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Arbeitsbereich für Frottee korrekt einrichten
Ein Handtuchbordüren-Projekt wirkt oft einfacher, als es in der Praxis ist – bis Frottee ins Spiel kommt. Du startest die Maschine, und plötzlich „schlucken“ die Schlingen deine Satinkolumnen, das Motiv wandert durch die Elastizität des Flors, und aus dem „schnellen Geschenk“ wird eine Rettungsaktion.
In dieser Masterclass arbeiten wir nicht nur ein Software-Tutorial ab – wir bauen einen reproduzierbaren Prozess. Du lernst, eine saubere „His“-Bordüre zu erstellen, indem du ein Standard-Segelboot bearbeitest, Bauteile für mehr Stabilität auf strukturierter Ware neu aufsetzt und die Vorbereitung so planst, dass das Ergebnis später auch auf dem Handtuch überzeugt.
Die Software-Schritte sind zwar Creative DRAWings-spezifisch, aber die Prinzipien der Stichmechanik auf Schlingenware gelten unabhängig von Maschine und Software. Ob Ein-Nadel-Haushaltsmaschine oder Mehrnadelstickmaschine: Gewonnen wird über Setup und Kontrolle.

Was du lernst (und warum es zählt)
- Workflow-Kontinuität: Wie du eine Datei aus einem bestehenden Stickdesign startest und dabei die Stoff-Voreinstellungen korrekt übernimmst – wichtig, damit Dichte/Unterlage passend gesetzt werden.
- Motiv-Isolation: Wie du mit der Rechteck-Auswahl gezielt nur ein Element (das Segelboot) aus einem größeren Design herauskopierst.
- Strukturelles Redigitalisieren: Wie du das Segel mit dem Outline-Shape-Werkzeug neu zeichnest, damit eine stabile Füllfläche entsteht, die Frottee-Schlingen niederhält.
- Array-Logik: Wie du eine gleichmäßig verteilte 5er-Bordüre mit Rectangular Array aufbaust.
- Typo auf Textur: Wie du Text so wählst und ausrichtest, dass er auf hohem Flor lesbar bleibt.

Warum Handtücher ein Sonderfall sind (Frottee in der Praxis)
Frottee ist für Standard-Stickparameter anspruchsvoll: Viele kleine Schlingen warten darauf, sich durch Füllstiche zu drücken oder Details optisch zu „verschlucken“.
Der „Sink“-Effekt: Im Gegensatz zu glatter Webware neigen Stiche auf Handtüchern dazu, in den Flor einzusinken. Wenn Dichte/Unterlage nicht passen oder du ohne wasserlösliche Folie arbeitest, drücken Schlingen durch – das Ergebnis wirkt „gesprenkelt“, weil die Stofffarbe zwischen den Stichen sichtbar wird.
Der „Squish“-Effekt: Handtücher sind kompressibel. Wenn du sie im Standard-Stickrahmen extrem stramm einspannst, plattest du den Flor (Rahmenabdrücke) und verziehst das Gewebe. Nach dem Ausspannen entspannt sich das Material – und die Bordüre kann optisch „wandern“. Ziel ist: stabilisieren, aber den Flor nicht zerstören.

Standarddesign anpassen: Ein eigenes Segel ergänzen
Das Ziel in der Software: Aus einem eher „linienhaften“ Segel wird eine solide Step-Fill-Fläche. Linien/feine Konturen gehen auf Frottee schnell unter; eine Füllfläche wirkt wie eine Matte, drückt Schlingen nieder und schafft eine ruhige, gleichmäßige Oberfläche.
Schritt 1 — Neues Dokument aus Stickdatei erstellen
Starte in Creative DRAWings über From embroidery. Suche das Standarddesign 10126.ngs im Designs-Ordner.

Checkpoint: Das Design muss als bearbeitbare Objekte geladen sein (nicht als „flaches Bild“). Du solltest einzelne Elemente selektieren können.
Erwartetes Ergebnis: Du hast Zugriff auf Objekte/Eigenschaften und kannst gezielt Teile kopieren.
Schritt 2 — Stickrahmen und Stoff-Voreinstellung wählen
Wähle einen passenden Rahmen, z. B. Generic 100 x 100.

