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Appliqué-Eigenschaften und Stoffvorschau einrichten
Ein geteiltes Appliqué (zwei Stoffflächen, die sauber aneinanderstoßen) ist eine der schnellsten Methoden für einen „Custom-Look“ ohne unnötig hohe Stichzahl – vorausgesetzt, die Grundeinstellungen stimmen von Anfang an. In diesem Walkthrough digitalisierst du in Wilcom Hatch ein geteiltes Oster-Ei-Appliqué mit Trim in Place (damit du den Stoff im Rahmen zuschneidest statt auf vorab zugeschnittene Teile angewiesen zu sein), stellst eine 4,00 mm breite Deck-/Satinumrandung ein und nutzt eine benutzerdefinierte Stofftextur für eine realistische Vorschau.

Kurzüberblick: Was du lernst (und wo es oft hakt)
Du lernst:
- Das Werkzeug Digitize Appliqué zu wählen und sofort die wichtigsten Object Properties zu prüfen.
- Trim in Place zu aktivieren, damit die Datei das Zuschneiden im Rahmen unterstützt.
- Die Satin-/Cover-Stichbreite auf 4,00 mm zu setzen, damit die Kante zuverlässig abgedeckt wird.
- Ein eigenes Stoff-/Patternbild zu importieren, damit die Bildschirmvorschau deinem geplanten Look entspricht.
- Ober- und Unterteil sauber zu digitalisieren – mit den richtigen Knotentypen.
Was Einsteiger in der Praxis meist ausbremst, ist nicht das „Nachzeichnen“, sondern die Produktion: Stoff kann sich minimal verschieben, Kanten blitzen hervor, Ecken werden klobig, und die Satinumrandung deckt die Schnittkante nicht vollständig. Die Entscheidungen beim Digitalisieren bestimmen, ob das Motiv „am Bildschirm hübsch“ oder „auf der Maschine sauber“ wird.
Schritt 1 — Appliqué-Werkzeug wählen und Object Properties öffnen
Wähle in Hatch das Werkzeug Digitize Appliqué. Öffne dann sofort Object Properties, damit du nicht versehentlich mit Standardwerten digitalisierst, die du gar nicht möchtest.

Schritt 2 — Appliqué-Stil auf Trim in Place setzen (nicht Pre-cut)
Stelle in den Object Properties den Appliqué-Stil auf Trim in Place. Die Absicht im Video ist eindeutig: Du verwendest keine vorab zugeschnittenen Stoffteile, sondern willst eine Datei, die den Stoff platziert/anhält und das Zuschneiden im Rahmen ermöglicht.
Praxis-Hinweis: Die Kursleiterin erwähnt, dass du Appliqués grundsätzlich mit Trim in Place digitalisieren kannst und in den Notizen vermerken solltest, dass Anwender den ersten Stich überspringen können, falls sie doch mit Pre-cuts arbeiten. Das ist ein guter „Datei-für-alle-Workflows“-Ansatz.

Schritt 3 — Cover-Stichbreite auf 4,00 mm einstellen
Setze die Cover-/Satinbreite auf 4,00 mm – genau dieser Wert wird im Tutorial gezeigt und verwendet.
Warum das zählt (allgemeine Praxis): Ist die Umrandung zu schmal, kann nach dem Zuschneiden die Rohkante sichtbar bleiben – besonders wenn der Stoff franst oder sich minimal bewegt. Eine etwas breitere Satinumrandung verzeiht mehr, aber prüfe immer, was deine Maschine und dein Garn laut Handbuch sauber verarbeiten.

Schritt 4 — Benutzerdefinierte Stofftextur für eine realistische Vorschau zuweisen
Im Bereich „Fabric“ wählst du Custom und lädst über „Browse“ eine Bilddatei als Stoff-/Patternvorschau (im Tutorial ein florales Muster). Das verändert nicht die Stiche – nur die optische Vorschau, damit du den Look besser beurteilen kannst.
Gerade bei saisonalen Motiven (z. B. Ostern) ist die Stoffwahl oft Teil des Produkts – die Vorschau hilft dir, schneller stimmige Kombinationen zu treffen.

