Rahmen-Crash vermeiden: So programmierst du ein eigenes Magnetrahmen-Profil (C1) an einer BAI-Stickmaschine

· EmbroideryHoop
Diese praxisnahe Anleitung führt dich durch das Montieren eines Magnetrahmens, das Ausführen von Auto-origin, das manuelle Zentrieren von Nadel 1, das Ablesen der PX/PY-Offsets und das Programmieren eines benutzerdefinierten Rahmen-Slots (C1) mit korrekten Mittelpunkt- und Größenwerten (in Millimetern) an einer [[KWD: bai embroidery machine]]. Du lernst außerdem, warum jeder Schritt wichtig ist, wie du das tatsächlich sichere Stickfeld (Innenmaß) misst und wie du typische Zentrier- und Begrenzungsfehler schnell behebst, bevor es zu Nadel-/Rahmenkollisionen oder Ausschuss kommt.

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Inhaltsverzeichnis

Warum überhaupt eigene Rahmen-Settings anlegen?

Wenn du eine gewerbliche Mehrnadelstickmaschine betreibst—egal ob ein klassisches SEWTECH-Arbeitstier oder ein vergleichbares BAI-Modell—fühlt sich der Umstieg auf einen Magnetrahmen oft wie ein echter Produktivitäts-Boost an: schnelleres Einlegen, keine Rahmenspuren auf empfindlichen Stoffen und gleichmäßiger Anpressdruck ohne das ständige "Nachziehen" klassischer Schraubrahmen.

Der Haken ist allerdings kritisch: Die Maschine "weiß" nicht automatisch, was du gerade montiert hast.

Für die Steuerung ist das Stickfeld ein Koordinatensystem. Wenn das gespeicherte Rahmenprofil nicht zur realen Geometrie des montierten Magnetrahmens passt, sind drei teure Folgen typisch:

  1. Design sitzt nicht mittig: Logos wandern nach links/rechts (oder oben/unten) und wirken sofort "schief".
  2. Ausschuss in Serie: Schon 10 mm Versatz können ein hochwertiges Teil unbrauchbar machen.
  3. Der "Crash": Nadel/Fuß trifft den Rahmen, weil die Software mehr Freiraum annimmt, als tatsächlich vorhanden ist.

Diese Anleitung ist bewusst als SOP-orientiertes Setup-Dokument geschrieben: ohne Fülltext, dafür mit klaren Handgriffen. Du lernst, wie du ein sicheres, reproduzierbares Rahmenprofil (hier: Slot C1) auf einer BAI-typischen Oberfläche anlegst, indem du:

  • die Maschine auf einen definierten Ausgangspunkt zurücksetzt (Auto-origin),
  • Nadel 1 physisch auf die echte Mitte des nutzbaren Feldes ausrichtest,
  • die Offsets PX/PY abliest,
  • und die sicheren Grenzen in Millimetern einträgst.
Installing the Mighty Hoop onto the BAI embroidery machine driver arms
The user installs the 11x13 Mighty Hoop onto the machine's pantograph.

Kurz vorab: Was du hier lernst (und was nicht)

  • Du lernst: Den konkreten Menüpfad, wie er in BAI/typischer China-Firmware vorkommt: Settings → User → Auto-origin und anschließend Settings → Parameter → Frame zum Eintragen der C1-Werte.
  • Du bekommst keine "Universalwerte": Wie im Video korrekt gezeigt, sind Offsets maschinenspezifisch. PX/PY (z. B. 104/0) sind Beispieldaten, keine Konstanten. Du musst sie an deiner Maschine selbst ermitteln.

Betrachte das nicht als "Daten eintippen", sondern als Kalibrierung: Du bringst den physischen Rahmen und die digitale Rahmenverwaltung in Deckung.

Selecting Auto-origin in the machine settings menu
Navigating to User settings to perform an Auto-origin reset.

Warnung: QUETSCHGEFAHR. Während Auto-origin und jeder automatischen Pantographenbewegung fährt das Rahmensystem mit spürbarer Kraft und Geschwindigkeit. Hände, Scheren und lose Kleidung aus dem Bewegungsbereich fernhalten. Erst nach vollständigem Stillstand in den Arbeitsbereich greifen.

Schritt 1: Montage und Ausrichtung

mighty hoop Magnetrahmen 11x13 montieren

Der Ablauf startet mit der Mechanik, nicht mit Software: Der Magnetrahmen muss sauber in die Rahmenarme/Pantographenaufnahme eingesetzt werden.

