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Wenn du vor der Bernette-70-Serie stehst und denkst: „Die sehen doch alle ähnlich aus – warum diskutieren alle so heftig über b77 vs. b70 DECO vs. b79?“, bist du nicht allein. Die Verwirrung ist nachvollziehbar – aber die Antwort entscheidet, ob du deine Maschine liebst oder ständig gegen sie arbeitest.
Nach vielen Jahren Praxis am Arbeitstisch und im Unterricht habe ich gelernt: „Maschinen-Reue“ kommt selten von der Verarbeitungsqualität. Sie entsteht meist durch:
- Falsche Erwartung: Eine Nähmaschine kaufen, obwohl man insgeheim sticken wollte (oder umgekehrt).
- Die „langweiligen Teile“ unterschätzen: Denken, Maschinenstickerei sei nur „Start drücken“ – und dabei Einspannen, Stabilisieren (Stickvlies) und Fadenmanagement ignorieren.
Dieser Guide macht aus der üblichen Produktübersicht ein hands-on Entscheidungsdokument. Wir lassen Marketing weg, schauen auf das, was im Alltag wirklich zählt (Stoffführung, Passung/Ausrichtung, Sicherheit) und geben dir klare Routinen, damit du ohne Angst und ohne unnötige Fehlstiche arbeitest.

Der Beruhigungs-Moment: Was die Bernette 70 Serie (b77, b70 DECO, b79) eigentlich sein will
Der Kernpunkt aus dem Video ist simpel: Bernette bringt eine Bernina-ähnliche Benutzeroberfläche (UI) und den dazugehörigen Workflow in eine zugänglichere Preisklasse. Das bedeutet: Touchscreen-Logik, Bedienkonzept und „High-End-Gefühl“ (Ergonomie, Präzision, solide Haptik) – ohne dass du gleich in eine Bernina B-Serie investieren musst.
Du siehst drei Modelle mit ähnlicher Basis – aber im Workshop verhalten sie sich wie drei unterschiedliche „Mitarbeiter“:
- Bernette b77 = Näh-Spezialist. Kein Stickmodul. Arbeitstier für Bekleidung und Quilting.
- Bernette b70 DECO = Stick-Spezialist. Reine Stickmaschine – nicht fürs „normale“ Nähen gedacht.
- Bernette b79 = Hybrid/Combo. Kombiniert die Nähfähigkeiten der b77 mit dem Stickmodul der b70.
Entscheidungslogik: Wenn du ein Kleid konstruieren und danach direkt ein Logo am Saum sticken willst, ohne den Arbeitsplatz zu wechseln, ist hier die b79 die passende Option. Wenn du bereits eine Nähmaschine hast, der du vertraust, ist die b70 DECO als Stick-Ergänzung in der Praxis oft die sauberste Lösung.

Bernette b77: Die Specs (9" Durchlass + 1000 SPM) so nutzen, dass du nicht gegen den Stoff kämpfst
Im Video näht die b77 auf einem roten, gemusterten Stoff. Die Daten klingen nach „Power“: 1000 Stiche/Minute (SPM) und Dual Feed. Aber: Geschwindigkeit ohne Kontrolle ist für Einsteiger der schnellste Weg zu schiefen Nähten, Falten und Frust.
Realitätscheck „Sweet Spot“: Auch wenn die Maschine 1000 SPM kann, fahren Profis bei heiklen Materialien selten Vollgas.
- Einsteiger-Sweet-Spot: Stell den Speed-Regler zunächst auf 600–700 SPM. Das gibt dir Reaktionszeit.
- Warum 9" Durchlass wirklich hilft: Die 9 Zoll rechts der Nadel sind nicht nur „für große Quilts“. Mehr Platz heißt: Stoff liegt flacher, weniger Zug/Drag am Maschinenarm. Weniger Drag = stabilere Fadenspannung und gleichmäßiger Transport.
Sensorik-Check: Hör auf das Geräuschbild. Ein gleichmäßiges, ruhiges Laufgeräusch ist gut. Ein hohes, „gequältes“ Jaulen ist oft ein Hinweis, dass der Stoff hängt, bremst oder du gegen den Transport arbeitest.

