Bobbin Work an der Bernette b35: Der „Upside-Down“-Free-Motion-Trick für kräftige, erhabene Textur (ohne deine Spannungseinstellungen zu ruinieren)

· EmbroideryHoop
Diese praxisnahe Anleitung zeigt dir Bobbin Work (Reverse Machine Embroidery) an einer Bernette b35: dickes Perlgarn (Perle Cotton) in der Unterfadenspule, normales Nähgarn als Oberfaden. Du lernst den sicheren Weg über eine separate Spulenkapsel, wie du das Motiv „auf der Rückseite“ markierst und nähst, wann du in den Stickrahmen einspannst und wann du mit selbstklebendem Ausreißvlies „hoopless“ arbeitest – plus Troubleshooting für typische Stopper wie Unterfaden-„Drag“/Klemmen und klebrige Nadeln durch Klebevlies. Dazu kommen bewährte Werkstatt-Routinen, die Verzug minimieren und dir die Angst vor dem Verstellen der Unterfadenspannung nehmen.
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Inhaltsverzeichnis

Bobbin Work ist ein Paradox: Du bekommst damit extrem organische, handwerkliche Oberflächen – wie Baumrinde, Fell oder moosige Strukturen – und trotzdem entsteht alles auf derselben Maschine, mit der du sonst Säume nähst. Beim Umdrehen des Stoffes wirkt es wie Zauberei. Gleichzeitig brichst du dabei eine der „heiligen Regeln“: an der Unterfadenspannung (Spulenkapsel) herumzuschrauben.

Aus der Praxis weiß ich: Genau das erzeugt bei vielen eine echte „Maschinen-Angst“. Die Sorge, die Spannung dauerhaft zu verstellen, den Greiferbereich zu blockieren oder Fäden zu zerreißen, ist absolut nachvollziehbar.

Wenn du aber die Leitplanken aus dieser Anleitung einhältst – vor allem eine separate Spulenkapsel nur für Bobbin Work und ein kontrolliertes Tempo – ist das einer der sichersten Einstiege in plastische Maschinenstick-Optik. Diese Schritt-für-Schritt-Anleitung folgt Rebeccas Experiment an der Bernette b35: dickes Perlgarn im Unterfaden, Standardgarn im Oberfaden. Du bekommst dabei nicht nur „was“ du tust, sondern auch die Checks, die du sehen, fühlen und hören solltest, damit du nicht auf Glück nähst, sondern reproduzierbar.

Close-up comparison of stranded embroidery floss versus a spool of Perle Cotton No. 5.
Explaining material selection

Bobbin Work (Reverse Machine Embroidery) ist der schnellste Weg zu echter Textur – wenn du eine „komische“ Regel akzeptierst

Die „komische“ Regel ist ein Perspektivwechsel: Du arbeitest auf der Seite, auf der du die Textur nicht siehst.

Beim Bobbin Work liegt der „schöne“ Faden (das dicke Perlgarn) in der Unterfadenspule. Er erscheint später auf der Unterseite – die in diesem Workflow deine „Vorderseite“ wird. Deshalb musst du dein Motiv auf die Rückseite (linke Stoffseite) zeichnen und dort nähen. Von oben siehst du zunächst nur eher unspektakuläre Geradeausstiche. Die eigentliche Struktur entsteht unten.

Die Physik dahinter: Der Oberfaden ist hier im Grunde ein „Anker“. Er sticht durch den Stoff, greift das dicke Garn aus dem Unterfaden und zieht es so weit an, dass es hält – aber nicht so stark, dass die Textur „abgewürgt“ wird.

Wenn du aus der Welt der digitalisierten Stickdateien und perfekten Satinstiche kommst: Das hier ist befreiend. Keine Software, keine Datei – deine Hände bestimmen Stichlänge und Dichte. Es ist die Brücke zwischen Maschinenpräzision und freier Handarbeit.

Showcase of the Bernette b35 sewing machine with the bobbin area open.
Machine introduction

Unverhandelbare Basis: Perlgarn + separate Spulenkapsel (hier ruinieren viele ihre Maschine)

Das ist der wichtigste Satz der ganzen Anleitung: Nimm nicht deine normale Spulenkapsel, die du täglich fürs Nähen nutzt.