Praxis-Standard (Mechanik-Check): Beim Einschieben der Rahmenhalter in die Aufnahme sollte der Sitz klar und "hart" wirken—nicht schwammig. Achte darauf, dass der Rahmen vollständig in den Armen sitzt und sicher verriegelt ist.

Warum das zählt: Wenn der Rahmen auch nur minimal schief sitzt, ist dein später gespeicherter "Mittelpunkt" in Wahrheit ein Versatz. Das wirkt sich dann auf jedes Motiv aus—und zwar reproduzierbar falsch.

Selecting Needle 1 on the control panel
Switching to Needle 1 to use it as a visual reference point.

Auto-origin ausführen

Als Nächstes setzt du den absoluten Nullpunkt der Maschine:

  • Settings öffnen.
  • User wählen.
  • Auto-origin drücken und mit OK bestätigen.

Die Maschine fährt an ihre Referenzpunkte/Endschalter und kehrt in die Bereitschaft zurück. Das ist dein definierter Startzustand. Wenn du diesen Schritt überspringst, basieren PX/PY auf einem "schwimmenden" Zustand statt auf einem festen Bezug.

Manually checking needle position relative to hoop center
The user observes the needle position relative to the backing material in the hoop.

Nadel 1 manuell auf die Mitte ausrichten

Jetzt "zeigst" du der Maschine, wo die Mitte deines montierten Rahmens tatsächlich liegt.

  • Auf dem Bildschirm Needle antippen.
  • Needle 1 auswählen und warten, bis Nadel 1 aktiv ist.

Sichtprüfung: Wie im Video zu sehen, steht Nadel 1 zunächst meist nicht in der Rahmenmitte.

  • In die manuelle Bewegung wechseln (im Video über Other).
  • Den Pantographen verfahren, bis Nadel 1 optisch exakt mittig über dem nutzbaren Innenfeld steht.

Wichtig gegen Parallaxefehler: Positioniere dich möglichst frontal zur Maschine und beurteile die Mitte nicht aus schrägem Winkel. Schon wenige Millimeter Abweichung reichen später für sichtbaren Versatz.

Reading PX and PY coordinate values from the machine screen
Noting the current coordinates (PX 104, PY 0) which represent the offset for the hoop.

Expertenhinweis: Mitte des Stickfelds vs. Mitte des Rahmens

Das ist der Klassiker, der zu Kollisionen führt:

  • Rahmen außen = sichtbarer Kunststoff/Metallrand.
  • Stickfeld = die Innenfläche, in der die Nadel sicher fahren darf.

Bei Magnetrahmen ist der Rand oft deutlich breiter. Beim Zentrieren zählt ausschließlich die Innengeometrie (das "freie Feld"), nicht die Außenkante.

Vorbereitung-Checkliste (bevor du PX/PY notierst)

  • Sicherer Sitz: Rahmen ist vollständig in den Armen, ohne Spiel.
  • Freigängigkeit: Genug Platz im gesamten Fahrbereich (auch nach hinten).
  • Referenz-Nadel: Nadel 1 ist gerade (eine verbogene Nadel verfälscht die optische Mitte).
  • Messmittel bereit: Maßband in mm und Notizmöglichkeit.
  • Materialplanung: Passendes Vlies für deinen Job liegt bereit (für spätere Testläufe).
    Hinweis
    Die Auswahl des Vlieses ist jobabhängig—für dieses Video-Setup ist entscheidend, dass du erst das Rahmenprofil korrekt definierst.

Schritt 2: PX/PY-Offsets finden (Maschinenwerte)

Wenn Nadel 1 exakt über der geometrischen Mitte des Innenfeldes steht, schaust du auf die Hauptanzeige der Maschine und liest die Positionswerte ab.

  • PX notieren: X-Offset.
  • PY notieren: Y-Offset.
  • Beispiel aus dem Video: PX = 104, PY = 0.
Entering the Frame Parameter menu
Accessing the internal parameter settings to define a new frame profile.

Was bedeuten X-/Y-Offsets (warum das funktioniert)

PX und PY sagen der Steuerung sinngemäß: "Vom elektrischen Ursprung (Origin) bis zur Mitte dieses Rahmens musst du X mm in X-Richtung und Y mm in Y-Richtung fahren."

Sobald das gespeichert ist, kann die Maschine den Rahmen später korrekt "ansteuern", ohne dass du jedes Mal neu manuell zentrieren musst.

