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Werkzeuge für die Brother-PR-Wartung
Greiferzeitpunkt ist kein „ein bisschen drehen, bis es gut aussieht“ – das ist eine Präzisionsausrichtung, bei der Zehntelmillimeter darüber entscheiden, ob die Maschine sauber näht oder Faden schreddert. Wenn du hier bist, weil deine PR-Serie „Vogelnester“ produziert, Stiche auslässt oder ein unangenehmes Klack von sich gibt: ruhig bleiben. Wir machen daraus einen reproduzierbaren Ablauf wie an der Werkbank.

Was du hier lernst (und welche Fehlerbilder das behebt)
Du „reparierst“ nicht nur – du stellst den Grundtakt der Stichbildung wieder her. Du lernst:
- Den versteckten Wartungs-/Testmodus aufzurufen und den Motorwinkel 199 sicher zu treffen.
- Armabdeckung und Stichplatte zu demontieren, ohne Schraubenköpfe zu ruinieren.
- Die Greiferspitze so zu kalibrieren, dass sie direkt hinter der Nadel steht (die entscheidende Fangposition).
- Zwei maßkritische Spiele einzustellen: Nadelspiel (0–0,1 mm) und Haltefinger-/Stopper-Spiel (0,65–0,95 mm).
Hinweis: Das ist fortgeschrittene Wartung. Plane – gerade im Shop-/Produktionsbetrieb – realistisch Zeit ein. Hektik ist hier der schnellste Weg zu Folgeschäden.
Vorbereitung: „versteckte“ Verbrauchsmaterialien & Werkbank-Checks (bitte nicht überspringen)
Viele Probleme entstehen, bevor der Schraubendreher überhaupt ansetzt. Der Erfolg hängt auch von Dingen ab, die nicht „Maschinenteile“ sind.
Diese Werkzeuge brauchst du konkret:
- Schraubendreher: ZSK-Stichplatten-Schraubendreher (oder Z-Type/Offset), #2 Kreuzschlitz, kleiner Schlitz.
- Präzision: 2,5 mm Inbus (Allen).
- Sicht: Helles, bewegliches Arbeitslicht.
- Verbrauch/kleine Helfer:
- Neue Nadel: Nicht mit einer gebrauchten/verdächtigen Nadel timen – kleinste Verbiegungen verfälschen die Ausrichtung.
- Nähmaschinenöl: Für einen Tropfen im Greiferlauf bei der Montage.
- Marker: Zum Markieren der Schrauben-/Position vor dem Lösen (optional, aber hilfreich).
Warnung: Mechanische Gefahr. Vor dem Öffnen komplett ausschalten und vom Strom trennen. Im Greiferbereich immer zuerst mit Licht nach Nadelbruchstücken suchen, bevor du hineingreifst.
Checkliste vor dem Start (hier am Ende ein klares „Ja“)
- Maschine AUS und vom Strom getrennt.
- Neue, gerade Nadel in Nadelstange #1 (oder der Nadel, die eingestellt wird).
- Spulenkapsel/Unterfadenbereich frei, Fussel und Fadennester entfernt.
- 2,5-mm-Inbus und Z-/Offset-Schraubendreher griffbereit.
- Licht so positioniert, dass es in den Greiferbereich leuchtet.
- Vorab geprüft: nicht nur eine „schlechte Spule“/falsches Einlegen (zur Sicherheit einmal Spule/Spulenkapsel prüfen/tauschen).
Zugriff auf „Main Board Test Mode“ bei Brother PR-Maschinen
Wir müssen die Maschine in genau der Position „einfrieren“, in der die Schlaufe entsteht und der Greifer sie fangen muss.

Service-/Testmodus aufrufen und zu „Needle Spacing“ navigieren
- Ausgangszustand: Maschine ist AUS.
- Tastenkombination: Die drei unteren Tasten am Touchscreen gleichzeitig gedrückt halten.
- Einschalten: Gedrückt halten und den Hauptschalter auf EIN.
- Warten: Bis der Wartungs-/Servicebildschirm geladen ist.
- Menüpfad: Main Board Test Mode -> Needle Spacing.