Die Schraube an der Spulenkapsel ist empfindlich. Wenn du deine „Alltagskapsel“ für dicke Fäden verstellst, verbringst du später im Zweifel Stunden damit, sie wieder auf Standardgarn zu trimmen. In vielen Werkstätten gibt es deshalb sinngemäß eine „Standard-Kapsel“ und eine „Bobbin-Work-Kapsel“.

Das brauchst du wirklich:

  • Maschine: Bernette b35 (oder eine Maschine mit Spulenkapsel, deren Spannung sich einstellen lässt).
  • „Opfer“-Spulenkapsel: eine separate Spulenkapsel nur für dicke Unterfäden.
  • Faden im Unterfaden: Perle Cotton Nr. 5 oder Nr. 8. (Wichtig: kein teilbares Stickgarn/6-fädiges Garn – das hakt und franst.)
  • Oberfaden: stabiles Standard-Nähgarn (Baumwolle oder Polyester).
  • Fuß: Stopf-/Freihand-/Stickfuß.
  • Stickrahmen: stabiler Holzrahmen oder ein Rahmen, der hohe Spannung zulässt.
  • Kleinteile: kleiner Schraubendreher, frische Nadeln (Topstitch/Universal, 90/14 oder 100/16 – je nach Material), sowie selbstklebendes Ausreißvlies.

Ein Suchbegriff, der für viele relevant ist: Wenn du gezielt nach einer bernette Stickmaschine suchst, hilft dir diese Technik, ein besseres Gefühl für Fadenspannung zu entwickeln. Auch wenn eine computergesteuerte Bernette „Programme abfährt“, macht dich Bobbin Work an der mechanischen/haushaltsnahen Maschine spürbar sicherer im Umgang mit Spannung und Material.

Using a small screwdriver to adjust the tension screw on the metal bobbin case.
Adjusting tension

„Von Hand spulen – oder später bereuen“: Dickes Perlgarn ohne Klemmer aufspulen

Rebecca spult das Perlgarn per Hand auf die Unterfadenspule. In der Praxis ist das eine der wichtigsten Gewohnheiten.

Warum Handspulen so entscheidend ist: Perlgarn ist dick und „voluminös“. Beim schnellen, maschinellen Aufspulen kann es sich ungünstig setzen. Das Ergebnis: Der Unterfaden läuft nicht sauber ab, die Spule kann in der Kapsel bremsen – und die Maschine klingt plötzlich schwer/stockend.

Schnellcheck beim Aufspulen: Spule langsam und gleichmäßig.

  • Optik: Die Wicklung soll flach und gleichmäßig sein (keine „Hügel“).
  • Gefühl: fest, aber nicht überfüllt. Lass am Rand etwas Luft – wenn die Spule sichtbar „bauchig“ wird, steigt die Reibung in der Kapsel.

Warnhinweis: Beim Freihandnähen ist die Nadelzone offen. Hände immer an den Rand des Rahmens/Stoffes – niemals unter den Fuß greifen, solange die Maschine läuft.

Vorbereitung (bevor du an der Spulenkapsel-Schraube drehst)

  • Separate Spulenkapsel besorgt und eindeutig markiert (z. B. Punkt/Lack/Tape), damit sie nie verwechselt wird.
  • Unterfadenspule mit Perlgarn von Hand gewickelt; keine losen Schlaufen.
  • Nadel frisch: neue Nadel einsetzen (Universal oder Topstitch 90/14). Stumpfe Nadeln erhöhen Fehlstiche und Fadenstress.
  • Reinigung: Greifer-/Spulenbereich von Flusen befreien – Bobbin Work produziert oft mehr Fussel.
  • Schraubendreher liegt bereit; die kleine Spannschraube an der Kapsel ist gefunden.
View of the machine's needle plate with feed dogs mentioned.
Machine setup

Spulenkapsel-Spannung sicher lösen (und warum die separate Kapsel deine Nerven rettet)

Das ist der Schritt, der viele abschreckt: Wir „verstellen“ die Unterfadenspannung – aber eben nur an der separaten Kapsel.

Im Video lockert Rebecca die Schraube „deutlich“. So setzt du es kontrolliert um:

Praxis-Test („Yo-Yo“-Prinzip):

  1. Start: Spule mit Perlgarn in die Kapsel einsetzen. Am Fadenende halten.
  2. Justieren: Die kleine Schraube gegen den Uhrzeigersinn lösen – in kleinen Schritten.
  3. Testen: Ziel ist, dass der Faden sehr leicht durch die Spannfeder läuft.
  4. Gefühl-Check: Beim Ziehen soll fast kein Widerstand spürbar sein – deutlich weniger als beim normalen Nähen.
    Hinweis
    Rebecca erwähnt, dass man bei sehr dicken Fäden die Spannfeder sogar komplett entfernen kann. Für Einsteiger ist das meist unnötig und beim Wiederzusammenbau fummelig – in vielen Fällen reicht „deutlich lockern“, bis der Faden frei läuft.