Touchscreen + Multifunktionsknöpfe: Warum die Bernina-ähnliche UI dich vor „Einstellungs-Amnesie“ schützt
Im Video werden der Farb-Touchscreen und die Multifunktionsknöpfe betont. Das ist nicht nur Optik – es ist Workflow.
Bei klassischen Maschinen drehst du an einem Regler, und fünf Minuten später weißt du nicht mehr, ob du bei 3,5 mm oder 4,0 mm warst. Die UI hilft dir dabei:
- Stichgeometrie sichtbar zu machen: Du siehst am Bildschirm, wie sich Breite/Länge verändern.
- Anpassungen zu behalten: Wenn du z. B. einen Satinstich für Applikation anpasst, kann die Maschine diese Änderung beim Zurückwechseln wieder „mitnehmen“.
Warum das Stress reduziert: Du verbringst weniger Zeit mit „Habe ich das eben verstellt?“ und mehr Zeit mit sauberer Stoffführung.

Dual Feed bei Bernette b77/b79: Der Traktions-Trick gegen „Warum ist die obere Lage am Ende länger?“
Im Video wird Dual Feed am roten Stoff gezeigt. Stell dir eine Standardmaschine wie ein Auto auf glatter Straße vor: Unten greifen die „Reifen“ (Transporteur), oben kann es trotzdem rutschen. Dual Feed gibt der oberen Lage kontrollierten Mittransport.
Wann Dual Feed einschalten:
- Quilting/mehrlagig: Verhindert, dass die obere Lage „vorläuft“.
- Karos/Passung: Hält Streifen/Karos besser in Ausrichtung.
- Rutschige Synthetics: Rayon, Seide, Futterstoffe.
Wann besser ausschalten:
- Dichte Zierstiche: Zu viel Grip kann bei satten Stichen verziehen.
- Freihand-Techniken: Beim Freihandquilten werden die Transporteure typischerweise versenkt.
Praxis-Regel: Wenn eine Naht wiederholt damit endet, dass die obere Lage ca. 1/2 inch länger ist als die untere, ist das zuerst ein Traktions-Thema – Dual Feed ist dann der schnellste Test.
Programmierbares Fußpedal „Back Kick“: Das kleine Feature, das sich wie eine dritte Hand anfühlt
Der Back Kick (mit der Ferse hinten aufs Pedal drücken) ist im Video als Problemlöser zu sehen – im Alltag ist es vor allem ein Tempo- und Kontrollgewinn.
Wenn du Nadel hoch/runter (oder je nach Programmierung andere Funktionen) per Ferse auslöst, bleiben deine Hände am Material. Das ist besonders hilfreich bei:
- Ecken und Pivot: Nadel unten, drehen, ohne umzugreifen.
- Sperrigen Projekten: Du verlierst nicht den Halt, während du nach einer Taste suchst.

Warnung: Mechanische Sicherheit
Halte deine Finger mindestens 1 inch vom Nähfuß-/Nadelbereich entfernt, wenn du Back Kick oder das Freehand System (Kniehebel) nutzt. Diese Funktionen reagieren sofort. Bei hoher Geschwindigkeit passiert ein Nadelstich schneller, als du reagieren kannst – respektiere die „Nadelzone“.
b70 DECO: Was „nur Sticken“ für deinen Workflow wirklich bedeutet
Die b70 DECO ist konsequent auf Stickbetrieb ausgelegt. Laut Video bringt sie 200 integrierte Stickmuster mit und wird mit drei Stickrahmen geliefert.
Workflow-Realität: Wenn du sie kaufst, brauchst du fürs Konstruieren/Abnähen eine separate Nähmaschine. Eine Hose säumst du nicht auf einer b70 DECO.
- Vorteil: Du kannst parallel arbeiten: Nähen an Maschine A, während die b70 DECO einen 45-Minuten-Sticklauf abarbeitet. Das erhöht Output.
- Nachteil: Du brauchst mehr Platz am Tisch/ im Studio.

Der große Stickrahmen (6.25" x 10.25"): Warum Stickfeld-Größe wichtiger ist, als viele am Anfang denken
Im Video wird die große Rahmengröße genannt: 6.25 x 10.25 inches (160x260mm).
