: Im Video wird „Scatter L“ gewählt – das ergibt eine eher texturierte, künstlerische Stichoptik statt einer „glatten“ Satinfläche.
- Design benennen: Im Video heißt die Datei „feet“.
- In die mySewnet-Cloud speichern. Praxis-Check: Erst schließen/wechseln, wenn die Bestätigung („Design saved“) wirklich angezeigt wurde.



Checkpoints (damit die Datei später sauber stickt)
- Kontrast entscheidet: Dunkler Stift auf weißem Papier funktioniert am zuverlässigsten. Blasse Bleistiftlinien können zu „Rauschen“/unterbrochenen Konturen führen.
- Parallel-Regel: Halte das Smartphone möglichst parallel zur Vorlage. Schräg fotografiert = verzerrte Proportionen in der Auto-Digitalisierung.
- Realistische Erwartung: QuickDesign ist ein Auto-Digitalisierer. Super für organische Motive und schnelle Prototypen. Für exakte Firmenlogos mit definierten Unterlagen/Parametern brauchst du weiterhin professionelle PC-Software.
Wenn du gerade verschiedene husqvarna Stickmaschinen vergleichst oder mit der Epic 2 einsteigst: Nutze QuickDesign als „Rapid-Prototyping“-Werkzeug – ideal für personalisierte Geschenke, Quilt-Labels und spontane Ideen.
Unterwegs lernen mit JoyOS Advisor
Die zweite App im Video ist JoyOS Advisor. Praktisch ist das wie eine „Techniker-Hilfe“ in der Hosentasche: Anleitungen, QuickStart-Guides und Schritt-für-Schritt-Workbooks – ohne dass du direkt an der Maschine stehen musst.

Wofür das im Alltag wirklich gut ist
- Mentale Vorbereitung: Einfädeln, Grundfunktionen oder „Design Positioning“ schon mal durchlesen – z. B. unterwegs oder im Stoffladen.
- Fehlersuche ohne Unterbrechung: Du kannst am Handy nachschlagen, ohne an der Maschine aus deinem aktuellen Stickbildschirm herauszuspringen.

Profi-Tipp (Lernkurve): Gerade am Anfang wirkt die Funktionsfülle überwältigend. Versuche nicht, „alles“ zu lernen. Meistere einen Ablauf nach dem anderen. Der Loop heute ist: Artwork aufnehmen → Stoff einspannen → Hintergrund synchronisieren → Design platzieren. Wenn dieser Ablauf sitzt, wird alles Weitere deutlich leichter.
Der Game-Changer: Design Placement
Design Placement (in der mySewMonitor-App) nimmt dir eine der größten Sorgen in der Maschinenstickerei: „Landet das Motiv wirklich da, wo ich es will?“ Du fotografierst deinen eingespannten Stoff, und die Maschine nutzt dieses Foto als Hintergrund – du platzierst das Motiv direkt „auf dem echten Stoffbild“.