Die Logik dahinter ist simpel: Eine Ersatz-Spulenkapsel ist überschaubar im Preis – eine Reparatur nach einem harten Klemmer oder falsch zurückgestellter Spannung ist deutlich teurer. Die separate Kapsel ist die beste Versicherung für entspanntes Experimentieren.

Adjusting the top thread tension dial on the Bernette machine.
Setting tension

„Upside-Down“-Markieren: Auf die Rückseite zeichnen, weil der Unterfaden später die Vorderseite ist

Weil der Unterfaden (Perlgarn) die Optik macht, liegt die Textur auf der Unterseite. Deshalb zeichnest du Baum, Schrift oder Motiv auf die Rückseite des Stoffes.

Wichtig beim Einspannen: Rebecca nutzt einen Holzrahmen. Wenn du mit Holzrahmen arbeitest, zieh die Schraube bei Bedarf mit einem Schraubendreher nach.

  • Sound-Check: Kurz auf den Stoff tippen – er sollte „trommeln“. Zu weich = Risiko für Wellen/Puckern.

Viele kämpfen hier mit Handkraft oder mit unschönen Rahmenspuren. Wenn du dich darin wiederfindest, sind Konzepte wie ein repositionierbarer Stickrahmen für manche Workflows interessant. Für viele ist aber langfristig ein Magnetrahmen der größte Komfortsprung, weil das Einspannen schneller und gleichmäßiger wird.

Placing the hooped fabric under the darning foot.
Preparing to stitch

Bernette b35 Setup für Bobbin Work: Transporteur, Fuß, Stich, Oberfadenspannung

Du stellst die Maschine auf „Freihand“ um. Das Setup aus dem Video:

  • Transporteur: versenken (oder abdecken, falls nicht versenkbar).
  • Fuß: Stopf-/Freihand-/Stickfuß.
  • Stich: Geradstich (zentriert).

Oberfadenspannung – realistisch nach Video: Rebecca startet „etwas höher als normal“ und arbeitet später beim hoopless Nähen mit 3,5 (und testet auch 4).

Praxis-Check mit Probestück: Mach vor dem eigentlichen Motiv ein kurzes Testfeld.

  • Wenn das Perlgarn unten zu stark „eingezogen“ wirkt (Textur flach): Oberfadenspannung senken.
  • Wenn es zu locker liegt und nicht stabil wirkt: Oberfadenspannung leicht erhöhen.
In-action shot of free-motion stitching the tree trunk outline.
Free-motion embroidery

Baumstamm nähen: So führst du den Rahmen, damit es nach Rinde aussieht (nicht nach Kritzelei)

Rebecca stickt/ näht den Stamm zuerst und arbeitet dort ohne Vlies.

Handführung:

  1. Tempo koppeln: Maschine gleichmäßig laufen lassen, Hände kontrolliert führen.
  2. Dichte entsteht durch Führung: Je langsamer du den Stoff führst (bei gleichbleibender Nadelbewegung), desto dichter wird die Struktur.

Checks währenddessen:

  • Geräusch: gleichmäßiges Surren ist gut. Ein dumpfes Stocken/„Thump“ ist ein Warnsignal – sofort stoppen und Unterfadenlauf prüfen.
  • Gefühl: Der Rahmen/Stoff soll gleiten. Wenn es bremst, prüfe, ob etwas am Maschinenbett/Transporteurbereich reibt.

Erwartetes Ergebnis: Beim Umdrehen siehst du das Perlgarn deutlich erhaben – wie eine aufgelegte Kordel, nicht flach.

Revealing the underside of the hoop to show the textured brown trunk.
Result reveal

Klebevlies-Experiment: Selbstklebendes Ausreißvlies als „hoopless“-Lösung (wenn der Stoff zu klein ist)

Im Video passiert etwas sehr Typisches: Der Stoff ist knapp zugeschnitten. Rebecca wechselt auf selbstklebendes Ausreißvlies.