Warum ist das im Alltag relevant?
- Quiltblöcke: Viele Motive passen ohne Aufteilen.
- Jacken/ Hoodies: Deckt einen großen Bereich auf Rücken oder Vorderteil ab.
- Batching: Mehrere kleine Motive (z. B. drei Namen/Logos) lassen sich ggf. in einem Einspannen kombinieren – weniger Rüstzeit.
Wenn du gerade nach einer Stickmaschine mit großem Stickrahmen suchst, schau nicht nur auf „maximale Fläche“. Frag dich auch: „Wie gut bekomme ich diese Fläche sauber und gleichmäßig eingespannt?“ Je größer der Innenring, desto schwieriger ist es, in der Mitte wirklich „trommelfest“ zu spannen. (Die praktische Lösung – Magnetrahmen – kommt später.)

Hoop Detection bei b70 DECO / b79: Das leise Feature, das teure Nadel-Kollisionen verhindert
Die Rahmenerkennung (Hoop Detection) sorgt dafür, dass die Maschine den montierten Stickrahmen erkennt und dich vor falschen Größen schützt.
Das Crash-Szenario: Ohne Erkennung könntest du ein Motiv wählen, das größer ist als der montierte Rahmen. Dann fährt die Maschine die Nadel bei hoher Geschwindigkeit in den harten Kunststoff – Nadelbruch ist sicher, und im Worst Case leidet die Mechanik.
Sicherheitsprotokoll: Auch mit Erkennung gilt: immer vor dem Sticken die Funktion „Check Size“/„Trace“ am Bildschirm nutzen.
- Sichtprüfung: Läuft der Fuß/ Rahmenweg frei, ohne den Kunststoff zu berühren?
- Freigang: Sind dicke Nähte/ Kanten so positioniert, dass nichts unter dem Fuß klemmt?

Bernette b79 Combo + Stitch Designer: Wann „eine Maschine für alles“ den Kompromiss wert ist
Die b79 vereint b77 und b70 – und bringt zusätzlich den Stitch Designer mit.
Für wen passt das?
- Wenig Platz: Wohnung/kleines Studio.
- Textil-Allrounder: Du willst nähen und direkt danach sticken – und ggf. Zierstiche anpassen.
Viele Leser, die bernette Stickmaschinen Bewertungen durchforsten, sorgen sich bei Combo-Maschinen um Komplexität. Praktisch hilft hier: Das Stickmodul ist modular und kann abgenommen werden – die Maschine wird dann wieder zur vollwertigen Nähmaschine.

Lieferumfang: Stickrahmen, Nähfüße – und die „versteckten Verbrauchsmaterialien“
Im Karton ist das Nötigste dabei:
- b70/b79: S/M/L Stickrahmen.
- b77/b79: Anschiebetisch und mehrere Nähfüße.
Was in der Praxis oft am ersten Tag fehlt: Viele packen aus und merken: Ohne Verbrauchsmaterialien startet man nicht sauber.
- Stickgarn: Standard ist 40 wt Polyester. Normales Nähgarn ist fürs Sticken oft zu dick/zu fusselig.
- Unterfaden: 60 wt oder 90 wt als dünnerer Unterfaden.
- Applikationsschere: Gebogene Spitze fürs saubere Schneiden von Sprungstichen.
- Nadeln: 75/11 Sticknadeln (Jersey/Stretch = Kugelspitze, Webware = spitz).

Das „unsichtbare“ Setup vor der ersten Sticksession: Garn + Stickvlies richtig wählen
Im Video wird Stickvlies erwähnt – machen wir es konkret: Stickvlies ist nicht optional, sondern das Fundament.
Goldene Regel: Der Stoff trägt das Projekt – das Stickvlies trägt die Stiche. Wenn du ein dichtes Motiv (20.000+ Stiche) mit zu schwacher Stabilisierung kombinierst, bekommst du „Puckering“: dauerhafte Wellen/Falten rund um die Stickerei.
Oft suchen Leute nach einer Einspannstation für Stickmaschinen, weil der Stoff „wandert“ – tatsächlich ist die Ursache häufig die falsche Vlies-Strategie.
