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Was ist Redwork-Stickerei?
Redwork ist mehr als nur „roter Faden auf weißem Stoff“. Technisch betrachtet ist es Architektur aus durchgehenden Linien. Der Look imitiert Handstickerei, wird aber mit Laufstichen (Run Stitches) auf der Maschine umgesetzt – die Qualität entsteht weniger durch dichte Flächen, sondern durch sauberes Pathing (Stichreihenfolge/Stichweg).
Das Kernprinzip, das Ken zeigt, ist „optische Deckkraft“. Ein einzelner Laufstich kann – je nach Gewebe, Flor oder Struktur – schnell „wegkippen“ und zu dünn wirken. Damit Redwork professionell aussieht, brauchst du sichtbare Linienbreite. Das erreichst du entweder durch zwei Durchgänge mit einfachem Laufstich (manuelles Zurücklaufen/Backtracking) oder durch einen Dreifachlauf (Triple Stitch/Bean Stitch).
Diese Anleitung konzentriert sich auf die Zwei-Durchgänge-Methode, weil sie dir mehr Kontrolle gibt. Im Gegensatz zu einem automatischen Dreifachlauf, der auf engen Kurven schnell steif wirken kann, kannst du beim manuellen Zurücklaufen gezielt Stellen betonen und einen flüssigeren „handgestickten“ Eindruck erzeugen.
Wenn deine Outline-Stickerei schon mal „unterbrochen“, zu dünn oder voller Trims/Sprungstiche war, liegt es oft nicht an der Fadenspannung – sondern an deiner Stichweg-Logik. Ziel ist, wie ein GPS zu denken: eine durchgehende Route bauen, damit die Maschine möglichst selten stoppen muss.

Tools, die du brauchst: Tablet, Software und Magnetrahmen
Ken arbeitet in „Design Doodler“ auf einem PC, mit einem Huion-Zeichentablet und Stift. Die Vorlage wurde zuvor schnell in Procreate skizziert und anschließend importiert.
In der Praxis wird das Motiv auf einer Mehrnadelstickmaschine gestickt – eingespannt in einen 5,5" x 5,5" Magnetrahmen. Das ist bei Redwork kein Nebendetail: Stabilität ist Pflicht.
Wenn sich der Stoff bei einem Doppelgang auch nur minimal verschiebt, liegt der zweite Durchgang nicht mehr sauber auf/nahe am ersten – das Ergebnis wirkt wie „Doppelbild“.
Warum überhaupt in besseres Einspannen investieren? Eine typische Frage aus der Praxis lautet sinngemäß: „Warum ist das so teuer?“ Bei Magnetrahmen ist die Antwort meist: Fehlerkosten.
- Zeit: Ein klassischer Schraubrahmen braucht manuelles Ausrichten, Nachziehen und oft mehrere Korrekturen pro Teil.
- Qualität: Schraubrahmen hinterlassen eher Rahmenabdrücke (Rahmenspuren), die du anschließend ausdämpfen musst.
- Passung: Magnetrahmen klemmen schnell und gleichmäßig – das reduziert Verzug, besonders bei empfindlichen Materialien.
Wenn du kommerziell arbeitest, ist die Suche nach kompatiblen Lösungen wie Magnetrahmen für tajima Stickmaschinen oft ein erster Schritt, um Redwork-Produktionen stabiler und reproduzierbarer zu machen.

