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Warum jeder Digitalisierer einen Dichte-Sampler braucht
Wenn du schon einmal eine Füllfläche am Bildschirm angesehen und gedacht hast: „Wird das später wie ein sattes Teppichfeld aussehen – oder wie ein steifes, kugelsicheres Patch?“, dann bist du nicht allein. Das ist eine der häufigsten Unsicherheiten beim Digitalisieren. Der Bildschirm kann täuschen; am Ende entscheidet nur der Faden.
Ein Dichte-Sampler ist dein „Übersetzer“ zwischen Software und Realität. In diesem Workflow erstellst du nicht einfach nur eine Datei, sondern baust dir eine physische Referenz, auf die du später immer wieder zurückgreifen kannst. Du erstellst ein Muster, das mehrere Tatami-Füllmuster direkt neben mehreren Dichtewerten vergleicht.
Warum ist das wichtig? Ein Sampler macht aus Vermutungen („Ich glaube, 0,4 mm passt“) belastbare Erfahrung („Ich weiß, wie 0,4 mm auf genau diesem Material wirkt“).
Die Realität in der Produktion: Wenn du für Kunden digitalisierst oder in der Fertigung arbeitest, ist „Raten“ teuer. Ein misslungener Testlauf kostet Vlies, Garn, Stoff und schnell 20 Minuten Maschinenzeit. Wenn du auf einer Mehrnadelstickmaschine wiederholt testest, kann die Kombination aus Stichprobe und Magnetrahmen für Stickmaschine die Einspannzeit deutlich reduzieren – und hilft, Rahmenspuren/Rahmenabdrücke auf teuren Testteilen zu vermeiden.

Schritt 1: Raster in Design Doodler einrichten
Ein sauberer Sampler beginnt mit einer berechenbaren Arbeitsfläche. Ziel ist: weniger visuelles „Rauschen“ und dafür reproduzierbare Maße. Lindas Ansatz ist konsequent: Das Raster wird so eingestellt, dass jedes Quadrat exakt definiert ist – und du das Ergebnis später am Stoff sogar mit dem Lineal nachvollziehen kannst.
Was du baust (das mentale Modell)
- X-Achse (Spalten): Dichte-Verlauf (leicht/offen → dicht/geschlossen).
- Y-Achse (Zeilen): Textur-Verlauf (Pattern 1, 2, 3, Smooth).
- Ziel: Eine Matrix aus 20 klar unterscheidbaren „Datenpunkten“, die auf ein Stück Stoff gestickt werden.
Schritt-für-Schritt: Raster auf 1 inch x 1 inch setzen
- Öffne das Drei-Punkte-Menü oben.
- Wähle Settings.
- Stelle die Einheiten auf Imperial (Zoll – passend zur Rasterlogik im Video).
- Unter den Raster-Einstellungen trägst du bei Höhe und Breite jeweils 1 ein.
- Schließe die Einstellungen.
Checkpoint: Der Hintergrund wechselt auf große, klar erkennbare 1-inch-Quadrate.
Praxis-Check: Du solltest nicht mehr auf winzige Kästchen „starren“ müssen – das Raster wirkt offen und gut lesbar.

Warnung: Maschinensicherheit. Bei wiederholten Testläufen kommt schnell Routine (und Müdigkeit) ins Spiel. Finger weg von Nadelstange und Fadenhebel. Springstiche niemals im Lauf trimmen – Maschine anhalten/pausieren. Ein Nadelkontakt bei hoher Geschwindigkeit ist ein Risiko, das du nicht eingehen willst.
Schritt 2: Testquadrate erstellen und sauber ausrichten
Vergleiche funktionieren nur mit Konstanten. Hier ist die „Konstante“: identische Quadratgröße und gleichmäßiger Abstand. Wenn Quadrate unterschiedlich groß sind, wird der Dichtevergleich unzuverlässig.
Schritt-für-Schritt: Master-Quadrat zeichnen
- Wähle das Brush-Werkzeug.
- Schalte unten das Fill-Werkzeug auf „On“.
- Wähle als Form Square.
- Nimm eine kontrastreiche Farbe (Linda nutzt Hot Pink, weil man Lücken auf hellem Stoff sehr gut sieht).
- Klicke und ziehe diagonal, bis ein Quadrat entsteht, das ein Rasterfeld gut ausfüllt.
Checkpoint: Ein einzelnes, gefülltes pinkes Quadrat liegt auf der Arbeitsfläche – dein „Master“.