Stickvlies-Entscheidungsbaum (speichern!)
- Frage 1: Dehnt sich der Stoff? (T-Shirts, Hoodies, Jersey/Strick)
- JA: Du brauchst Cutaway.
- Warum: Strick bewegt sich. Tearaway reißt weg und lässt die Stiche langfristig ohne Unterstützung – das Motiv verzieht.
- Frage 2: Ist es stabile Webware? (Denim, Canvas, Patchwork-Baumwolle)
- JA: Tearaway ist oft ausreichend.
- Warum: Der Stoff hält die Stiche nach dem Entfernen des Vlieses.
- Frage 3: Ist die Oberfläche flauschig/strukturiert? (Frottee, Samt, Fleece)
- JA: Oben wasserlösliches Topping + unten Stickvlies.
- Warum: Verhindert, dass Stiche im Flor „versinken“.
Einspann-Realität: Wo Einsteiger am meisten Zeit verlieren (und wie du es behebst)
Die Standard-Kunststoffrahmen arbeiten über Reibung: Innenring in Außenring drücken, Stoff wird geklemmt.
Typische Pain Points:
- Rahmenabdrücke: Reibung/ Druck hinterlässt glänzende Spuren oder Knicke (z. B. bei Samt oder Performance-Wear).
- Handgelenk-Belastung: Die Schraube so fest zu ziehen, dass es wirklich „trommelfest“ ist, ist körperlich anstrengend.
- Rutschen: Wenn nicht perfekt gespannt, zieht der Stoff nach innen – Passung/Ausrichtung leidet.
- Materialstärke: Dicke Teile (z. B. schwere Jacken oder Quilt-Sandwich) springen leichter wieder raus.
Upgrade-Pfad fürs Werkzeug: Wenn du in Serien gehst (z. B. 50 Poloshirts), bremst dich Standard-Einspannen aus. Hier steigen viele auf Magnetlösungen um.
Wenn du nach einem Magnetrahmen für bernette b79 suchst, geht es in der Praxis um Klemmkraft statt Reibung.
- Level 1 (Technik): „Floating“: nur das Stickvlies einspannen, Sprühzeitkleber, Kleidungsstück oben auflegen – reduziert Rahmenabdrücke.
- Level 2 (Tooling): Upgrade auf SEWTECH Magnetic Hoops.
- Nutzen: Klemmen über starke Magnete, keine Schraube, kein „Ring-in-Ring“-Kraftakt.
- Ergebnis: weniger Rahmenabdrücke, schnelleres Einspannen, und dicke Materialien lassen sich sicherer halten.
Viele suchen nach Magnetrahmen für bernina oder Magnetrahmen für bernina und meinen damit „passt das an mein System?“. Wichtig ist, die konkrete Anbindung/ Aufnahme für die Bernette-70-Serie zu prüfen, weil sie sich von der Bernina B-Serie unterscheiden kann. Begriffe wie Snap Hoop Magnetrahmen für bernina werden oft als Sammelbegriff für diesen Magnetrahmen-Stil verwendet. Achte außerdem auf die Größe – Suchanfragen wie Magnetrahmen Größen für bernina zeigen, dass das Stickfeld zur Motivgröße passen muss (z. B. 5x7 oder 6x10).
Warnung: Magnet-Sicherheit
Magnetrahmen nutzen Industrie-Magnete.
1. Quetschgefahr: Lass die beiden Rahmenteile nicht ohne Stoff dazwischen zusammenschlagen – Finger können stark eingeklemmt werden.
2. Elektronik: Abstand zu Herzschrittmachern, Kreditkarten und empfindlicher Elektronik/Displays halten.
3x Checklisten: Von Vorbereitung bis Produktion
Drück nicht auf „Start“, bevor diese Gates erfüllt sind.
1. Vorbereitung (Mechanik)
- Nadel-Check: Neu? Richtiger Typ (Kugelspitze vs. spitz)?
- Unterfaden: Greiferbereich fusselfrei? Unterfadenspule gleichmäßig gewickelt (nicht „schwammig“)?
- Fadenweg: Oberfaden korrekt eingefädelt, keine Hänger am Garnrollenhalter?
