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Materialliste für Cutwork-Bordüren
Eine „hochwertige“ durchgehende Cutwork-Bordüre hat weniger mit künstlerischem Talent zu tun als mit sauberer Technik. Du kombinierst zwei besonders anspruchsvolle Faktoren: Satinstich (der jede Welle und jede Falte gnadenlos sichtbar macht) und wiederholgenaue Ausrichtung (wo 1 mm Versatz beim ersten Einspannen beim fünften Durchgang schnell als sichtbare Lücke endet).
Um das sicher zu beherrschen, reicht „Material zusammentragen“ nicht aus – wichtig ist zu verstehen, warum du was einsetzt. Der Workflow basiert auf der „Connect“-Funktion (bzw. Endpunkt-/Verbindungsfunktion) in fortgeschrittenen Baby Lock/Brother Maschinen. Die zugrunde liegende Mechanik (Stichdichte, Stabilisierung, Passung beim Mehrfach-Einspannen) gilt aber grundsätzlich.

Kernmaterial aus dem Video (und warum es entscheidend ist)
- Instruction/Reference Guide + Positionierungssticker-Bögen: Diese Sticker sind keine „Deko“, sondern optische Zielmarken. Die Kamera der Maschine erkennt die kontrastreichen Markierungen und nutzt sie zur präzisen Korrektur von Schräglage/Versatz nach dem erneuten Einspannen.
- Stoff: Im Beispiel ein stabiler, fein gewebter Quilt-Baumwollstoff (Riley Blake mit Gold-Foil).
- Praxis-Logik: Cutwork braucht Substanz: Der Stoff muss eine dichte Satinsäule entlang einer geschnittenen Kante tragen. Zu weiche/instabile Stoffe „brechen“ an der Kante oder verziehen sich.
- Auswaschbares Mesh-Stickvlies (Dissolve-Away Mesh):
- Warum Mesh? Das faserige Netz stabilisiert in mehrere Richtungen und hält hohe Stichdichten besser aus als viele einfache Abreißvliese.
- Warum auswaschbar? Nach dem Fertigstellen bleibt die Cutwork-Kante sauber – ohne Vliesreste.
- Garn: Rayon (Glanz) oder Polyester (robuster), plus passendes Unterfadengarn.
- Stickrahmen: Im Video wird ein klassischer 5x7-Schraubrahmen genutzt – genau hier liegt bei langen Bordüren oft der „Zeitfresser“ (siehe Upgrade Path unten).
- Schneidwerkzeuge: Du brauchst hier wirklich „Feinarbeit“: eine scharfe Schere für die geraden Schnitte und gebogene Snips für das sehr knappe Nachschneiden direkt an der Stichlinie.