Timing-Position setzen: Motorwinkel 199
Im „Needle Spacing“-Bildschirm ist für diesen Ablauf vor allem ein Wert entscheidend: Motor Angle.
- Handrad drehen (bzw. die Bedienung am Screen nutzen, falls aktiv), bis Motor Angle exakt 199 anzeigt.
- Bei 199° ist die Nadel im kritischen Moment: Sie war unten und beginnt wieder zu steigen – dabei bildet sich die Fadenschlaufe, die der Greifer aufnehmen muss.
Praxis-Hinweis: Wenn „Inappropriate Needle Position“ erscheint oder der Screen nicht plausibel reagiert, kann die Welle mechanisch blockiert sein. Handrad nicht mit Gewalt drehen – zuerst auf Fadenklemmer/Verhakungen prüfen.
Begriffe wie brother prs100 Stickmaschine tauchen bei Timing-Problemen häufig in der Suche auf. Wenn du ein anderes Modell/Bedienlayout hast, kann die Menüführung abweichen – das Grundprinzip (Position bei 199) bleibt im gezeigten Ablauf jedoch gleich.
Demontage von Stichplatte und Armabdeckung
Wir brauchen freien, sauberen Zugang. Die Reihenfolge verhindert, dass du Abdeckungen verkantest oder Haltenasen beschädigst.

Armabdeckung abnehmen
- Mit dem Z-/Offset-Schraubendreher die vier Schrauben der Armabdeckung lösen.
- Gefühlskontrolle: Abdeckung nach vorn schieben, nicht nach oben reißen – Kunststoffnasen können brechen.
- Schrauben geordnet ablegen.
Stichplatte abnehmen
- Auf den Offset-Treiber wechseln und die zwei Stichplattenschrauben lösen.
- Platte gerade nach oben abheben.
- Sichtprüfung: Unterseite der Stichplatte ansehen: tiefe Riefen/Schläge deuten auf starke Nadelablenkung hin.

Spacer/Shim unter der Stichplatte (wichtiges Detail)
Unter der Platte kann ein dünner Spacer/Shim (Metall oder Kunststoff) liegen.
- Aktion: Foto machen, wie er liegt.
- Warum: Falsche Lage/vergessen kann die Plattenhöhe verändern und Folgeprobleme verursachen.
Praxis-Tipp aus den Kommentaren: der „mysteriöse Schraubendreher“
Mit einem normalen langen Schraubendreher kommst du hier oft schlecht an die Schrauben. Der ZSK-Stichplatten-Schraubendreher bzw. ein Z-Type/Offset-Treiber wirkt wie ein kleiner Schlüssel und macht die Arbeit deutlich kontrollierter. Wer seine brother pr Maschinen selbst wartet, spart damit Zeit – und vermeidet rundgedrehte Schraubenköpfe.
Warum Motorwinkel 199 so kritisch ist
Warum 199 – und nicht 200?
Bei 199° ist die Nadel gerade so weit wieder auf dem Weg nach oben, dass sich die Fadenschlaufe sauber ausbildet. Die Greiferspitze muss genau dann ankommen.
- Zu früh (<198): Schlaufe noch nicht da → Greifer verfehlt → Stichaussetzer.
- Zu spät (>200): Schlaufe kollabiert/verdreht → Greifer spaltet/reißt den Faden → Fransen/Schreddern.
Rotationsgreifer perfekt ausrichten
Das ist der Kern: Greiferspitze so positionieren, dass sie exakt hinter der Nadel steht.
Schritt 1: Schrauben lösen und Rotationsgreifer abnehmen
- Den schwarzen Haltefinger/Stopper lokalisieren und die rechte Schraube lösen.
- Mit dem 2,5-mm-Inbus die linke Schraube lösen.
- Handrad drehen, bis die drei Schrauben am Greifer sichtbar sind. Diese lösen (nicht komplett herausdrehen).
- Greifer vom Schaft abziehen.