- Platz: Tisch frei? Hat der Stickrahmen nach hinten/seitlich vollen Bewegungsraum ohne Wandkontakt?
2. Setup (Digital)
- Hoop Detection: Passt die Anzeige am Screen zum montierten Stickrahmen?
- Motiv-Freigang: „Trace/Check Size“ gelaufen, damit die Nadel nicht in den Rahmen fährt?
- Stickvlies: Passender Typ zum Material (Cutaway bei Stretch)?
- Topping: Bei Frottee/Fleece: wasserlösliches Topping aufgelegt?
3. Betrieb (Sensorik)
- Geräusch: Gleichmäßiges Laufgeräusch ist gut. Ein „Klack-Klack“ deutet oft auf Kontakt/ verbogene Nadel hin.
- Vibration: Stickrahmen (weit weg von der Nadel) leicht berühren: leichte Vibration ok, „Hüpfen“ nicht.
- Unterseiten-Check: Etwa alle 10 Minuten Rückseite prüfen: In der Mitte der Satinsäulen sollten ca. 1/3 weißer Unterfaden sichtbar sein. Siehst du nur Oberfaden auf der Rückseite, ist die Oberfadenspannung zu locker. Zieht nur Weiß nach oben, ist sie zu stramm.
Software-Bundle in der Praxis: Bernina Creator Embroidery Software
Mit b70 DECO und b79 ist die Bernina Creator Software enthalten. Im Video wird ein Wert von ca. 1.199 USD genannt.
Praxis-Tipp: Software kann einschüchtern. Versuch nicht am ersten Tag, ein Foto zu digitalisieren. Starte mit Schriftzügen:
- Namen tippen.
- Vordigitalisierte Schrift wählen.
- Leicht bogenförmig setzen.
- Probestick.
Das ist ein großer Teil der realen Auftragsarbeit (Monogramme, Namen, Labels). Erst das sauber beherrschen, dann an komplexere Bearbeitungen gehen.
Schnelle Entscheidung: b77 vs b70 DECO vs b79
Nutze diese Zusammenfassung, um nach Workflow zu entscheiden – nicht nach Feature-Liste.
- b77 wählen, wenn: Du quiltest oder nähst Bekleidung, willst präzisen Transport (Dual Feed) und Platz (9" Durchlass) – und hast wirklich kein Interesse an computergestützter Stickerei.
- b70 DECO wählen, wenn: Du mit deiner vorhandenen Nähmaschine zufrieden bist, aber Logos, Monogramme und Patches professionell in den Workflow holen willst.
- b79 wählen, wenn: Du wenig Platz hast und trotzdem das volle Spektrum willst – vom Taschen-Nähen bis zum Stickmotiv auf der Tasche – auf einer robusten Plattform.
Wenn die Maschine steht, gilt: Profi-Ergebnisse sind keine Magie, sondern Physik. Richtiges Stickvlies, passende Nadel, sauberes Einspannen (und bei Bedarf Magnetrahmen für Effizienz) – plus die Checklisten. Viel Erfolg beim Nähen und Sticken.
FAQ
- Q: Welches Modell der Bernette 70 Serie sollte man für reines Nähen vs. reines Sticken vs. Combo-Arbeiten wählen (Bernette b77 vs b70 DECO vs b79)?
A: Entscheide nach dem Workflow, den du wirklich machst: Bernette b77 = nur Nähen, Bernette b70 DECO = nur Sticken, Bernette b79 = Nähen + Sticken in einem Gehäuse.- Entscheiden: Nimm die Bernette b79, wenn ein Projekt Konstruktion und Stickerei ohne Maschinenwechsel braucht.
- Entscheiden: Nimm die Bernette b70 DECO, wenn bereits eine bewährte Nähmaschine vorhanden ist und Stickerei „on top“ dazukommt.
- Entscheiden: Nimm die Bernette b77, wenn Stickerei wirklich nicht gebraucht wird und präziser Transport + Durchlass am wichtigsten sind.
- Erfolgskontrolle: Das gewählte Modell passt zum Tagesgeschäft (keine Überraschung wie „Ich kann keine Hose auf der Bernette b70 DECO säumen“).
