Dichte vs. Unterlage in Wilcom: Push/Pull kontrollieren, Lücken schließen und sauberere Stickmuster erzielen

· EmbroideryHoop
Dieser praxisnahe Wilcom-Workflow zeigt, wie Dichte und Unterlage die Struktur einer Füllfläche verändern, warum Push/Pull entsteht (und warum „Pull“-Lücken meist das größere Problem sind) und wie du Gapping und Spillage mit gezielten Knoten-Edits, Blick auf den Stichwinkel und besseren Ecken-/Startpunkt-Entscheidungen korrigierst – damit dein Stickbild in der Realität dem entspricht, was du am Bildschirm siehst.
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Inhaltsverzeichnis

Der Zusammenhang zwischen Dichte und Unterlage

Wenn eine Füllfläche am Bildschirm perfekt aussieht, aber beim Sticken hässliche Lücken an der Kontur entstehen, ist das kein „Fehler“ von dir – das ist Physik.

Aus der Praxis (und auch im Video sehr deutlich): Dichte und Unterlage „fügen“ nicht einfach nur Stiche hinzu – sie verändern massiv, wie sich der Stoff unter Spannung verhält.

Betrachte den Stoff nicht als starre Leinwand, sondern als flexible Oberfläche. Jeder Stich zieht daran. Ohne tragende Basis (Unterlage) verzieht sich das Material – und die Form „fällt zusammen“.

In diesem Deep Dive – basierend auf einer konkreten Wilcom-Demo – werden vier Varianten eines College-„M“ aufgebaut, um die Variablen sauber zu trennen. Danach wird zweimal gestickt: einmal ohne Unterlage (um die rohe Verformung zu sehen) und einmal mit Tatami + Edge Run (um die Stabilisierung zu beurteilen).

Du lernst:

  • Der „Squeeze“-Effekt: Wie der Dichteabstand (2,0 mm vs. 0,40 mm) den physischen Stress im Material verändert.
  • Das Fundament: Warum Unterlage wie Bewehrung im Beton funktioniert.
  • Der Winkel: Wie der Stichwinkel (hier 15°) sehr konkret vorgibt, wo Lücken auftauchen.
  • Die Profi-Fähigkeit: Wie du Knoten manuell verschiebst, um zu kompensieren – und warum es am Bildschirm „falsch“ aussehen muss, damit es am Shirt „richtig“ wird.
Side-by-side comparison of the 2mm vs 1mm density stitch outs with measurement overlays showing 2.9 inches width.
Comparing low density results

Stickmuster analysieren: Test ohne Unterlage

Um die Kräfte wirklich zu verstehen, wird zuerst das Sicherheitsnetz entfernt. Im Test werden vier Kopien desselben „M“ angelegt und die Dichte (Spacing) bewusst überschrieben:

  • 2,0 mm Dichte (sehr offen, fast wie Heftstiche).
  • 1,0 mm Dichte (mittel/offen).
  • 0,70 mm Dichte (zieht schon deutlich an).
  • 0,40 mm Dichte (Industrie-Standard für Tatami-Füllungen).

Die erste Runde wird ohne Unterlage auf schwarzem Stoff mit kontrastierendem gelbem Garn gestickt.

Was der „ohne Unterlage“-Test beweist (und warum das wichtig ist)

Die Ergebnisse sind im Vergleich extrem eindeutig:

  • Bei 2,0 mm (offen): Es baut sich kaum Spannung auf. Die Füllung „trifft“ die Kontur, weil wenig Zug entsteht.
  • Bei 0,40 mm (dicht): Sehr viele Stiche auf engem Raum erzeugen hohe Spannung. Ohne Unterlage, die den Stoff fixiert, geben die Fasern nach und ziehen nach innen. Ergebnis: deutliche Lücke zwischen Füllung und Rand/Umrandung.

Praxis-Anker für dein Auge und deine Hand:

  • Visuell: Schau dir die 0,40-mm-Probe ohne Unterlage an: Die gelbe Fläche „schrumpft“ von der Kante weg, der schwarze Hintergrund wird sichtbar – das ist Pull.
  • Haptisch: Streiche über die 0,40-mm-Fläche: Sie fühlt sich härter/erhabener an. Die 2,0-mm-Fläche wirkt flacher und weicher. Hohe Dichte baut eine 3D-Struktur auf, die das Material verformt.

