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Schief eingespannt ist der stille Albtraum in der Maschinenstickerei: Du misst, markierst, spannst ein – und an der Maschine siehst du plötzlich, dass der Stoff im Stickrahmen ein paar Grad „kippt“.
In der Produktion nennt man das oft „Drift“: Das Teil sitzt nicht exakt zur Rahmenachse. Früher hieß das: ausspannen, neu einspannen – mit Zeitverlust und dem Risiko von Rahmenspuren/Rahmenabdrücken.
Moderne Maschinen wie die Husqvarna Viking Designer EPIC 2 haben dafür ein digitales Sicherheitsnetz: Design Positioning.
In diesem Guide zerlegen wir den Ablauf so, wie Debbie ihn zeigt: Sie stickt das Wort „PERFECT“ auf einen Stoffstreifen, der absichtlich diagonal im Rahmen liegt. Zusätzlich bekommst du die praxisnahen Kontrollpunkte, die aus einer „coolen Funktion“ einen reproduzierbaren Workflow machen.

Warum du Design Positioning brauchst
Design Positioning ist die digitale Kompensation für eine physische Unsauberkeit beim Einspannen. Vereinfacht gesagt: Die Maschine trennt die Achse des Stickrahmens von der Achse deines Stoffes – und du bringst beides wieder in Deckung.
Im Video ist das Beispiel bewusst extrem (schwarzer Stoffstreifen stark diagonal). In der Praxis brauchst du die Funktion besonders dann, wenn:
- Neu-Einspannen riskant ist: Bei empfindlichen Materialien können Rahmenspuren/Rahmenabdrücke mit jedem erneuten Schließen des Rahmens stärker werden.
- Das Teil sich schlecht „quadratisch“ einspannen lässt: Wenn du z. B. ein bereits konfektioniertes Teil auf Vlies platzierst und nicht sauber im Winkel schließen kannst.
- Geometrie entscheidend ist: Schriftzüge, die parallel zu Saum, Streifen oder Kante laufen müssen.
Wenn du Einspannen für Stickmaschine-Workflows wirklich beherrschst, merkst du schnell: 100% perfekte Physik ist nicht immer realistisch. Design Positioning hilft dir dabei, zwei Dinge sauber zu definieren:
- Einen Start-/Ankerpunkt (Lock Point).
- Eine Dreh-Ausrichtung (Rotation) entlang der realen Stofflage.
„Floating“ als Versicherung – und warum Positioning dazu gehört: Viele Profis „floaten“: Vlies wird eingespannt, das Teil wird obenauf fixiert. Das reduziert Rahmenspuren, kann aber kleine Winkelabweichungen begünstigen. Design Positioning ist dann der logische Partner, um diese leichten Schrägen sauber auszubügeln.

Setup an der EPIC 2: Stickrahmen und Text auswählen
Präzise Ausrichtung funktioniert nur, wenn die Eingaben stimmen. Bevor du die Software nutzt, stabilisiere die physischen Variablen.
Das Setup (wie gezeigt):
- Stoff: Schwarzer, gewebter Baumwollstreifen.
- Vlies: Weißes Vlies/Unterlage (im Beispiel als stabile Basis unterlegt).
- Garn: Rot (Oberfaden).
- Maschine: Husqvarna Viking Designer EPIC 2.
„Unsichtbare“ Hilfsmittel & Vorab-Checks
Ein häufiger Denkfehler: „Das richtet die Maschine schon.“ Nein – eine Software kann keinen lockeren Rahmen kompensieren.
Praktische Tools, die dir hier helfen:
- Pinzette (gebogen): Für Sprungstiche/Fäden, ohne in den Stoff zu stechen.
- Nadel-Check: Eine frische Sticknadel reduziert Ablenkung beim Einstich – wichtig, wenn du Referenzpunkte wirklich millimetergenau treffen willst.
- Unterfaden-Check: Unterfadenspule korrekt eingesetzt und sauber laufend – damit du beim Testlauf keine unnötigen Unterbrechungen bekommst.
Kurz-Checkliste vor dem Positionieren:
- Rahmensitz prüfen: Vlies/Unterlage muss straff sitzen. Wenn du beim Antippen merkst, dass es „arbeitet“, ist das ein Warnsignal.
- Freiweg prüfen: Hinter/seitlich der Maschine muss Platz sein – der Stickarm fährt beim Positionieren und später beim Sticken in die Extrembereiche.
- Nadelposition kontrollieren: Für die Referenzpunkte brauchst du eine reproduzierbare Nadelabsenkung (nicht „Pi mal Daumen“ von schräg oben schauen).
Warnung (Mechanische Sicherheit): Beim Positionieren bist du nah an Nadel und Nähfuß, während du am Bildschirm Pfeile antippst. Finger konsequent aus dem Nähfuß-/Nadelbereich halten, denn der Stickarm bewegt sich kräftig und kann überraschend „springen“.
Textmotiv erstellen (wie im Video)
Debbie startet direkt am Bildschirm:
- Alphabet öffnen.
- Schrift Clarendon wählen.
- „PERFECT“ in Großbuchstaben eingeben.
- Mit OK bestätigen.
Praxis-Hinweis: Text ist ideal zum Üben, weil das Auge Schieflagen sofort erkennt. Genau deshalb ist es ein guter „Härtetest“ für Passung/Ausrichtung.