- Wenn es trotzdem nicht passt… Prüfe Platzbedarf und ob paralleles Arbeiten (Nähen auf einer Maschine, Sticken auf einer zweiten) Priorität hat.
- Q: Welche sichere Nähgeschwindigkeit ist bei der Bernette b77 sinnvoll, wenn sich „1000 Stiche pro Minute“ auf feinem Stoff unkontrollierbar anfühlt?
A: Starte als Einsteiger mit ca. 600–700 SPM auf der Bernette b77, damit du Reaktionszeit hast und nicht gegen den Stoff arbeitest.- Einstellen: Speed-Regler vor dem Start reduzieren und erst erhöhen, wenn das Stichbild stabil ist.
- Unterstützen: Stoff flach führen (9" Durchlass nutzen) und darauf achten, dass nichts vom Tisch herunterzieht.
- Hören: Stoppen, wenn das Geräusch in ein hohes, angestrengtes Jaulen kippt, und den Stoff neu positionieren.
- Erfolgskontrolle: Die Bernette b77 läuft gleichmäßig ruhig, und der Stoff wird ohne Stauchen/Ziehen transportiert.
- Wenn es trotzdem nicht klappt… Noch weiter reduzieren und prüfen, ob der Stoff am Maschinenarm oder an der Tischkante bremst.
- Q: Wann sollte Dual Feed bei der Bernette b77 oder Bernette b79 aktiviert werden, um das Problem „obere Lage am Ende länger“ zu verhindern?
A: Aktiviere Dual Feed bei der Bernette b77/Bernette b79, wenn Lagen gegeneinander rutschen – besonders beim Quilten, bei Karos/ Streifen und bei rutschigen Synthetics – und deaktiviere es, wenn zusätzliche Traktion stört.- Aktivieren: Dual Feed bei Quilt-Lagen, Karos/Streifen, Rayon/Seide/Futterstoffen.
- Deaktivieren: Dual Feed aus, wenn dichte Zierstiche verziehen oder bei Freihand-Techniken (Transporteur versenkt).
- Vergleichen: Wenn eine Naht wiederholt damit endet, dass die obere Lage ca. 1/2 inch länger ist, zuerst Traktion als Ursache behandeln.
- Erfolgskontrolle: Beide Lagen enden gleich lang, und die Ausrichtung bleibt von Anfang bis Ende stabil.
- Wenn es trotzdem nicht klappt… Stoffführung prüfen und das Projekt so abstützen, dass es nicht hängt und während des Nähens zieht.
- Q: Welche „Day 1“-Verbrauchsmaterialien braucht man, um mit der Bernette b70 DECO oder Bernette b79 direkt sticken zu können (zusätzlich zum Lieferumfang)?
A: Plane Stick-Verbrauchsmaterialien sofort ein – die Stickrahmen der Bernette b70 DECO/Bernette b79 allein reichen nicht, um sauber zu starten.- Verwenden: 40 wt Polyester-Stickgarn (kein normales Nähgarn fürs Sticken).
- Ergänzen: 60 wt oder 90 wt Unterfaden für eine dünnere, sauberere Rückseite.
- Vorbereiten: Applikationsschere mit gebogener Spitze zum Schneiden von Sprungstichen.
- Bevorraten: 75/11 Sticknadeln (Kugelspitze für Strick, spitz für Webware).
- Erfolgskontrolle: Der erste Probestick läuft ohne ständige Fadenrisse, und die Rückseite wirkt kontrolliert statt „klobig“.
- Wenn es trotzdem nicht klappt… Nadeltyp (Kugel vs. spitz) prüfen und sicherstellen, dass die Unterfadenspule gleichmäßig gewickelt ist (nicht schwammig).
- Q: Wie wählen Nutzer von Bernette b70 DECO und Bernette b79 das richtige Stickvlies, um Puckering bei Strick, Webware und Handtüchern zu vermeiden?
A: Passe das Stickvlies an das Materialverhalten an: Cutaway bei Stretch, Tearaway bei stabiler Webware und wasserlösliches Topping bei strukturierten Stoffen (plus Vlies unten).- Wählen: Cutaway für T-Shirts, Hoodies und alle Strick-/Stretchstoffe.