Schritt-für-Schritt: In eine Reihe duplizieren
- Markiere das Master-Quadrat.
- Tippe Copy, dann Paste.
- Ziehe die Kopie nach rechts.
- Wiederhole das, bis du fünf Quadrate in einer horizontalen Reihe hast.
Erfahrungsnotiz: Lass mindestens 0,5" bis 1,0" Luft zwischen den Quadraten. Sind sie zu dicht, kann sich die Verzug-/Push-Pull-Wirkung eines Feldes auf das nächste übertragen – und dein Vergleich wird „verfälscht“.
Schritt-für-Schritt: Ausrichten und verteilen
- Nutze Select All (Rahmen um alle fünf Quadrate ziehen).
- Öffne das Align-Tool und wähle Align Bottom.
- Wähle Distribute Horizontally Center.
Checkpoint: Die Quadrate stehen wie auf einer Linie – gerade und gleichmäßig verteilt.
Erfolgsmaß: Optische Symmetrie. Wenn jetzt schon etwas „schief“ wirkt, korrigiere es sofort – sonst passen später die Beschriftungen nicht.


Pro-Tipp für kleine Rahmen (4x4): Wenn du auf 4x4 begrenzt bist, verkleinere nicht einfach die Quadrate – das verändert das Stichverhalten und damit die Aussagekraft. In den Kommentaren wurde genau das Thema angesprochen („passt nicht in 4x4“). Der praktikable Weg ist: Spalten reduzieren (z. B. die letzte Dichte-Spalte entfernen) und/oder Beschriftung weglassen, dann erst passend skalieren.
Schritt 3: Dichte und Füllmuster gezielt variieren
Das ist der Kern: Wir nehmen bewusst „Automatik“ raus, damit du das Rohverhalten der Füllstiche siehst.
Schritt-für-Schritt: Unterlage entfernen, um die Füllung „nackt“ zu sehen
- Öffne den Properties Docker.
- Suche die Einstellung für Traveling Route bzw. Unterlage.
- Stelle auf Edge um (damit keine Unterlagestiche sichtbar/aktiv sind).
Warum? Unterlage ist in der Produktion oft entscheidend – aber im Sampler würde sie das Ergebnis verfälschen. Du willst die Deckwirkung der Füllstiche selbst beurteilen, nicht die Kombination aus Unterlage + Deckstich.

Schritt-für-Schritt: Dichte-Verlauf einstellen
Markiere jedes Quadrat einzeln und trage diese Werte ein. Hinweis: In vielen Stick-Workflows bedeutet „Dichte“ hier den Abstand der Stichreihen in mm: kleiner Wert = dichter/mehr Deckung; größer Wert = offener/leichter.
- Quadrat 1: 0,4 mm (Standard-Deckung).
- Quadrat 2: 0,6 mm (leichter).
- Quadrat 3: 0,8 mm (leicht – Struktur kann durchscheinen).
- Quadrat 4: 1,2 mm (offen – im Video als praktisch für Mylar erwähnt).
- Quadrat 5: 1,6 mm (sehr offen – eher Effekt/Referenz).
Checkpoint: Am Bildschirm wirkt 0,4 mm deutlich „voll“, 1,6 mm sehr luftig.