Vorbereitung-Checkliste (versteckte Verbrauchsmaterialien & Praxis-Checks)
Auch wenn es ein Software-Tutorial ist: Ob Appliqué sauber wird, entscheidet sich an der Maschine. Diese Kurzchecks verhindern, dass du später „am falschen Ende“ suchst:
- Nadeln: Frische Nadeln passend zum Material (häufig: spitze Nadel für gewebte Baumwolle; Jersey/Bündchen eher Kugelspitze – bitte mit Maschinenhandbuch abgleichen).
- Garn: Ober- und Unterfaden sollten zueinander passen und nicht alt/spröde sein; Satinumrandungen zeigen Spannungsprobleme sofort.
- Stickvlies: Plane das Vlies nach Dehnung und Projekt (siehe Entscheidungsbaum unten).
- Schneidwerkzeug: Appliqué-Schere (Duckbill) oder gebogene Snips zum sicheren, nahen Zuschneiden an der Haltenaht.
- Kleber (optional): Temporärspray oder Vliesofix kann gegen Verrutschen helfen (sparsam einsetzen und Nadeln/Greiferbereich sauber halten).
- Maschinenzustand: Flusen im Greiferbereich erhöhen das Risiko von Fadenrissen – oft genau dann, wenn die Satinumrandung startet.
- Einspann-Plan: Entscheide, ob du Grundstoff + Vlies zusammen einspannst oder den Appliqué-Stoff nach der Platzierungslinie auflegst („floating“).
Wenn du Appliqué-Stoff auflegst („floating“), können Magnetrahmen für Stickmaschine helfen, weil du beim wiederholten Öffnen/Schließen eines Standardrahmens und beim Ausrichten weniger Stoffzug/„Creep“ provozierst.
'Trim in Place' vs. 'Pre-Cut' verstehen
Die Wahl zwischen Trim in Place und Pre-Cut ist nicht nur Geschmack – sie verändert deinen Produktionsablauf.
Trim in Place: ideal für flexible Produktion und weniger Vorarbeit
Mit Trim in Place ist der Ablauf typischerweise:
- Platzierungslinie sticken.
- Stoff über die Platzierung legen.
- Haltenaht/Tackdown sticken.
- Stoff knapp an der Haltenaht zurückschneiden.
- Satin-/Cover-Umrandung sticken.
Das ist ideal, wenn du keine Schablonen/Pre-cuts vorbereiten willst oder bei Einzelstücken schnell ans Ziel möchtest.
Pre-Cut: gut für Batch-Konsistenz (braucht aber sehr präzises Zuschneiden)
Mit Pre-Cut werden die Stoffteile vorher zugeschnitten. Das kann in Serien effizient sein, erfordert aber:
- Exakte Zuschnitt-Schablonen.
- Konstante Fadenläufe/Grain-Orientierung.
- Einen Ablauf, der verhindert, dass Teile sich vor dem Platzieren dehnen oder verziehen.
Im Video wird Trim in Place verwendet – für Einsteiger meist der verzeihendere Weg.
Entscheidungsbaum: Stoffart → Stickvlies wählen (appliqué-tauglich)
Nutze diesen schnellen Entscheidungsbaum gegen Wellen/Puckern und Verschieben (allgemeine Orientierung – immer auf Reststücken testen):
1) Ist der Grundstoff dehnbar (Strick, Jersey, Performance)?
- Ja → Cut-away-Vlies (oft am besten zur Dehnungskontrolle). Bei Struktur ggf. zusätzlich ein Topper.
- Nein → weiter zu #2.
2) Ist der Grundstoff leicht oder verzieht schnell (dünne Baumwolle, Modeware)?
- Ja → mittleres Tear-away plus sauberes Einspannen; nicht im Rahmen überdehnen.
- Nein → weiter zu #3.
3) Ist der Grundstoff stabil (Canvas, Denim, robuste Taschenware)?
- Ja → Tear-away ist oft ausreichend; Gewicht nach Stichdichte wählen.
Wenn du Appliqué wiederholt auf Taschen/Serienartikel platzierst, ist ein reproduzierbarer Einspannprozess wichtiger als viele erwarten; Einspannstation reduzieren Ausrichtungsfehler, weil du nicht jedes Mal „nach Augenmaß“ positionierst.
Warnung: Appliqué-Zuschneiden ist eine Zone mit Klinge-und-Nadel-Risiko. Nur schneiden, wenn die Maschine steht, Finger aus dem Gefahrenbereich, und den Rahmen nie drehen, solange die Nadel unten ist – ein Stoß kann Nadeln verbiegen oder die Greiferzeit verstellen.
Schritt-für-Schritt: Oberes Ei-Segment digitalisieren
Dieser Abschnitt folgt dem gezeigten Workflow: obere Hälfte nach Vorlage nachzeichnen, passende Knotentypen setzen, Form schließen und Stiche erzeugen.
Schritt 1 — Obere Hälfte starten
Mit aktivem Digitize-Appliqué-Werkzeug und bestätigten Einstellungen (Trim in Place, 4,00 mm Breite, gewählte Stoffvorschau) beginnst du, die obere Hälfte des Eis entlang der pinken Vorlage nachzuzeichnen.