- Wählen: Tearaway für stabile Webware wie Denim, Canvas und Patchwork-Baumwolle.
- Ergänzen: Wasserlösliches Topping oben bei Frottee, Samt, Fleece (plus Stickvlies darunter).
- Erfolgskontrolle: Nach dem Sticken liegt der Stoff flach, ohne dauerhafte Wellen/Falten („Puckering“) um das Motiv.
- Wenn es trotzdem nicht klappt… Motiv als zu dicht für die aktuelle Stabilisierung behandeln und zuerst die Vlies-Strategie verbessern, bevor du an Maschineneinstellungen drehst.
- Q: Wie prüfen Nutzer von Bernette b70 DECO und Bernette b79 die Stickspannung korrekt mit der „1/3 Unterfaden“-Regel?
A: Nutze die Rückseitenkontrolle: Bei der Bernette b70 DECO/Bernette b79 sollten in Satinsäulen etwa 1/3 weißer Unterfaden mittig sichtbar sein – nicht nur Oberfaden und nicht nur Unterfaden.- Pausieren: Etwa alle ~10 Minuten anhalten und die Rückseite visuell prüfen.
- Erkennen: Wenn auf der Rückseite nur Oberfaden zu sehen ist, ist die Oberfadenspannung zu locker.
- Erkennen: Wenn weißer Unterfaden nach oben gezogen wird, ist die Oberfadenspannung zu stramm.
- Erfolgskontrolle: Auf der Rückseite ist eine ausgewogene Säule zu sehen, mit ca. 1/3 Unterfaden in der Mitte.
- Wenn es trotzdem nicht klappt… Einfädelweg und Unterfaden prüfen (Fussel entfernen, Spule gleichmäßig), bevor du weiter „Spannung jagst“.
- Q: Wie verhindern Nutzer von Bernette b70 DECO und Bernette b79 Nadel-zu-Rahmen-Kollisionen mit Rahmenerkennung und der Funktion „Trace/Check Size“?
A: Nutze Rahmenerkennung plus „Trace/Check Size“ am Screen konsequent, um teure Nadelcrashs in den Stickrahmen zu vermeiden.- Bestätigen: Prüfen, ob die Rahmengröße am Bildschirm zum montierten Stickrahmen passt.
- Ausführen: „Trace/Check Size“ starten und den Umrisslauf vor dem Sticken beobachten.
- Inspizieren: Sicherstellen, dass dicke Nähte nicht klemmen und über den gesamten Bewegungsbereich Freigang besteht.
- Erfolgskontrolle: Der Trace-Lauf bleibt überall frei, ohne Kontakt oder Beinahe-Kontakt zum Kunststoff.
- Wenn es trotzdem nicht klappt… Sofort stoppen und Motivgröße/Position anpassen, statt den Sticklauf zu erzwingen.
- Q: Welche Sicherheitsmaßnahmen sollten Nutzer von Bernette b77 und Bernette b79 beim programmierbaren Fußpedal „Back Kick“ oder dem Kniehebel beachten – besonders bei hoher Geschwindigkeit?
A: Halte die Finger mindestens 1 inch vom Nähfuß-/Nadelbereich entfernt, wenn du bei Bernette b77/Bernette b79 Back Kick oder Kniehebel nutzt, weil die Bewegung sofort erfolgt und Nadeln schneller sind als menschliche Reaktion.- Positionieren: Hände aus der Nadelzone nehmen, bevor Back Kick oder Kniehebel ausgelöst wird.
- Kontrollieren: Für Ecken Nadel-unten-Pivot nutzen, aber Fingerspitzen konsequent frei halten.
- Verlangsamen: Beim Erlernen die Geschwindigkeit reduzieren, damit unerwartete Bewegung beherrschbar bleibt.
- Erfolgskontrolle: Back-Kick-Aktionen (Nadel hoch/runter oder Fadenschneiden) passieren ohne dass die Hände in die Nadelzone geraten.
- Wenn es trotzdem nicht klappt… Back Kick vorübergehend nicht nutzen und Funktionen über Screen/Tasten bedienen, bis die Bewegung sicher sitzt.