Sie zieht das Trägerpapier ab und klebt den Stoff direkt auf das Vlies. Das wird oft als „Floating“ beschrieben – eine pragmatische Lösung, wenn Einspannen schwierig ist (kleine Stücke, ungünstige Formen). Wer nach einem Floating-Stickrahmen sucht, findet hier die manuelle, sehr zugängliche Variante.

Wichtig zu wissen: Klebevlies kann mehr Reibung erzeugen.

  • Es kann am Stichplattenbereich „bremsen“.
  • Gegenmaßnahme: gleichmäßig führen, nicht zerren – zu viel Kraft kann die Nadel ablenken.
Holding a roll of self-adhesive tear-away embroidery stabilizer.
Introducing stabilizer

Hoopless Blätter: Warum Oberfadenspannung 3,5 die Textur retten kann, wenn nichts trommelfest eingespannt ist

Für die Blätter arbeitet Rebecca ohne Stickrahmen und führt das Stoff/Vlies-Sandwich direkt.

Weil der Stoff nicht mehr straff eingespannt ist, hat er mehr „Nachgiebigkeit“. Deshalb reduziert sie die Oberfadenspannung auf 3,5.

Warum das hilft: Ohne straffe Spannung würde eine hohe Oberfadenspannung den Stoff schneller zusammenziehen (Puckern). Mit 3,5 kann sich der Stich sauber bilden, ohne die Fläche sofort zu verziehen.

Workflow-Upgrade (wenn du das oft machst): Hoopless ist machbar, aber auf Dauer ermüdend und weniger reproduzierbar. Eine Einspannstation für Stickrahmen kann dir bei wiederkehrenden Platzierungen helfen, weil du weniger „in der Luft“ korrigieren musst.

Stitching onto fabric stuck to adhesive stabilizer without a hoop.
Hoopless embroidery

Farbwechsel im Unterfaden: Auf Grün wechseln, ohne die Kontrolle zu verlieren

Rebecca wechselt für das Laub auf grünes Perlgarn im Unterfaden.

Sauberer Start nach dem Wechsel:

  1. Oberfaden festhalten.
  2. Nadel einmal runter/hoch.
  3. Oberfaden anziehen, bis das dicke Unterfadenende hochkommt.
  4. Beide Fadenenden beim Anfahren kurz sichern, damit nichts in den Greifer gezogen wird.

Serienlogik: Wenn du mehrere Teile machst, spule die benötigten Farben vorab. Das spart Rhythmus und reduziert Fehler beim ständigen Umrüsten.

Changing the bobbin thread to a green Perle cotton.
Changing colors

Spannungs-Realität: Warum 3,5 vs. 4 die „Höhe“ der Textur sichtbar verändert

Rebecca testet bei den Blättern zwischen 3,5 und 4, um die Wirkung auf die erhabene Struktur zu vergleichen.

Orientierung für „gute“ Textur:

  • Zu stramm: Perlgarn wirkt dünn/abgeflacht.
  • Zu locker: Schlaufen können später hängen bleiben.
  • Sweet Spot (hier oft 3–4): rund, voll, fühlbar erhaben – aber stabil.

Wenn du reproduzierbare Ergebnisse willst, spielt nicht nur die Fadenspannung, sondern auch die Gleichmäßigkeit beim Einspannen eine Rolle. Genau deshalb interessieren sich viele für Magnetrahmen für Stickmaschine: Konstante Stoffspannung reduziert das „Dial-Gefummel“.

Setting the top tension dial to 3.5.
Adjusting settings

Nebenwirkung von Klebevlies: „Klebrige“ Nadel (bevor Fehlstiche anfangen)

Rebecca bemerkt eine leichte „Gumminess“ – das ist Reibung/Belag durch die Klebeschicht.

Frühwarnzeichen: Wenn du ein deutliches Tick-Tick-Tick hörst oder Fehlstiche siehst:

  1. Stoppen.
  2. Nadel prüfen: Ist Belag am Schaft?
  3. Abhilfe: Nadel abwischen (z. B. mit etwas Alkohol) oder direkt wechseln.

Das ist ein guter Grund, Klebevlies als „Spezialwerkzeug“ zu sehen – nicht zwingend als Standardlösung.

Free-motion stitching the leaves with green thread, moving fabric by hand.
Stitching foliage

Ausreißmoment: Selbstklebendes Ausreißvlies entfernen, ohne die Stiche zu verziehen

Rebecca reißt das Vlies ab.