Schritt 2 — Knoten bewusst setzen (nicht „wild klicken“)
Beim Nachzeichnen:
- Rechtsklicks setzen Kurvenpunkte entlang des Bogens (werden als runde Knoten angezeigt).
- Linksklicks setzen Eck-/Spitzpunkte an geraden Kanten (werden als eckige Knoten angezeigt).

Praxis-Check (allgemein): Weniger, sauber platzierte Kurvenpunkte ergeben oft glattere Satinumrandungen als sehr viele Mini-Punkte. Zu viele Punkte können Mikro-Wellen erzeugen, die später als unruhige Satinkante sichtbar werden.
Schritt 3 — Form schließen und Appliqué-Objekt erzeugen
Drücke Enter/Return, um die Form zu schließen und die Appliqué-Stiche zu erzeugen.
Erwartetes Ergebnis: Die obere Hälfte wird als fertiges Appliqué-Objekt erstellt und zeigt die gewählte Stofftextur in der Vorschau.

Checkpoints (bevor du weitermachst)
- In den Eigenschaften ist Trim in Place aktiv.
- Die Cover-/Satinbreite steht weiterhin auf 4,00 mm.
- Die Kontur wirkt glatt (keine „Zacken“ durch falsche Knotentypen).
- Die Stoffvorschau wird korrekt angezeigt.
Wenn du Dateien für Verkauf oder wiederholte Produktion erstellst, ist das der Moment für die „Sicherheitsfrage“: Ist die Umrandung breit genug, um reale Trimmtoleranzen zu verzeihen?
Knotentypen meistern: Rechtsklick für Kurven, Linksklick für Ecken
Das ist die Kerntechnik aus dem Video – und der Unterschied zwischen sauberer Kontur und Frust.
Die Regel aus dem Tutorial
- Rechtsklick = Kurvenpunkt (runder Knoten)
- Linksklick = Eckpunkt (eckiger Knoten)
Einfach – aber die Wirkung hängt davon ab, wie bewusst du es einsetzt.
So denkst du „wie ein Digitalisierer“ (damit die Stiche sauberer laufen)
Allgemeine Sofort-Tipps:
- Setze Kurvenpunkte am Kurvenbeginn, am Scheitel/Maximum und dort, wo die Kurve ihre Richtung ändert.
- Setze Eckpunkte nur dort, wo wirklich eine harte Richtungsänderung gewollt ist.
- Wenn die Satinkante „buckelig“ wirkt, liegt es oft an zu vielen Punkten oder am falschen Punkt-Typ.
Mini-Fix, wenn du den falschen Knoten gesetzt hast
Im Tutorial wird die schnelle Korrektur gezeigt: Wenn ein Knoten falsch sitzt, lösche ihn (Backspace) und setze ihn korrekt neu – bevor du die Form finalisierst.
Das spart Zeit, weil Nacharbeit am fertigen Objekt oft langsamer ist als die Korrektur während des Digitalisierens.
Wenn du in deinem physischen Workflow eine hoopmaster Einspannstation nutzt, wird die Platzierung am Produkt oft reproduzierbarer – dadurch wird die Digitalisierqualität (glatte Kanten, saubere Abdeckung) zur wichtigsten Stellschraube.
Design finalisieren und Vorlagen entfernen
Nachdem die obere Hälfte fertig ist, wird im Tutorial derselbe Ablauf für die untere Hälfte wiederholt. Anschließend wird die Vorlage gelöscht, damit nur noch die Stickobjekte sichtbar sind.
Schritt 1 — Untere Hälfte mit denselben Einstellungen digitalisieren
Die Kursleiterin lässt die Einstellungen aktiv:
- Gleiches Appliqué-Werkzeug
- Gleiche Stoffvorschau
- Gleiche 4,00-mm-Coverbreite
Dann zeichnet sie den unteren Halbkreis nach:
- Rechtsklick für Kurvenpunkte entlang des unteren Bogens
- Linksklick für scharfe Punkte entlang der geraden oberen Kante des unteren Segments
- Enter/Return, um die Form zu schließen



Erwartetes Ergebnis: Beide Hälften sind digitalisiert und mit der Stoffmuster-Vorschau gefüllt.

Schritt 2 — Pinke Vorlagen-Grafik löschen
Wenn die Stickobjekte erstellt sind, wähle die darunterliegende pinke Vorlagen-Grafik aus und lösche sie, damit nur noch die digitalisierten Appliqué-Objekte übrig bleiben.

Erwartetes Ergebnis: Eine saubere Ansicht, die nur das geteilte Ei-Appliqué zeigt.