Schritt-für-Schritt: Zeilen duplizieren und Füllmuster vergleichen
- Markiere die komplette oberste Reihe (alle 5 Quadrate).
- Copy und Paste.
- Ziehe die neue Reihe direkt unter die erste.
- Stelle für die neue Reihe das Fill Pattern auf Pattern 2.
- Wiederhole das für Pattern 3 und Smooth.
Linda ordnet diese als Tatami-Muster ein. Tatami ist in der Praxis das Arbeitspferd für Flächen: stabil, gut verankert, mit klarer Textur.
Wichtig zur Begrifflichkeit: „Smooth“ klingt im Deutschen schnell nach Satin – im Video wird aber ausdrücklich gesagt, dass hier Tatami/Füllmuster gemeint sind und keine Satin-Stiche für diese breiten Quadrate verwendet werden sollen.



Warnung: Satin auf breiten Flächen vermeiden. Für 1-inch-Quadrate sind klassische Satin-Stiche ungeeignet: zu lange Spannfäden, hohe Hängenbleib-Gefahr und unsaubere Optik. Bleib bei Tatami/Füllstich-Varianten.
Die Logik aus der Produktion
Warum ist das für Profis so wichtig? Weil Zeit Geld ist. Wenn du im Shop arbeitest, kannst du nicht jedes Logo erst auf dem finalen Kleidungsstück „probieren“.
- Hobby: Einstellungen raten, hoffen.
- Pro: Sampler konsultieren und wissen, wie „Pattern 3 bei 0,6 mm“ auf dem eigenen Material wirkt.
Wenn du viel testest, spielt auch das Handling eine Rolle: Standardrahmen mit Schraube kosten Zeit und können Rahmenspuren verursachen. Eine Einspannstation für Stickmaschinen hilft, Teststücke wiederholbar gerade auszurichten – und ein Magnetrahmen reduziert die körperliche Belastung beim häufigen Einspannen.
Empfohlene Dichte-Startpunkte je Material (aus dem Sampler ableiten)
Im Video wird eine Spanne von 0,4 mm bis 1,6 mm gezeigt. Die Zahlen sind aber erst mit Kontext wirklich nützlich. Nutze den Sampler als Ausgangspunkt und entscheide dann materialgerecht.
Entscheidungslogik: Material → Startwert
1. Wie stabil ist das Material?
- Stabile Webware (z. B. Twill/Canvas):
- Start: eher Richtung 0,4 mm.
- Dehnbare Maschenware (z. B. Shirts):
- Start: eher Richtung 0,6 mm, um Steifigkeit zu reduzieren.
2. Hat das Material Flor/Volumen (Hoodies, Fleece)? In den Kommentaren kam die Frage nach Hoodies („Welche Tatami-Dichte auf Hoodies?“). Der Sampler hilft dir, die Balance zu finden: Zu dicht wirkt schnell hart, zu offen lässt Flor durchkommen.
- Praxisansatz: Mit dem Sampler auf einem Hoodie-Reststück testen und die Felder vergleichen, statt blind zu übernehmen.
3. Spezialeffekt (Mylar): Im Video wird 1,2 mm als „handy“ für Mylar genannt – also bewusst offen, damit der Effekt sichtbar bleibt.
Der Sticktest: Ergebnisse auf Stoff vergleichen
Ab hier zählt nur noch das echte Aussticken. Linda speichert die Datei und stickt sie auf einer Mehrnadelstickmaschine aus – eingespannt in einem blauen Magnetrahmen.
Schritt-für-Schritt: sauber beschriften
Du vergisst sonst sehr schnell, welches Feld was ist.
- Wähle das Text-Tool.
- Beschrifte die Zeilen (z. B. P1, P2, P3, Smooth).
- Beschrifte die Spalten mit den Dichtewerten.
- Wichtig: Text mindestens 0,35 inch hoch einstellen, damit er lesbar stickt.
Checkpoint: Das Layout wirkt wie eine kleine Tabelle.


