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In-The-Hoop-Elfenpullover: Fleece „floating“ wie in der Praxis
Ein In-The-Hoop-(ITH)-Elfenpullover ist einer dieser „Zaubertricks“ der Maschinenstickerei: Wenn alles stimmt, wirkt das Ergebnis wie ein fertig gekauftes Mini-Kleidungsstück. Wenn nicht, landet man schnell bei verrutschtem Material, nicht gefassten Nähten und unschönen Rahmenabdrücken.
Diese Anleitung macht aus dem gezeigten Video-Workflow eine praxistaugliche SOP (Standard Operating Procedure): Dateivorbereitung in Embrilliance, Floating-Technik auf Fleece und die Logik der ITH-Konstruktion – ergänzt um konkrete Kontrollpunkte, die dir in der Produktion Zeit und Ausschuss sparen.

Grundausstattung & Hardware (wie im Video)
Bevor du startest: Kurz prüfen, ob dein Setup zur Technik passt. Im Video wird mit einer Mehrnadelstickmaschine und einem Magnetrahmen gearbeitet – wichtig ist vor allem das „Warum“ dahinter.
Hardware-Konfiguration
- Maschine: Janome MB-7e (Mehrnadelstickmaschine). Kontext: Mehrnadler reduzieren Stopps durch Farbwechsel und laufen bei Fleece oft ruhiger, weil du nicht ständig neu einfädeln musst.
- Rahmensystem: 8x9 Magnetrahmen. Kontext: Ideal fürs „Floating“, weil du das Vlies schnell und gleichmäßig klemmst – ohne Schraubdruck und ohne „Zerren“ am Material.
- Schneidwerkzeuge: Applikationsschere (Duckbill) + feine Fadenschere.
Verbrauchsmaterial-Strategie
- Stickvlies: Tearaway (Abreißvlies). Hinweis aus dem Video: Das Abreißen kann je nach Stichdichte zäh werden – die Erstellerin merkt selbst an, dass Tearaway hier ggf. nicht die beste Wahl war.
- Material: Weißes Fleece. Anforderung: Dehnung muss vorhanden sein; die Ausrichtung ist entscheidend.
- Garn: Polyester-Stickgarn (z. B. Rot/Weiß). Praxis-Tipp aus dem Video: Verwende für Platzierungs-/Nahtlinien möglichst eine Farbe, die du beim Zuschneiden gut sehen kannst – „weiß auf weiß“ macht das Schneiden unnötig riskant.
Warnhinweis: Sicherheit an der Maschine
Bei ITH-Projekten arbeitest du beim Platzieren der Stofflagen nah am Stickbereich. Wenn du etwas korrigieren musst: Maschine stoppen/„Lock“ aktivieren und erst dann Hände in den Bereich bringen.
Upgrade-Logik: Wann lohnt sich ein Magnetrahmen?
Wenn du regelmäßig Floating-Projekte machst oder mit Handkraft/Schraubrahmen kämpfst, ist ein Magnetrahmen oft der schnellste Weg zu konstanteren Ergebnissen. Begriffe wie Magnetrahmen für Stickmaschine helfen dir, passende Systeme für deinen Workflow zu finden – besonders, wenn du viel einspannst und Wiederholgenauigkeit brauchst.
Phase 1: Dateivorbereitung in Embrilliance
Hier gilt: Nicht einfach „laden und sticken“, sondern die Datei so vorbereiten, dass unnötige Elemente nicht mitlaufen. Im Video wird in Embrilliance eine Hintergrund-/Applikationsfläche entfernt, um das Logo isoliert zu nutzen.

Schritt 1 — Motiv „aufräumen“ (Logo isolieren)
- Design öffnen: Elfenpullover-Datei in Embrilliance laden.
- Objekt-/Farb-Layer prüfen: In der Objektliste die große Hintergrundfläche identifizieren (im Video hellgrün).
- Löschen: Layer auswählen und entfernen (Backspace).
Warum das wichtig ist: Weniger unnötige Flächen = weniger Dichte. Auf Fleece kann zu viel Dichte schnell steif wirken und das Teil verliert seine „weiche“ Optik.
Schritt 2 — Personalisierung (optional)
Im Video wird beispielhaft Text ergänzt. Wenn du das machst: am Pullover-Umriss ausrichten (zentrieren zum Motiv), nicht „irgendwie“ zur Rahmenmitte.