Wichtig: Setze die Stoff-Voreinstellung exakt auf:
- Embroidery Normal Light > Toweling

Praxis-Hinweis: Diese Auswahl ist nicht „Kosmetik“. In Creative DRAWings beeinflusst die Stoffwahl die automatisch gesetzten Parameter (u. a. Dichte/Unterlage). Wenn du „Toweling“ überspringst, wirkt das Ergebnis auf Handtuchware schnell zu dünn und unruhig.
Schritt 3 — Ein Segelboot isolieren und kopieren
Zoome deutlich hinein (ca. 200% ist ein guter Arbeitsbereich). Nimm die Rectangular Selection und ziehe einen Rahmen um nur das erste Segelboot. Danach Copy.

Schneller Plausibilitätscheck: Sitzt die Auswahl eng am Motiv? Wenn die Auswahl riesig wird, hast du vermutlich unbemerkt weitere Objekte/„versteckte“ Elemente mit erwischt.
Schritt 4 — In ein neues Grafik-Dokument einfügen
Erstelle ein neues Dokument über New Graphic und halte die Einstellungen konsistent:
- Hoop: Generic 100 x 100
- Fabric: Embroidery Normal Light > Toweling
Klicke anschließend Paste.

Erwartetes Ergebnis: Ein einzelnes Segelboot liegt sauber im leeren Rahmenbereich – mit den Toweling-Eigenschaften als Basis.
Schritt 5 — Neues Segel mit Outline Shape zeichnen
Wir ersetzen das ursprüngliche Segel durch eine neue, geschlossene Form. Wähle Create Outline Shape.

So setzt du die Knoten (entscheidend für saubere Kanten):
- Startpunkt: Linksklick unten links am ursprünglichen Segel.
- Kurve: Klicke an der mittleren linken Kante – dadurch entsteht eine Kurve.

- Scharfe Ecken (Cusp Nodes): Für die Mast-Anbindung brauchst du harte, klare Punkte. Halte dafür SHIFT beim Klicken.
- SHIFT + Klick am oberen Mastpunkt
- SHIFT + Klick am unteren Mastpunkt

- Form schließen: Halte SHIFT und klicke auf den Startknoten, um die Form zu schließen. Rechtsklick zum Finalisieren.
Checkpoint: Wirkt die linke Kante wie eine saubere Segelkurve? Sind die Mastpunkte wirklich „spitz“ und nicht rund? Wenn es „blobby“ aussieht, ist meist SHIFT beim Setzen der Eckpunkte vergessen worden.
Warnung — Arbeitssicherheit an der Maschine: Halte beim späteren Sticken die Finger konsequent außerhalb des Stickbereichs (Rahmen-/Nadelzone). Eine Nadel mit hoher Stichzahl reagiert schneller als jede Reflexbewegung.
Schritt 6 — Kontur in Step Fill umwandeln
Markiere die neue Vektorform, öffne Object Properties und klicke Step, um daraus eine Stickfläche zu erzeugen.

Warum Step Fill auf Handtüchern? Step Fill (vergleichbar mit Tatami) besteht aus dicht geführten Reihen und ist häufig verankert. Das ist auf Frottee robuster als lange Satin-Floats, die leichter hängen bleiben und optisch schneller im Flor verschwinden.
Schritt 7 — Kontur/Outline entfernen
Eine zusätzliche Kontur ist hier meist unnötig – auf Frottee wirkt sie schnell unruhig oder geht unter. Suche in der Palette die Farbe mit dem Pen-Symbol (Outline) und setze sie über X auf „none“.

Sichtkontrolle: Die dunkle Haarlinien-Kontur muss verschwinden; übrig bleibt die reine Füllfläche.
Schritt 8 — Ebenenreihenfolge korrigieren (Details oben lassen)
Neue Objekte liegen zunächst oben und können Details (Mast/Rigg) verdecken. Lösung:
- Rechtsklick auf das neue Segel
- Order > To back of design

Erwartetes Ergebnis: Mast und Details liegen wieder sichtbar über der Füllfläche – das wirkt sauberer und „professionell“.
Mit Rectangular Array ein sauberes Bordürenmuster bauen
Gleichmäßige Abstände sind bei Bordüren die halbe Miete. Manuelles Kopieren führt schnell zu unruhigen Lücken. Rectangular Array verteilt mathematisch sauber.
Schritt 9 — Ausgangsmotiv positionieren
Wähle das komplette Segelboot (im Video: Ctrl + A) und schiebe es in den oberen linken Bereich des Rahmens. Achte darauf, nicht zu dicht an den Rahmenrand zu gehen, damit die Bordüre später nicht „an der Kante klebt“.
Schritt 10 — 5er-Reihe mit Rectangular Array erstellen
Wähle Create Rectangular Array und setze:
- Horizontal copies: 5
- Vertical copies: 1

Ziehe am Griff/Handle, bis die fünf Boote gleichmäßig über die Rahmenbreite verteilt sind.