Richtige Rahmengröße wählen (kritisch)
Debbie wählt im Menü den 360 x 260 mm-Rahmen, passend zu ihrem eingespannten Rahmen.
Warum das so oft schiefgeht: Die Maschine rechnet die Positionen im Koordinatensystem des ausgewählten Rahmens. Wenn die Rahmengröße im Menü nicht zum realen Stickrahmen passt, stimmen Referenzpunkte und Bewegungen nicht – und im schlimmsten Fall fährt der Stickarm an Grenzen, wo er nicht hin soll.
Wenn du Stickrahmen für husqvarna viking nutzt (gerade bei Sondergrößen), ist das Pflicht: Rahmengröße im System muss zur tatsächlichen Rahmengeometrie passen – sonst ist jede Ausrichtung von Anfang an verloren.

Der 4-Schritt-Assistent (Wizard) verständlich erklärt
Die EPIC 2 packt die Geometrie in einen geführten Ablauf. Du öffnest ihn über das Blumen-Symbol unten im Stickbildschirm.
So kannst du dir die Logik merken: Stell dir vor, du befestigst ein Brett mit einem Nagel und richtest es dann aus.
- Schritt 1 & 2 (der erste „Nagel“): Du definierst und „fixierst“ den Ankerpunkt.
- Schritt 3 & 4 (das Ausrichten): Du setzt einen zweiten Referenzpunkt und drehst das Motiv um den Anker, bis es zur Stofflage passt.
Du erzeugst also einen festen Punkt und eine Richtung (Vektor).

Schritt 1 & 2: Motiv verankern
Schritt 1 — Ankerpunkt am Bildschirm setzen
Debbie wählt Schritt 1; das Fadenkreuz wird türkis.
- Aktion: Mit Pan (Hand) hineinzoomen, damit du wirklich exakt triffst.
- Aktion: Mit Move (Pfeile) das türkisfarbene „X“ an die untere linke Ecke des „P“ setzen.
Warum eine Ecke und nicht die Mitte? Eine Mitte ist „weich“ und interpretierbar. Eine scharfe Ecke (Serife) ist ein eindeutiger Referenzpunkt: Entweder sitzt das Kreuz exakt dort – oder eben nicht.


Schritt 2 — Nadel auf den Stoff ausrichten
Debbie wählt Schritt 2; jetzt steuern die Pfeile die reale Rahmen-/Armbewegung.
- Aktion: Den Stickrahmen so verfahren, dass die Nadel über dem Stoffstreifen dort steht, wo der Startpunkt sitzen soll.
- Sicht-Check gegen Parallaxenfehler: Nicht aus dem Sitzen „schätzen“. Wenn möglich, so schauen, dass du senkrecht auf die Nadelspitze blickst.
- Physische Verifikation: Nadel absenken (per Funktion/Handrad), bis die Spitze den Stoff gerade eben berührt. Genau dieser Punkt ist später dein tatsächlicher Start.


Wenn Schritt 2 ewig dauert: Das ist oft ein Spann-/Handling-Thema. Wenn du hier minutenlang „mikro-korrigierst“, liegt es häufig daran, dass sich das Material beim Schließen/Spannen minimal verschiebt.
- Stufe 1 (Fixierung): Stoff vor dem Einspannen/Positionieren so sichern, dass er nicht wandert.
- Stufe 2 (Prozess/Tooling): Viele Betriebe wechseln für wiederholgenaue Platzierung auf einen Magnetrahmen für husqvarna viking. Ein magnetischer Stickrahmen klemmt gleichmäßig von oben und reduziert die Reib-/Schubkräfte, die bei klassischen Schraubrahmen beim Schließen entstehen.
- Praxisnutzen: Du kannst die Lage oft feiner korrigieren, ohne dass dir beim „Zudrehen“ alles wieder wegzieht.
Schritt 3 & 4: Auf Winkel drehen
Schritt 3 — Zweiten Referenzpunkt setzen
Mit dem „P“ als Anker brauchst du jetzt einen zweiten Punkt als Hebel. Debbie wählt Schritt 3.
- Aktion: Cursor an die untere Mitte des „T“ am Wortende setzen.
Hebel-Regel aus der Praxis: Wähle den zweiten Punkt möglichst weit weg vom ersten.
- Ungünstig: Ein Buchstabe direkt neben dem „P“ – kleine Fehler wirken sich stark auf den Winkel aus.
- Gut: Das „T“ am Ende – die Distanz macht die Winkelberechnung stabiler.

Schritt 4 — Motiv auf Stoffwinkel drehen
Debbie wählt Schritt 4; die Pfeile wechseln von „Verschieben“ zu „Drehen“.
- Aktion: Mit den Drehpfeilen das Motiv rotieren, bis die Nadel am „T“-Referenzpunkt wieder mittig auf dem Stoffstreifen steht.
Der Effekt ist sofort sichtbar: „PERFECT“ kippt am Bildschirm so, dass es zur schrägen Stofflage passt – digitale Passung trifft physische Realität.


