Inhaltsverzeichnis
Einstieg in Embrilliance Merrowly
Wenn du schon einmal versucht hast, ein Patch „professionell“ nur mit Standard-Satinstichen zu bauen, kennst du die typischen Frustpunkte: Kanten fransen, die Abdeckung wirkt dünn und das Ergebnis sieht schnell nach „selbstgemacht“ statt nach „Shop-Qualität“ aus. Das Merrowly-Modul in Embrilliance ist die Software-Antwort auf genau dieses Problem: Es simuliert die klassische „Merrow“-Overlock-Optik, wie man sie von Abzeichen (z. B. Scouts) oder taktischem Gear kennt – ohne dass du eine teure Industrie-Overlock brauchst.
Im Referenzvideo zeigt Maryrose, wie sie ein Patch von Grund auf erstellt, es für zwei sehr unterschiedliche Maschinen exportiert – eine Einnadel Brother PE800 und eine Mehrnadelstickmaschine Janome MB-4 – und anschließend die Stick-Ergebnisse miteinander vergleicht.
Wichtig: Software ist nur ein Teil der Gleichung. In der Praxis kann ein perfektes Design trotzdem scheitern, wenn Einspannen, Stickvlies und Nadel nicht zusammenpassen. Diese Anleitung schließt die Lücke zwischen „Buttons klicken“ und „produktionssicher arbeiten“ – mit den Kontrollpunkten, die in Werkstätten und Kleinserien-Alltag wirklich zählen.

Was du lernst (und was typischerweise schiefgeht)
Wir gehen bewusst über die Basics hinaus und bauen einen Workflow, der sich wiederholen lässt. Du lernst:
- Utility-Menü sicher finden: Wo die Patch-Funktionen in Embrilliance tatsächlich sitzen.
- Stich-Physik verstehen: Wie sich Faux-Merrow-Kanten beim Skalieren und bei hoher Dichte verhalten.
- Rahmen-Grenzen beherrschen: Skalieren für 4x4, ohne die Stichqualität zu ruinieren.
- Schrift-Logik: Merrowly-Schriften nutzen, die für Patchflächen und kräftige Ränder gedacht sind.
- Export ohne Überraschungen: Saubere PES- (Brother) und JEF-Dateien (Janome) erzeugen.
- Stichbild „lesen“: Schlaufenbildung/Tension-Probleme erkennen – inkl. Hinweis auf Kleberückstände.
Außerdem räumen wir mit typischen Praxis-Fallen auf:
- „Skalierungs-Falle“: „Warum trennt sich die Wrap-Füllung, wenn ich größer skaliere?“ (Stich-Neuberechnung/Abstandslogik).
- „Modul-Verwirrung“: „Brauche ich StitchArtist?“ (Für Merrowly nicht zwingend – kann aber erweitern).
- „Anwendungs-Lücke“: „Kann ich das Patch damit auch direkt aufnähen?“ (Nein – das ist die Datei zum Herstellen des Patches, nicht zum Befestigen).

Merrowly verstehen (was es ist – und was nicht)
Merrowly ist ein spezialisiertes „Style & Font“-Paket als Modul innerhalb der Embrilliance-Plattform. Es automatisiert vor allem den Patch-Rahmen bzw. die Patch-Kante.
Profi-Tipp (Modul-Hierarchie): Maryrose erwähnt, dass sie StitchArtist und Essentials bereits hatte. Stell dir StitchArtist als „Digitalisierstift“ vor (eigene Formen/Objekte erstellen) und Merrowly als „Smart-Stempel“ (vordefinierte Patchkanten schnell erzeugen). Du brauchst StitchArtist nicht, um Merrowly zu nutzen – aber es hilft, wenn du bewusst von Standardformen abweichen willst.
Praxis-Klarstellung: Eine häufige Frage ist, ob man mit dem Programm das Patch „auf ein Shirt nähen“ kann. Das ist ein anderer Arbeitsschritt. Die Datei hier ist für ein freistehendes Patch (auf geeignetem Material/Stickvlies). Das spätere Befestigen passiert separat – z. B. per Nähmaschine, per Transfer/Pressen oder mit einer eigenen Applikations-/Befestigungsdatei.
Utility-Menü öffnen (hier „wohnen“ die Patch-Tools)
Maryrose geht in das Utility-Menü – das ist dein Startpunkt.

Dein individuelles Patch designen
Das ist das Fundament. Wenn die Konstruktion (Dichte, Größe, Ecken) nicht stimmt, kann auch das beste Stickvlies den Probestick nicht „retten“.
Patchkante hinzufügen
Der Ablauf ist geradlinig:
- Start: Embrilliance öffnen.
- Finden: Oben Utility auswählen.
- Ausführen: Add Patch Edge anklicken.
- Form wählen: Grundform auswählen (Circle, Shield, Rectangle usw.).