Praxis-Hinweis aus den Kommentaren: Tests für Caps

In den Kommentaren kam die Frage, wie man für Caps sinnvoll testet. Der Punkt ist berechtigt: Caps sind gebogen und konstruiert – ein flacher Test auf Baumwollrest unterschätzt die Verformung auf der Kappe.

  • Praxis-Konsequenz: Wenn du für Caps digitalisierst, musst du oft stärker kompensieren. Wenn z. B. 0,2 mm Überlappung auf einem flachen Shirt passt, kann auf einer Kappe mehr nötig sein. Der sichere Weg bleibt: auf möglichst ähnlichem Material/Setup testen.
Close up macro shot of 2mm density stitch showing the zig-zag pattern and how it touches the green outline perfectly.
Analyzing stitch structure

Push- und Pull-Mechanik verstehen

Die Begriffe sind keine „Magie“, sondern reine Stickphysik:

  • Pull (Lücken/Gapping): Fadenspannung wirkt wie ein Zugband. Beim Einstechen/Ausstechen zieht der Faden die Kanten nach innen. Dadurch entstehen Lücken innerhalb deiner Begrenzung.
  • Push (Überstand/Spillage): Wenn du viel Garn in wenig Fläche packst, muss das Material „ausweichen“. Es wird nach außen gedrückt – typischerweise in Richtung der Stichlage. Das erzeugt unruhige Kanten, die außerhalb der Kontur landen.

Warum mehr Dichte Pull verstärken kann (obwohl die Fläche „dichter“ wirkt)

Ein typischer Anfänger-Gedanke: „Wenn Hintergrund durchscheint, erhöhe ich die Dichte.“ Stopp. Mehr Dichte (z. B. von 0,40 mm auf 0,35 mm) verstärkt den „Zuzieh“-Effekt. Du bekommst zwar mehr Abdeckung, aber die Kanten ziehen oft noch stärker nach innen – und die Lücken an der Umrandung werden größer.

Unterlage ist kein „Extra“, sondern Statik

In Runde zwei wird Tatami + Edge Run als Unterlage hinzugefügt. Denk an Unterlage wie an ein Gitter, das den Stoff fixiert, bevor die eigentliche Fläche darüber „gebaut“ wird.

  • Tatami-Unterlage: Eine leichte, flächige Struktur, die den Stoff über die gesamte Fläche stabilisiert.
  • Edge Run: Ein Laufstich entlang der Kante, der die Formkante „verankert“, bevor die Füllung startet.

Mit diesem Fundament bleibt die 0,40-mm-Füllung deutlich stabiler – die Lücke verschwindet oder wird zumindest stark reduziert.

Praxisnotiz zum Einspannen (warum dein Digitalisier-Test sonst lügt)

Du kannst die beste Datei haben – wenn der Stoff im Stickrahmen nicht stabil sitzt, entsteht Flagging (Auf- und Abheben) und damit Verzug.

  • Schnelltest: Tippe auf den eingespannten Stoff. Er sollte sich straff anfühlen. Wenn er sichtbar „wellig“ ist, ist er zu locker.

In der Produktion wechseln viele Betriebe auf Magnetrahmen für Stickmaschine, weil das Anziehen einer Schraube beim Standardrahmen je nach Bediener stark variiert. Magnetrahmen klemmen mit gleichbleibender Kraft und gleichmäßiger Auflage – das bringt Wiederholbarkeit und reduziert Stoffwanderung.

Macro shot of the standard 0.40mm density without underlay showing significant black gap between the yellow fill and border line.
Highlighting the 'Pull' defect

Wie der Stichwinkel Lücken beeinflusst

Eine Frage aus den Kommentaren war sinngemäß: „Warum nicht einfach den Stichwinkel der Füllung ändern?“ Die Antwort (auch vom Host): Push/Pull folgt dem eingestellten Winkel.

In der Demo liegt der Stichwinkel bei 15°.

  • Pull zeigt sich typischerweise seitlich zur Stichlage (die Kanten ziehen nach innen).
  • Push zeigt sich in Richtung der Stichlage (Überstand an den „Enden“ der Stichrichtung).

