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Materialliste für ITH Mug Rugs
In der Maschinenstickerei sind „In-The-Hoop“ (ITH)-Projekte das, was am ehesten an Zauberei herankommt: Du startest mit Rohmaterialien und nimmst am Ende ein fertiges Teil aus dem Stickrahmen – inklusive Rückseite, Volumen und Naht.
Dieser Mug Rug im „Notizblock“-Look ist dafür ein perfekter Einstieg: Er wird komplett in einem Einspannen im 4x4-Stickrahmen gefertigt, ist schnell gestickt und eignet sich hervorragend als kleines, personalisiertes Geschenk.
Wichtig: Gerade weil das Motiv geometrisch „ehrlich“ ist (Linien auf einem Quadrat), sieht man jede Unsauberkeit sofort. Wenn Stabilisierung, Einspannen oder Lagenaufbau nicht stimmen, laufen Linien schnell schief oder das Teil wird am Ende nicht sauber quadratisch.

Was du lernst (und was in der Praxis oft schiefgeht)
Wir bauen einen Untersetzer mit einer „Wenden über Umschlag“-Rückseite (Envelope Back). Du lernst präzisen Zuschnitt, die Logik der Lagenreihenfolge und vor allem: wie du Volumen konsequent kontrollierst.
Der häufigste Fehler bei diesem Projekt ist zu viel Volumen in der Nahtzugabe. Wenn das Volumenvlies zu weit in die spätere Naht läuft oder wenn die Rückseitenkanten zu dick gefaltet sind, bekommt der Nähfuß Probleme: Er kann an „Stufen“ hängen bleiben, Stoffkanten werden hochgeschoben, Stiche werden ungleichmäßig – und die Form leidet.
Materialien aus dem Video
Für ein sauberes Ergebnis beginnt alles mit den richtigen Komponenten.
- Stickrahmen: mindestens 4x4 inch (100mm x 100mm).
- Stickvlies: Cutaway wird für mehr Stabilität bevorzugt (hält die Form langfristig besser), Tearaway ist als Alternative möglich.
- Volumenvlies (Batting): 5" x 5" (niedrige Loft-Höhe, Baumwolle oder Polyester). Kein High-Loft – das erhöht Reibung und Volumen unnötig.
- Oberstoff (Top): 5" x 5" (z. B. weißer Baumwollstoff oder „Papier“-Optik).
- Rückseitenstoff (Umschlagverschluss):
- Unteres Teil: 4" x 5"
- Oberes Teil: 2–3" x 5"
- Fixierung: Malerkrepp (blau oder lila) und Steam-A-Seam (ca. 1/4" Bügelband/Nahtband).
- Werkzeuge: Applikationsschere (Duckbill oder doppelt gebogen), Rollschneider, Patchworklineal, Ecken- und Kantenformer (Point Turner).

Tool-Upgrade: wann es sich wirklich lohnt
Maschinenstickerei skaliert schnell: Ein Mug Rug ist Hobby – fünfzig Stück für einen Markt sind Produktion. Und in der Produktion verschieben sich die Engpässe.
Wenn dich das Einspannen nervt (Schrauben lösen, Vlies „drum-tight“ bekommen, wiederholtes Nachspannen) oder du regelmäßig Rahmenspuren/Rahmenabdrücke siehst, lohnt sich ein Blick auf die Hardware.
Der Einspann-Engpass:
- Trigger: Einspannen dauert länger als das Sticken – oder das Vlies wird nach ein paar Teilen sichtbar „lasch“.
- Kriterium: Machst du mehr als 5 Teile am Stück?
- Option: Ein hochwertiger Magnetrahmen verändert den Workflow spürbar. Statt Schraubdruck arbeitet er mit Magnetkraft und klemmt das Stickvlies gleichmäßig. Das beschleunigt das Einspannen und macht die Spannung reproduzierbarer – ein echter Vorteil bei ITH-Projekten.
Stoff und Volumenvlies vorbereiten: weniger Volumen, sauberere Kanten
Bevor die Maschine läuft, wird am Zuschneidetisch „konstruiert“. Bei ITH gilt: Wenn die Zuschnitte nicht exakt sind, wird das Endteil nicht exakt.
Zuschnittmaße (aus dem Tutorial)
Hier ist Präzision Pflicht. Ein Rollschneider hilft, wirklich rechtwinklig zu schneiden.
- Volumenvlies: 5" x 5"
- Oberstoff: 5" x 5"
- Rückseitenstoff:
- Unten: 4" x 5"
- Oben: 2–3" x 5"
- Saum/Falz: Bei beiden Rückseiten-Teilen an einer 5"-Kante einen 1/2"-Umschlag bügeln.