Warum die Einspannqualität die Passgenauigkeit direkt bestimmt
Das ist der wichtigste Punkt: Die App kann schlechte Physik nicht reparieren. Wenn dein Stoff im Stickrahmen verzogen ist, fotografierst du genau diese Verzerrung. Du kannst dann am Bildschirm perfekt ausrichten – aber sobald der Stoff nach dem Ausspannen „entspannt“, kann die Stickerei optisch schief wirken oder verziehen.
Typische Ursachen in der Praxis:
- Der „Trommelfell“-Irrtum: Viele ziehen vor allem Maschenware zu stark stramm. Das dehnt die Fasern. Gestickt wird dann in gedehntem Zustand – nach dem Ausspannen zieht sich der Stoff zurück, die Stiche nicht. Ergebnis: Wellen/Puckern.
- Rahmenspuren/Rahmenabdrücke: Klassische Schraubrahmen brauchen oft viel Druck, um dicke Lagen oder empfindliche Materialien zu halten. Das kann Fasern quetschen und sichtbare Abdrücke hinterlassen.
Wenn du regelmäßig mit Stoffrutschen, Handbelastung durch Schrauben oder Rahmenspuren kämpfst, bist du oft an der Grenze klassischer Reibungsrahmen. Hier steigen viele Profis auf bessere Einspann-Mechanik um. Ein Magnetrahmen für husqvarna viking arbeitet mit vertikaler Magnetkraft statt seitlicher Reibung – der Stoff wird sicher gehalten, ohne ihn unnötig zu verformen. Das hilft besonders bei Streifen, weil Fadenlauf und Muster „in Form“ bleiben.
Warnung: Sicherheit zuerst. Finger aus dem Nadelbereich und weg vom bewegten Arm/Pantographen, wenn du die Stickeinheit ansetzt oder die Maschine kalibriert. Plötzliche Bewegungen können einklemmen.
Schritt für Schritt: Den eingespannten Stoff zur Designer Epic 2 synchronisieren
Dieser Ablauf synchronisiert die physische Realität (dein eingespanntes Teil) mit der digitalen Arbeitsfläche der Maschine.
Vorbereitung: „Unsichtbare“ Verbrauchsmaterialien & Checks (nicht überspringen)
Bevor du die App öffnest, muss der Arbeitsplatz stimmen. Die beste Platzierungsfunktion hilft nicht, wenn die Basis nicht passt.
- Nadelwahl: Für Standard-Baumwolle: 75/11 Sticknadel. Für Maschenware/Jersey: 75/11 Kugelspitze (Ballpoint), um dehnbare Fasern weniger zu verletzen.
- Stickvlies (Rückseite): Für Maschenware/Trageteile: Cutaway (dauerhafte Stabilität). Tearaway eher nur für stabile Webware.
- Temporärer Sprühkleber: Ein leichter Sprühstoß (z. B. 505) kann Stoff und Vlies beim Einspannen „als dritte Hand“ zusammenhalten.
- Kleinteile: Schere/Clipper und Fusselrolle bereitlegen. Fussel oder Fäden können auf dem Hintergrundfoto sichtbar sein und beim Platzieren irritieren.
Wenn du mehrere Teile hintereinander produzierst, frisst das Setup Zeit. Eine Einspannstation für Stickmaschinen hilft, jedes Teil reproduzierbar an derselben Position einzuspannen – und reduziert später das „Herumfummeln“ bei der Ausrichtung in der App.
Vorbereitung-Checkliste (End-of-Prep Gate)
- Account-Sync: Smartphone und Maschine sind im gleichen mySewnet-Account eingeloggt?
- Stoffcheck: Stoff liegt entspannt (nicht überdehnt) und der Fadenlauf stimmt?
- Stickvlies: Passender Typ sauber auf der linken Seite fixiert?
- Rahmenwahl: Richtige Rahmengröße (im Video 360x260) an der Maschine ausgewählt?
- Unterfaden: Unterfadenspule ausreichend gefüllt? (Bei präziser Platzierung ist „Unterfaden leer“ besonders ärgerlich.)
Schritt 1: Stoff einspannen (was das Video voraussetzt)
Im Video ist der Stoff bereits eingespannt – genau hier wird der Job gewonnen oder verloren.
- Außenrahmen auf eine harte, plane Fläche legen.
- Stickvlies und Stoff darüber positionieren.
- Innenrahmen einsetzen.
- Praxis-Check: Beim Eindrücken den Stoff sanft nach außen glattstreichen. Ziel ist „glatt/straff“, nicht „überdehnt“. Es sollte sich eher wie ein frisch gebügeltes Hemd anfühlen – nicht wie ein Trampolin.
Wenn du bei dicken Kanten (z. B. Jeansnähte) mit Standardrahmen kämpfst und der Innenrahmen „hochkommt“, ist das ein typischer Anwendungsfall für Stickrahmen für husqvarna viking mit Magnetklemmung: Sie passen sich eher an unterschiedliche Materialstärken an, ohne dass du ständig Schrauben nachziehen musst.
Schritt 2: Rahmen-Hintergrund in mySewMonitor aufnehmen (wie im Video)
- mySewMonitor am Smartphone öffnen.
- Design Placement wählen.
- Am besten aufstehen und das Handy so halten, dass der komplette Rahmen im Bild ist.
- Schwebeposition: Smartphone parallel über dem Stickrahmen ausrichten. Die Eck-/Corner-Guides am Bildschirm helfen dir dabei.
- Aufnehmen: Auslösen – die App verarbeitet das Bild und korrigiert die Perspektive.