Schritt 3 — Export & Sichtkontrolle
Datei (DST/PES etc.) auf die Maschine übertragen.
Sichtkontrolle an der Maschine:
- Sitzt das Motiv optisch mittig?
- Passt es sauber in den Rahmenbereich?
Wenn es sehr knapp am Rand liegt, lieber minimal verkleinern, statt „auf Kante“ zu sticken.
Phase 2: Floating-Technik & Einspannen (Physik statt Glück)
„Floating“ bedeutet: Du spannst nur das Stickvlies ein und legst das Material anschließend oben auf. Bei Fleece ist das oft überlegen, weil du das Material nicht schon beim Einspannen verziehst.

Schritt 4 — Stickvlies einspannen (nur Vlies!)
Ein Blatt Tearaway zwischen die Magnetrahmen-Ringe legen und schließen.

Kontrollpunkt: „Trommel-Test“
- Klang: Beim Antippen sollte es straff klingen.
- Gefühl: Keine Wellen, kein Durchhang.
- Wenn nicht: Neu einspannen – lockeres Vlies ist eine der häufigsten Ursachen für ungenaue Passung.
Magnetrahmen-Vorteil in der Praxis: Mit Magnetrahmen für Stickmaschine ist das Einspannen schnell und gleichmäßig: Vlies auflegen, Rahmen schließen – die Klemmkraft verteilt sich rundum, ohne dass du am Material ziehen musst.
Dehnrichtung bei Fleece: Die Regel aus dem Video
Goldene Regel: Die stärkste Dehnung muss links–rechts (horizontal) über den Pullover laufen.
- Warum? Wenn die Dehnung vertikal liegt, kann der Stickfuß das Material in Laufrichtung „schieben“ – das Teil wird länger/schmaler und Vorder-/Rückteil passen am Ende schlechter.
Ergonomie bei Serien (wenn du mehrere machst)
Wenn du viele Teile hintereinander fertigst, hilft eine Einspannstation für Stickmaschinen, weil Rahmen und Material stabil liegen und du beim Einspannen/Positionieren weniger „dritte Hand“ brauchst.
Warnhinweis: Magnetkraft
mighty hoop Magnetrahmen schließt mit spürbarer Kraft.
1. Quetschgefahr: Finger aus der Kontaktzone.
2. Medizin: Abstand zu Herzschrittmachern einhalten.
3. Technik: Nicht auf Displays/empfindliche Elektronik ablegen.
Phase 3: Stickablauf (Reihenfolge strikt einhalten)
Arbeite exakt in dieser Sequenz – das ist bei ITH-Projekten der Unterschied zwischen „passt“ und „Ausschuss“.

Schritt 5 — Platzierungsnaht („Map“)
Ersten Farbblock nur auf dem Vlies sticken (ohne Stoff).
Erwartetes Ergebnis: Ein sauberer, geschlossener Umriss als Schablone. Wenn hier schon Probleme auftreten (z. B. Fadenriss/unsauberer Stich), erst Spannung/Fadenweg prüfen, bevor du Material auflegst.

Schritt 6 — Fleece „floaten“
Fleece über den Platzierungsumriss legen (nicht einspannen), glattstreichen.

Tast-Check: Von der Mitte nach außen glattstreichen – nicht ziehen, nicht dehnen. Danach nochmal prüfen: Dehnrichtung wirklich links–rechts.
Schritt 7 — Fixiernaht & Logo
Jetzt wird das Fleece mit der nächsten Naht fixiert, danach wird das Logo gestickt.

Mehrnadel-Workflow: Auf einer janome mb-7 Stickmaschine kannst du die Farben zuweisen und durchlaufen lassen. Beobachte trotzdem die ersten Sekunden: Wenn sich das Fleece sichtbar „wellig“ vor dem Fuß aufstaut, stoppen, glätten und erst dann weitersticken.
Schritt 8 — Rückseite auflegen (Projekt „einschließen“)
Für die Rückseite ein zweites Stück Fleece auflegen, sodass es den kompletten Umriss abdeckt. Im Video wird die zweite Lage oben aufgelegt, damit das Teil nach dem finalen Umriss gewendet werden kann.