Praxis-Check: Die Reihe sollte die nutzbare Breite füllen, ohne dass Motive gequetscht wirken. Wenn du später auf Handtüchern reproduzierbar arbeiten willst, ist eine feste Bordürenbreite (immer gleich) wichtiger als „so breit wie möglich“.
Workflow-Hinweis für Serienarbeit: Wenn du solche Bordüren regelmäßig stickst (Sets, Gästehandtücher, Aufträge), wird das Einspannen schnell zum Engpass. Eine Einspannstation hilft, die Bordürenhöhe konstant zu halten und Ausschuss zu reduzieren.
Text hinzufügen und so einstellen, dass er auf Frottee lesbar bleibt
Text ist auf Handtüchern heikel: zu dünn = verschwindet, zu klein = wird zum Knoten.
Schritt 11 — „His“ mit robusten Einstellungen setzen
Wähle das Edit Text-Werkzeug und stelle ein:
- Font: Brittanic Bold (wenn nicht vorhanden: eine andere kräftige Schrift; Creative DRAWings nutzt die auf deinem Rechner installierten Fonts)
- Size: 40
- Style: Italic (passt optisch zur Schräglage der Segelboote)

Klicke in den unteren Bereich des Rahmens und tippe His. Mit der Rechteck-Auswahl (Rectangular Selection) bestätigst du die Texteingabe.

Checkpoint: Passt die Position zur Bordüre (visuell „angebunden“), oder wirkt der Text zufällig platziert? Bei Bordüren zählt die optische Balance.
Schritt 12 — Farbe angleichen
Markiere den Text und übernimm die gewünschte Blau-Farbe, indem du (wie gezeigt) auf die untere rechte Ecke des passenden Farbfelds in der Palette klickst.

