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Materialliste für deinen Koala Mug Rug
Dieses Projekt ist ein schnelles, sehr befriedigendes In-the-Hoop (ITH)-Projekt – mit einem kleinen Unterschied: Es ist größer als viele klassische Mug Rugs (oft 5x7), denn dieses Motiv läuft im 6x10-Format. Dazu kommen mehrere Lagen plus Applikation – inklusive einer Raw-Edge-Schrifttechnik, die den typischen „scrappy/rag“-Look erzeugt.
Du stickst ein Design mit über 20.000 Stichen. Diese Dichte verändert die „Physik“ beim Sticken deutlich: Stabilität, sauberes Zurückschneiden und das Verhalten der Lagen beim späteren Wenden entscheiden darüber, ob das Ergebnis flach und sauber wird – oder ob du Wellen, Verzug und Passungsprobleme bekommst.

Stoff- und Vliesauswahl
Damit du das Ergebnis aus dem Tutorial zuverlässig nacharbeiten kannst, lohnt sich der Blick auf das „Warum“ hinter jeder Lage. Maschinenstickerei ist immer ein Kampf gegen Zugkräfte – also gegen das Ziehen des Fadens am Material.
Das „sichere“ Material-Setup:
- Stickvlies: Zwei Lagen Tear-Away (Abreißvlies).
- Profi-Brille: Warum doppelt? 20k Stiche erzeugen spürbaren Zug. Eine einzelne Lage Standard-Abreißvlies perforiert oft zu früh und kann sich im Verlauf lösen – das endet schnell in massiven Ausrichtungsfehlern. Zwei Lagen verhalten sich deutlich „plattenstabiler“.
- Volumenvlies-Ersatz: Bastelfilz (Craft Felt).
- Profi-Brille: Volumenvlies ist weich und „wandert“ gern, außerdem lässt es sich nicht immer sauber trimmen. Filz ist dichter, stabiler und trägt Stiche gut, ohne dass Satinstiche einsinken. Für flache Mug Rugs ist Filz ein sehr verlässlicher Shortcut.
- Oberstoff: Vintage-Baumwolle mit aufgebügeltem, fixierbarem Vlies auf der Rückseite.
- Profi-Brille: Dünne bzw. ältere Baumwollstoffe sind oft instabil. Mit einem aufbügelbaren, fixierbaren Vlies machst du aus einem „labberigen“ Stoff eine deutlich ruhigere Stickfläche, die unter Satinstichen weniger zum Kräuseln neigt.
- Applikationsstoffe: Flanell (für den Koala-Körper) und Baumwollreste (Tasse/Schrift).
Tool-Upgrade: Wenn Einspannen zur Baustelle wird Ein „Sandwich“ aus Abreißvlies + Filz + Stoff + fixiertem Vlies faltenfrei zu handhaben, ist körperlich anspruchsvoller als viele erwarten.
- Typischer Schmerzpunkt: Handgelenke leiden beim Schrauben, oder du bekommst Rahmenabdrücke (dauerhafte Druckstellen) auf empfindlichen Stoffen.
- Wann es sich besonders lohnt: Wenn du mehrere Stücke als Set (Geschenke/Verkauf) planst.
- Option: Ein Magnetrahmen klemmt gleichmäßig von oben und kommt mit dickeren Lagen oft besser klar als klassische Schraubrahmen. Wenn du Optionen für deine Maschine vergleichst, starte z. B. mit Magnetrahmen für brother luminaire – solche Rahmen können die Einspannzeit deutlich reduzieren.
Warnung: Mechanische Sicherheit. Finger, Schere und lose Fadenenden mindestens 10 cm vom Nadelbereich fernhalten, solange die Maschine läuft. 20.000 Stiche bedeuten lange Laufzeit – Routine ist hier der häufigste Unfallfaktor.
Unterfaden-Auswahl
Im Tutorial wird Simthread 90 wt Unterfaden verwendet. In vielen Setups ist 60 wt der gängige Standard.

Warum 90 wt? Bei dichten ITH-Projekten zählt jede Materialstärke. 90 wt ist feiner als 60 wt und reduziert den „Aufbau“ auf der Rückseite. Das hilft besonders beim späteren Wenden und kann die Nahtkante etwas flacher machen.
Schneller Praxis-Check:
- Optisch: Nach den ersten Minuten den Rahmen kurz anheben/umdrehen (ohne die Lage zu verschieben). In Satinsäulen sollte ungefähr 1/3 Unterfaden mittig sichtbar sein.
- Haptisch: Der Spulenbereich sollte nicht auffällig heiß werden.