Warum der 1/2"-Einfachumschlag entscheidend ist
Viele falten die Rückseite „schön“ komplett doppelt (also Stoff in der Länge halbieren) – das sieht ordentlich aus, macht aber bei ITH unnötig dick. Genau das vermeiden wir.
Im Video wird korrekt nur ein einfacher 1/2"-Umschlag gebügelt. Der Grund ist ganz praktisch: Unter dem Nähfuß ist nur begrenzt Platz. Wenn du zu viele Lagen stapelst (Stickvlies + Volumenvlies + Oberstoff + doppelt gefaltete Rückseite + doppelt gefaltete Rückseite), entsteht eine deutliche „Stufe“. Der Fuß kann daran hängen bleiben oder die Lagen verschieben – das sieht man später an der Passung und an unsauberen Kanten.

Versteckte Verbrauchsmaterialien & Checks (bitte nicht überspringen)
Diese kleinen Vorbereitungen sind in der Praxis oft der Unterschied zwischen „läuft durch“ und „Fadensalat/Fehlstich“.
- Nadel: Im Video wird keine konkrete Nadelstärke genannt. Für saubere ITH-Kanten ist eine frische Sticknadel sinnvoll. Entscheidend ist: neu und unbeschädigt. Schnelltest: Mit dem Fingernagel vorsichtig über die Spitze – wenn sie „hakt“, wechseln.
- Unterfaden: Standard-Unterfaden ist für ITH meist völlig ausreichend. Wichtig ist eine sauber gewickelte Unterfadenspule (fest, nicht „schwammig“).
- Stiletto/Essstäbchen: In den Kommentaren wird mehrfach angemerkt, dass Finger nahe an der Nadel riskant sind – besonders an der Mehrnadelstickmaschine. Nutze lieber ein Holzstäbchen/Chopstick oder ein Stiletto, um Kanten zu führen.
Entscheidungshilfe: Stickvlies wählen
- Soll es eher weich sein und schnell „sauber“ werden?
- Ja -> Tearaway (leichter zu entfernen).
- Soll es formstabil bleiben (mehr „Untersetzer-Feeling“)?
- Ja -> Cutaway (im Video bevorzugt, weil es stabiler wirkt).
Checkliste (bevor du an die Maschine gehst):
- Geometrie: Sind alle Quadrate wirklich rechtwinklig geschnitten?
- Bügeln: Sind die 1/2"-Umschläge sauber und flach gebügelt?
- Sicherheit: Liegt ein Hilfswerkzeug bereit (Chopstick/Stiletto), damit die Finger aus der Nadelzone bleiben?
- Fixierung: Malerkrepp und Steam-A-Seam griffbereit?
Warnung (Sicherheit): Bei ITH musst du Lagen nah am Stickrahmen platzieren. Greife niemals in den Stickbereich, wenn die Maschine läuft. Gerade eine Mehrnadelstickmaschine verzeiht keine Unachtsamkeit. Immer vollständig stoppen, dann erst ausrichten.
Einspannen mit Magnetrahmen: stabiler Workflow für ITH
Im Tutorial wird ein blauer Magnetrahmen an einer Ricoma-Mehrnadelstickmaschine gezeigt. Das wirkt sehr „easy“ – entscheidend ist aber, dass du die Spannung reproduzierbar hinbekommst.

Gezeigter Einspann-Ansatz
Hier wird „Floating“ genutzt – bei ITH absolut üblich, weil du so Stoff sparst.
- Nur das Stickvlies einspannen.
- Spannungscheck: Das Vlies sollte straff sein (kein „schlaffes“ Nachgeben).
- Platzierungsstiche sticken.
- Materialien auflegen (floaten).
Hinweis zur Magnetrahmen-Sicherheit
Magnetrahmen arbeiten mit starken Magneten.
Warnung (Magnete): Quetschgefahr. Finger nicht zwischen die Teile bringen, wenn der Rahmen „zuschnappt“. Außerdem Abstand zu empfindlichen Geräten/Medizinprodukten halten.
Wann ein Magnetrahmen zum Produktionswerkzeug wird
Wenn du Schwierigkeiten hast, das Vlies gleichmäßig straff zu bekommen, oder wenn Schraubrahmen dich ausbremsen, ist das ein klarer Upgrade-Trigger.
Ein Magnetrahmen für Stickmaschine klemmt gleichmäßiger und schneller. Bei einem Linienmotiv wie „Notizblock“ hilft das, dass die Stabilisierung nicht nachgibt (weniger Verzug/Flagging) und die Linien parallel bleiben.
Schritt 1: Platzierung und Volumenvlies feststicken
Jetzt geht’s an die Maschine. Das Motiv ist schnell – aber arbeite lieber kontrolliert als hektisch.