Entscheidungslogik: Welche Stabilisierung passt?
Nutze diese Logik, damit die Basis stimmt, bevor der erste Stich läuft.
Szenario A: Gewebte Baumwolle (Quilt-Qualität)
* Ziel: Klare Konturen, kaum Dehnung.
* Wahl: Abreißvlies (einfach) oder Schneidvlies (für besonders saubere Ergebnisse).
Szenario B: Jersey/Strick & dehnbare Materialien
* Ziel: Verziehen unter Stichdichte verhindern.
* Wahl: Schneidvlies Mesh (praktisch Pflicht – Abreißvlies versagt hier oft).
Szenario C: Cutwork / Freestanding Lace (dieses Projekt)
* Ziel: Stabilität während des Stickens + danach keine Rückstände.
* Wahl: Auswaschbares, faseriges Mesh (nicht die klare Folie, sondern die „stoffartige“ Variante).
Versteckte Verbrauchsmaterialien & Vorab-Checks (verhindert „mysteriöse Fehler“)
Durchgehende Bordüren sind lang, repetitiv und reagieren empfindlich auf kleine Unsauberkeiten. Nimm dir vor dem Start 2 Minuten und eliminiere typische Fehlerquellen:
- Frische Nadel (Topstitch 80/12 oder Sticknadel 75/11):
- Haptik-Check: Mit dem Fingernagel über die Spitze gehen. Spürst du ein „Haken/Knacken“, ist die Spitze beschädigt. Gerade Rayon reißt bei Satinstichen dann sehr schnell.
- Vorgewickelte Unterfadenspulen: Plane mehrere ein. Im Video wird deutlich, dass bei langen Bordüren viel Garn durchläuft – Unterfadenwechsel mitten im Satinstich hinterlässt schnell eine sichtbare Stelle.
- Reinigung: Satinstich produziert Fussel. Ein kurzer Check/Putzen im Spulenbereich reduziert Spannungsspitzen.
- Papier-/Malerband: Hilft, lange Vlies-„Schwänze“ zu fixieren, damit beim Scannen/Bewegen nichts in den Stickbereich klappt.
Wenn du das regelmäßig (oder gewerblich) machst, lohnt sich eine feste Einspannstation für Stickmaschine. Standardisierte Einspannhöhe und gleiches Licht reduzieren Fehler durch Ermüdung – gerade bei Mehrfach-Einspannen.
Vorbereitungs-Checkliste (bevor die Maschine überhaupt läuft)
- Datei-Logik: Border-Datei liegt auf USB und du kennst den Ordnerpfad.
- Unterfaden-Plan: Passende Spulen vorbereiten.
- Nadelwechsel: Neue Nadel einsetzen.
- Template-Layout: PDF-Templates (falls vorhanden) ausdrucken, um Verlauf/Ecken zu planen.
- Werkzeuge positionieren: Pinzette und Snips so hinlegen, dass du im Ablauf nicht suchen musst.
- Magnet-Sicherheitscheck: Bei Magnetrahmen keine magnetempfindlichen Datenträger am Tisch; medizinische Hinweise beachten.
- Tape bereit: 3–4 Streifen vorab abreißen und griffbereit platzieren.
Warnung (Mechanische Sicherheit): Cutwork-Zuschnitt ist eine „Klinge-und-Nadel“-Zone. Zum Schneiden den Stickrahmen immer aus der Maschine nehmen und auf eine feste Unterlage legen. Niemals im eingesetzten Rahmen schneiden.
Step 1: Setting Up the Connect Feature
Hier merken viele: Die Maschine ist erst Computer, dann Näh-/Stickmaschine. „Connect“ verbindet einzelne Bordürensegmente zu einer Kette und sorgt dafür, dass das nächste Segment am Ende des vorherigen „andockt“.

Design von USB laden
- USB-Stick einstecken. Hinweis: Warte auf Signal/Anzeige, dass der Stick erkannt wurde.
- Zu Embroidery -> USB navigieren.
- Das Small Border-Design auswählen.
Connect aktivieren
- Edit wählen.
- Das Connect-Icon antippen (oft drei verbundene Kästchen/„Kettenglied“-Symbol).

Kontrollpunkt: Nach Aktivierung von Connect ist die Maschine im „Sequenzmodus“. Einige Bearbeitungen können ausgegraut sein – das ist normal und schützt die Passung.
Kamera nutzen und das erste Segment platzieren
- Camera/Scan antippen.
- Sicherheit: Abstand halten – der Stickarm/Schlitten bewegt sich zum Scannen.
- Am Bildschirm mit dem Stylus das Design an die Startposition ziehen (nahe an die Stoffkante, wie im Video gezeigt).



Erwartetes Ergebnis: Du siehst ein Live-Bild vom eingespannten Stoff, darüber das digitale Design („Overlay“).
Praxis-Tipp: Verlass dich bei der Platzierung weniger auf den Blick in den Rahmen und mehr auf das Kamerabild. Der Blickwinkel am Rahmen täuscht (Parallaxe) – das Kamerabild ist die Referenz.
Step 2: The First Hooping and Cutwork Trim
Bei durchgehenden Bordüren entscheidet das Einspannen über Erfolg oder Frust. Du hältst nicht nur Stoff fest – du kontrollierst Spannung und Geradlauf entlang einer später sichtbaren Kante.
Wenn du deine Basis beim Einspannen für Stickmaschine trainierst, denk daran: Du spannst hier eine „zukünftige Saumlinie“ ein. Jede Verdrehung zeigt sich später als welliger Verlauf.

Einspannen wie im Video
- Stickvlies-Länge: Das auswaschbare Mesh mindestens 50% länger als den Rahmen zuschneiden. Dieser „Überstand“ ist wichtig, weil du für die nächsten Segmente erneut einspannst.
- Zusatzlage (Support): Ein kleineres Stück Vlies nur unter dem Stickbereich als Verstärkung unterlegen.
- Aufbau: Stoff obenauf. Kante möglichst parallel zu den Rasterlinien ausrichten.
- Spannen:
- Schraubrahmen: Schraube lösen -> Innenring einsetzen -> Schraube festziehen.
- Gefühlskontrolle: Stoff soll straff, aber nicht überdehnt sein. Nach dem Festziehen nicht „nachziehen“ – das verzieht den Fadenlauf.