Technik: Mit dem Daumen direkt auf der Stickerei gegenhalten und das Vlies kontrolliert abreißen. Nicht ruckartig wie ein Pflaster – sonst können sich die lockeren Bobbin-Work-Stiche verziehen.

Bügelvlies-Frage aus der Praxis: In den Kommentaren kam die Frage nach „iron on tear away“ (aufbügelbarem Ausreißvlies). Rebecca sagt, sie hat diese Variante noch nicht ausprobiert und nutzt eher normales Aufbügelvlies, wasserlösliches Vlies und Ausreißvlies. Wenn du mit Hitze arbeitest, sei bei Bobbin Work vorsichtig: Zu viel Druck/Hitze kann die erhabene Textur flacher drücken.

Tearing away the adhesive stabilizer from the back of the embroidered tree.
Removing stabilizer

Finale Textur: Woran du erkennst, dass Bobbin Work „gut“ ist

Rebeccas fertiger Baum zeigt sehr gut, wie Bobbin Work aussehen soll:

  • Stamm: deutlich erhaben, kordelartig/rindenähnlich.
  • Blätter: moosige, strukturierte Fläche.
  • Vorderseite (Texturseite): plastisch.
  • Rückseite: darf unordentlicher sein – das ist normal.

Wenn dein Ergebnis flach ist, sind die häufigsten Ursachen: Unterfaden läuft nicht frei genug durch die Spulenkapsel (zu viel Spannung/Reibung) oder du führst so, dass die „Kordel“ zu stramm in den Stoff gezogen wird.

Vlies-Entscheidungsbaum: Stabilisierung passend zum Material

Nutze diese Logik, um Verzug zu vermeiden.

Start → Welcher Stoff ist es?

A) Stabil gewebt (z. B. Denim, Canvas, schwere Baumwolle)

  • Spannst du straff ein?
    • JA: oft kein Vlies nötig.
    • NEIN: Ausreißvlies darunter, um Wellen zu reduzieren.

B) Leicht gewebt (z. B. Calico/Patchwork-Baumwolle)

  • Spannst du ein?
    • JA: Ausreißvlies.
    • NEIN (Floating): selbstklebendes Ausreißvlies.

C) Maschenware/Stretch (T-Shirts)

  • Regel: Bobbin Work ist schwer, Stretch ist nachgiebig.
  • Empfehlung: Cut-Away Mesh statt Ausreißvlies.

Troubleshooting Bobbin Work: Symptom → Ursache → Fix (wenn’s mitten im Projekt stoppt)

Symptom Wahrscheinliche Ursache Schnelllösung
Dumpfes Stocken/„Thunk“ Unterfaden läuft nicht frei / Spule bremst. Stoppen. Spule prüfen (gleichmäßig gewickelt?). Ggf. neu von Hand spulen.
Textur flach Oberfadenspannung zu hoch. Oberfadenspannung schrittweise senken.
Schlaufen Oberfadenspannung zu niedrig. Leicht erhöhen, bis es stabil ist.
Stoff wellt/puckert Nicht straff genug eingespannt oder Vlies zu schwach. Neu einspannen („trommelfest“) oder Vlies anpassen.
Fehlstiche Nadel klebrig oder stumpf (Klebevlies). Nadel reinigen oder wechseln.

Setup-Checkliste (direkt vor dem Start)

  • Transporteur: versenkt/abgedeckt.
  • Fuß: Stopf-/Stickfuß korrekt montiert.
  • Oberfaden: Standardgarn korrekt eingefädelt.
  • Unterfaden: Perlgarn in der separaten Spulenkapsel (Spannung gelöst).
  • Markierung: Motiv auf der Rückseite.
  • Oberfadenspannung: je nach Test zwischen 3,5–4 (hoopless) bzw. „etwas höher als normal“ (eingespannt) starten und feinjustieren.

Betriebs-Checkliste (während du nähst)

  • Sound-Check: gleichmäßiges Laufgeräusch, kein dumpfes Stocken.
  • Gleit-Check: Stoff/Rahmen gleitet ohne starkes Bremsen.
  • Kontrolle: regelmäßig umdrehen und Textur prüfen.
  • Spulenstand: nicht komplett leer nähen – am Ende ändert sich der Lauf, rechtzeitig wechseln.