Expertenhinweis: Warum deine PX/PY anders sein dürfen

Wenn bei dir z. B. PX 98 oder PX 112 steht, ist das nicht automatisch falsch. Unterschiede durch Maschinenrevision, Kalibrierzustand und Mechaniktoleranzen sind normal. Entscheidend ist, dass deine Werte aus deiner eigenen Zentrierung stammen und reproduzierbar sind.

Schritt 3: Rahmenparameter programmieren

Jetzt werden die Werte als Rahmenprofil gespeichert.

Zum Parameter-Menü navigieren

Menüpfad wie im Video:

  • Settings
  • Parameter (im Video als "Proper Setting" bezeichnet)
  • Frame
Inputting the X Center value into the machine interface
Typing '104' into the X Center field for the C1 frame profile.

Custom-Slot wählen (C1)

Wähle einen freien/benutzerdefinierten Slot, im Video C1.

Trage anschließend die abgelesenen Werte ein:

  • X Centre: PX (z. B. 104)
  • Y Centre: PY (z. B. 0)
Confirming zero for Y Center value
Ensuring Y Center is set to 0 as noted from the coordinates.

Rahmen korrekt messen (der Teil, der Crashes verhindert)

Jetzt kennt die Maschine die Mitte—aber noch nicht die sichere Größe. Dafür misst du das Innenmaß (nutzbares Stickfeld) deines Magnetrahmen in Millimetern:

  • X Size (Breite innen): im Video 300 mm
  • Y Size (Höhe innen): im Video 260 mm

Wichtig: Miss von Innenkante zu Innenkante, also das Feld, in dem die Nadel sicher fahren darf.

Measuring the width of the Mighty Hoop with a tape measure
Measuring the inner width of the magnetic hoop to determine the X Size parameter.
Entering 300 for X Size parameter
Inputting '300' millimeters as the X dimension based on the measurement.
Measuring the height of the magnetic hoop
Measuring the Y dimension of the hoop workspace.
Inputting Y Size parameter
Entering the measured height into the Y Size field.

Warnung: MAGNET-GEFAHR. mighty hoops Magnetrahmen für bai-Rahmen arbeiten mit starken Magneten.
1. Quetschgefahr: Magnete schnappen kräftig zu—an den Kanten anfassen.
2. Medizinischer Hinweis: Abstand zu Herzschrittmachern/ICDs einhalten.
3. Maschinenschutz: Magnete nicht auf Display/Elektronikgehäuse ablegen.

Einheiten: mm vs. inch (häufigster Eingabefehler)

Viele Rahmen werden im Handel in Zoll bezeichnet (z. B. mighty hoop Magnetrahmen 11x13). Die Maschinenparameter werden jedoch praktisch immer in mm geführt.

Wenn du "11" und "13" als Größenwerte einträgst, programmierst du faktisch ein Mini-Stickfeld—und riskierst Fehlfahrten. Regel: Für die Parametereingabe immer in mm messen und eintragen.

Tool-Upgrade (wenn Einspannen dein Engpass ist)

Wenn dich das Thema "schief einspannen" regelmäßig Zeit kostet, ist das meist kein Talentproblem, sondern ein Prozess-/Tool-Thema.

Typische Hinweise aus der Praxis:

  • Du brauchst länger fürs Einspannen als fürs Sticken.
  • Platzierungen sind inkonsistent, obwohl die Datei korrekt ist.

Pragmatische Stufen:

  1. Technik: Wiederholbare Referenzen nutzen (Markierungen/Anlegepunkte) und konsequent gleich arbeiten.
  2. Tooling: Ein kompatibles Mighty Hoop bai-Setup reduziert Einlegezeit und macht den Sitz reproduzierbarer.

Abschlussprüfung

Neues Profil auswählen

Nach dem Speichern:

  • Zur Rahmen-Auswahl zurückkehren.
  • C1 auswählen/aktivieren.
Selecting the new custom frame from the configuration menu
Choosing the newly programmed frame profile to activate it.

Automatisches Zentrieren beobachten

Die Maschine fährt nun zur gespeicherten Mitte (im Video X:104, Y:0).

Kontrollfrage: Landet Nadel 1 genau dort, wo du sie in Schritt 1 manuell zentriert hast? Wenn nicht, wiederhole Schritt 2 (PX/PY) und überschreibe die Werte.

Machine centering on the frame automatically
The machine automatically moves to the calibrated center of the custom frame.

Letzter Blick auf PX/PY

Prüfe die Anzeige noch einmal: Die Werte sollten zu deinem gespeicherten Profil passen.