Schritt 1: Arbeitsfläche einrichten und Deckkraft (Opacity) einstellen
Bevor du den ersten Stich setzt, reduzierst du „Reibung“ im Workflow: Wenn du Linien schlecht siehst oder die Größe nicht sauber kontrollierst, leidet die Digitalisierung.
1) Skizze importieren und innerhalb der Rahmenbegrenzung skalieren
Ken importiert die Skizze und prüft sofort die Größe im Verhältnis zum Rahmen. Er hält dieses Motiv unter 4x4 inches.
Setup-Workflow:
- Import: Import-Funktion nutzen und die Skizze aus der Library laden.
- Visuelle Referenz: „Hoop Overlay“ (oben rechts) ein-/ausschalten – das ist deine Sicherheitszone.
- Skalieren: An den Eckgriffen ziehen, bis das Motiv sicher innerhalb der Begrenzung sitzt.
Checkpoint: Stelle sicher, dass das Motiv vollständig innerhalb der Rahmenbegrenzung liegt, bevor du mit dem Digitalisieren startest. Erfolgskriterium: Du siehst das komplette Motiv innerhalb der Rahmenlinie, ohne ständig zu scrollen.
2) Deckkraft der Skizze reduzieren, damit deine Stichlinien klar sichtbar sind
Ken reduziert die Opacity der Vorlage, bis sie nur noch als hellgrauer „Ghost“ sichtbar ist. Das ist entscheidend: Ist die Vorlage zu dunkel, übersiehst du schnell, wo du bereits digitalisiert hast.
Checkpoint: Die Vorlage sollte so hell sein, dass deine neuen roten Linien klar dominieren. Praxisnutzen: Du erkennst sofort „Mikro-Lücken“ – also Stellen, an denen du glaubst verbunden zu haben, aber tatsächlich minimal daneben liegst.



Schritt 2: Die richtige Stichlänge für Outlines wählen
In den Einstellungen des Run-Stitch-Tools wählt Ken Freehand und stellt die Stichlänge auf 2,0 mm.
Praxis-Kalibrierung:
- Die Default-Falle: Viele Setups landen schnell bei 3,5–4,0 mm. Für Redwork ist das meist zu lang – Kurven wirken „eckig“ und die Linie sieht gestrichelt aus.
- Der Sweet Spot (2,0 mm): Kurz genug für saubere Kurven, ohne klobig zu wirken – näher am Handstick-Look.
Warum 2,0 mm bei Redwork so gut funktioniert
Stichlänge ist immer ein Kompromiss zwischen Definition und Belastung.
- Zu lang (>3,0 mm): Der Faden „schwebt“ stärker über der Stoffstruktur; enge Radien werden kantig.
- Zu kurz (<1,5 mm): Sehr viele Einstiche dicht an dicht – das kann Material perforieren.
- 2,0–2,5 mm: Häufig eine robuste Zone für Outlines.
Wichtig: Ken demonstriert 2,0 mm als klare Empfehlung und nennt 4,5 mm explizit als zu weit. Bleib für diesen Workflow bei 2,0 mm.
Checkpoint: Stichlänge/Spacing in der Properties-Leiste auf 2,0 mm prüfen. Sichttest: Wirkt eine Kurve wie eine glatte Linie (gut) oder wie „Punkte verbinden“ (schlecht)?

Das Geheimnis für durchgehendes Sticken: die Red-Dot-Technik
Das ist der technische Dreh- und Angelpunkt. Redwork-Digitalisieren ist im Kern: „Stift nicht absetzen – zumindest logisch nicht.“
Wenn Ken einen Abschnitt beendet und weiterzeichnen will, startet er nicht einfach irgendwo neu. Er führt die Stiftspitze exakt an das Ende der vorherigen Linie und wartet, bis ein kleiner Red Dot erscheint.
Was der „Red Dot“ wirklich bedeutet
Der Punkt ist die visuelle Bestätigung für ein sauberes Andocken/Auto-Join. Sinngemäß: „Diese beiden Linien werden als eine durchgehende Linie verbunden.“
- Mit Red Dot: Die Maschine kann ohne Unterbrechung weitersticken.
- Ohne Red Dot: Es entsteht eine Unterbrechung – typischerweise mit Sprung/Trim.
So setzt du es um:
- Segment zeichnen, Stift abheben.
- Zur exakten Endstelle zurück.
- Warten, bis der Red Dot sichtbar ist.
- Weiterzeichnen.
Checkpoint: Starte keinen neuen Abschnitt ohne Red Dot – außer du willst bewusst in einen anderen Bereich springen. Erfolgskriterium: Im Idealfall siehst du im fertigen Design nur einen Trim (am Ende). Ken erwähnt, dass bei seinem Beispiel insgesamt nur ein Trim entstanden ist.