Checkpoints
- Licht: Gleichmäßige Ausleuchtung ohne harte Schatten über dem Rahmen.
- Ruhe: Beim Auslösen kurz stabil halten (Bewegungsunschärfe macht exaktes Platzieren später unnötig schwer).
Achtung (Fehlersuche): Wenn die App die Rahmenecken nicht sauber erkennt, prüfe zuerst Haltung/Parallelität und ob die Ecken/Markierungen frei sichtbar sind (nicht von Stoff überdeckt). Im Video wird ein Husqvarna Viking Rahmen verwendet; bei Rahmen ohne passende Geometrie/Markierungen kann die Erkennung schwieriger sein.
Schritt 3: Hintergrundbild an die Designer Epic 2 senden (wie im Video)
- In der App das Senden-Symbol antippen (im Video wird an Designer Epic 2 gesendet).
- An der Maschine erscheint ein Popup, dass das Hintergrundbild empfangen wurde – bestätigen.
- Die Arbeitsfläche an der Maschine sollte nun wie dein Stofffoto aussehen.


Schritt 4: QuickDesign-Datei aus dem mySewnet-Ordner laden (wie im Video)
- An der Designer Epic 2 den mySewnet Cloud-Ordner öffnen.
- Die zuvor gespeicherte Datei (Name „feet“) auswählen.
- Antippen, um sie auf die Arbeitsfläche zu laden.

Praxis-Hinweis: Je nach Verbindung kann es eine kurze Verzögerung geben, bis eine am Handy gespeicherte Datei an der Maschine sichtbar ist. Wenn du dich fragst „Warum wird es nicht gespeichert/warum sehe ich es nicht?“: zuerst Account prüfen und dann in der Dateiansicht aktualisieren/neu laden.
Setup-Checkliste (End-of-Setup Gate)
- Visuelle Bestätigung: Auf dem Bildschirm ist dein Stoff mit deinen Streifen als Hintergrund?
- Rahmen-Match: Der am Bildschirm gewählte Rahmen entspricht dem physisch eingesetzten Rahmen?
- Datei geladen: „feet“ ist auf der Arbeitsfläche sichtbar?
- Freigang: Hinter/seitlich an der Maschine ist genug Platz, damit der Rahmen nirgends anschlägt?
Finale Positionierung: Tipps für perfekte Ausrichtung
Jetzt kommt der entscheidende Moment: Du schiebst das digitale Motiv so, dass es exakt zur Streifenstruktur im Hintergrundfoto passt.

