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Kappenstickerei verstehen: Warum das Stickfeld so gnadenlos ist
Kappenstickerei ist für viele Einsteiger in die Maschinenstickerei der „Endgegner“. Auf einer Flachbettmaschine wie der Brother SC1900 (bzw. SE1900) ist das Stickfeld am Kappenaufsatz extrem breit, sehr niedrig und dazu kommt die Wölbung der Kappe. Wenn du diese Grenzen in der Software unterschätzt, enden Testläufe schnell in Nadelbruch, beschädigten Kappenrohlingen oder schlicht Frust.
In diesem Tutorial schließen wir die Lücke zwischen Software und Praxis: Du richtest Embrilliance so ein, dass du wirklich im realen Kappen-Stickfeld arbeitest, bereitest gekaufte Designs passend vor und exportierst eine sichere, stickfertige Datei.

Die zentrale Vorgabe in Jeanettes Workflow ist das fest definierte Arbeitsfeld des Kappenrahmens: 5" x 2" (130 mm x 60 mm). Diese 2-Zoll-Höhe ist deine harte Obergrenze. Ein Motiv, das im 5x7-Shirt-Rahmen „klein genug“ wirkt, kann am Kappenaufsatz bereits mit Rahmen/Anbauteilen kollidieren.

Der Perspektivwechsel: Zylinder/Curve vs. flach Eine Kappe ist nicht „nur ein anderer Stickrahmen“. Sobald du eine gewölbte Kappe auf einer Flachbettmaschine fixierst, kommen typische Effekte zusammen:
- Wölbung/„Flagging“: Das Material kann beim Stichhub leicht hoch- und runterfedern.
- Mittelnaht: Die dicke Naht in der Front kann die Nadel ablenken – besonders bei hoher Geschwindigkeit.
- Optische Verzerrung: Was in der Software gerade aussieht, kann auf der 3D-Form der Kappe optisch „gebogen“ wirken.
Wenn du gerade einen Kappenrahmen für brother Stickmaschine suchst, ist diese 2-Zoll-Höhe der entscheidende Punkt: Behandle sie in deinem Design-Workflow als nicht verhandelbare Grenze.
Die richtige Rahmengröße in Embrilliance einstellen
Bevor du auch nur an Stiche denkst, muss deine digitale Arbeitsfläche zur physischen Realität passen. Jeanettes erster Schritt ist deshalb: Embrilliance so konfigurieren, dass das Programm exakt das Kappen-Stickfeld anzeigt.

Schritt 1 — Kappenrahmen in den Preferences auswählen
- Embrilliance starten und idealerweise ohne weitere offene Designs arbeiten, damit du dich nicht „vergreifst“.
- Menüpfad: Edit > Preferences (Mac: Embrilliance > Preferences).
- Unter Environment den Punkt Hoops auswählen.
- In der Liste den Eintrag „130mm x 60mm (Hat)“ wählen.
- Apply klicken, dann OK.

Was du jetzt sehen solltest (Checkpoint)
- Visueller Anker: Auf der Arbeitsfläche erscheint ein auffällig „flaches“, niedriges Rechteck (im Verhältnis deutlich niedriger als ein 5x7-Rahmen).
- Erwartetes Ergebnis: Embrilliance begrenzt deine Platzierung auf das reale Feld. Alles, was in der Software über die Begrenzung hinausgeht, ist in der Praxis ein Kollisions-/Fehlerrisiko.
Verwirrung 130x60 vs. 130x50 (aus dem Video)
Jeanette weist auf eine typische Stolperfalle hin: Es gibt 130 mm x 60 und 130 mm x 50 – und beide werden in Embrilliance unten ähnlich als etwa 5" x 2" angezeigt. Sie entscheidet sich konsequent für 130 mm x 60 als Standard.
Praxis-Hinweis: Entscheidend ist, dass du konsequent bleibst. Wenn du zwischen Varianten wechselst, verlierst du schnell den Überblick, mit welcher Sicherheitsmarge du geplant hast.
Design importieren und auf Kappengröße skalieren
Sobald die Begrenzung steht, geht es ums „Volumenmanagement“: Ein Motiv, das für flache Textilien gedacht ist, muss so verkleinert werden, dass es im kurzen Kappenfeld sauber läuft.