Maschinen-Setup und Einspannen
Abreißvlies einspannen
Weil das Design schwer ist (20.000+ Stiche), gilt die Grundregel: Im Zweifel doppelt stabilisieren.
Einspann-Protokoll:
- Zwei Stücke Abreißvlies so zuschneiden, dass sie rundum ca. 5 cm über den Rahmen hinausstehen.
- Beide Lagen sauber übereinander ausrichten – sie müssen wie „eine“ Lage arbeiten.
- Die Rahmenschraube deutlich lösen.
- Innenrahmen in den Außenrahmen drücken.
- Spannungs-Check: Schraube anziehen und mit dem Fingernagel auf das Vlies tippen. Es sollte wie eine Trommel klingen (
thrum-thrum). Klingt es „papierig“ oder locker: neu einspannen. Lockeres Vlies ist eine Einladung zu Wellen.
Tool-Upgrade: Passung und Tempo Wenn Motive trotz Sorgfalt regelmäßig schief sitzen, liegt es oft nicht am Motiv, sondern an manueller Ausrichtung bzw. „Floating“ ohne reproduzierbare Referenz.
- Option: Eine Einspannhilfe/Station. Viele erfahrene Sticker:innen schauen sich dafür Einspannstation an, um Lagen immer wieder auf derselben Referenz einzulegen.
Setup an der Brother Luminaire
Das Projekt wird auf einer Brother Luminaire gezeigt – einer Maschine mit sehr präziser Positionierung. Die Material-Physik gilt aber genauso auf anderen Maschinen.
Pre-Flight-Check:
- Nadel: Eine frische Sticknadel einsetzen.
- Unterfaden: Spulenbereich reinigen (Flusen raus), 90 wt Unterfaden einsetzen.
- Fäden: Farben vorab sortieren, damit du bei den Stopps (Applikation/Trimmen) nicht zusätzlich Zeit verlierst.

Verbrauchsmaterial-Checkliste (gern unterschätzt):
- Neue Nadel
- Temporärer Sprühkleber (optional; kann helfen, Filz auf dem Vlies zu fixieren)
- Gebogene Applikationsschere (wirklich entscheidend)
- Masking Tape / Malerkrepp (zum Sichern loser Stoffkanten)
Entscheidungslogik: Vlies & Basislage
Nutze diese Logik für genau diesen Projekttyp.
- Ist die Dichte > 15.000 Stiche?
- JA: 2 Lagen Abreißvlies (mittlere Stärke).
- NEIN: 1 Lage kann reichen, 2 ist sicherer.
- Ist der Oberstoff „instabil“ (dünn, vintage, weich)?
- JA: Erst fixierbares Vlies auf die Rückseite aufbügeln.
- NEIN: Normale Baumwolle geht oft, aber sauber vorbügeln.
- Willst du eher „Quilt“-Gefühl oder „Untersetzer“-Gefühl?
- QUILT: Volumenvlies (schwieriger zu handhaben).
- UNTERSETZER: Dichter Filz (leichter einzulegen, Kanten werden oft definierter).
Warnung: Magnet-Sicherheit. Magnetrahmen arbeiten mit starken Magneten. Quetschgefahr für Finger. Abstand zu Herzschrittmachern, Karten mit Magnetstreifen und empfindlicher Elektronik halten.
Schritt-für-Schritt: Applikation im Rahmen
ITH ist nicht nur „durchsticken“ – du managst den Prozess. Behandle jeden Stopp wie einen kleinen Qualitäts-Checkpoint.
Platzierungs- und Fixierstiche
Schritt 1 — Einspannen & Platzierung
- Aktion: Rahmen laden (10 5/8" x 10 5/8" oder ähnlich).
- Sticken: Farbe/Schritt 1 (Platzierungslinie) direkt auf das Vlies.
Schritt 2 — Basislagen fixieren
- Aktion: Filz so auflegen, dass er die Platzierungslinien vollständig abdeckt. Danach den Oberstoff (mit fixierter Rückseite nach unten) auf den Filz legen.
- Spannungs-Check: Mit der Hand glattstreichen – keine Falten, keine Wellen. Diese Lagen werden in der Praxis meist „gefloatet“ (nicht mit eingespannt, sondern aufgelegt).
- Sticken: Fixierstich (Tackdown).

- Fehlervermeidung: In den ersten Sekunden die Stoffkanten außen leicht auf Spannung halten (weit weg von der Nadel), damit nichts unter den Fuß wandert.
Schritt 3 — Quiltstich
- Sticken: Den Quilt-/Dekorstich.
- Beobachtung: Das ist dein Stresstest. Wenn der Stoff hier schon „wellig“ wird, war das Vlies nicht straff genug oder die Lagen lagen nicht plan.