Schritt-für-Schritt
- Design laden: Achte darauf, dass „oben“ im Design auch wirklich oben im Stickrahmen liegt.
- Platzierungsstich: Der erste Schritt stickt ein Rechteck auf das Stickvlies.
- Volumenvlies auflegen:
- Lege das 5" x 5" Volumenvlies über das Rechteck.
- Glattstreichen, damit keine Wellen entstehen.
- Es sollte die Linie rundum sichtbar überdecken.
- Feststicken (Tack Down): Der nächste Schritt näht ein Rechteck etwas innerhalb der Platzierungslinie und fixiert das Volumenvlies.
Kontrollpunkte
- Optik: Keine Falten im Vlies.
- Haptik: Flach, ohne „Beulen“.
- Fixierung: Hat der Tack-Down das Vlies überall erwischt (Ecken!)?
Erwartetes Ergebnis
Du hast jetzt die Basis: Stickvlies unten, Volumenvlies sauber fixiert – bereit zum Zurückschneiden.
Schritt 2: Applikationsschnitt – Volumen konsequent reduzieren
Dieser Schritt entscheidet über saubere Kanten und flache Ecken.

Schritt-für-Schritt
- Stickrahmen aus der Maschine nehmen (Projekt bleibt eingespannt). Das ist für Kontrolle und Sicherheit oft angenehmer.
- Schere ansetzen: Mit Applikationsschere dicht an der Naht entlang arbeiten (flache Seite an die Stiche).
- Schneiden: Volumenvlies so nah wie möglich an der Naht abschneiden, ohne die Stiche zu verletzen.
Warum das die Ecken flach macht
Alles, was in der Nahtzugabe bleibt, muss beim Wenden „irgendwo hin“. Wenn das Volumenvlies bis in die Naht läuft, werden Ecken dick und rund. Schneidest du es sauber zurück, bestehen die Ecken später fast nur aus Stofflagen – und lassen sich deutlich schärfer ausformen.
Sicherheit aus der Praxis (aus den Kommentaren)
Mehrere Zuschauer weisen darauf hin, dass man Stoff nicht mit den Fingern nahe an der Nadel führen sollte. Nutze dafür ein Hilfswerkzeug (z. B. Chopstick/Stiletto), besonders wenn du an einer Mehrnadelstickmaschine arbeitest.
Schritt 3: Vorderseite sticken & Umschlag-Rückseite aufbauen
Nach dem Zurückschneiden kommt der sichtbare Teil.

Schritt-für-Schritt (Vorderseite)
- Oberstoff auflegen: Lege den 5" x 5" Oberstoff über das Volumenvlies.
- Design sticken: Jetzt laufen die dekorativen Elemente (Linien und Text).
- Wichtig: Den Oberstoff jetzt nicht zurückschneiden – erst ganz am Ende wird alles zusammen getrimmt.

Optionale Vinyl-Lage (abwischbare Oberfläche)
Wenn du eine abwischbare Oberfläche möchtest, kannst du jetzt eine Lage klares Vinyl auflegen – nach den dekorativen Stichen, aber vor der Rückseite. Im Video wird diese Option gezeigt, aber nicht verwendet.
Schritt-für-Schritt (Rückseite ausrichten)
Damit du später wenden kannst, wird die Rückseite als Umschlag gelegt.
- Auf dem Stickvlies sind kleine Markierungen/„Tick Marks“ als Ausrichthilfe zu sehen.
- Unteres Rückteil zuerst: Das 4" x 5"-Stück mit der rechten Stoffseite nach unten an den Markierungen ausrichten; die gebügelte Kante zeigt zur Mitte.
- Oberes Rückteil danach: Das 2–3" x 5"-Stück ebenfalls rechts nach unten oben auflegen, so dass es das untere Teil überlappt.

Personalisierung (Frage aus den Kommentaren)
Ob ein Name noch draufpasst, hängt vom Design und der freien Fläche ab. In den Kommentaren wird erwähnt, dass es mit Software möglich ist, Text zu ergänzen – auf dem Maschinenbildschirm ist das Ausrichten zwischen den Linien oft fummelig. Wenn du personalisieren willst, plane es idealerweise vor dem Speichern der Datei in deiner Software.
Finish: Umranden, wenden, mit Steam-A-Seam schließen
Jetzt näht die Maschine die Außenkante – das ist die tragende Naht.