Schritt-für-Schritt: speichern und exportieren
- Speichere die Arbeitsdatei als .JDX (zum späteren Bearbeiten).
- Exportiere das Maschinenformat passend zu deiner Maschine.
- Übertrage die Datei an die Maschine (USB oder WiFi).
Hinweis aus den Kommentaren: Die Frage „ohne WiFi?“ wurde beantwortet: WiFi ist nicht notwendig.
„Pre-Flight“-Checkliste (nicht überspringen)
Bevor du startest, kurz die Basics prüfen:
- [] Nadel-Check: Ist die Nadel frisch? Eine stumpfe/angeschlagene Nadel zerstört dir gerade die dichten Felder.
- [] Unterfaden-Check: Ist genug Unterfaden auf der Spule? Ein Unterfadenabriss mitten im Sampler macht den Vergleich wertlos.
- [] Werkzeuge griffbereit: Schere zum Trimmen und Markierhilfe für Notizen am Teststück.
- [] Fadenweg: Oberfaden sauber durch die Spannungsscheiben führen.
Setup-Checkliste
- [] Stickvlies: Für einen sauberen Vergleich stabil einspannen und so wählen, dass die Felder flach bleiben.
- [] Einspannen: Wenn du einen Magnetrahmen nutzt: Magnete seitlich ansetzen und kontrolliert schließen (nicht „draufknallen“). Stoff straff wie eine Trommel, aber nicht verzogen.
- [] Umriss/Trace: Einmal abfahren lassen, damit nichts am Rahmen kollidiert.
Warnung: Quetschgefahr durch Magnete. Magnetrahmen sind sehr stark. Finger aus der Schließzone halten. Schrittmacher-Hinweis: Magnete mit Abstand zu implantierten medizinischen Geräten halten.
Während des Stickens (In-Flight)
- [] Hör-Check: Gleichmäßiger Lauf ist gut. Ungewöhnlich harte Geräusche deuten auf Nadel/Tension-Probleme.
- [] Sicht-Check: Beim ersten 0,4-mm-Feld auf Kräuseln an den Kanten achten. Wenn es zieht: Einspannung/Unterlage prüfen.




Troubleshooting-Guide
| Symptom | Likely Cause | The "Quick Fix" |
|---|---|---|
| Puckering/Wrinkling | Fabric moving in the hoop. | Optimize stability. Tighten hoop (or switch to Magnetic Hoop). Add a second layer of stabilizer. |
| Bulletproof Fee | Density is too high. | Use the sampler results to choose a lighter density (e.g., move from 0.4 to 0.5mm). |
| Background Showing | Density too low or Nap poking through. | Use a water-soluble topping (Solvy) or increase density. |
| "Won't fit hoop" | Design exceeds field. | Scale Strategy: Delete the last column (1.6mm) and the labels. If you own a Stickrahmen 4x4 für brother, you must design within the 100x100mm limit. Do not just "shrink" the design. |
| Gap in the fill | Bobbin tension issue. | Check tension. The bobbin thread should show 1/3 white strip down the center of the back of the satin column. |
Kurzer Hinweis zu Tools und sinnvollen Upgrades
Wenn du nur gelegentlich stickst, reichen Standard-Tools oft aus. Wenn du aber in Richtung „Pro-sumer“ oder Kleinbetrieb gehst:
- Engpass: Einspannzeit und Materialschäden.
- Upgrade: Magnetrahmen für Stickmaschinen sparen Schraubarbeit und helfen beim Einspannen dicker Teile (Handtücher, Taschen), die in Standardrahmen schwer zu greifen sind.
Ergebnisse
Du hast jetzt eine physische „Wahrheitsquelle“.
- 0,4 mm: Referenz für geschlossene Logo-Flächen.
- 0,8 mm: Referenz für bewusst leichtere/strukturbetonte Looks.
- 1,2 mm: Referenz für Mylar/Effektanwendungen.
Häng den Sampler in die Werkstatt. Wenn später jemand fragt: „Wird das mein Shirt steif machen?“, musst du nicht raten. Du kannst den Sampler zeigen – und den Unterschied zwischen 0,4 und 0,6 fühlen lassen. Genau das trennt Bauchgefühl von professioneller Beratung.