Schritt 2: Greifer einsetzen und Spitze hinter der Nadel ausrichten
- Reinigen: Schaft fusselfrei abwischen.
- Einsetzen: Greifer aufschieben (wie im Video gezeigt).
- Winkel prüfen: Am Screen kontrollieren: Steht Motor Angle noch auf 199? Falls nicht, wieder exakt auf 199 bringen.
- Ausrichtung: Den Greiferkörper von Hand drehen (nicht das Handrad), bis die Greiferspitze direkt hinter der Nadel steht.




Was „direkt hinter der Nadel“ in der Praxis bedeutet
„Direkt hinter“ heißt: Die Greiferspitze liegt auf der gedachten Mittelachse der Nadel.
- Visueller Anker: Idealerweise „verschwindet“ die Spitze hinter der Nadel – sobald sie links oder rechts sichtbar hervorsteht, ist die Passung nicht korrekt.
Korrektes Nadelspiel und Haltefinger-Spiel einstellen
Der Winkel (Rotation) passt – jetzt kommt das Spiel (Abstand).
A) Nadelspiel (Abstand Greiferspitze zur Nadel)
Sollwert: 0–0,1 mm.
- Übersetzung: So nah wie möglich, ohne Kontakt.

So wird es eingestellt (wie im Video demonstriert)
- Zu großer Abstand? Greiferbasis hinten leicht antippen, um ihn nach vorn zur Nadel zu bewegen.
- Zu nah/berührt? Vorn leicht antippen, um ihn zurückzusetzen.

Wenn das Spiel passt, die drei Greiferschrauben festziehen – dabei kontrolliert und nacheinander, damit sich die Position nicht verdreht.

B) Spiel am Rotationsgreifer-Stopper (Haltefinger)
Dieser schwarze Finger hält den Innenkorb in Position, während der Außenring läuft.
- Innenkorb so drehen, dass die Kerbe zum Haltefinger passt.
- Sollmaß: 0,65–0,95 mm Abstand.
- Funktionscheck: Faden muss frei durchlaufen können.


Entscheidungslogik: wann du stoppst (bevor du wieder zusammenbaust)
- Streift die Greiferspitze die Nadel?
- JA: Stoppen. Greifer minimal zurücksetzen.
- NEIN: Weiter.
- Steht Motor Angle noch auf 199?
- NEIN: Schrauben lösen, wieder auf 199, neu ausrichten.
- JA: Weiter.
- Läuft der Innenkorb frei?
- NEIN: Greifer abnehmen, Lauf reinigen/ölen, neu setzen.
- JA: Zusammenbau.
Zusammenbau, Qualitätschecks und praxisnahe Workflow-Hinweise
In umgekehrter Reihenfolge montieren
- Spacer/Shim: In der ursprünglichen Lage einsetzen.
- Stichplatte: Auflegen und verschrauben, planen Sitz prüfen.
- Armabdeckung: Von vorn aufschieben und verschrauben.