Typischer Reibungspunkt (Rahmenabdrücke & Ermüdung): Klassische Schraubrahmen arbeiten über Reibung und Druck. Bei langen Projekten heißt das: wiederholt schrauben, wiederholt ausrichten – und bei empfindlichen Stoffen können Rahmenabdrücke entstehen.
- Auslöser: Handgelenke werden müde oder du siehst Druckspuren.
- Kriterium: Mehrere Segmente/mehrere Teile am Stück.
- Lösung (Upgrade): Hier spielen Magnetrahmen für Stickmaschine ihre Stärke aus.
- Warum? Magnetische Rahmen klemmen vertikal und sparen das ständige Nachschrauben. Das macht das wiederholte Einspannen deutlich schneller.
Schnittlinie sticken und zuschneiden (Präzisionsarbeit)
- Stichfolge 1: Die Maschine stickt die Umriss-/Schnittlinie (im Video zweimal, für Stabilität).
- Rahmen abnehmen: Auf eine harte, plane Unterlage legen. Gutes Licht ist Pflicht.
- Schneiden:
- Erste Schnitte: Gerade Schnitte bis zu den Enden/Ecken – nicht schräg schneiden (wie im Video betont), damit die Kante stabil bleibt.
- Feinschnitt: Mit gebogenen Snips sehr knapp an der Stichlinie entlang schneiden.


Satinstich sticken
- Rahmen wieder einsetzen.
- Stichfolge 2: Schmaler Zickzack (fixiert die Rohkante).
- Kontrolle: Wenn noch „Fussel/Whiskers“ überstehen, jetzt nachschneiden.
- Stichfolge 3: Dichtes Satin-Finish.
Erwartetes Ergebnis: Eine gleichmäßige Satinsäule, die die Schnittkante vollständig einschließt – ohne herausstehende Stofffäden.
Warnung (Magnet-Sicherheit): Wenn du auf magnetische Lösungen wie Magnetrahmen für babylock umsteigst: Rahmen kontrolliert führen. Magnete nicht ungebremst „zuschnappen“ lassen (Quetschgefahr).
Step 3: Using Positioning Stickers for Perfect Alignment
Jetzt kommt die „Snowman“-Methode: Positionierungssticker als optische Referenz. Das ist der Kern einer sauberen Mehrfach-Einspannen Maschinenstickerei bei Bordüren.
Nächstes Segment verbinden
Nach dem ersten Segment fragt die Maschine, ob das nächste Muster verbunden werden soll.
- OK tippen.
- Dieselbe Datei erneut auswählen.
- Die Maschine setzt das nächste Segment am Bildschirm automatisch „Ende an Ende“ an.

Sticker platzieren
- Am Bildschirm erscheint eine Zielbox.
- Aktion: Sticker auf Stoff/Vlies so platzieren, dass er im Live-Bild exakt in der Zielbox sitzt.
- Technik: Pinzette verwenden.
- Wichtig: Beim Platzieren auf den Bildschirm schauen, nicht auf die Hände – genau so wird es im Video gezeigt.

Praxisfrage aus den Kommentaren: „Muss ich Unmengen Sticker nachkaufen?“
- Antwort aus der Praxis: In der Regel nein. Die Sticker lassen sich wiederverwenden: Nach dem Scan wieder auf das Trägerpapier kleben und sauber lagern. Nachkauf erfolgt (laut Antwort im Thread) über den Baby-Lock-Händler.
Step 4: Re-Hooping and Connecting the Design
Das ist der entscheidende Move: Stoff physisch verschieben, aber die digitale Passung beibehalten.
Erneut einspannen
- Rahmen abnehmen.
- Stoff nach unten verschieben: Fertige Stickerei wandert aus dem Rahmen, der nächste Bereich kommt in den Stickbereich.
- Kritische Regel: Sticker und Verbindungsstelle müssen innerhalb der Stickfläche liegen (im Video über das Raster/den markierten Bereich am Rahmen kontrolliert).
- Lange Vliesenden mit Tape am Außenrahmen fixieren.
Upgrade-Logik (Tempo im Alltag): Wenn dir beim Verschieben der Stoff „aus dem Winkel“ läuft, ist das ein typischer Punkt, an dem Magnetrahmen für Stickmaschinen helfen können: Oberteil abheben, Stoff sauber schieben, wieder schließen – ohne Schraube und ohne „Ring rauspopeln“.
Scannen und ausrichten
- Rahmen wieder einsetzen.
- Scan drücken.
- Die Maschine erkennt die Sticker und korrigiert Position/Rotation automatisch.
- Sticker entfernen, bevor du stickst.