Was du daraus machst (ohne Settings zu erfinden)

Nicht raten – nach einem klaren Ablauf vorgehen:

  1. Test sticken.
  2. Lücke lokalisieren (z. B. oben rechts).
  3. Stichwinkel prüfen: Bei diagonaler Stichlage liegen die Lücken oft an den Seiten dieser Diagonale.
  4. Lokal kompensieren. Den Winkel nur zu ändern, verschiebt das Problem häufig nur. Knoten gezielt zu korrigieren (siehe unten) ist präziser.

Achtung: „Abdeckung“ ist nicht automatisch „Qualität“

Im Video wird betont, dass 0,40 mm ein gängiger Standard für Tatami-Füllungen ist.

  • 0,70 mm lässt Hintergrund durchscheinen („Fliegengitter“-Effekt).
  • Sehr dichte Werte können zu steifen Flächen und höherem Risiko für Probleme führen.

Praxisbereich aus der Demo: Für Standardmaterialien sind 0,38 mm – 0,42 mm ein sinnvoller Korridor.

Manuelle Kompensation: Knoten in Wilcom bearbeiten

Hier passiert der Sprung von „okay“ zu „kontrolliert“. Globale Pull-Compensation kann helfen – gezielte Knotenbearbeitung ist aber die präzise Methode.

Schritt-für-Schritt: gezielte Knoten-Edits gegen Pull (Gapping)

  1. Sticken & markieren: Test sticken. Die Lücke am Muster physisch markieren.
  2. Objekt wählen & Reshape: In Wilcom Objekt auswählen und H (Reshape Tool) drücken.
  3. Knoten selektieren: Rahmen ziehen oder mit Ctrl die Knoten entlang der betroffenen Kante auswählen.
  4. Der kontraintuitive Schritt: Knoten mit den Pfeiltasten nach außen (über die Begrenzung) schieben.
    • Wie viel? In der Demo ist ein Startwert um 0,17 mm bis 0,20 mm naheliegend.
    • Bildschirm-Check: Es sieht „falsch“ aus – in der Realität zieht Pull die Fläche wieder in die richtige Position.
Software view showing the red fill area being extended past the blue design boundary using node editing.
Manually compensating for pull

Wenn du keinen Test sticken kannst (Kommentar-Realität)

Ideal ist immer ein Musterlauf. In der Praxis geht das nicht immer (z. B. bei hohem Durchsatz). Pragmatisches Vorgehen ohne Musterlauf:

  1. Tatami + Edge Run direkt einsetzen – das ist deine Absicherung.
  2. Globale Pull Compensation als Basis verwenden (im Video ist 0,17 mm als Standard genannt; je nach Fall kann mehr nötig sein).
  3. Maschine sauber einstellen (Fadenspannung/Einzug), damit du nicht „Settings“ gegen ein mechanisches Problem kompensierst.

Travel-Runs aufräumen: Trapunto für eine saubere Vorschau

Der Host zeigt den Trapunto-Effekt in Wilcom: Travel-Runs (Verbindungswege) werden an die Kanten gedrückt, statt quer durch die Fläche zu laufen.

  • Warum relevant? Auf dünnen, hellen Stoffen können dunkle Travel-Runs als Schatten durchscheinen. An der Kante verschwinden sie eher unter der Umrandung.

Warnung: Nadelsicherheit. Wenn du am angehaltenen Rahmen Fäden kontrollierst oder schneidest: Hände aus dem Bereich um Nadelstange und Nähfuß halten. Ein unbeabsichtigter Start kann die Nadel sofort absenken.

Ecken und Startpunkte optimieren

Ecken sind Stresszonen: Hier sammelt sich Dichte, und Push-Verzug wird sichtbar.

Schritt-für-Schritt: Eck-Optimierung wie im Video gezeigt

  1. Problemstelle finden: Scharfe Ecke mit sichtbarem „Bauch“/Überstand.
  2. Spitze entschärfen: Den äußersten Eck-Knoten löschen und eine kleine flache Kante erzeugen.
  3. Am Winkel ausrichten: Die Form so glätten, dass sie zur 15°-Stichlage passt.
  4. Startpunkt verlegen: Nicht in einer scharfen Ecke starten. Im Video wird dafür ein manueller Run-Stich gesetzt, um den Einstich-/Tie-in-Punkt aus der Ecke herauszuziehen.
Visualizing the manual run stitch path created to move the tie-in point away from the corner.
Optimizing stitch start points

Kommentar-Ergänzung: Nähfußhöhe und Flagging

In den Kommentaren wurde Flagging im Zusammenhang mit Nähfußhöhe erklärt: Wenn der Nähfuß zu hoch steht, kann der Stoff beim Sticken mit der Nadel „mitfedern“.