Schritt für Schritt: Design ausrichten (wie im Video)
- Mit Finger oder Stift das „feet“-Motiv auf dem Bildschirm verschieben.
- So platzieren, dass es optisch sauber zu den Streifen im Hintergrundfoto sitzt.
- Kritischer Schritt: Wenn der Hintergrund beim Laden des Designs plötzlich verschwindet, ist sehr oft die Rahmengröße falsch eingestellt. Im Video passiert genau das: Es wurde die falsche Rahmengröße gewählt – nach Auswahl von 360x260 ist der Hintergrund wieder da. Stelle also sicher, dass die Maschine dieselbe Rahmengröße „denkt“, mit der du das Foto aufgenommen hast.
Erwartete Ergebnisse
- Sichere Sichtkontrolle: Du erkennst sofort, ob du auf eine Naht, Kante oder mitten auf einen Streifen landest.
- Kein Rechnen: Statt „3 cm runter, 4 cm rüber“ arbeitest du visuell – ansehen und schieben.
Entscheidungslogik fürs Stickvlies (Stoff → Vlieswahl)
Viele Probleme entstehen nicht durch die App, sondern durch falsche Stabilisierung. Nutze diese einfache Logik:
- Ist der Stoff zusammen mit dem Stickvlies eingespannt?
- Nein (Floating): Für präzise Platzierung riskanter. Für Einsteiger ist „Stoff + Vlies gemeinsam einspannen“ meist stabiler.
- Hat der Stoff Dehnung (T-Shirt/Jersey)?
- Ja: CUTAWAY ist Pflicht, sonst verliert die Stickerei beim Tragen/Waschen schneller die Form.
- Entscheidung: Cutaway + Ballpoint-Nadel.
- Hat der Stoff Flor/Schlingen (Frottee/Samt)?
- Ja: Oben ein wasserlösliches Topper-Film (Solvy), damit Stiche nicht einsinken.
- Entscheidung: unten Tearaway (wenn passend) + Stoff + oben Solvy auflegen.
Wenn Projekte von „Hobby“ Richtung „Produktion“ gehen (z. B. 20 Polos), wird Einspannzeit zur Kennzahl. Genau hier wird Einspannen für Stickmaschine-Effizienz messbar. Magnetrahmen reduzieren Handgriffe und helfen, die Spannung über eine Serie konsistent zu halten.
Betriebs-Checkliste (End-of-Operation Gate)
- Rahmengröße: 360x260 (oder tatsächlich verwendete Größe) in den Maschineneinstellungen bestätigt?
- Ausrichtung: Design sitzt korrekt zu den Streifen im Hintergrund?
- Fuß: Richtiger Stickfuß montiert (häufig Sensor Q)?
- Oberfaden: Oberfaden korrekt durch die Spannung geführt?
- Sicherheit: Bereich frei, Startbereit.
Warnung: Magnetfeld-Hinweis. Magnetrahmen arbeiten mit starken Neodym-Magneten. Quetschgefahr für Finger. Abstand zu Herzschrittmachern, Kreditkarten und empfindlicher Elektronik halten.
Wenn du Magnetrahmen für Stickmaschine einsetzt, um Ausrichtung und Materialschäden zu verbessern: Bedenke, dass Magnetrahmen oft schwerer sind als Kunststoffrahmen. Stelle sicher, dass deine Maschine das Gewicht sauber führen kann.
Troubleshooting
Wenn etwas nicht klappt, arbeite in dieser Reihenfolge: Mechanik/Einspannen → Bedienfehler → Software/Sync.
| Symptom | Likely Cause | Try This Fix First (Low Cost) | Secondary Fix (High Cost/Tech) |
|---|---|---|---|
| Background image vanishes | Mismatched hoop size setting. | Go to Main Menu -> Hoop Selection -> Choose the size you actually photographed (e.g., 360x260). | Restart the machine and re-send the image. |
| App won't capture photo | Perspective or lighting issues. | Hold phone higher and perfectly flat. Ensure corner markers are not covered by fabric. | Clean phone lens. Update app. |
| Stitch-out is crooked | "Hoop Creep" or fabric shifting. | Re-hoop. Ensure the screw is tight (use a screwdriver, not just fingers). | Upgrade to an Magnet-Stickrahmen to eliminate slippage completely. |
| Gaps in design (Outline off) | Poor stabilization. | Use Cutaway stabilizer and spray adhesive. | Slow down machine speed (SPM) to 600. |
Ergebnisse
Wenn du diesen Workflow konsequent einhältst, machst du aus der „variablen“ Stoffrealität ein kontrollierbares, digitales Platzierungsproblem: Du nimmst eine einfache Vorlage, digitalisierst sie ohne komplexe Software, spannst sauber ein, synchronisierst den realen Hintergrund zur Maschine und stickst mit deutlich mehr Sicherheit.
Das Ergebnis: Das Motiv sitzt so auf den Streifen, wie du es am Bildschirm gesehen hast.
Die mySewnet-Apps nehmen dir das Raten ab – aber Stabilität musst du weiterhin liefern. Wenn du sauberes Stabilisieren und korrektes Einspannen beherrschst und bei Bedarf moderne Tools wie Magnet-Einspannen nutzt, wird die Designer Epic 2 vom „Computer, der nervös macht“ zu einer sehr präzisen Erweiterung deiner Produktion und Kreativität.