Upgrade-Pfad: Wenn du die Technik liebst, aber Setup-Zeit und Handkraft dich ausbremsen

Wenn du nach dem Projekt denkst: „Ergebnis top, aber Einspannen nervt/Handgelenk tut weh“ oder „Ich will das verkaufen, aber ich bin zu langsam“ – dann ist das ein sinnvoller Upgrade-Trigger.

Wo ist dein Engpass?

  1. „Einspannen ist anstrengend / Rahmenspuren auf empfindlichem Stoff.“
    • Level 1: Vlies und Einspanntechnik optimieren.
    • Level 2 (Tool): Magnetrahmen. Begriffe wie magnetic embroidery hoop helfen dir, dich in das Thema einzuarbeiten.
    • > Warnung: Magnetrahmen sind sehr stark. Abstand zu Herzschrittmachern/Implantaten halten. Finger nie zwischen schnappende Magnete bringen (Quetschgefahr).
  2. „Ich bekomme die Platzierung auf der Rückseite nicht sauber hin.“
  3. „Ich habe eine Bestellung über 50 strukturierte Motive.“
    • Lösung: Dann bist du vermutlich über die Haushalts-/Freihand-Methode hinaus. Ein hoopmaster-System in Kombination mit einer Mehrnadelstickmaschine ist für Serienproduktion ausgelegt.

Bobbin Work ist Handwerk mit Maschine: Starte mit der separaten Spulenkapsel, respektiere die Physik dicker Fäden – und genieße den Moment, wenn du den Stoff umdrehst und die Textur „aufpoppt“.