Finalisieren: Speichern und Export
Speichere die Arbeitsdatei als .DRAW (damit du später sauber nachbearbeiten kannst) und exportiere zusätzlich in dein Maschinenformat.
Praxis-Tipp: Wenn du später Varianten („Hers“, Namen, Datum) brauchst, ist die .DRAW-Datei dein „Master“. Das Maschinenformat ist für die Produktion.
Vorbereitung: Der versteckte Erfolgsfaktor bei Handtüchern
Du kannst die perfekte Datei haben – wenn die Vorbereitung schlampig ist, gewinnt das Handtuch. Für Frottee hat sich eine klare Schichtlogik bewährt.
Die „Sandwich“-Methode
- Unterseite (Stickvlies): Je nach Handtuchqualität passend wählen.
- Mitte (Handtuch/Frottee): Material möglichst ohne Verzug auflegen.
- Oberseite (wasserlösliche Folie/Topping): Auf den Flor legen, damit Stiche nicht einsinken.
Verbrauchsmaterial-Checkliste
- Wasserlösliche Folie/Topping: Für Frottee praktisch Pflicht, wenn du saubere Flächen und lesbaren Text willst.
- Unterfaden: Vor Bordürenläufen prüfen, damit du nicht mitten in der Reihe stehen bleibst.
Wenn Effizienz dein Ziel ist, suche nach Tutorials zu how to use magnetic embroidery hoop, um zu sehen, wie sich dicke „Sandwiches“ schneller und gleichmäßiger einspannen lassen.
Prep-Checkliste
- Unterfaden-Check: Reicht die Unterfadenspule für den kompletten Lauf?
- Topping zugeschnitten: Deckt die Folie den gesamten Stickbereich ab?
Warnung — Magnet-Sicherheit: Wenn du auf Magnetrahmen umsteigst, beachte: Die Magnete sind sehr stark. Sie können Haut einklemmen und sind in der Nähe von medizinischen Geräten (z. B. Herzschrittmachern) kritisch. Magnete seitlich auseinander schieben, nicht „abhebeln“.
Setup: Einspannen vs. „Floaten“
Standard-Stickrahmen (Innen-/Außenring) sind bei dicken Handtüchern oft mühsam. Um Halt zu bekommen, wird zu stark angezogen – das führt zu:
- Rahmenabdrücken im Flor
- Verzug der Bordüre
„Float“-Technik (Alternative zum Einspannen)
Wenn du mit Standardrahmen kämpfst:
- Spanne nur das Stickvlies ein.
- Sprühe temporären Sprühkleber auf das Vlies.
- Lege das Handtuch glatt auf und drücke es an.
- Lege das wasserlösliche Topping oben auf.
- Nutze – falls vorhanden – eine Heft-/Baste-Funktion, um alles zu sichern.
Tool-Upgrade (für häufige Handtuchproduktion)
Für Handtücher sind Magnetrahmen für Stickmaschine in vielen Workflows beliebt, weil sie dicke Lagen ohne Schraubdruck klemmen und so Verzug sowie Rahmenabdrücke reduzieren.
Setup-Checkliste
- Halt: Bewegt sich das Handtuch bei leichtem Zug? (Wenn ja: Setup nachbessern.)
- Freigängigkeit: Ist genug Abstand zur dicken Saumkante, damit nichts anstößt?
- Topping gesichert: Kann der Fuß die Folie nicht hochziehen?
Betrieb: Beobachten statt weggehen
Starte die Maschine und bleib dabei – die ersten Sekunden entscheiden.
Hör- und Sichtkontrolle
- Geräusch: Ungewöhnliche harte Schläge können auf Kontakt mit Rahmen/Platte hindeuten.
- Fadenlauf: Frottee fusselt; bei Fuss am Nadelöhr kurz stoppen und reinigen.
Betriebs-Checkliste
- Trace/Umrisslauf: Hast du geprüft, dass die Nadel nicht am Rahmen anschlägt?
- Schlingen-Kontrolle: Drücken Schlingen durch? (Dann stoppen und Topping ergänzen.)
Troubleshooting: „Warum passiert das?“
Wenn etwas schiefgeht, arbeite systematisch.
| Symptom | Likely Cause | Immediate Fix | Prevention |
|---|---|---|---|
| Gaps in the border | Fabric shifting/Creep | Stop machine. Do not unhoop. Apply pressure to hoop. | Use a hoopmaster Einspannstation style fixture or sticky backing next time. |
| "His" text illegible | Stitches sinking into pile | Font strokes too thin; Topping missing. | Stop. carefully place another layer of topping over the area and restart text. |
| Hoop Burn (Crushed Ring) | Standard hoop screwed too tight | Steam the area heavily after finishing to try and relax fibers. | Upgrade to Magnetrahmen to avoid crushing pile. |
| Thread Shredding | Needle overheating or friction | Speed is too high (1000+ SPM). | Slow down to 600-700 SPM. |
| Design "cupping" | Stabilizer too light | Density of stitch pulled the fabric together. | Try to steam block it flat. |
Konkrete Software-Fixes
- Problem: Segelform wirkt „rund“/unsauber.
KorrekturIn Schritt 5 wurde SHIFT beim Setzen der Eckpunkte nicht gehalten. Löschen und mit Cusp-Logik neu zeichnen.
- Problem: Das neue Segel deckt Details ab.
KorrekturSchritt 8 nachholen: Objekt über Order > To back of design nach hinten legen.
Ergebnis & nächste Schritte
Wenn du diese Schritte sauber umsetzt, erhältst du eine professionelle Handtuchbordüre: Die Segelboote stehen rhythmisch und gleichmäßig, der „His“-Text ist passend geneigt und farblich abgestimmt, und die Datei ist so aufgebaut, dass du sie später schnell für weitere Varianten nutzen kannst.
Mit wachsender Routine merkst du: Der Engpass ist selten die Stickzeit – es ist die Vorbereitung. Wenn du das als Nebenjob oder im kleinen Betrieb skalieren willst, schau dir Workflow-Hilfen wie specialized hooping stations for machine embroidery an: Damit kannst du das nächste Handtuch vorbereiten, während das aktuelle läuft.
Jetzt: Datei speichern, ein Test-Handtuch nehmen und mit Kontrolle sticken.