Formen anpassen: Kreis vs. Rechteck (und warum das in der Maschine zählt)
Maryrose zeigt, wie schnell man Formen tauschen kann. Im Programm ist das ein Klick – an der Maschine ändert sich damit aber die Belastung im Stickprozess.


Praxis-Hinweis (Ecken & Dynamik): Ein Kreis ist für viele Maschinen die „sicherste“ Form, weil die Bewegung gleichmäßig bleibt. Ein Rechteck zwingt die Maschine, an den Ecken stark abzubremsen, zu drehen und wieder zu beschleunigen.
- Risiko: Dichte Patchränder bauen an 90°-Ecken besonders viel Fadenmasse/Hitze auf.
- Konsequenz: Wenn das Material nicht stabil liegt, kann es zu „Flagging“ (Aufschwingen) kommen – das erhöht das Risiko für Fadenrisse und Nadelstress.
Skalieren für deinen 4x4-Stickrahmen (der nicht verhandelbare Kontrollpunkt)
Maryrose skaliert das Design so, dass es in den 4x4-Rahmen passt.

Sicht-Check am Bildschirm: Das Motiv sollte nicht nur „gerade so“ in der Rahmenbegrenzung liegen. Plane bewusst Luft zur Begrenzung ein, damit du in der Praxis nicht an die physische Rahmenkante gerätst.
Wrap-Fill-Thema beim Vergrößern: In den Kommentaren wird erwähnt, dass die Wrap-Füllung beim Vergrößern „auseinanderläuft“.
- Warum: Patchkanten sind oft sehr stichdefiniert. Bei deutlicher Skalierung versucht die Software, Stichabstände neu zu verteilen.
- Praxis-Ansatz: Wenn du merkst, dass die Optik auseinanderzieht, skaliere vorsichtig und prüfe die Kante in der Vorschau – statt „einfach großziehen“.
Warnung: Mechanische Belastung
Dichte Faux-Merrow-Kanten belasten Nadel und Fadenführung stark. Wenn du ungewöhnliche Geräusche oder starke Vibrationen bemerkst, stoppe und prüfe zuerst Einspannen, Nadel und Fadenlauf.
Text & Schriften
Text auf Patches ist gnadenlos: Auf glatten Patchstoffen sieht man Sprungstiche, Schieflage und schlechte Dichte sofort.
Merrowly-Schriften auswählen
Maryrose wählt Schriften, die als „Merrowly“ gekennzeichnet sind.

Warum Merrowly-Schriften? Sie sind für diesen Einsatzzweck gedacht und sollen auf Patchmaterial besser „stehen“, statt im Material zu versinken.
Praxisregel: Achte darauf, dass die Schrift im Verhältnis zur Patchgröße gut lesbar bleibt – gerade wenn der Rand sehr dominant/dicht ist.
Platzierung & Zentrierung
Maryrose zentriert den Text. In der Praxis hängt „zentriert“ aber auch davon ab, wie gerade du einspannst.

Die Einspann-Variable: Selbst perfekte Zentrierung in der Software wirkt schief, wenn das Material im Stickrahmen leicht verdreht sitzt.
- Schnellcheck: Vergleiche den Abstand Text→Rand oben/rechts/unten/links.
- Workflow-Upgrade: Wenn du häufig mit vorgeschnittenen Rohlingen arbeitest, hilft eine Einspannstation für Maschinenstickerei dabei, reproduzierbar gerade einzuspannen – statt „Pi mal Daumen“.
Design für die Produktion speichern
Saubere Dateiverwaltung spart Ausschuss. Ein falsches Format kann im schlimmsten Fall dazu führen, dass die Maschine die Datei nicht korrekt liest.
PES für Brother exportieren
Für die PE800 speichert Maryrose als .PES.

Mini-Checkliste:
- File > Save As
- Format: .PES
- Dateiname so wählen, dass Format/Maschine erkennbar bleibt.
JEF für Janome exportieren
Für die Janome MB-4 speichert sie als .JEF.

Praxis-Hinweis: Unterschiedliche Formate können sich in Zentrierung/Koordinaten unterscheiden. Öffne die exportierte Datei im Zweifel noch einmal in der Software und prüfe die Position, bevor du Material „opferst“.
Probestick & Troubleshooting
Jetzt zählt das Stichbild. Maryrose stickt dasselbe Motiv auf zwei Maschinen – einmal sauber, einmal mit Problemen. Genau so sieht Realität aus.
Project Advisor für Empfehlungen nutzen
Maryrose zeigt den Project Advisor – als Orientierungshilfe für Nadel, Material und Faden.

Praxis-Logik für Material & Stickvlies (kurz und umsetzbar):
- Wenn dein Patchmaterial beim Rand „arbeitet“ oder sich wölbt, brauchst du mehr Stabilität.
- Je dichter der Rand, desto wichtiger ist ein stabiler Unterbau.
Schlaufenbildung/Tension-Probleme (MB-4 im Video)
Beim Janome MB-4-Probestick sieht man deutlich Schlaufenbildung, während das Ergebnis auf der Brother PE800 sauber wirkt.