Schritt 2 — Die kleinste verfügbare Designgröße importieren
Jeanette zeigt eine sehr sinnvolle Gewohnheit: Sie nimmt beim Golfer-Motiv bewusst die 3x3-Version (statt 4x4 oder größer).
- Warum das hilft: Je kleiner die Ausgangsdatei, desto weniger aggressiv musst du später skalieren.
- Was du davon hast: Du erhältst eher saubere Details und reduzierst das Risiko, dass beim Schrumpfen problematisch dichte Bereiche entstehen.
Schritt 3 — Proportional verkleinern (nur über Eckgriffe)
- Design auswählen: Direkt auf das Motiv klicken.
- Skalierung aktiv: Die schwarzen Quadrate (Griffe) am Rahmen des Motivs erscheinen.
- Verkleinern: Einen Eckgriff anklicken und nach innen ziehen.
- Prüfen: So lange anpassen, bis das komplette Motiv klar innerhalb der roten Begrenzung liegt.

Checkpoint: Achte darauf, dass der Cursor beim Ziehen als diagonaler Pfeil erscheint (proportionale Skalierung). Wenn du horizontal/vertikal „ziehst“, verzerrst du das Motiv – das sieht auf der Kappe fast immer schlecht aus.
Erwartetes Ergebnis: Das Motiv „schwebt“ sichtbar innerhalb des Feldes und hat rundherum Luft.
Dichte/Stichqualität beim Verkleinern (aus den Kommentaren, mit Praxis-Einordnung)
Eine häufige Frage aus der Praxis: „Wenn ich ein Design kleiner mache – muss ich dann die Dichte reparieren, oder passt Embrilliance die Stiche automatisch an?“
Die Antwort von Jeanette: Embrilliance reduziert die Stichanzahl automatisch beim Verkleinern. Gleichzeitig sagt sie aber auch: Wenn Density Repair verfügbar ist, macht sie es zusätzlich – weil manche Kaufdateien qualitativ schwanken können.
Praktischer Check statt Rätselraten:
- Wenn du deutlich verkleinerst, zoome stark hinein und beurteile, ob Flächen „zugelaufen“ wirken.
- Wenn das Motiv nach dem Shrink optisch wie eine kompakte „Wand“ ohne Luft aussieht, ist das ein Hinweis, dass eine Dichtekorrektur sinnvoll sein kann.
Und: Wenn das Ergebnis trotz korrekter Software-Einstellungen schlecht wird, liegt es oft nicht (nur) an der Datei, sondern am Einspannen. Sauberes Einspannen für Stickmaschine – also eine straffe, stabile Fixierung – ist bei Kappen die zweite Hälfte der Gleichung.
Warum du bei Kappen immer eine Sicherheitsmarge brauchst
Nach dem Verkleinern platziert Jeanette das Motiv nicht „auf Kante“, sondern zentriert es und lässt bewusst Luft zur Begrenzung.

Schritt 4 — Zentrieren und Puffer lassen
- Zentrieren: Motiv anklicken und in die Mitte des Feldes ziehen.
- Puffer: Sichtbar Abstand zwischen Motivkante und roter Begrenzung lassen.
- Sicherheitscheck: Besonders unten nicht auf der roten Linie „aufsitzen“.

Jeanettes Begründung ist simpel und praxisnah: Sie will „mess-ups“ vermeiden. In der Produktion ist das schlicht Toleranz.
Warum Margen bei Kappen kritischer sind als auf Shirts
Warum kannst du auf einem T-Shirt oft näher an den Rand, auf einer Kappe aber nicht?
- „Flagging“/Bewegung: Durch Wölbung und Fixierung kann das Material minimal arbeiten – das kostet Passung.
- Mechanische Nähe zu starren Teilen: Je näher du an Kappenschild/Anbauteile kommst, desto schneller wird es eng für Nähfuß/Bewegungsraum.
- Ausrichtung ist schwieriger: Kappen lassen sich am Kappenaufsatz nicht immer perfekt gerade fixieren. Ohne Marge wird aus einem kleinen Ausrichtfehler schnell eine Rahmenkollision.
Praxis-Logik für Upgrades: Wenn du merkst, dass dich Haltekraft, Abdrücke oder wiederkehrende Ausrichtprobleme ausbremsen, ist das oft der Punkt, an dem Profis auf Magnetlösungen umsteigen. Das kann die Fixierung vereinfachen und Rahmenspuren reduzieren – ersetzt aber nicht die Notwendigkeit einer sauberen Sicherheitsmarge.
Warnung: Mechanische Sicherheitsgefahr. Bei der Kappenstickerei laufen Nadelstange und Anbauteile sehr nah beieinander. Niemals versuchen, die Kappe während des Stickens mit den Fingern „runterzuhalten“. Bei einer Kollision kann eine Nadel brechen. Halte Hände konsequent aus dem Stickbereich und arbeite sicher.
Praxis-Tipp aus den Kommentaren: Namen hinten auf die Kappe sticken
Eine Frage aus den Kommentaren betrifft Namen auf dem hinteren Bereich (z. B. am Riemen/Strap) einer Baseballcap. Jeanette sagt klar: Der 5x2-Kappenrahmen ist dafür oft nicht das passende Werkzeug.
- Vorgehen: Stattdessen einen normalen 5x7-Flachrahmen verwenden.
- Methode: Sticky Stabilizer (selbstklebendes Abreißvlies) einspannen, Papier anritzen und abziehen.
- „Floaten“: Den Kappenbereich hinten flach auf das klebende Vlies auflegen.
- Kontrolle: Mit einem ausgedruckten Papier-Template vorab Größe/Position prüfen.
Datei für Brother SC1900 speichern (.PES)
Zum Schluss muss die Datei in ein Format, das die Maschine sicher lesen kann.