Final check of coordinate display
The user cross-checks displayed coordinates to ensure they match the saved profile.

Expertenhinweis: Schnelltest auf Wiederholgenauigkeit

Wenn du sicher gehen willst, dass das Profil stabil ist:

  1. Maschine ausschalten.
  2. Maschine einschalten.
  3. Auto-origin ausführen.
  4. Rahmenprofil C1 auswählen.

Wenn die Maschine wieder exakt gleich zentriert, ist dein Profil sauber hinterlegt.

Endkontrolle (vor dem ersten echten Auftrag)

  • Auto-origin: Vor dem Notieren/Eingeben der Werte ausgeführt.
  • Werte stimmen: C1 X Centre = PX, C1 Y Centre = PY.
  • Nur mm: X/Y Size in mm (z. B. 300/260).
  • Innenmaß: Größe vom nutzbaren Innenfeld gemessen.
  • Auswahl funktioniert: C1 lässt sich auswählen und fährt korrekt an.

Betrieb (so nutzt du das gespeicherte Profil im Alltag)

Ab jetzt wird aus einem manuellen "Rumprobieren" ein standardisierter Ablauf:

  1. Einlegen: Textil in den bai Magnetrahmen einlegen.
  2. Montieren: Rahmen in die Arme einsetzen und verriegeln.
  3. Auswählen: Profil C1 aktivieren und die Zentrierfahrt beobachten.
  4. Kontur prüfen: Vor dem Start eine Umrandung/Trace laufen lassen, um die Grenzen zu kontrollieren.

Start-Checkliste (direkt vor Start)

  • Profil korrekt: Ist wirklich C1 (oder der passende Slot) aktiv?
  • Kontur ok: Bleibt die Kontur sicher innerhalb des Rahmens?
  • Arbeitsbereich frei: Keine Werkzeuge/Teile im Fahrbereich.
  • Vlies passt: Vlies ist korrekt positioniert und stabil.

Qualitätsmerkmale (woran du ein gutes Setup erkennst)

  • Mitte passt: Ein Testkreuz sitzt sichtbar mittig.
  • Sicherer Abstand: Bei der Konturprüfung bleibt genug Abstand zum Rahmenrand.
  • Reproduzierbarkeit: Nach mehreren Rahmenwechseln bleibt die Passung gleich.

Wenn die Mitte über die Zeit "wandert", prüfe zuerst den mechanischen Sitz des Rahmens in den Armen—wenn sich der Rahmen minimal verschiebt, stimmt dein gespeicherter Offset nicht mehr.

Troubleshooting

Nutze diese Logik: Symptom → Ursache → Fix.

Wahrscheinliche Ursache:

  • Du hast auf die Außenkante statt auf das Innenfeld zentriert.
  • Auto-origin wurde vor dem Ablesen nicht sauber ausgeführt.

Fix:

  • Schritt 1 und 2 wiederholen, konsequent auf das Innenfeld zentrieren, C1 überschreiben.

Symptom 2: Maschine fährt zu nah an den Rahmen / Kollisionsgefahr

Wahrscheinliche Ursache:

  • Außenmaß statt Innenmaß gemessen.
  • Einheitenfehler (Zollbezeichnung mit mm verwechselt).

Fix:

  • Innenmaß neu messen und X/Y Size entsprechend korrigieren.

Symptom 3: Nach Auswahl von C1 zentriert die Maschine "komisch"

Wahrscheinliche Ursache:

  • Reihenfolgefehler: Auto-origin/Referenz nicht als letzter definierter Startpunkt genutzt.

Fix:

  • Auto-origin ausführen und danach direkt C1 wählen.

Symptom 4: Du weißt nicht mehr, welcher Slot zu welchem Rahmen gehört

Wahrscheinliche Ursache:

  • C1/C2/C3 sind ohne System schwer auseinanderzuhalten.

Fix:

  • Rahmen physisch beschriften (z. B. "Profil C1 (300×260)") und im Betrieb konsequent so verwenden.

Ergebnis

Wenn du dieses bai Stickmaschine-Protokoll befolgst, erreichst du:

  1. Sicherheit: Definierte Grenzen reduzieren das Risiko von Rahmenkollisionen.
  2. Tempo: Kein erneutes manuelles Zentrieren bei jedem Teil.
  3. Genauigkeit: Wiederholbare Platzierung für Serienaufträge.

Du hast den mighty hoop Magnetrahmen 11x13 (in der Maschine als 300×260 mm) sauber in das Koordinatensystem deiner Maschine eingemessen und als Profil gespeichert.