Sichtdiagnose:
- Schlaufen/lockere Fäden deuten häufig auf ein Problem im Fadenlauf oder eine nicht passende Spannung hin.
„Unsichtbarer“ Auslöser: Sprühkleber-Rückstände In den Kommentaren ergänzt Maryrose, dass es bei ihr „verklebte“ Rückstände vom Sprühkleber waren.
- Warum das relevant ist: Kleber kann Fadenlauf und Reibung ungleichmäßig machen – das wirkt wie ein Tensionsproblem.
- Praxis-Reihenfolge: Erst reinigen/prüfen (Nadelbereich/Fadenlauf), dann an Spannungseinstellungen drehen.
Checkliste 1: Vor dem Start (Pre-Flight)
* Nadel: frisch und passend zum Material.
* Unterfadenbereich: frei von Flusen.
* Fadenlauf: sauber eingefädelt, Faden sitzt korrekt.
* Hilfsmittel: Schere/Clipper und Testmaterial griffbereit.
Maschinen-Kompatibilität
Der Vergleich Einnadel (PE800) vs. Mehrnadelstickmaschine (MB-4) zeigt eine wichtige Produktionslektion: Mehr Nadeln bedeuten nicht automatisch „weniger Aufwand“. Der Fadenweg ist oft komplexer und reagiert empfindlicher.
Einnadel vs. Mehrnadel – was du einplanen solltest
Die Brother PE800 (Einnadel) ist im Handling oft unkomplizierter. Die MB-4 (Mehrnadelstickmaschine) hat einen längeren/komplexeren Fadenweg – kleine Einfädel- oder Reibungsprobleme fallen stärker ins Gewicht.
Rahmenspuren als Praxis-Thema: Beim Patch-Sticken mit klassischen Kunststoffrahmen können Rahmenspuren entstehen – helle Druck-/Reibemarkierungen, besonders auf dunklem Twill.
Effizienz-Upgrade (weniger Nacharbeit durch besseres Einspannen)
Wenn die Frustration steigt (Patch verrutscht, Rahmenspuren, ungleichmäßiger Rand), ist in vielen Workflows der nächste Schritt: magnetisches Einspannen.
Warum das hilft:
- Schneller: weniger Schrauben/Justieren.
- Materialschonender: weniger „Quetschen“ → weniger Rahmenspuren.
- Ausgleich bei Dicke: unterschiedliche Materialstärken lassen sich leichter handhaben.
Optionen:
- Einstieg: Ein Magnetrahmen für brother pe800 bringt das Prinzip auf eine Haushaltsmaschine.
- Systemgedanke: Magnetrahmen für brother kann im Workflow helfen, wenn du innerhalb eines kompatiblen Setups standardisieren willst.
- Allgemein: Ein Magnet-Stickrahmen ist für viele Patch-Workflows ein spürbarer Schritt Richtung reproduzierbarer Qualität.
Warnung: Magnet-Sicherheit
Magnetrahmen arbeiten mit starken Neodym-Magneten.
* Quetschgefahr: Finger aus dem Schließbereich halten.
* Medizinische Geräte: Abstand zu Herzschrittmachern/ICDs einhalten.
* Elektronik/Karten: Nicht direkt auf Magnetflächen ablegen.
Checkliste 2: Setup an der Maschine
* Einspann-Check: Sitzt das Material glatt und stabil im Stickrahmen?
* Freigängigkeit: Kann der Rahmen frei laufen (keine Kollision mit Tisch/Wand)?
* Trace/Umrandung: Position prüfen, bevor du startest.
Ergebnisbild (woran du ein gutes Patch erkennst)
Ein gelungenes Merrowly-Patch erkennt man typischerweise an:
- Optik: Der Rand deckt die Kante sauber ab und wirkt gleichmäßig.
- Haptik: Stabil, ohne „hart wie Brett“ zu sein.
- Stabilität: Die Kante lässt sich nicht einfach auseinanderziehen.
Maryrose’ Vergleich zeigt: Die Software liefert die Konstruktion – die Maschine und dein Setup entscheiden über das Ergebnis. Auf der PE800 wirkt das Patch sauber, auf der MB-4 war Nacharbeit/Fehlersuche nötig.
Finaler Workflow-Hebel: Wenn du die Software-Schritte beherrschst, ist dein größter Qualitätsfaktor das Einspannen. Wer Magnetrahmen Anleitung sauber in den Ablauf integriert (Material stabilisieren, Position prüfen, Stichstart beobachten), macht aus Patch-Sticken einen wiederholbaren Prozess.
Checkliste 3: Während des Stickens
* Zuhören: Ungewöhnliche Geräusche früh ernst nehmen.
* Beobachten: Gerade die ersten Randstiche sind entscheidend.
* Prüfen: Text-Lesbarkeit kontrollieren, bevor du ausspannst.