Warnung (Magnet-Sicherheit): Wenn du für Tempo in der Produktion mit Magnetrahmen für Stickmaschine arbeitest: Während der Bewegungen beim Positionieren kann ein Magnetrahmen metallische Tools anziehen, wenn sie auf dem Maschinenbett liegen. Maschinenbett komplett frei von Schere, Pinzette, Schraubendreher etc. halten, um Kollisionen zu vermeiden.
Entscheidungslogik: Design Positioning oder neu einspannen?
Nutze Design Positioning gezielt – nicht als Ersatz für sauberes Einspannen.
- Fall A: Stoff liegt schief, aber glatt und straff.
- Aktion: Design Positioning verwenden. Schneller als neu einspannen.
- Fall B: Stoff liegt schief, weil er wellt/locker ist.
- Aktion: Stopp. Neu einspannen. Software kann keine lose Spannung „gerade rechnen“.
- Fall C: Serienlauf (z. B. 50 Teile).
- Aktion: Nicht jedes Teil per Wizard retten. Für Wiederholgenauigkeit brauchst du Prozesshilfe – z. B. eine hoop master Einspannstation oder eine vergleichbare Einspann-Vorrichtung, damit jedes Teil identisch geladen wird.
Ergebnis: Der finale Sticklauf
Nach der Ausrichtung bestätigt Debbie und startet den Stickvorgang.
Letzter Sicherheits- und Qualitätscheck vor Start:
- Fadenanfang sichern: Oberfaden am Anfang kurz kontrollieren/führen, damit er nicht nach unten gezogen wird.
- Bewegungsraum prüfen: Durch die Rotation kann das Motiv näher an den Rahmenrand geraten – kurz checken, ob noch genug Abstand zur Rahmenkante bleibt.
- Aufmerksam starten: Beim ersten Lauf nach Positionierung die ersten Stiche beobachten, um sofort zu sehen, ob Startpunkt und Winkel stimmen.


Qualitätscheck: Was „perfekt“ in der Praxis bedeutet
Debbie nimmt den Rahmen ab: Der Schriftzug läuft sauber parallel zur Kante des schrägen Streifens.
Messbare Erfolgskriterien:
- Konstante Grundlinie: Abstand von Buchstabenunterkante zur Stoffkante bleibt über die Länge gleichmäßig.
- Treffer der Referenzpunkte: „P“-Start und „T“-Ende sitzen dort, wo du in Schritt 2 und 4 die Nadel positioniert hast.
Troubleshooting (Symptom → Ursache → Fix)
| Symptom | Likely Cause | Fast Fix | Prevention |
|---|---|---|---|
| Drift: Start wirkt korrekt, Ende läuft weg. | Material hat sich beim Sticken bewegt. | Keine schnelle Rettung (auftrennen). | Stabilere Unterlage/Vlies wählen oder Floating-Stickrahmen-Technik mit geeigneter Fixierung nutzen. |
| Shift: Komplettes Motiv sitzt ca. 2 mm daneben. | Parallaxenfehler beim Anvisieren der Nadelspitze. | Am Bildschirm minimal nachkorrigieren und erneut prüfen. | Beim Absenken senkrecht auf die Nadel schauen; Referenzpunkte konsequent mit Zoom setzen. |
| Hoop Burn: Sichtbare Rahmenringe. | Zu stark geklemmt/zu hoher Druck. | Nachbehandlung (je nach Material). | Spannkraft reduzieren; ggf. auf magnetischen Stickrahmen umstellen. |
| Menü nicht gefunden: Wizard lässt sich nicht öffnen. | Falscher Bildschirm/Modus. | In den Stick-/Stitch-out-Bildschirm wechseln. | Blumen-Symbol ist im Stickkontext unten im Screen verfügbar. |
Praxis-Hinweis aus typischen Reaktionen
In den Rückmeldungen wird deutlich, dass viele erst durch so ein Tutorial merken, „dass die Maschine das überhaupt kann“. Das ist kein Technikproblem, sondern ein Workflow-Thema: Die Funktion ist da – du musst sie nur als Werkzeug einplanen.
Toolbox-Denke: Betrachte deine Stickmaschine husqvarna viking als System: Software (Design Positioning) plus Hardware (Rahmen, Nadel, Garn, Vlies).
- Wenn Ausrichtung nur gelegentlich danebenliegt: Wizard nutzen.
- Wenn Ausrichtung ständig ein Thema ist: Einspannprozess verbessern. Dann ist Recherche zu Magnetrahmen für husqvarna viking oft sinnvoll, weil das Tooling die Geradheit mechanisch stabilisiert, statt sie jedes Mal digital zu korrigieren.
Produktionsstandard
Wenn du diesen Ablauf konsequent nutzt, arbeitest du nicht mehr nach „Pi mal Daumen“, sondern nach einem überprüfbaren Prozess: Ankerpunkt setzen, zweiten Punkt definieren, Winkel drehen, Nadelposition verifizieren. Genau das trennt Hobby-Erfolg von reproduzierbarer Profi-Qualität.