Schritt 5 — Stickdatei als .PES speichern
- Menü: File > Save Stitch File As.
- Dateiname: Sinnvoll benennen (z. B. „Hat Golfer“), damit du die Kappenversion später nicht mit einer Shirt-Version verwechselst.
- Format: .PES auswählen (Brother-Format).
- Transfer: Auf USB-Stick speichern und an die Maschine übertragen.
Arbeitsdatei vs. Stickdatei (aus dem Video)
Jeanette betont einen wichtigen Punkt:
- Arbeitsdatei: deine editierbare Datei in Embrilliance (zum späteren Anpassen).
- Stickdatei (.PES): die ausgabefertige Datei für die Maschine.
- Regel: Wenn möglich, beides sichern – so kannst du später leichter nachjustieren.
AchtungIn den Kommentaren kommt auch die Frage nach PES/Kompatibilität auf. PES ist das Dateiformat, das Brother-Maschinen verwenden – beim Kauf von Stickdateien solltest du darauf achten, dass du PES bekommst.
Primer
Du liest das hier, weil du Kappen sticken willst, ohne Ausschuss, Nadelbruch oder „Warum passt das nicht?!“-Momente. Kappenstickerei auf einer Ein-Nadel-Flachbettmaschine ist Millimeterarbeit.
Realitätscheck:
- Level 1 (Workflow): In Embrilliance konsequent im 5x2-Feld arbeiten, Motiv passend skalieren, Marge lassen.
- Level 2 (Fixierung): Wenn die Kappe rutscht oder du ständig mit Abdrücken kämpfst, ist mehr Haltekraft/sauberere Fixierung der nächste Hebel.
- Level 3 (Einsatzgrenzen): Wenn du täglich sehr nah am Schild arbeiten musst oder komplexe Kappenjobs planst, stößt du irgendwann an die Grenzen des Flachbett-Setups.
Für den Anfang ist die saubere Software-Vorbereitung dein Fundament.
Prep
Erfolg entscheidet sich, bevor du „Start“ drückst. Hier sind die praktischen Vorbereitungen, die bei Kappen besonders oft übersehen werden.
Versteckte Verbrauchsmaterialien & Checks (nicht überspringen)
- Dateiformat: Für Brother sicherstellen, dass du wirklich .PES verwendest.
- Designquelle: In den Kommentaren wird gefragt, wo man Motive kauft – Jeanette nennt u. a. Etsy-Shops als Bezugsquelle.
- Positionierung: Gerade bei Kappen lohnt sich ein Papierausdruck/Template, um Größe und Platzierung vor dem Sticken zu prüfen.
Wenn du perspektivisch mehr Kappen in Serie machst, kann eine Einspannstation für Stickmaschinen helfen, die Positionierung reproduzierbar zu machen.
Prep Checklist (end-of-Prep)
- Embrilliance auf „130mm x 60mm (Hat)“ gestellt?
- Motiv vollständig innerhalb der roten Begrenzung?
- Sichtbare Sicherheitsmarge rundum eingeplant?
- PES-Datei für Brother gewählt?
- Position/Größe bei Bedarf mit Papier-Template geprüft?
Setup
Dieser Abschnitt ist dein „digitales Sicherheitsnetz“.
Setup steps (software environment)
- Environment: Preferences auf Kappenrahmen (130x60) setzen.
- Import: Motiv laden (wenn möglich die kleinste verfügbare Größe).
- Dichte-Check: Bei deutlicher Verkleinerung Stichbild prüfen; bei Bedarf Density Repair nutzen (wenn vorhanden).
- Platzierung: Motiv zentrieren und Abstand zur Begrenzung lassen.