Arbeits-Checkliste (von der Datei zur stickfertigen Version)
Bevor du speicherst/exportierst und das Motiv auf der Maschine laufen lässt:
- Prüfe, ob beide Hälften wirklich auf Trim in Place stehen.
- Prüfe, ob die Cover-/Satinbreite auf beiden Objekten 4,00 mm ist.
- Zoome hinein und kontrolliere die Kontur auf Zacken/Unruhe (häufig ein Knotentyp-Thema).
- Stelle sicher, dass beide Hälften sauber aneinanderstoßen (keine ungewollten Überlappungen oder Lücken).
- Plane Produktionsnotizen: Stoffplatzierung, Trimmschritt, und optional „ersten Stich überspringen bei Pre-cut“.
- Lege eine Testversion an und plane einen Probestick auf Restmaterial vor Kundenaufträgen.
Wenn du in der Produktion Zeit sparen willst (mehrere Teile, gleiches Motiv), können hooping station for embroidery machine-Setups die Zeit fürs erneute Einspannen und Ausrichten reduzieren – besonders bei Appliqué, weil du mehrere Stopps für Platzieren und Zuschneiden hast.
Warnung: Wenn du Magnetrahmen nutzt: Das sind starke Industriemagnete. Abstand zu Herzschrittmachern/Implantaten, Uhren, Smartphones und Magnetstreifenkarten halten. Den oberen Ring nie unkontrolliert zuschnappen lassen – Quetschverletzungen passieren schnell.
Fehlerbehebung
Selbst ein simples geteiltes Appliqué kann „komisch“ werden, wenn ein Klick nicht stimmt. Hier ist das Problem aus dem Tutorial – plus praxisnahe Checks, die Appliqué-Ergebnisse häufig beeinflussen.
Symptom: Die Kontur sieht beim Digitalisieren falsch aus (Knoten sitzt falsch)
- Wahrscheinliche Ursache (aus dem Tutorial): Falsch geklickt oder falscher Knotentyp.
- Lösung (aus dem Tutorial): Den betreffenden Knoten löschen (Backspace) und vor dem Finalisieren korrekt neu setzen.
Symptom: Satinumrandung wirkt auf Kurven zackig oder wellig (obwohl die Form geschlossen ist)
- Wahrscheinliche Ursache (allgemein): Zu viele Knoten in der Kurve oder Eckpunkte dort, wo Kurvenpunkte hingehören.
- Lösung (allgemein): Den Abschnitt mit weniger Rechtsklick-Kurvenpunkten neu digitalisieren; Linksklick-Ecken nur an echten Ecken setzen.
Symptom: Stoffkante blitzt nach dem Zuschneiden hervor
- Wahrscheinliche Ursache (allgemein): Umrandung zu schmal für deine Trimmtoleranz oder Stoff franst/verschiebt sich.
- Lösung (allgemein): In künftigen Tests ggf. breitere Umrandung wählen, Stabilisierung/Einspannen verbessern und (sicher) näher an der Haltenaht trimmen. Immer auf dem echten Material testen.
Symptom: Wellen/Puckern rund um die Appliqué-Umrandung
- Wahrscheinliche Ursache (allgemein): Grundstoff nicht ausreichend stabilisiert oder beim Einspannen überdehnt.
- Lösung (allgemein): Entscheidungsbaum oben nutzen, Einspannverzug reduzieren und mit anderer Vliesstärke testen.
Wenn du Appliqué-Stoff auflegst und gegen Verrutschen kämpfst, können Magnetrahmen-Setups den „öffnen/schließen, ausrichten, tackern, trimmen“-Zyklus entspannen, weil du den Stoff nicht ständig in einen strammen Innenring zwingen musst.
Ergebnis
Am Ende dieses Workflows hast du ein sauberes, geteiltes Oster-Ei-Appliqué in Wilcom Hatch:
- Erstellt mit Digitize Appliqué
- Auf Trim in Place eingestellt (nicht Pre-cut)
- Mit 4,00 mm Cover-/Satinbreite
- Mit benutzerdefinierter Stofftextur als Vorschau
- Digitalisiert mit korrekter Knotenlogik (Rechtsklick Kurven, Linksklick Ecken)

Wenn du solche Motive in konsistente Produkte verwandeln willst (Saison-Serien, Märkte, Kleinserien), ist der größte Hebel oft nicht „mehr Effekte“, sondern Wiederholbarkeit im Ablauf. Ein stabiler Einspannprozess und schnelleres Stoffhandling sind oft genauso wichtig wie das Digitalisieren selbst – Magnetrahmen Anleitung-Techniken lohnen sich als Übung auf Restmaterial, damit deine Trim-in-Place-Dateien sauber laufen und du weniger Nacharbeit hast.