Doppelgang-Linien für professionelle Ergebnisse
Ein einzelner Laufstich ist oft zu dünn. Ken nutzt „Backtracking“: Er stickt eine Linie (Durchgang 1) und läuft dann entlang/nahe der Linie zurück (Durchgang 2).
Der „1, 2“-Rhythmus als Denkstütze
Ein Zuschauer fand hilfreich, dass Ken beim Zeichnen „1, 2“ mitzählt – das ist in der Praxis ein sehr gutes Raster.
- „1“ (hin): Grundlinie/Struktur setzen.
- „2“ (zurück): Linie optisch verstärken und wieder an einen „Hauptweg“ zurückkommen.
Das löst das „Sackgassen“-Problem: Wenn du z. B. in eine Fingerspitze oder ein Detail hineinläufst, kommst du mit dem zweiten Durchgang wieder zurück, statt dort zu enden und schneiden zu müssen.
Checkpoints beim Backtracking
- Ausrichtung/Passung: Ziel ist ein gleichmäßiger, sauberer Doppelgang. Wenn der Stoff wandert, wirkt die Linie unscharf.
- Logik: Ken arbeitet bevorzugt im Kreis (clockwise/counterclockwise) und „von außen nach innen“ bzw. strukturiert, damit man nicht den Überblick verliert.
Wenn du – wie im Video – mit einem mighty hoop 5.5 Magnetrahmen arbeitest, hilft die gleichmäßige Klemmung dabei, dass sich der Stoff zwischen Durchgang 1 und 2 nicht verschiebt.



Exportieren und Sticken auf einer Mehrnadelstickmaschine
Ken speichert/exportiert als DST (Tajima) und geht anschließend an die Maschine.
Vorbereitung (versteckte Verbrauchsmaterialien & Risikokontrolle)
Redwork verzeiht wenig – es gibt keine dichten Flächen, die Unsauberkeiten „zudecken“.
Kurz-Check vor Start:
- Unterfaden/Greiferbereich: Sauber halten – Flusen können die Fadenspannung beeinflussen.
- Fadenlauf: Oberfaden muss frei laufen (keine Haker am Garnhalter).
- Fadenenden: Startfaden sauber sichern/abschneiden, damit er nicht in die Kontur gezogen wird.
Entscheidungshilfe: Stickvlies wählen
Im Video ist ein weißes Cutaway als Vlies zu sehen. Das passt gut, weil Redwork durch linearen Zug verziehen kann.
- Szenario A: Webware (z. B. gewebter Baumwollstoff)
- Option: Cutaway oder – je nach Stabilität – leichter.
- Szenario B: Dehnware (z. B. Jersey/T-Shirt)
- Option: Cutaway, weil Dehnung sonst schnell zu Verzug führt.
- Szenario C: Hoher Flor (z. B. Frottee)
- Option: Cutaway + ggf. wasserlösliche Folie oben, damit die Linie nicht „einsinkt“.
Für wiederkehrende Produktionen suchen viele Betriebe nach einem Magnetrahmen, um unterschiedliche Material-Vlies-Sandwiches schnell und gleichmäßig zu klemmen.
Warnhinweis: Mechanische Sicherheit
Hände, lose Kleidung und Haare vom Nadelbereich fernhalten. Während die Maschine läuft, nicht in den Stickbereich greifen.
Warnhinweis: Magnet-Sicherheit
Magnetrahmen haben hohe Klemmkraft und können Finger einklemmen. Abstand zu Herzschrittmachern sowie magnetempfindlichen Datenträgern halten.
Setup: Ausrichtung und Einspannen
Ken richtet den Rahmen mit dem Laserpunkt der Maschine aus.
- Einspannen-Grundsatz: Stoff glatt und stabil, aber nicht überdehnt.
- Vorteil Magnetrahmen: Du kannst Vlies und Stoff sauber „auflegen“ und gleichmäßig klemmen, ohne das typische Verziehen durch Schraubdruck.
Für reproduzierbare Platzierung (gerade bei Serien) kann eine Einspannstation für Stickmaschinen helfen, die Position zu standardisieren.
Prep-Checkliste
- Motivgröße unter 4" x 4" geprüft.
- Opacity reduziert, Linien gut sichtbar.
- Stichlänge auf 2,0 mm eingestellt.
- Fadenlauf frei, Unterfadenbereich sauber.
Setup-Checkliste
- Passender Rahmen/Hoop in der Software gewählt.
- Material liegt glatt im Rahmen, nicht überdehnt.
- Laser/Needle-Drop zur Mitte ausgerichtet.
- Keine Fadenhaker, Garn läuft gleichmäßig.