Letzter Check vor dem finalen Umriss: Deckt die Rückseite wirklich jede Ecke ab? Ein freiliegender Bereich bedeutet: Naht greift nicht – und das sieht man erst nach dem Ausspannen.
Go/No-Go Checkliste
- Platzierung: Umriss vollständig sichtbar? [YES]
- Dehnrichtung: Fleece-Dehnung horizontal? [YES]
- Glattlage: Keine Falten/Wellen im Stickfeld? [YES]
- Sicherheit: Hände aus dem Stickbereich? [YES]
- Abdeckung: Rückseite deckt alles ab? [YES]
Phase 4: Finish & Qualitätskontrolle
ITH entsteht im Rahmen – „perfekt“ wird es beim Entgittern, Zurückschneiden und Wenden.

Schritt 9 — Ausspannen & Vlies entfernen
Projekt aus dem Rahmen nehmen.
Technik: Beim Abreißen das Werkstück mit dem Daumen direkt an der Naht stützen und das Vlies kontrolliert abziehen. Im Video sieht man, dass Tearaway je nach Bereich schwer abreißen kann – also lieber langsam statt ruckartig, damit die Naht nicht leidet.

Schritt 10 — Sicher zurückschneiden
Das ist der riskanteste Schritt: Du willst Nahtzugabe reduzieren, darfst aber die Naht nicht anschneiden.

Werkzeug: Applikations-/Duckbill-Schere hilft, weil die „Schnabel“-Seite die Stofflage wegdrückt. Praxis-Hinweis aus dem Video: Wenn Platzierungs-/Nahtfaden farblich kaum sichtbar ist (z. B. weiß auf weiß), arbeite mit gutem Licht und schneide bewusst mit Abstand – lieber minimal mehr Nahtzugabe als ein durchtrennter Stich.
Schritt 11 — Wenden
Durch die Öffnung auf rechts wenden.

Tool: Stab/„Wendetool“ (im Video z. B. ein Stift), um Ecken vorsichtig auszudrücken. Keine spitzen Scheren verwenden – die stechen schnell durch Fleece.
Schritt 12 — Endkontrolle
Lose Vliesreste/Fäden entfernen.


Entscheidungslogik: Setup sinnvoll optimieren
Material-/Vlies-Matrix (Orientierung)
| Material | Dichte | Empfohlenes Vlies | Einspann-Strategie |
|---|---|---|---|
| Fleece | niedrig/Umriss | Tearaway | Float (Magnetrahmen) |
| Fleece | höher/dichter | (im Video Hinweis: Tearaway kann schwer abreißen) | Float (Magnetrahmen) |
Wann lohnt sich welches Upgrade?
- Problem: „Ich will schneller und gleichmäßiger einspannen.“
- Lösung: Magnetische Einspannstation.
- Problem: „Ich will Floating-Projekte stabiler fahren.“
- Lösung: mighty hoop Magnetrahmen 8x9.
- Problem: „Ich verliere Zeit durch Farbwechsel.“
- Lösung: Mehrnadelstickmaschine – du lädst mehrere Farben vor und reduzierst Stopps.
Troubleshooting (aus dem Video abgeleitet)
Symptom: „Beim Zuschneiden sehe ich die Nahtlinie kaum.“
- Ursache: Platzierungs-/Nahtfaden in Stofffarbe (z. B. weiß auf weiß).
- Schnelltest: Unter starkem Licht die Florlage auseinanderziehen – wenn die Naht erst dann sichtbar wird, ist es ein Sichtbarkeitsproblem.
- Lösung: Für Platzierungs-/Nahtlinien eine kontrastierende Farbe nutzen (wenn sie später innen liegt). Alternativ: langsamer schneiden, mehr Licht.
Symptom: „Das Tearaway lässt sich schlecht entfernen.“
- Ursache: Vlies reißt nicht sauber oder die Stiche sitzen sehr fest.
- Schnelltest: Reißt es in kleinen Fetzen direkt an der Naht, statt in größeren Stücken?
- Lösung: Langsam abreißen und die Naht mit dem Daumen stützen; bei ähnlichen Projekten künftig Vlieswahl/Marke überdenken (im Video wird genau dieses Problem angesprochen).
Wenn du diese Reihenfolge und die Kontrollpunkte konsequent einhältst, wird aus „mal klappt’s, mal nicht“ ein reproduzierbarer ITH-Prozess – egal ob du klassisch einspannst oder mit einem Floating-Stickrahmen-Setup arbeitest.