Wenn du beim Kauf/Abgleich des brother se1900 Kappenrahmen unsicher bist: Der Kappenaufsatz fixiert die Kappe – aber die Software sorgt dafür, dass dein Motiv innerhalb der realen Grenzen bleibt. Beides muss zusammenpassen.
Decision tree: choose your method
- Scenario A: Frontpanel (Kappenfront)
- Method: Kappenrahmen/Kappenaufsatz.
- Design: Auf das 5x2-Feld auslegen und Marge lassen.
- Scenario B: Rückseite/Strap/seitlich
- Method: Auf 5x7-Flachrahmen „floaten“ mit Sticky Stabilizer.
- Design: Eher einfache Schrift/kleine Motive.
Setup Checklist (end-of-Setup)
- Motiv ist im 130x60-Feld zentriert.
- Kappen-Begrenzung ist sichtbar.
- Datei als .PES exportiert.
- Dateiname macht klar, dass es die Kappenversion ist.
Operation
Jetzt geht es um sauberes Ausführen – ohne Drama.
Step-by-step with sensory anchors
- Transfer: USB-Stick einstecken, Datei laden.
- Visuell: Stimmt die Ausrichtung auf dem Display zur erwarteten Kappenlage?
- Testlauf/Umrandung prüfen: Wenn deine Maschine eine Vorschau/Begrenzungsfahrt bietet, nutze sie.
- Visuell: Kommt der Fuß/Stickbereich gefährlich nah an Rahmen/Anbauteile? Dann stoppen und in der Software neu zentrieren.
- Kappe einspannen: Fixierung so straff wie möglich, ohne das Material zu verziehen.
- Taktile Kontrolle: Nichts darf „wabbeln“.
- Sticken: Start.
- Akustisch: Ungewöhnliche harte Schlaggeräusche sind ein Warnsignal – sofort stoppen und Ursache prüfen.
Für Serienarbeit kann eine Einspannstation für brother Stickmaschine die Effizienz erhöhen, weil du parallel vorbereiten kannst.
Operation Checklist (end-of-Operation)
- Begrenzung/Testlauf geprüft (keine Kollisionsgefahr).
- Kappe stabil fixiert (kein sichtbares „Flagging“).
- Hände/Finger konsequent aus dem Stickbereich.
Warnung: Magnet-Sicherheit. Wenn du später auf Magnetrahmen umsteigst, beachte Quetschgefahr und halte starke Magnete von empfindlicher Elektronik fern.
Troubleshooting
Erst diagnostizieren, dann schrauben.
| Symptom | Likely Cause | Quick Fix |
|---|---|---|
| Design überschreitet die Begrenzung | Importierte Datei ist zu groß für das 5" x 2"-Feld. | In Embrilliance über Eckgriffe proportional verkleinern, bis alles innerhalb der roten Linie liegt. |
| Unsicherheit bei 130x60 vs. 130x50 | Beide Optionen wirken ähnlich beschriftet. | Einen Standard wählen (Jeanette nutzt 130x60) und dabei bleiben. |
| Dichtes/„zugelaufenes“ Stichbild nach dem Verkleinern | Verkleinerung + Ausgangsdatei ggf. ungünstig digitalisiert. | Wenn verfügbar: Density Repair nutzen; zusätzlich Stichbild stark vergrößert prüfen. |
Results
Mit diesem Workflow arbeitest du nicht mehr nach Gefühl, sondern planbar.
Dein Ergebnis:
- Software: Du hast eine .PES-Datei, die sicher im 130 mm x 60 mm-Kappenfeld liegt.
- Praxis: Du planst bewusst mit Sicherheitsmarge – genau das verhindert viele typische Kappen-Fehlschläge.
Wenn du beim Thema Haltekraft/Abdrücke weiter optimieren willst, kann ein Magnetrahmen für brother se1900 eine Option sein. Für reproduzierbare Platzierung in Serie ist eine Einspannstation für Stickmaschinen der nächste logische Schritt.