Betrieb: Der Sticklauf
Kens Motiv läuft sehr schnell – geschätzt 1.000 Stiche. Durch sauberes Pathing (Red-Dot-Technik) läuft die Maschine weitgehend durch.
Monitoring in Echtzeit:
- Bild: Achte auf ruckelnden Fadenlauf (Hinweis auf Haker).
- Ergebnis: Die Kontur sollte ohne sichtbare Unterbrechungen entstehen.
Wenn du im Shop die körperliche Belastung beim häufigen Einspannen reduzieren willst, sind Magnetrahmen für Stickmaschine oft ein spürbarer Hebel – schnelleres Handling, weniger Nachjustieren.
Betriebs-Checkliste
- Slow Redraw/Vorschau: Datei prüfen – sind Sprünge/Trims sichtbar?
- Teststick: Erst auf ähnlichem Restmaterial.
- Startphase beobachten: Die ersten Stiche kontrollieren, ob die Linie sauber liegt.
Qualitätskontrollen
1) Pucker-/Verzugscheck
Liegt der Stoff nach dem Sticken flach?
- Nein: Vlies zu schwach oder Material beim Einspannen verzogen.
- Ja: Gute Basis.
2) Kontur-Klarheit
Wirkt die Linie gleichmäßig „bold“?
- Nein: Doppelgang ist ungleichmäßig (oft durch minimale Stoffbewegung).
- Ja: Marker-ähnlicher, sauberer Redwork-Look.
3) „Doppelbild“-Check
Siehst du zwei getrennte Linien statt einer kräftigen Kontur?
- Ursache: Passung verloren (Material hat sich im Rahmen bewegt).
Gerade auf kommerziellem Equipment wie einer tajima Stickmaschine zahlt sich sauberes Pathing aus: stabile Mechanik + klare Konturen = sichtbar professioneller.
Troubleshooting
| Symptom | Wahrscheinliche physische Ursache | Wahrscheinliche Software-Ursache | Lösung |
|---|---|---|---|
| Zufällige Trims/Sprünge | Maschine muss „springen“, weil die Linie unterbrochen ist. | Pfad nicht verbunden: Red Dot verpasst. | Endpunkt mit dem Edit-Tool an den Startpunkt ziehen, bis die Verbindung sauber greift. |
| Wackelige/unsaubere Linien | Material hat minimal nachgegeben. | Freihandlinie war unruhig. | Software: Nodes nachbearbeiten (Edit-Tool) und Kurven glätten. |
| App schließt sofort (iPad Companion) | Hintergrund-Apps/Instabilität auf dem Tablet. | App-/Speicherproblem. | Tablet neu starten und nur die App öffnen. Beachte: Ken zeigt den Hauptworkflow am PC; das iPad ist als Companion gedacht. |
Hinweis zur Frage „Wo finde ich die Vorlage/Art aus dem Video?“
Im Video wird eine eigene Skizze (aus Procreate) importiert. Wenn du nach genau dieser Vorlage suchst, ist der praktikable Weg: eine eigene Skizze erstellen und denselben Workflow nachbauen.
Ergebnis
Wenn du Kens „Red Dot“-Verbindung und den Doppelgang konsequent umsetzt, bekommst du ein Redwork-Ergebnis, das:
- Effizient ist (wenige bis keine Trims).
- Sichtbar ist (kräftige Kontur ohne unnötige Dichte).
- Sauber ist (kaum manuelles Nachschneiden von Sprungfäden).
Von Hobby zu Produktion: Einmal gut ist schön – 50× reproduzierbar ist Geschäft. Dafür:
- Pathing trainieren: „1, 2“-Rhythmus üben, bis er automatisch läuft.
- Einspannen standardisieren: Gleiche Vlies-Logik, gleiche Rahmenroutine. Magnetrahmen reduzieren eine der größten Variablen in der Maschinenstickerei: Einspannfehler.