  • Beobachtungs-Check: Während die Maschine läuft: Der Stoff sollte ruhig liegen. Wenn er sichtbar hochspringt, Nähfußhöhe so einstellen, dass der Fuß knapp über dem Stoff „schwebt“.

Produktionsnotiz zum Einspannen (Effizienz + Wiederholbarkeit)

In Betrieben ist „Zeit fürs Einspannen“ direkt Geld. Vor allem aber: Inkonstantes Einspannen erzeugt inkonstante Push/Pull-Ergebnisse. Eine Einspannstation für Stickmaschinen hilft, Position und Spannung reproduzierbar zu halten – damit deine Knoten-Edits aus dem Test auch in Serie funktionieren.

Warnung: Magnet-Sicherheit. Magnetrahmen sind sehr stark. Abstand zu Herzschrittmachern halten. Finger nicht zwischen die Magnetflächen bringen – Quetschgefahr.

Vorbereitung

Bevor du in die Software gehst, muss die physische Basis stimmen. Digitalisieren kann schlechte Physik nicht „wegzaubern“.

Versteckte Verbrauchsmaterialien & Checks (nicht überspringen)

  • Kleber: Temporärer Sprühkleber kann helfen, wenn du Vlies „floatest“.
  • Vlieswahl:
    • Gewebe/stabil: Tearaway ist oft ausreichend.
    • Maschenware/Stretch: Cutaway ist Pflicht.
  • Nadelzustand: Eine beschädigte/abgenutzte Nadel verschärft Probleme. Regelmäßig wechseln.

Wenn du bei empfindlichen Polos Rahmenspuren vermeiden willst, kann Magnetrahmen für Stickmaschine helfen: gleichmäßige Klemmung ohne „Verdreh-Reibung“ wie beim Schraubrahmen.

Checkliste Vorbereitung

  • Stoff prüfen: Stretch? (Wenn ja -> Cutaway).
  • Vlies: Sitzt das Vlies stabil und ohne Falten?
  • Fadenlauf: Ist der Fadenweg korrekt eingefädelt (Tensions-Check)?
  • Nadel: Spitze in Ordnung?
  • Stickrahmen: Stoff straff, aber nicht überdehnt eingespannt?

Setup

Konstanz ist der Schlüssel. Im Video ist das Setup bewusst kontrolliert, um Variablen zu isolieren.

Software-Setup (wie gezeigt)

  • Vier Kopien: 2,0 mm, 1,0 mm, 0,70 mm, 0,40 mm.
  • Stichwinkel: 15 Grad.
  • Unterlage: Tatami + Edge Run (für Runde 2).

Maschinen-/Einspann-Setup (praktische Leitplanken)

Gerade am Anfang ist Einspannen oft die größte Fehlerquelle. Wenn Logos schief landen oder Stoff wellt, ist nicht zwingend die Datei schuld. Eine Einspannstation für Maschinenstickerei unterstützt dich dabei, Platzierung und Einspannspannung zu standardisieren.

Entscheidungsbaum: Stabilisierung & Tools wählen

  1. Mengen-Check:
    • Hobby (1–5/Woche): Standardrahmen + manuelles Markieren.
    • Produktion (50+/Woche): Ein System für reproduzierbares Einspannen für Stickmaschine spart Zeit und schont Hände.
  2. Stoff vs. Vlies:
    • T-Shirt / Polo: Cutaway.
    • Hemden / Denim: Tearaway.
    • Fleece: Cutaway + Topper (damit Stiche nicht einsinken).
  3. Rahmentyp:
    • Flachware: Standard oder Magnetrahmen.
    • Caps: Spezieller Treiber/Kappenrahmen wie Kappenrahmen für Stickmaschine – eine Kappe „flach“ im Rahmen zu floaten scheitert meist an der Passung.