Kanten mit Malerkrepp sichern (und rechtzeitig entfernen)
Das ist ein typischer Stolperstein: Lose Kanten können vom Fuß erfasst und umgeklappt werden.
- Fixieren: Kanten der Rückseitenstoffe mit Malerkrepp so sichern, dass nichts „flattert“.
- Maschinenlauf beobachten: Ziel ist, dass der Fuß nirgendwo eine Kante hochschiebt.
- Stopp zum richtigen Zeitpunkt: Im Video wird nach einer ersten Fixiernaht kurz gestoppt.
- Tape entfernen: Jetzt das Krepp abziehen.
- Finale Umrandung: Danach läuft die kräftige Abschlussnaht (mehrfach/„bean stitch“/verstärkt).

Setup-Checkliste (bevor die finale Umrandung läuft):
- Lagenrichtung: Rückseitenstoffe liegen „rechts auf rechts“ (Musterseite zeigt zur Vorderseite)?
- Überlappung: Überlappen die beiden Rückteile ausreichend in der Mitte?
- Freigängigkeit: Sind alle losen Kanten gesichert, damit nichts in den Fußweg gerät?
Ausspannen, zurückschneiden, Ecken clippen, wenden
- Aus dem Stickrahmen nehmen.
- Zurückschneiden: Rundum auf ca. 1/4" Nahtzugabe trimmen.
- Ecken clippen: Im Video werden die Ecken mehrfach eingeschnitten, damit sie nach dem Wenden flach liegen.
- Wenden: Durch die Umschlagöffnung auf rechts drehen.


Bügeln für scharfe Kanten
Mit einem Eckenformer die Ecken sauber ausarbeiten und anschließend flach bügeln, damit die Kanten „crisp“ werden.
Umschlagverschluss mit Steam-A-Seam schließen
- Ein Stück Steam-A-Seam zuschneiden.
- Unter die Überlappung schieben.
- So platzieren, dass nichts herausragt.
- Bügeln: Fixieren, bis die Rückseite sauber geschlossen ist.

Erwartete Endgröße
Laut Kommentar der Erstellerin liegt die fertige Größe bei etwa 3.7" x 3.7" (ungefähr Untersetzergröße).
Produktions-Checkliste (bevor du in Serie gehst):
- Volumen: Sind die Ecken flach? (Wenn nicht: Volumenvlies beim nächsten Mal noch näher zurückschneiden.)
- Verschluss: Hält der Umschlag sauber geschlossen?
- Planlage: Liegt die Vorderseite glatt ohne Wellen?
Troubleshooting
Wenn etwas hakt: ruhig bleiben und systematisch prüfen.
| Symptom | Likely Cause | Quick Solution | Preventative Measure |
|---|---|---|---|
| Fabric stuck under foot | Loose fabric edges flapping during travel stitches. | Stop immediately. Cut threads carefully. Patch if needed. | Tape down all loose edges securely before stitching. |
| Needle creates holes/tears | Needle is blunt or too large for the fabric. | Replace needle with specific 75/11 Embroidery Sharp. | Change needles every 8 hours of stitching. |
| Mug Rug isn't square | Stabilizer distortion during hooping. | Iron it into shape (steam blocking). | Use a Magnetische Einspannstation or technique to ensure even tension before stitching. |
| Tape stitched into seam | Forgot to remove tape before final pass. | Tweezers and patience. | Pause machine after the "Tack Down" pass to remove tape. |
| Machine jams/Birdnest | Upper thread came out of tension disks. | Rethread completely (Presser foot UP). | "Floss" the thread into tension disks when threading. |
5) Du willst schneller und gleichmäßiger einspannen (für Serien)
Wenn du vom Einzelgeschenk in Richtung Etsy/Marktproduktion gehst, zählt jede Minute.
- Symptom: Einspannen dauert länger als die ca. 10 Minuten Stickzeit – und die Hände werden müde.
Ergebnis
Wenn du alle Lagen sauber kontrolliert hast, bekommst du einen flachen, sauber gewendeten Untersetzer mit klaren Linien und einem ordentlich geschlossenen Umschlagrücken – also ein Ergebnis, das „produziert“ wirkt, nicht improvisiert.
Wenn dich bei ITH vor allem das Einspannen ausbremst, kann ein Upgrade auf Stickrahmen für ricoma bzw. kompatible Magnetlösungen den Ablauf deutlich entspannen.
Und wenn du bei empfindlichen Stoffen Rahmenspuren vermeiden willst, sind Magnetrahmen für Stickmaschine oft die schonendere, gleichmäßigere Klemmung.
Am Ende gilt unabhängig vom Setup – ob einfacher Stickrahmen 4x4 für brother oder kommerzielle Mehrnadelstickmaschine: sauber stabilisieren, Volumen konsequent zurückschneiden und die Nahtzugabe respektieren. Happy stitching