Applikation sauber trimmen (mit gebogener Schere)
Schritt 4 — Tasse: Platzierung & Fixieren
- Sticken: Platzierungslinie für die Tasse.
- Aktion: Applikationsstoff über die Kontur legen.
- Sticken: Tackdown.
- Kernskill: Zurückschneiden.
- Maschine stoppen. Rahmen abnehmen (oder nach vorn ziehen, je nach Maschine/Platz).
- Stofflasche anheben.
- Mit der gebogenen Applikationsschere parallel zur Naht arbeiten.
- Schneiden: So knapp wie möglich (ca. 1–2 mm), ohne den Tackdown zu verletzen.

Schritt 5 — Koala: Platzierung & Fixieren
- Wiederholen: Platzierung -> Flanell auflegen -> Tackdown.
- Hinweis aus der Praxis: Flanell fusselt. Nach dem Trimmen lose Flusen entfernen, damit sie nicht in die nächsten Stiche „eingebunden“ werden.

Schritt 6 — Satinstiche & Details
- Sticken: Satinkanten und Gesichtsdetails.
- Hör-Check: Satinstiche über Filz/Flanell laufen „schwer“. Wenn sich das Geräusch plötzlich verändert oder die Maschine auffällig kämpft: sofort stoppen und Nadel/Materialaufbau prüfen.

Raw-Edge-Schrift erstellen
Diese Technik weicht von klassischer Applikation ab: Die Kante soll bewusst „fransig“ wirken.
Schritt 7 — Raw-Edge-Schrift-Applikation
- Sticken: Die Buchstaben-Konturen (im Video zuerst in Schwarz – das ist die Naht, an der später die Buchstaben sitzen).
- Aktion: In der Maschine einen Schritt zurückgehen (zur Platzierung/Umrandung), damit die Kontur erneut läuft.
- Auflegen: Stoff über den Textbereich legen.
- Sticken: Kontur erneut, um den Stoff zu fixieren.
- Trimmen: Nicht zu knapp schneiden. Ca. 2 mm stehen lassen (Raw-Edge-Zugabe).
- Textur: Kante mit Fingernagel leicht „anrauen“, damit sie etwas ausfranst.


Tool-Upgrade: Workflow schneller machen Applikation bedeutet: stoppen, Rahmen ab, trimmen, Rahmen wieder dran. Das kostet Zeit und belastet Hände/Handgelenke.
- Option: Viele arbeiten bei solchen Abläufen gern mit Magnetrahmen, weil sich der Rahmenwechsel oft einfacher anfühlt. Wenn du nach passenden Varianten suchst, starte mit Magnetrahmen für Stickmaschine für deine Maschinenklasse.
Zusammenbau und Finish
Rückseite anlegen
Schritt 8 — Rückseitenstoff anlegen (Wendeprojekt)
- Der entscheidende Wechsel: Bis hierhin lag alles „schön“ nach oben.
- Aktion: Rückseitenstoff rechts auf rechts auflegen (also „Pretty Side“ nach unten – auf den Koala).
- Sticken: Die finale Umrandungsnaht.

Warnung: Design-spezifischer Hinweis. Im Video wird ausdrücklich gesagt: Den „Star Step“ nicht sticken (bei diesem Ohana-Appliqué-Design). Solche letzten Schritte sind bei ITH-Dateien teils Markierungen/„Codes“ und nicht zum Sticken gedacht. Im Zweifel immer die Anleitung/PDF zur Datei prüfen.
Wenden und Ecken ausformen
Schritt 9 — Zurückschneiden & Wenden
- Aktion: Ausspannen, überschüssiges Abreißvlies außen entfernen.
- Zurückschneiden: Rundum ausschneiden und 1/4 inch Nahtzugabe stehen lassen.
- Ecken: Ecken diagonal einknipsen (Naht nicht verletzen), um Volumen zu reduzieren.
- Wenden: Durch die Öffnung auf rechts wenden.

- Ausformen: Mit einem Holzstab/Dübel die Ecken vorsichtig ausarbeiten.
- Risiko: Keine spitzen Scheren zum Ausformen verwenden – Durchstoßen ist der Klassiker.