Ablauf

Nutze diesen Ablaufplan, um die Lektion reproduzierbar nachzustellen.

Schritt-für-Schritt-Workflow (mit Checkpoints)

Schritt 1 — Dichte-Leiter aufbauen

  • Objekt duplizieren.
  • Dichten setzen: 2,0 (offen) bis 0,40 (Standard).

Checkpoint: Stark hineinzoomen – die Stichlinien müssen sichtbar enger werden.

Schritt 2 — Runde 1: „Nackt“ sticken

  • Mit KEINER Unterlage sticken.
  • Praxis-Check: Bei 0,40 mm wirkt der Lauf oft „härter“/widerständiger.

Ergebnis: Pull-Lücken werden deutlich sichtbar.

Schritt 3 — Runde 2: Struktur hinzufügen

  • Tatami + Edge Run aktivieren.
  • Erneut sticken.

Checkpoint: Kanten prüfen – die Lücke sollte weg oder deutlich kleiner sein.

Schritt 4 — Analyse (Stoppen und wirklich hinschauen)

  • Pull identifizieren (Lücken nach innen).
  • Push identifizieren (Überstand, besonders an Ecken).
  • Stichwinkel (15°) als Ursache-Richtung mitdenken.

Schritt 5 — Korrektur (Knoten bearbeiten)

  • Objekt wählen, H drücken.
  • Knoten an der Lückenkante selektieren.
  • Mit Pfeiltasten über die Linie hinaus schieben.

Erfolgsmaßstab: Am Bildschirm „unsauber“, im nächsten Sticklauf deutlich sauberer.

Schritt 6 — Ecken bereinigen

  • Spitzen entschärfen.
  • Start/Stop aus der Ecke heraus verlegen.

Checkliste Ablauf

  • Kontrolle: Vor dem Lauf prüfen, dass die Nadel nicht am Rahmen anschlägt.
  • Unterlage: Tatami + Edge Run bei Füllungen konsequent nutzen.
  • Beobachtung: Physisches Muster markieren, um Änderungen nachvollziehen zu können.

Troubleshooting

Wenn etwas schiefgeht, gilt: Erst Physik, dann Settings.

1) Symptom: Lücken (Pull) trotz Unterlage

  • Physischer Check: Sitzt der Stickrahmen stabil? Ist das Vlies zu schwach?
  • Software-Fix: Knoten lokal weiter nach außen schieben (schrittweise).
  • Tool-Upgrade: Wenn Schlupf wiederholt auftritt, kann eine Magnetische Einspannstation die Klemmung reproduzierbarer machen.

2) Symptom: Überstand (Push) an Ecken

  • Ursache: Dichte sammelt sich in einer zu spitzen Ecke.
Korrektur
Eck-Knoten löschen/Spitze abflachen. Dichte minimal reduzieren (z. B. 0,40 mm -> 0,42 mm).

3) Symptom: „Fliegengitter“-Effekt (Hintergrund scheint durch)

  • Ursache: Dichte zu offen (z. B. 0,70 mm).
Korrektur
Richtung 0,38 mm – 0,40 mm gehen; Kontrast von Garn zu Stoff berücksichtigen.

4) Symptom: „Bird’s Nest“ (Fadenknäuel unten)

  • Ursache: Start in einer scharfen Ecke oder Probleme im Fadenlauf.
Korrektur
Startpunkt in eine breitere Zone verlegen (Run-Stich). Einfädelung prüfen.

5) Symptom: Cap-Stickerei schief oder verzogen

  • Ursache: Gebogene Oberfläche + Bewegung/Flagging.
Korrektur
Auf cap-ähnlichem Material testen und Setup konsequent auf Kappenrahmen auslegen.

Ergebnis

Wenn du den Zusammenhang aus Dichte und Unterlage wirklich beherrschst, hörst du auf zu raten – und fängst an, gezielt zu konstruieren.

  • Dichte erzeugt Spannung (die Ursache).
  • Unterlage liefert Struktur (die Stabilisierung).
  • Manuelle Kompensation bringt den Feinschliff.

Und: Die beste Datei hilft nur begrenzt, wenn Maschine, Einspannen und Stabilisierung nicht konstant sind. Je reproduzierbarer dein Setup, desto zuverlässiger greifen deine Wilcom-Korrekturen.