Qualitätschecks, bevor ein echter Auftrag draufkommt
- Handrad-Test: Strom AUS, Handrad einmal komplett durchdrehen.
- Gefühl: gleichmäßiger Lauf.
- Geräusch: kein Metall-auf-Metall.
- Probestick auf Restmaterial: Auf Schlaufenbildung/Fehlstiche achten.
Betriebs-Checkliste (am Ende ein klares „bestanden/nicht bestanden“)
- Winkel: Motor Angle 199 während der Ausrichtung bestätigt.
- Ausrichtung: Greiferspitze exakt hinter der Nadel.
- Spiel: Nadelspiel im Bereich 0–0,1 mm (kein Kontakt).
- Fixiert: Alle 3 Greiferschrauben fest.
- Haltefinger: Abstand 0,65–0,95 mm, Faden läuft frei.
- Final: Handradlauf ohne Geräusch.
Typische Fragen aus der Praxis (aus den Kommentaren) – kurz eingeordnet
- „Unterfaden wird nicht hochgeholt“ nach dem Zusammenbau: Häufig steht der Greifer noch nicht korrekt zur Nadel (Ausrichtung/Spiel). Dann erneut auf 199 gehen und die Greiferspitze exakt hinter der Nadel kontrollieren.
- „Oberfaden franst“: Das passt zu „Greifer zu nah“ bzw. zu wenig Nadelspiel – im Video wird gezeigt, wie man den Greifer minimal zurücksetzt.
- „Muss ich bei 199 OK/Complete drücken?“ / „Motorwinkel läuft beim Drehen hoch“: Entscheidend ist, dass du die mechanische Ausrichtung bei Motor Angle 199 vornimmst. Wenn der Winkel beim Handrad-Drehen weiterläuft, bring ihn wieder exakt auf 199 zurück und arbeite in dieser Position.
- „Warum sehe ich Fragezeichen / komische Prompts?“: In den Kommentaren wird das erwähnt; als pragmatischer Ansatz: Maschine ausschalten, Handrad manuell ein Stück drehen und neu starten.
Hinweis zur Prozesssicherheit im Betrieb
Wenn du nach der Reparatur Ursachen vermeiden willst: Nadelablenkung durch schwierige Stellen (Kappenränder, dicke Nähte) und instabiles Einspannen ist ein typischer Auslöser. Saubere Stabilisierung und reproduzierbares Einspannen für Stickmaschine helfen, die Mechanik zu schonen.
Upgrades, die im Workflow wirklich helfen können:
- Stabilisierung: Passendes Stickvlies reduziert „Flagging“.
- Einspannen: Ein Magnetrahmen kann Stoff gleichmäßiger halten als klassische Rahmen und so Bewegung reduzieren.
- Reproduzierbarkeit: Eine hooping station for embroidery machine sorgt für konstanten Zug beim Einspannen.
Warnung: Magnet-Sicherheit. Magnetrahmen können stark einklemmen. Nicht verwenden bei Herzschrittmacher. Abstand zu empfindlicher Elektronik und magnetischen Datenträgern halten.
Kompatibilitätsnotiz (praxisnah)
Wenn du Werkzeug/Spannmittel aufrüstest, prüfe die Aufnahme. Ein Magnetrahmen für brother pr100 (Ein-Nadel) nutzt eine andere Halterung als 6- oder 10-Nadel-Modelle.
Troubleshooting: Symptom → Wahrscheinliche Ursache → Fix
| Symptom | Der „Sound/Check“ | Quick Fix |
|---|---|---|
| Metallisches Klicken | Greifer trifft die Nadel. | Greifer minimal zurück setzen. |
| Stichaussetzer | Greifer zu weit weg (Spiel > 0,1 mm) oder Winkel > 200. | Greifer vor oder Winkel prüfen. |
| Oberfaden franst | Greifer zu nah / Spiel zu klein. | Spiel minimal vergrößern (Greifer zurück). |
| Innenkorb dreht mit | Haltefinger zu locker. | Haltefinger nachstellen/festziehen. |
| „Vogelnester“ | Oft nicht Timing, eher Einfädeln/Oberfadenspannung. | Oberfaden komplett neu einfädeln. |
Symptom: Verwirrende Service-Prompts
Wenn Fragezeichen oder „Inappropriate Needle Position“ auftauchen: ausschalten, Handrad manuell etwas drehen, neu starten. Das wird in den Kommentaren als typische Hürde sichtbar.
Ergebnis: Woran du Erfolg erkennst und wie du die Maschine übergibst
Erfolg erkennst du an einem gleichmäßigen, ruhigen Lauf.
- Visuell: Oberfaden legt sich sauber um die Spulenkapsel.
- Haptisch: Handrad läuft gleichmäßig ohne harte Punkte.
- Stickbild: Testmuster ohne Aussetzer/Schlaufen.
Zum Schluss: Wenn du deine Prozesse dokumentierst, notiere „Greiferzeitpunkt bei 199 eingestellt am [Datum]“. Das hilft, wiederkehrende Ursachen im Betrieb schneller zu finden.
Wenn die Mechanik wieder passt, lohnt es sich, den Einspannen für Stickmaschine-Workflow so zu gestalten, dass diese Präzision möglichst lange erhalten bleibt.