FAQ

  • Q: Wie kann eine Bernette b35 Bobbin Work mit Perlgarn nähen, ohne die Unterfadenspannung der Bernette b35 dauerhaft zu verstellen?
    A: Nutze eine separate (dedizierte) Bernette-b35-Spulenkapsel nur für Bobbin Work und verstelle ausschließlich diese Kapsel für dickes Perlgarn.
    • Markiere die Ersatz-Spulenkapsel (z. B. Punkt/Lack/Tape), damit sie nie mit der Standard-Kapsel verwechselt wird.
    • Löse die Spannschraube der Spulenkapsel gegen den Uhrzeigersinn in kleinen Schritten und teste nach jedem Schritt.
    • Mache den „Yo-Yo“-Test: Spulenkapsel am Perlgarn-Faden hängen lassen und auf einen leichtgängigen Lauf mit minimalem Widerstand zielen.
    • Erfolgscheck: Perlgarn soll sich durch die Spannfeder fast widerstandsfrei ziehen lassen (nicht „wie Zahnseide“).
    • Wenn es weiterhin hakt, spule die Unterfadenspule von Hand neu und prüfe, ob sie überfüllt/bauchig ist (das erzeugt Reibung).
  • Q: Warum klemmt Perlgarn oder verursacht ein dumpfes „Thunk“-Geräusch an einer Bernette b35 beim Bobbin Work?
    A: Häufig läuft der Unterfaden nicht frei genug oder die Spule ist ungünstig gewickelt und bremst in der Spulenkapsel.
    • Sofort stoppen und die Spule herausnehmen, um einen harten Klemmer zu vermeiden.
    • Perlgarn langsam und gleichmäßig von Hand aufspulen (für diese Technik nicht „schnell durchjagen“).
    • Achte auf eine flache Wicklung ohne „Hügel“ und vermeide Überfüllung.
    • Erfolgscheck: Die Maschine läuft wieder gleichmäßig und der Stoff lässt sich ohne Stocken führen.
    • Wenn es weiterhin passiert, Flusen im Spulenbereich entfernen und prüfen, ob die Spule an den Kapselwänden schleift.
  • Q: Welche Bernette-b35-Einstellungen eignen sich für Free-Motion Bobbin Work (Transporteur, Fuß, Stich, Stichlänge, Oberfadenspannung)?
    A: Stelle die Bernette b35 auf Freihand: Transporteur versenken/abdecken, Stopf-/Stickfuß montieren, Geradstich wählen und die Oberfadenspannung über Probenähte fein einstellen.
    • Transporteur versenken (oder abdecken, falls nötig) und Stopf-/Freihand-/Stickfuß montieren.
    • Geradstich (zentrierte Nadelposition) wählen.
    • Oberfadenspannung zunächst „etwas höher als normal“ starten (eingespannt) und dann per Probestück anpassen; beim hoopless Nähen wurde im Beispiel 3,5 genutzt.
    • Erfolgscheck: Auf der Texturseite wirkt das Perlgarn rund/erhaben und sitzt stabil – weder „eingezogen“ noch schlaufenreich.
    • Wenn es nicht passt, Oberfadenspannung in kleinen Schritten ändern und erneut testen, bevor du andere Variablen änderst.
  • Q: Wie vermeidet man Puckern beim Bernette-b35-Bobbin-Work, wenn man hoopless („floating“) mit selbstklebendem Ausreißvlies arbeitet?
    A: Reduziere die Oberfadenspannung und berücksichtige die zusätzliche Reibung durch das Klebevlies, weil der Stoff nicht trommelfest eingespannt ist.
    • Stoff auf selbstklebendes Ausreißvlies kleben und das Sandwich gleichmäßig führen; mehr Reibung am Maschinenbett ist normal.
    • Oberfadenspannung senken (im Beispiel: 3,5), um sofortiges Zusammenziehen zu reduzieren.
    • Stoff gleiten lassen, nicht zerren – Zerren kann die Nadel ablenken.
    • Erfolgscheck: Der Stoff bleibt flach (keine Kräuselung), während das Perlgarn sichtbar erhaben bleibt.
    • Wenn es weiterhin puckert, wieder in den Stickrahmen einspannen oder die Vlieswahl an den Stoff anpassen.
  • Q: Wie verhindert man Fehlstiche durch „klebrige“ Nadeln (Klebevlies) beim Bobbin Work an der Bernette b35?
    A: Bei den ersten Anzeichen stoppen und die Nadel reinigen oder wechseln, bevor die Stichbildung instabil wird.
    • Auf ein deutliches Tick-Tick-Tick achten und Fehlstiche als Frühwarnzeichen ernst nehmen.
    • Nadel auf Klebereste prüfen und bei Bedarf abwischen (z. B. mit Alkohol) oder direkt ersetzen.
    • Eine frische Nadel (z. B. Topstitch 90/14 oder 100/16 je nach Material) unterstützt sauberes Durchstechen.
    • Erfolgscheck: Stiche werden wieder gleichmäßig und das Geräusch normalisiert sich.
    • Wenn es wiederkehrt, Klebevlies eher situativ einsetzen und nicht als Standard.
  • Q: Welche Sicherheitsmaßnahmen sind beim Free-Motion Bobbin Work mit offenem Stopffuß wichtig?
    A: Hände aus der Nadelzone halten und niemals unter den Nähfuß greifen, solange die Maschine läuft.
    • Hände an den Rand von Rahmen/Stoff positionieren, nicht nahe der Nadelöffnung.
    • Maschine vollständig stoppen, bevor du Stoff ausrichtest, die Unterseite prüfst oder Fäden sicherst.
    • Geschwindigkeit so wählen, dass die Nadelbewegung kontrollierbar bleibt.
    • Erfolgscheck: Hände bleiben konsequent außerhalb der Stichzone und der Stoff wird ohne ruckartige Bewegungen geführt.
    • Wenn es unsicher wird, langsamer nähen und lieber mit Stickrahmen arbeiten, um Abstand zur Nadel zu gewinnen.
  • Q: Wann lohnt sich der Wechsel von Holzrahmen zu Magnetrahmen oder sogar zu einer Mehrnadelstickmaschine, wenn Bobbin-Work-Setup zu viel Zeit kostet?
    A: Steigere in Stufen – erst Technik stabilisieren, dann Einspann-Aufwand reduzieren, dann Kapazität erhöhen, wenn Aufträge es verlangen.
    • Level 1 (Technik): Einspannqualität („trommelfest“) und passende Vlieswahl reduzieren Puckern und Nacharbeit.
    • Level 2 (Tool): Wenn Einspannen Schmerzen verursacht, Spannung schwankt oder Rahmenspuren stören, können Magnetrahmen schneller und gleichmäßiger klemmen.
    • Level 3 (Kapazität): Wenn Serienmengen die Haushalts-/Freihand-Methode überfordern, ist eine Mehrnadelstickmaschine für wiederholbare Produktion sinnvoll.
    • Erfolgscheck: Rüstzeit sinkt und die Spannungseinstellungen bleiben von Teil zu Teil stabil.
    • Wenn es weiterhin hakt, den Engpass klar benennen (Handkraft, Platzierung, Stückzahl) und gezielt nur dort upgraden.