Ablauf-Checkliste (für jedes Segment wiederholen)
- Connect aktiv: Neues Segment ist am Bildschirm angedockt.
- Zielmarken: 2 Sticker mit Pinzette setzen (Augen auf den Screen!).
- Einspannen: So einspannen, dass Sticker in der Stickfläche liegen.
- Vlies fixieren: Lose Enden mit Tape sichern.
- Scan: Warten, bis die Erkennung bestätigt ist.
- Sticker abziehen.
- Cutwork-Loop: Schnittlinie -> Zuschneiden -> Zickzack -> Satin.
Troubleshooting Thread Breaks with Stabilizer
Dichte Satinstiche in Kombination mit klebender oder sehr „griffiger“ Stabilisierung erhöhen die Reibung. Im Video wird explizit erwähnt, dass klebendes Vlies bei Rayon eher zu Fadenrissen führen kann – und dass nicht-klebendes Mesh bzw. Polyester-Garn oft entspannter läuft.
Symptom → Diagnose → Lösung
| Symptom (Was du siehst/hörst) | Wahrscheinliche Ursache | Lösung (von schnell zu aufwändig) |
|---|---|---|
| Faden reißt / wirkt „fusselig“ | Reibung am Nadelöhr, ggf. Kleberückstände + Satinstichdichte | 1. Auf nicht-klebendes Mesh wechseln.<br>2. Polyester statt Rayon verwenden (robuster). |
| „Vogelnest“/Unterfadenknäuel | Oberfaden nicht sauber eingefädelt oder Spannungsspitze durch Fussel | 1. Oberfaden komplett neu einfädeln.<br>2. Spulenbereich reinigen. |
| Spalt im Übergang | Sticker nicht exakt in der Zielbox oder Stoff hat sich beim Setzen bewegt | 1. Vor dem Sticken Kamera-Foto/Zoom nutzen und den Übergang prüfen.<br>2. Beim Setzen konsequent auf den Screen schauen. |
| Rahmen springt auf | Materialdicke + Satinstichdichte erzeugen zu viel Druck im Schraubrahmen | 1. Schraube so einstellen, dass der Rahmen sicher hält, aber nicht überpresst.<br>2. Upgrade: Magnetrahmen für babylock kann bei wechselnden Dicken stabiler klemmen. |
Ergebnisse
Eine sauber gestickte Endlos-Bordüre wirkt fast wie ein Trick: Übergänge sind unsichtbar, die Kante ist sauber eingefasst, und die Bordüre läuft gleichmäßig.
Gewerbliche Überlegungen: Wenn du vom Hobby in Richtung Kleinserie gehst, analysiere deinen Engpass:
- Ist es Technik, trainiere den Connect-/Sticker-Ablauf.
- Ist es Tempo/Ermüdung, sind Tools ein Hebel. Magnetrahmen für Stickmaschinen passend zum Modell (z. B. Magnetrahmen für babylock) sind dann weniger „Luxus“ als Workflow-Upgrade.
- Ist es Menge, kann eine Mehrnadelstickmaschine mit größeren Rahmen und weniger Farbwechseln Zeit sparen.
Setup-Checkliste (für deinen nächsten Projekttag)
- Material: Quilt-Baumwolle (ggf. vorab gestärkt).
- Stabilisierung: Auswaschbares Mesh (Länge: 150% der Rahmenlänge).
- Tools: Pinzette, Stylus, Schere, gebogene Snips.
- Daten: USB geladen, PDF-Template bereit.
- Tempo: 600–700 SPM als ruhiger Bereich für Cutwork.
Wenn du die Mechanik hinter „Connect“ verstanden hast, werden große Projekte planbar: Sticker sauber setzen, dem Screen vertrauen und beim Schneiden ruhig arbeiten.