Wendeöffnung mit Sekundenkleber-Gel schließen
Schritt 10 — Finalisieren & Versiegeln
- Aktion: Projekt flach bügeln, Nahtzugaben der Öffnung nach innen legen.
- Der Hack: Statt die Öffnung per Hand (Matratzenstich/Ladder Stitch) zu schließen, nutzt das Video Sekundenkleber-Gel.
- Auftragen: Eine dünne Gelspur auf die innere Nahtzugabe geben, Kanten exakt anlegen und fest andrücken.
- Fixieren: Mit Wonder Clips (notfalls Klammern) ca. 5 Minuten fixieren.

Tool-Upgrade: Wenn du in Serie arbeiten willst Wenn dir das Projekt Spaß macht, aber das ständige Einspannen/Ausspannen für ein einzelnes Teil schon „viel“ war: Stell dir 50 Stück für einen Markt vor.
- Standard in der Produktion: Niemand möchte Schraubrahmen in Serie nachziehen.
- Option: Magnetrahmen. Wenn du eine Brother-Maschine nutzt, suche nach Magnetrahmen für brother oder gezielt nach einem Magnetrahmen für brother in der passenden Größe für dein 6x10-Stickfeld.
Prep-Checkliste (bevor du den Bildschirm berührst)
- Nadel: Neu eingesetzt.
- Unterfaden: 90 wt eingelegt (Fadenweg geprüft).
- Bügeln: Oberstoff rückseitig mit fixierbarem Vlies verstärkt.
- Rahmen: 2 Lagen Abreißvlies, trommelfest eingespannt.
- Sicherheit: Schere/Nadeln griffbereit, Magnet-Quetschstellen frei.
Setup-Checkliste (vor dem Start)
- Rahmengröße: 10 5/8" x 10 5/8" (oder ausreichend für die Datei) bestätigt.
- Freigang: Maschinenarm hat volle Bewegungsfreiheit.
- Design: Ohana-Appliqué-Datei korrekt geladen und ausgerichtet.
Ablauf-Checkliste (während des Stickens)
- Schritt 2: Lagen plan aufgelegt und alle Platzierungslinien abgedeckt?
- Schritt 4/5: Applikation getrimmt, ohne Tackdown zu verletzen?
- Schritt 8: Rückseite rechts auf rechts (schöne Seiten innen) aufgelegt?
- Finish: „Star Step“ wirklich übersprungen?
Troubleshooting (Symptom → Ursache → Lösung)
| Symptom | Wahrscheinliche Ursache | Lösung |
|---|---|---|
| Wellen/Kräuseln im Hintergrund | Stoff lag nicht plan; Vlies zu locker. | Vorbeugung: 2 Lagen Abreißvlies. Option: Filz mit temporärem Sprühkleber auf dem Vlies fixieren. |
| Nadelbruch bei Satinstichen | Zu viele Lagen; Nadel stumpf/verbogen. | Lösung: Nadel wechseln und Materialaufbau prüfen. |
| Unterfaden kommt oben hoch | Oberfadenspannung zu hoch / Unterfadenführung nicht sauber. | Lösung: Unterfadenweg/Spule zuerst prüfen; bei 90 wt darauf achten, dass der Faden korrekt in der Spannung liegt. |
| Applikationskanten fransen ungewollt | Zu knapp am Tackdown geschnitten. | Vorbeugung: 1–1,5 mm stehen lassen. |
| Ecken nach dem Wenden rund/bucklig | Zu viel Volumen in der Nahtzugabe. | Lösung: Nochmals wenden und innerhalb der Nahtzugabe vorsichtig Volumen reduzieren, Ecken sauber einknipsen. |
| Kleber tritt aus / glänzende Stellen | Flüssigkleber statt Gel oder zu viel Kleber. | Lösung: Sehr sparsam dosieren; im Video wird ausdrücklich Gel verwendet. |
Ergebnis
Wenn das Klebegel durchgetrocknet ist, hast du einen professionell wirkenden 6x10 Koala Tea Time ITH Mug Rug mit:
- flachem, sauberem Hintergrund (durch Filz + verstärkten Oberstoff),
- klaren Applikationskanten an der Tasse,
- bewusst texturierter Raw-Edge-Schrift,
- geschlossener Wendeöffnung – ohne Handstiche.
Der Abschluss: Technik vs. Werkzeug Wenn die Technik sitzt, aber dich das Einspannen oder das Handling der Lagen nervt, ist oft nicht dein Können das Problem – sondern der Workflow.
- Bei Einspann-Stress: Magnetrahmen-Systeme prüfen (Magnetrahmen für brother luminaire).
- Bei Ausrichtungszweifeln: Eine hoop master Einspannstation kann helfen, reproduzierbar zu arbeiten.
Maschinenstickerei ist 20% Design, 30% Materialführung und 50% die richtigen Tools zur richtigen Zeit.
